Integration der Kostenträgerrechnung 
Die Integration der Anwendungskomponente Kostenträgerrechnung reicht von Verknüpfungen zum externen Rechnungswesen und zu anderen Controlling-Komponenten zu Verbindungen zu logistischen Anwendungskomponenten wie der Produktionsplanung (PP) oder der Materialwirtschaft (MM). Dieses Kapitel soll Ihnen helfen, die Einbettung der Kostenträgerrechnung in das System R/3 zu verstehen. Die Integration wird am Beispiel eines produzierenden Unternehmens betrachtet.
Die Kostenträgerrechnung erhält einerseits eine Vielzahl ihrer Informationen aus anderen Anwendungskomponenten, sie gibt aber auch viele Daten an andere Anwendungskomponenten weiter.
Kostenträgerrechnung - Eingehende Daten

Direkte Kosten sind Kosten, die einem Kostenträger direkt zugeordnet werden können. Sie werden unter primären Kostenarten fortgeschrieben. Dies bedeutet, daß zu diesen Kostenarten entsprechende Aufwandskonten in der Finanzbuchhaltung vorhanden sind. Eine Aufwandsbuchung führt demnach zum Entstehen von Kosten, die einem Kostenträger direkt zugeordnet werden können. So kann beispielsweise eine externe Leistung, die ein Lieferant für uns erbringt, einen Kostenträger direkt belasten. Dazu muß die Eingangsrechnung auf den Kostenträger kontiert sein. Wird die Eingangsrechnung in der Finanzbuchhaltung (FI) erfaßt, so wird der Kostenträger sogleich mit Kosten belastet.
Direkte Kosten sind beispielsweise auch Materialeinzelkosten. Wird ein Rohstoff oder ein Halbfabrikat vom Lager entnommen, um für die Herstellung eines Fertigerzeugnisses verwendet zu werden, so führt dies ebenfalls zu einer Aufwandsbuchung in der Finanzbuchhaltung. Die relevanten Aufwandskonten sind die Konten „Verbrauch Rohstoffe" oder „Bestandsveränderung Halbfabrikate".
Materialentnahmen, sogenannte Warenausgänge, buchen Sie in der Anwendungskomponente Materialwirtschaft (MM). Diese Warenbewegung im MM stößt eine Buchung im FI an. Für Rohstoffe lautet der Buchungssatz "Verbrauch Rohstoffe an Rohstoffe". Für Halbfabrikate lautet der Buchungssatz "Bestandsveränderung Halbfabrikate an Bestand Halbfabrikate". Der Kostenträger wird mit den Materialeinzelkosten in Höhe des im FI gebuchten Aufwandes belastet.
Indirekte Kosten sind Kosten, die einem Kostenträger nicht direkt zugeordnet werden können. Dies können beispielsweise Energiekosten einer Maschine sein, an der unterschiedliche Produkte hergestellt werden. Solche indirekten Kosten werden in der Regel zunächst aus der Finanzbuchhaltung an Kostenstellen weitergeleitet (siehe auch: Kostenstellenrechnung).
Kostenstellen sind Bereiche, die bestimmte Leistungen erbringen und an andere Kostenstellen oder an Kostenträger abgeben. Die abgegebenen Leistungen werden bewertet und unter sekundären Kostenarten fortgeschrieben. Sekundäre Kostenarten sind solche Kostenarten, die kein entsprechendes Aufwandskonto in der Finanzbuchhaltung haben. Sekundäre Kosten sind demnach bewertete Verbräuche innerbetrieblicher – d.h. selbst erbrachter und nicht vom externen Markt bezogener – Leistungen.
Indirekte Kosten werden auch Gemeinkosten genannt. Dabei wird zwischen echten Gemeinkosten und unechten Gemeinkosten unterschieden. Echte Gemeinkosten sind solche Kosten, die einem Kostenträger nicht direkt zugeordnet werden können. Unechte Gemeinkosten hingegen können einem Kostenträger direkt zugeordnet werden, jedoch stünde der Aufwand der Zuordnung nicht im Verhältnis zu dem Nutzen, den diese direkte Zuordnung erbrächte. Deshalb werden oft auch unechte Gemeinkosten über das Gemeinkosten-Controlling an die Kostenträger weitergeleitet.
Zuweilen werden auch Einzelkosten über Kostenstellen an die Kostenträger weitergeleitet. Geschieht dies, so soll dadurch der Kostenanfall an den Kostenstellen kontrolliert werden. Auch die Fertigungseinzelkosten (d.h. die Fertigungslöhne) werden über die Kostenstellen an die Kostenträger weitergeleitet.
Die von einer Kostenstelle erbrachte Leistung kann sich aus verschiedenen Bestandteilen zusammensetzen. So kann beispielsweise die Inanspruchnahme von einer Stunde der Leistungsart „Lackieren" aus dem Fertigungslohn eines Lackierers sowie dem Maschinenstundensatz der Lackiermaschine zusammengesetzt sein. Der Wert einer Leistungseinheit einer Leistungsart wird Tarif genannt. Ein Tarif kann sowohl fixe (beschäftigungsunabhängige) als auch variable (beschäftigungsabhängige) Kostenbestandteile enthalten.
Gemeinkosten können im System R/3 an den Kostenträger weitergeleitet werden
Bei der innerbetrieblichen Leistungsverrechnung wird die Kostenstelle entlastet und der Kostenträger belastet. Innerbetriebliche Leistungsverrechnungen können Sie im System R/3 manuell anstoßen, indem Sie sie im Menü der Kostenstellenrechnung oder der Kostenträgerrechnung ausführen. Sie können aber innerbetriebliche Leistungsverrechnungen auch durch andere betriebswirtschaftliche Vorgänge anstoßen. Dies bedeutet, daß das System bei der Rückmeldung in der Produktionsplanung (PP) automatisch eine innerbetriebliche Leistungsverrechnung ausführt.
Sie können die Rückmeldung im PP zusätzlich mit einer Warenbewegung im MM verknüpfen. Dies bedeutet, daß das System bei der Rückmeldung im PP zusätzlich zur innerbetrieblichen Leistungsverrechnung auch beispielsweise einen Warenausgang im MM anstoßen kann. Bei der Rückmeldung im PP wird somit neben der Leistungsverrechnung in der Kostenstellenrechnung (CO-OM-CCA) auch die Buchung im FI angestoßen. In der Serienfertigung können Sie die Leistungsverrechung auch durch die Wareneingangsbuchung anstoßen.
Bei der Zuschlagsberechnung im Ist wird die Kostenstelle entlastet und der Kostenträger belastet. Die Zuschlagsberechnung führen Sie im Periodenabschluß der Kostenträgerrechnung durch. Sie können Prozesse manuell verrechnen oder eine automatische Prozeßverrechnung vornehmen. Prozesse selbst können mit primären und sekundären Kosten belastet werden.
Bei der Verrechnung von Prozeßkosten wird der Prozeß entlastet und der Kostenträger belastet. Die automatische Prozeßverrechnung wird durch die Template-Verrechnung angestoßen und im Periodenabschluß der Kostenträgerrechnung durchgeführt. Mit der Template-Verrechnung können Sie auch Leistungsarten verrechnen. Dabei wird die Kostenstelle entlastet und der Kostenträger belastet. Auch durch Umbuchungen können Kostenträger belastet werden.

siehe auch:
Template
Prozeßkostenrechnung
Primäre und sekundäre Kosten werden auf dem Kostenträger unter ihrer Kostenart und auf Wunsch auch ihrer gemäß Herkunft (z.B. Nummer und Werk des verbrauchten Materials) fortgeschrieben. Sie können die Kosten auf dem Kostenträger jederzeit anzeigen und analysieren.

Auch in der Planung kann das System R/3 auf diese Daten zugreifen. Auftragsneutrale Kalkulationen auf Materialebene werden in der Anwendungskomponente
Produktkostenplanung durchgeführt. Vorkalkulationen zu Kostenträgern werden in der Anwendungskomponente Kostenträgerrechnung durchgeführt (siehe auch:
Kostenträgerrechnung im Zeitablauf: Szenario).
Kostenträgerrechnung - Ausgehende Daten

* nur im Kundenauftrags-Controlling möglich
Die Kostenträgerrechnung liefert auch Daten für nachfolgende Anwendungskomponenten.
Auch hierbei können Funktionen anderer Anwendungskomponenten dazu führen, daß Daten in der Kostenträgerrechnung und in anderen Anwendungskomponenten fortgeschrieben werden. Wird zum Beispiel ein gerade hergestelltes Fertigerzeugnis an das Lager gelegt, so führen Sie dazu einen Wareneingang im MM durch. Dieser Wareneingang stößt eine Buchung im FI an (Bestand Fertigerzeugnisse an Bestandsveränderung). Dabei wird der Kostenträger entlastet; im FI findet eine Bestandsmehrung statt. Sie können diesen Wareneingang auch automatisiert im Zuge einer Rückmeldung im PP ausführen.

Halbfabrikate und Fertigerzeugnisse sollten im System R/3 mit dem Standardpreis bewertet werden (siehe auch:
Der Bestandswert ergibt sich somit aus der am Lager befindlichen Menge multipliziert mit dem Standardpreis.
Der Standardpreis wird in der Regel durch eine Plankalkulation zum Material ermittelt, die Sie in der Anwendungskomponente Produktkostenplanung erstellen.
Durch Zeitaspekte kann es vorkommen, daß für ein zu produzierendes Material bereits Kosten entstanden sind, aber noch kein Material oder noch nicht die gesamte Planmenge produziert wurde. Dies bedeutet, daß im FI ein Aufwand entstanden ist, der das Ergebnis mindert, obwohl dieser Aufwand im Wertschöpfungsprozeß eingebunden ist. Um diese ungerechtfertigte Minderung des Ergebnisses zu korrigieren, kann im Periodenabschluß der Kostenträgerrechnung der Wert unfertiger Erzeugnisse (
Ware in Arbeit; WIP; Work in Process) ermittelt und an das FI abgerechnet werden. Mit der Abrechnung erfolgt im FI die Buchung „Bestand Ware in Arbeit an Bestandsveränderung Ware in Arbeit". Da das Ergebnis der Profit-Center-Rechnung (EC-PCA) in der Regel nach dem Gesamtkostenverfahren (GKV) ermittelt wird, kann die Ware in Arbeit auch an das EC-PCA weitergeleitet werden.Es können auch Rückstellungen (z.B. Rückstellungen für fehlende Kosten) an das FI und das EC-PCA abgerechnet werden.
Siehe auch:
Ware in Arbeit im Periodischen Produkt-Controlling Ware in Arbeit im Auftragsbez. Produkt-Controlling Abrechnung im Produkt-Controlling Profit-Center-RechnungEbenfalls werden die Differenzen des Kostenträgers, die sich aus Belastung (Buchen von Istkosten) und Entlastung (Lieferung von Fertigerzeugnissen an das Lager) ergeben, an das FI weitergeleitet. Durch die Abrechnung stellen Sie sicher, daß im FI die Istkosten (und nicht nur die Standardkosten) ausgewiesen werden. Die Preisdifferenz kann mit der Abrechnung auch an das EC-PCA und an die Istkalkulation/Material-Ledger weitergeleitet werden. Des weiteren wird dieser Betrag - i.d.R. nach Abweichungskategorien gesplittet - an die Ergebnis- und Marktsegmentrechnung (CO-PA) abgerechnet.
Siehe auch:
Abweichungsermittlung
Beachten Sie, daß nicht allen Kosten, die Sie in der Kostenrechnung erfassen, in der Finanzbuchhaltung ein Aufwand gleicher Höhe gegenübersteht. In der Kostenrechnung werden oftmals auch sogenannte kalkulatorische Kosten ausgewiesen. Dies sind Kosten, denen
Kosten, die in der Höhe dem in der Finanzbuchhaltung gebuchten Aufwand entsprechen, werden Grundkosten genannt.
Kalkulatorische Kosten sind oftmals ein Grund dafür, daß die durch das Produktkosten-Controlling ermittelten Bestandswerte nicht zur bilanziellen Bewertung in der Jahresabschlußbilanz herangezogen werden.
Siehe auch: Informationen zur bilanziellen Bewertung (Bewertung von Materialbeständen in der Handelsbilanz und in der Steuerbilanz) finden Sie unter
Inventurkalkulation.
In der Ergebnis- und Marktsegementrechnung (CO-PA) kann die Kosten- und Erlössituation je Marktsegment (z.B. eine bestimmte Produktgruppe über einen bestimmten Vertriebsweg in einer bestimmten Region) analysiert werden. Die Erlöse und die Standardherstellkosten des Umsatzes werden– in der anonymen Lagerfertigung, in der Kundenauftragsfertigung mit bewertetem Kundenauftragsbestand und in der Projektfertigung mit bewertetem Projektbestand - bei der Fakturierung an den Kunden an das CO-PA weitergeleitet. Die Standardherstellkosten des Umsatzes werden in der Anwendungskomponente Produktkosten-Controlling ermittelt. Im CO-PA kann die Kostenschichtung (Elementeanzeige) der Standardkosten angezeigt werden. Ziel des CO-PA ist es, eine Deckungsbeitragsrechnung zu erstellen. Dabei sollen nun nicht nur die Standardkosten den Erlösen gegenübergestellt werden. Deshalb rechnen Sie die Abweichungen auch an das CO-PA ab. Mit der Abrechnung der Kostenträger können Sie die Abweichungen nach Abweichungskategorien gegliedert an Wertfelder des CO-PA weiterleiten. Im Kundenauftrags-Controlling können Sie zusätzlich Abgrenzungsdaten ermitteln, die an das CO-PA abgerechnet werden können.
Siehe auch:
Informationen zum bewerteten Kundenauftragsbestand finden Sie im Abschnitt
Bewerteter Kundenauftragsbestand.Informationen zur Ermittlung von Abgrenzungsdaten (z.B. Rückstellungen), die an das CO-PA weitergeleitet werden können, finden sie im Abschnitt
Ergebnisermittlung.Informationen zur Projektfertigung finden Sie in der Dokumentation Projektsystem.
Informationen zu den Einschränkungen des unbewerteten Kundenauftragsbestandes finden Sie im Abschnitt
Besonderheit: Unbewerteter Kundenauftragsbestand.Wenn Sie Ihre Materialbestände unterjährig nicht zu Standardkosten bewerten möchten oder Ihr Gesetzgeber dies nicht erlaubt, so können Sie die Istkosten in die Bewertung der Bestände einfließen lassen, indem Sie die Anwendungskomponente
Istkalkulation/Material-Ledger (CO-PC-ACT) aktivieren. In diesem Falle werden die Preisdifferenzen auch an das CO-PC-ACT abgerechnet und bilden dort die Grundlage für die Ermittlung des periodischen Verrechnungspreises.
Siehe auch:
Stammdaten des CO in der Kostenträgerrechnung Stammdaten des PP im Produktkosten-Controlling Überprüfung PP-Stammdaten hinsichtlich Kalkulation Stammdaten des PP-PI im Produktkosten-Controlling Istbuchungen in der Kostenträgerrechnung