Verwendung
Das System ordnet jede Abweichung einer Abweichungskategorie zu. Die Abweichungskategorie gibt die Ursache der Abweichung (z.B. Preisänderung, Losgrößenabweichung) an. Abweichungen werden gegliedert nach Abweichungskategorien fortgeschrieben.
Integration
Die mit der Sollversion 0 ermittelten Abweichungen können nach Abweichungskategorien gegliedert an die Ergebnisrechnung (CO-PA) abgerechnet werden.
Voraussetzungen
Sie hinterlegen im Customizing des Periodischen Produkt-Controlling oder des Auftragsbezogenen Produkt-Controlling unter Periodenabschluß ® Abweichungsermittlung ®
Abweichungsvarianten überprüfen, welche Abweichungskategorien das System ermitteln soll.Sie hinterlegen im Customizing des Periodischen Produkt-Controlling oder des Auftragsbezogenen Produkt-Controlling unter Periodenabschluß ® Abweichungsermittlung ®
Abweichungsschlüssel definieren, ob das System Ausschußabweichungen ermitteln soll.
Funktionsumfang
Unterschieden wird zwischen Abweichungskategorien der Einsatzseite und Abweichungskategorien der Verrechnungsseite.
Welche Abweichungskategorien bei der Abweichungsermittlung berücksichtigt werden, steuern Sie über die Abweichungsvariante.
Abweichungen der Einsatzseite |
Abweichungen der Verrechnungsseite |
Einsatzpreisabweichung |
Mischpreisabweichung |
Strukturabweichung |
Verrechnungspreisabweichung |
Einsatzmengenabweichung |
Losgrößenabweichung |
Einsatzrestabweichung |
Restabweichung |
Ausschußabweichung |
Sie können in der Abweichungsermittlung die Formeln zur Berechnung der Abweichungskategorien anzeigen.
Abweichungen der Einsatzseite
Abweichungen der Einsatzseite sind Abweichungen, die aufgrund von Materialentnahmen, innerbetriebliche Leistungsverrechnungen, Gemeinkostenzuschlägen und Sachkontenbuchungen entstanden sind. Diese Abweichungen werden entsprechend ihrer Ursache den folgenden Abweichungskategorien zugeordnet:
Einsatzpreisabweichungen sind auf Unterschiede zwischen den geplanten Preisen und den tatsächlichen Preisen der Verbrauchsgüter zurückzuführen.
Das System kann Einsatzpreisabweichungen nur ermitteln, wenn neben den Kosten im Plan und im Ist auch Mengen angegeben wurden. Dafür müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:
Allen Einsatzmaterialien müssen homogene Mengeneinheiten zugeordnet sein, d.h. die Kosten für Materialien können nur dann unter einer Kostenart summiert werden, wenn Sie unter der gleichen Mengeneinheit geführt werden.
Haben Sie im Customizing primäre Einsatzpreisabweichungen definiert, so werden prozentuale Einsatzpreisabweichungen vorgangsbezogen berechnet und gebucht. Starten Sie die Abweichungsermittlung am Periodenende, so werden diese Daten zurückgenommen und die Einsatzpreisabweichungen errechnet, indem die Differenz aus dem Planpreis und dem Istpreis mit der Istmenge multipliziert wird. Sind die Istmengen unvollständig oder nicht vorhanden, so werden die prozentualen Einsatzpreisabweichungen ausgewiesen.
Strukturabweichungen sind auf unterschiedliche Verwendung von Verbrauchsgütern im Plan und im Ist zurückzuführen.
Das System ermittelt Strukturabweichungen, wenn
Wenn Sie Einsatzmengenabweichungen und Einsatzpreisabweichungen ausweisen möchten, dann

Die Abweichungsermittlung prüft nicht, ob das Kennzeichen Menge führen gesetzt ist. Es ist aber Voraussetzung für den Ausweise von Mengenabweichungen, daß Mengen geführt werden. Ist das Kennzeichen Menge führen gesetzt, so wird bei Verbrauchsbuchungen eine Warnmeldung ausgegeben, wenn Sie keine Menge angegeben haben.
Sind die oben genannten Voraussetzungen nicht erfüllt, so werden die Abweichungen als Einsatzrestabweichungen ausgewiesen.
Auf der Einsatzseite werden Abweichungen pro Kostenart festgestellt. Kann das System eine Abweichung der Einsatzseite keiner der vorgenannten Abweichungskategorien zuordnen, so ordnet es der Kategorie Einsatzrestabweichungen zu. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn Kosten ohne Mengen erfaßt wurden oder wenn Änderungen zu den Gemeinkostenzuschlägen festgestellt wurden.
Die Ausschußabweichungen sind auf die Differenz aus dem im Arbeitsplan geplanten
Vorgangsausschuß und dem im Ist rückgemeldeten Vorgangsausschuß zurückzuführen. Das System weist die Differenz aus geplanter Ausschußmenge und Istausschußmenge als ungeplante Ausschußmenge aus. Die ungeplante Ausschußmenge wird gemäß der im Customizing des Periodischen Produkt-Controlling oder des Auftragsbezogenen Produkt-Controlling unter Periodenabschluß ® Abweichungsermittlung hinterlegten Bewertungsvariante für Ware in Arbeit und Ausschuß bewertet.
Wenn Sie die Ausschußermittlung oder die Ausschußanzeige nicht aktiviert haben, dann werden die Ausschußabweichungen den einzelnen Abweichungskategorien der Einsatzseite zugeordnet.
Ausführliche Informationen zu Ausschußabweichungen finden Sie im Abschnitt
Ausschußabweichungen.Abweichungen der Verrechnungsseite
Abweichungen der Verrechnungsseite weist das System bei folgenden
Arten von Abweichungen aus:Abweichungen der Verrechnungsseite sind Abweichungen, die aufgrund einer Über/Unterlieferung der geplanten Auftragsmenge oder einer unterschiedlichen Bewertung der gelieferten Menge entstanden sind.
Mischpreisabweichungen entstehen, wenn das System die Bestände auf Basis einer Mischkalkulation zum Material bewertet. Die Mischpreisabweichung ist auf die Differenz aus der Sollentlastung (Istmenge * Standardkosten der Beschaffungsalternative), die über die Abweichungsermittlung festgestellt wird, und der Istentlastung, die zum Zeitpunkt des Wareneingangs gebucht wurde (Istmenge * Standardpreis) zurückzuführen, wobei der Standardpreis dem Mischpreis entspricht.
Haben Sie das Feld Mischpreisabweichung in der Abweichungsvariante nicht aktiviert, so werden die Mischpreisabweichungen als Verrechnungspreisabweichungen ausgewiesen.
Verrechnungspreisabweichungen entstehen
Die Verrechnungspreisabweichung ist auf die Differenz aus der Sollentlastung (z.B. Istmenge * Standardpreis), die über die Abweichungsermittlung festgestellt wird, und der Istentlastung, die zum Zeitpunkt des Wareneingangs gebucht wurde (z.B. Istmenge * gleitender Durchschnittspreis), zurückzuführen.
Zu welchem Wert Sie bei V-Preis-Steuerung an das Lager abliefern, hinterlegen Sie im Customizing des Periodischen Produkt-Controlling oder des Auftragsbezogenen Produkt-Controlling unter Zugangsbewertung für Auftragsablieferung festlegen.
Die Losgrößenabweichung ist die Differenz aus den losfixen Plankosten und den losfixen Istkosten, die aufgrund der Ablieferung der Auftragsmenge an das Lager weitergeleitet wurden. Sie ergeben sich dadurch, daß ein Teil der Gesamtkosten für ein Material sich bei Änderung der Herstellmenge nicht verändert.
Losgrößenabweichungen werden über folgende Formel errechnet:
Losgrößenabweichung = losfixe Sollkosten * (1 - Kontrollmenge/Planmenge)
Losgrößenabweichungen werden nur ermittelt, wenn sich die Planmenge von der Istmenge (d.h. der abgelieferten Menge) unterscheidet.
Differenzen aus den Sollkosten und den verrechneten Istkosten, die keiner anderen Abweichungskategorie zugeordnet werden können. Dies sind zum Beispiel Rundungsdifferenzen.
Auch Gemeinkostenzuschläge auf losfixe Kosten werden in der Restabweichung ausgewiesen.
Restabweichungen werden auch ausgewiesen
Wenn Sie eine Abweichungskategorie nicht auswählen, werden die entsprechenden Abweichungen den Restabweichungen zugeordnet. Eine Ausnahme dazu bilden die Ausschußabweichungen. Ausschußabweichungen, die nicht als solche ausgewiesen werden, können in jede andere Abweichungskategorie der Einsatzseite einfließen.
Beispiele
Beispiele für Abweichungskategorien der Einsatzseite
Rohstoff-1 geht in die Plankalkulation mit einem Wert von DM 10 ein (laut Bewertungsstrategie wird der Standardpreis selektiert). Bei der Materialentnahme gibt das Preissteuerungskennzeichen an, daß die Warenbewegung mit dem gleitenden Durchschnittspreis bewertet wird. Der gleitende Durchschnittspreis für Rohstoff-1 zum Zeitpunkt der Entnahme beträgt DM 11. Eine Einsatzpreisabweichung von DM 1 wird ausgewiesen.
Beispiel 1:
Weil Rohstoff-1 nicht verfügbar war, wurde der Rohstoff-2 eingesetzt. Der erste Rohstoff ist der Kostenart 400000 zugeordnet, während der zweite Rohstoff der Kostenart 412000 zugeordnet ist. Sowohl die Kosten für Rohstoff-1 als auch die Kosten für Rohstoff-2 werden als Strukturabweichungen ausgewiesen. Wenn man den Auftrag insgesamt betrachtet, dann saldieren sich die Beträge zu einer Strukturabweichung.
Beispiel 2:
Sie arbeiten mit getrennter Bewertung. Die Bewertungsart im Ist verweist auf ein anderes Konto als der Summensatz, der zur Plankalkulation herangezogen wird. Da unterschiedliche Konten und somit auch unterschiedliche Kostenarten gefunden werden, weist das System eine Strukturabweichung aus.
Eine Maschinenzeit von 15 Minuten wurde geplant. 17 Minuten wurden rückgemeldet. Die Maschinenzeit wird mit einem Tarif von DM 5 pro Minute bewertet. Eine Einsatzmengenabweichung von DM 10 wird ausgewiesen.
Beispiel:
Aufgrund einer Änderung zum Materialpreis für Rohstoff-1 sind die Materialgemeinkosten höher als geplant. Die Differenz aus den geplanten Materialgemeinkosten und den Materialgemeinkosten im Ist wird als Einsatzrestabweichung ausgewiesen.
siehe auch:
Beispiel für die Zuordnung von Kosten auf der Einsatzseite:
Für Rohstoff-1 wurden Kosten von DM 10 pro Stück geplant. Die Istkosten für Rohstoff-1 betragen DM 11. Der Planverbrauch für Rohstoff-1 war 10 Stück, während der Istverbrauch 11 Stück beträgt. Die Plankosten betragen DM 100. Die Istkosten betragen DM 121. In beiden Fällen beträgt die Auftragsmenge 10 Stück. Die Differenz beinhaltet sowohl eine Einsatzpreisabweichung als auch eine Einsatzmengenabweichung.
Die Einsatzpreisabweichung beträgt DM 10, die Einsatzmengenabweichung beträgt DM 10 und DM 1 könnte sowohl als Einsatzpreisabweichung als auch als Einsatzmengenabweichung betrachtet werden.
Weil die Einsatzpreisabweichungen als erstes ermittelt werden, ordnet das System die DM 1 der Kategorie Einsatzpreisabweichung zu und errechnet eine Einsatzpreisabweichung von DM 11 und eine Einsatzmengenabweichung von DM 10.
Beispiele für Abweichungskategorien der Verrechnungsseite
Zu einem Material A bestehen mehrere Beschaffungsalternativen. Die Beschaffungsalternativen stehen in einem Mischverhältnis zueinander. Auf Basis dieses Mischverhältnisses wird eine Mischkalkulation erstellt. Durch die Mischkalkulation wird ein Mischpreis ermittelt. Der Mischpreis entspricht dem Standardpreis des Materials.
Der Mischpreis errechnet sich wie folgt:
DM 100 * 5 = DM 500
DM 110 * 3 = DM 330
DM 120 * 2 = DM 240
DM DM 1.070
DM 1.070: 10 = DM 107
Der Mischpreis beträgt DM 107.
Sie legen einen Fertigungsauftrag zu der Beschaffungsalternative an, die im Mischverhältnis mit 30% berücksichtigt ist.
Fertigungsauftrag Nr. 4711 zum Material A |
Planmenge 10 Stück |
Istmenge 10 Stück |
Istkosten (Belastung) DM 1150 |
Entlastung durch Wareneingang DM 1.070 |
Saldo DM 80 |
Die Abweichungsermittlung führt folgende Berechnung durch:
Die Gesamtabweichung entspricht der Differenz aus Belastung und Entlastung. Sie beträgt DM 80. Diese Gesamtabweichung soll mit der Abweichungsermittlung (Sollversion 0) erklärt werden. Bei der Abweichungsermittlung werden Sollkosten und Kontrollkosten einander gegenübergestellt:
Sollkosten = Istmenge (Gutstückmenge) * Standardkosten der Beschaffungsalternative
daraus folgt:
Sollkosten = 10 * 110 DM = DM 1.100
Siehe auch:
Fertigungsprozeß
Stellt man die Sollkosten den dem Auftrag belasteten Istkosten gegenüber, so erhält man eine Abweichung in Höhe von DM 50. Diese Differenz entspricht den Abweichungen, die nicht Mischpreisabweichungen sind.
Stellt man die Sollkosten den verrechneten Istkosten gegenüber, so erhält man eine Abweichung in Höhe von DM 30. Diese Differenz aus Sollkosten und Entlastung des Auftrages ist die Mischpreisabweichung. Sie resultiert daraus, daß die Standardkosten der Beschaffungsalternative, zu der ein Auftrag angelegt wurde, nicht dem Standardpreis entsprechen.
gebuchte Istkosten (Belastung) |
verrechnete Istkosten (Wareneingang) |
Soll-kosten |
zu |
Abweichungen der Einsatzseite |
Mischpreis-abweichung |
1.150 |
1.070 |
1.100 |
1.150 |
50 |
30 |
Die Summe aus den Abweichungen der Einsatzseite und der Mischpreisabweichung erklärt den Saldo des Auftrages, der sich aus der Differenz aus Belastung und Entlastung ergibt.
Sie haben auf Basis einer Plankalkulation zum Material einen Standardpreis von DM 75 ermittelt. Das System liefert für Fertigungsauftrag 4711 10 Stück an das Lager und bewertet diese mit dem Standardpreis. Sie lassen eine neue Plankalkulation zum Material laufen, merken die Plankalkulation vor und geben sie frei. Der neue Standardpreis beträgt DM 100. Das System errechnet Sollkosten in Höhe von DM 1.000. Die Verrechnungspreisabweichung beträgt DM 250.
Die Rüstzeit und die Abrüstzeit für einen Vorgang bleiben gleich, unabhängig davon wie oft der Vorgang wiederholt wird.
Ist beispielsweise die Auftragsmenge kleiner als die Kalkulationslosgröße, so sind die Rüstkosten und die Abrüstkosten bezogen auf eine Einheit des Erzeugnisses für den Auftrag höher als in der Kalkulation. Die Differenz wird als Losgrößenabweichung ausgewiesen.
Siehe auch:
Ausführliche Informationen zu den Abweichungskategorien finden Sie im IMG des Periodischen Produkt-Controlling und des Auftragsbezogenen Produkt-Controlling unter Periodenabschluß
® Abweichungen ® AbweichungsvarianteAusführliche Informationen zur Bewertungsvariante für Ausschuß finden Sie im IMG des Periodischen Produkt-Controlling und des Auftragsbezogenen Produkt-Controlling unter Periodenabschluß ® Abweichungen ® Bewertungsvariante für Ausschuß definieren (Sollkosten)
Informationen zu den Besonderheiten der Abweichungs- und Ausschußermittlung bei bewertetem Kundenauftragsbestand finden Sie im Abschnitt:
Abweichungen bei bewertetem Kundenauftragsbestand
Informationen zur Bewertung und zur Standardpreisermittlung bei bewertetem Kundenauftragsbestand finden Sie in den Abschnitten:
Bewerteter Kundenauftragsbestand: Bewertung
Standardpreis bei bewertetem Kundenauftragsbestand