Vorschlagspooltransport
Beim Aufbau eines neuen
Übersetzungssystems oder beim Umzug einer (Teil)-Entwicklung aus einem
Übersetzungssystem in ein anderes Übersetzungssystem kann es erforderlich
sein, den
Vorschlagspool aus
dem Quellsystem (z. B. dem Vorgängersystem, einem allgemeinen Referenzsystem
oder dem System, in dem die Teilentwicklung bisher übersetzt wurde) in das
neue Übersetzungssystem (Zielsystem) zu transportieren. Auf diese Weise stehen
Ihnen in dem Zielsystem für bereits vorhandene Übersetzungen auch die
entsprechenden Vorschläge zur Verfügung. Die betroffenen Quelltextzeilen haben
somit den
Übersetzungsstatus
Übersetzt und müssen nicht erneut bearbeitet werden. Gleichzeitig
können Sie bei Quelltextzeilen, die in dem neuen Übersetzungssystem übersetzt
werden müssen oder automatisch
verteilt werden sollen, auf die bereits im Vorschlagspool des Quellsystems
gespeicherte Übersetzungsleistung zurückgreifen.
Es besteht ein geeigneter Vorschlagspool. Dieser kann z. B. aus einem der folgenden Systeme stammen:
· Vorgängersystem des aufzubauenden Systems
· Allgemeines Referenzsystem
· Ursprüngliches Übersetzungssystem der importierten (Teil)-Entwicklung
Sie können den gesamten Vorschlagspool eines Übersetzungssystems in ein anderes Übersetzungssystem transportieren oder nur einen Teil (Delta) eines Vorschlagspools, z. B. nur Vorschläge, die nach einem bestimmten Datum geändert wurden oder zu einer bestimmten Domäne gehören. Bei der Entscheidung, ob Sie den gesamten Vorschlagspool oder lediglich einen Teil exportieren, sollten Sie Folgendes bedenken:
· Art des Zielsystems
¡ Wenn Sie ein neues Übersetzungssystem aufbauen, das inhaltlich auf einem bereits vorhandenen Übersetzungssystem aufsetzt (z. B. dasselbe Produkt in einem höheren Release enthält), gibt es i. d. R. eine große Übereinstimmung der übersetzungsrelevanten Domänen (entsprechen im ABAP-Umfeld niedrigerer Releases in etwa den Komponenten). In diesem Fall ist es sinnvoll, den gesamten Vorschlagspool des Quellsystems zu importieren. Voraussetzung ist allerdings, dass die Qualität der Vorschläge im Vorschlagspool des Quellsystems ausreichend gut ist. Weitere Hinweise hierzu finden Sie im nächsten Punkt.
¡ Wenn das Zielsystem inhaltlich nur in Teilbereichen mit einem bereits vorhandenen Übersetzungssystem übereinstimmt (z. B. eine Teilentwicklung aus dem einen System in das andere umzieht), stimmen i. d. R. die meisten Domänen nicht überein. In diesem Fall sollte nur der Teilbereich des Vorschlagspools transportiert werden, für den es im Zielsystem inhaltlich passende Quelltexteinträge gibt.

Im Standard-Übersetzungssystem in Ihrem Hause wurden bislang Quelltexte aus den Domänen Basis (BC), Finanzwesen (FI), Personalabrechnung (PY) und Logistik (LO) übersetzt. In einem neuen Übersetzungssystem für den Bankbereich müssen Sie nun neben Quelltexten aus der Domäne Banken-Komponenten (IS-B) auch Quelltexte aus den Domänen BC und FI übersetzen. Die Domänen PY und LO hingegen sind für das Banken-Übersetzungssystem irrelevant. In diesem Fall sollten Sie nur den Vorschlagspool für die Domänen BC und FI aus dem Standardübersetzungssystem in das Banken-Übersetzungssystem transportieren.
· Qualität des vorhandenen Vorschlagspools
¡
Wenn Sie einen Vorschlagspool transportieren,
bewirkt dies, dass alle Quelltextzeilen im Zielsystem, für die der
transportierte Vorschlagspool gültige Übersetzungen enthält, den
Übersetzungsstatus
Übersetzt erhalten. Sie werden also nicht mehr automatisch in
Arbeitsvorräten zur Übersetzung angezeigt. Sie sollten deswegen
Vorschlagspools nur transportieren, wenn Sie die dort gesicherten
Übersetzungen für in dem neuen Übersetzungssystem relevant und korrekt halten.
Wenn Sie hingegen wissen, dass in dem direkten Vorgängersystem viele
Übersetzungen terminologisch unsauber sind, z. B. weil der Vorschlagspool des
Vorgängersystems bereits eine Mischung verschiedener anderer Vorschlagspools
enthält oder die Übersetzung in dem Vorgängersystem fehlerhaft ist, sollten
Sie überlegen, entweder keinen Vorschlagspool in das neue Übersetzungssystem
zu importieren oder einen Vorschlagspool aus einem terminologisch sauberen
Referenzsystem zu verwenden.
§
Wenn Sie keinen Vorschlagspool importieren, kann
den Übersetzungen in dem neuen Übersetzungssystem kein gültiger Vorschlag
zugeordnet werden und die Übersetzungen erhalten den
Übersetzungsstatus
Modifiziert. Sie können dann die Qualität der Übersetzungen händisch
überprüfen. Wenn Sie hingegen einen Vorschlagspool aus einem terminologisch
sauberen Referenzsystem importieren, fehlen vermutlich Übersetzungen, die Sie
in dem eigentlichen Vorgänger- bzw. Ursprungssystem Ihres neuen
Übersetzungssystems erstellt haben. Dafür können Sie sich bei den importierten
Vorschlägen auf deren Korrektheit verlassen.

Wenn nur Teile des Vorschlagspools fehlerhaft oder von zu niedriger Qualität sind, können Sie anhand der Selektionskriterien für den Export und/oder Import die fehlerhaften Teile vom Transport ausschließen, die korrekten Teile aber transportieren. Wenn z. B. in einem Vorgängersystem lediglich die Übersetzungen der Domäne Finanzen fehlerhaft sind, können Sie den Vorschlagspool für alle anderen Domänen des Systems transportieren.
· Performance-Aspekte
¡ Der Vorschlagspool wird an vielen Stellen in der Übersetzungsumgebung genutzt. Bei sehr großen Vorschlagspools (mit über 1 Millionen Einträge je Zielsprache) kann es während der Vorschlagspool-Zugriffe zu Performance-Verschlechterungen kommen. Bei über Jahren gewachsenen Vorschlagspools ist davon auszugehen, dass er viele nicht mehr benötigte Übersetzungen enthält. Sie sollten deswegen regelmäßig den Vorschlagspool bereinigen, indem Sie z. B. mittels einer Objektliste nur die Vorschläge transportieren, die im Quellsystem auch wirklich als Übersetzung verwendet wurden.
Es können auch Vorschlagspools aus mehreren Quellsystemen in ein Zielsystem importiert werden. Dies kann erforderlich sein, wenn z. B. ein neues Banksystem aufgebaut wird, das aber auch eine Reihe von Basis-Funktionen enthalten soll. Wenn die Basis-Funktionen bisher in einem anderen Übersetzungssystem übersetzt wurden als die Bankfunktionen, benötigen Sie für den Aufbau des neuen Banksystems die Vorschlagspools aus dem Basis- und aus dem Banksystem.
In diesem Fall kann es vorkommen, dass
derselbe Quelltext in den beiden Übersetzungssystemen unterschiedlich
übersetzt wurde. Wenn diese beiden Quelltexte in den Vorschlagspools jeweils
als
Systemstandard
oder als
Applikationsstandard
für dieselbe Domäne definiert wurden und die Systemstandards bzw.
Applikationsstandards denselben Qualitätsstatus haben, entsteht ein Konflikt.
Das System fügt in diesem Fall beide Begriffe auf gleicher Ebene und mit
gleichem Qualitätsstatus in den Vorschlagspool ein.
Sie bauen ein neues Banksystem auf, für das Sie Vorschlagspools aus dem Basis- und dem alten Banksystem benötigen. Im Basis-System wurde der Begriff Client ins Deutsche mit Mandant übersetzt und als Systemstandard mit dem Qualitätsstatus S angelegt. Im Banksystem hingegen wurde der Begriff mit Kunde übersetzt und ebenfalls als Systemstandard mit dem Qualitätsstatus S angelegt. Wenn Sie beide Vorschlagspools in das neue Banksystem importieren, finden Sie im Vorschlagspool für den englischen Quelltext Client die Übersetzungen Mandant und Kunde. Beide sind Systemstandards mit Qualitätsstufe S.

Wenn Sie auf derselben Ebene zwei Vorschläge mit demselben Qualitätsstatus haben, wird bei der Bestimmung des besten Vorschlags und bei der automatischen Verteilung von Vorschlägen willkürlich einer der beiden Vorschläge gewählt. Sie können diese Situation weitestgehend vermeiden, indem Sie Vorschläge grundsätzlich als Applikationsstandards definieren und nur bei gesicherter Eindeutigkeit der Übersetzung in Systemstandards umwandeln.
Der Vorschlagspooltransport besteht aus folgenden Schritten:
...
1. Export des/der Vorschlagspools aus dem/den Quellsystem(en)
2. Import des/der Vorschlagspools in das Zielsystem