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 Buchhalterische Betrachtung der Kostenträgerrechnung

In diesem Abschnitt werden die Buchungen beschrieben, die in der Finanzbuchhaltung (FI) stattfinden bei der

Lieferung von eigengefertigten Erzeugnissen an das Lager (Wareneingang zum Auftrag in das Lager)

Abrechnung von Aufträgen (Produktkostensammler und Produktionsaufträge)

Lieferung an den Kunden

Faktura an den Kunden

Dabei wird insbesondere auf die Integration von Kostenträgerrechnung (CO-PC-OBJ) und FI eingegangen. Es wird auch auf die unterschiedlichen Auswirkungen von S-Preissteuerung (Bewertung von Materialien mit Standardpreis) und V-Preissteuerung (Bewertung von Materialien mit Gleitendem Durchschnittspreis) auf die Bilanzsituation und auf die Gewinn- und Verlustrechnung eingegangen. Es sei an dieser Stelle nochmals erwähnt, dass wir die Verwendung des Gleitenden Durchschnittspreises für die Bewertung eigengefertigter Materialien nicht empfehlen. Lesen Sie hierzu die Abschnitte:

Grundsätzliche Entscheidungen zur Kostenträgerrechnung

Abrechnung im Produkt-Controlling

Stan dardpreis versus gleitender Durchschnittspreis

Auf die Buchungslogik bei Verwendung der Istkalkulation/Material-Ledger (CO-PC-ACT) wird in diesem Abschnitt nicht eingegangen. Lesen Sie hierzu gegebenenfalls die Dokumentation Istkalkulation/Material-Ledger .

Beachten Sie, dass es sich bei den nachfolgenden Beispielen um schematische Darstellungen der Buchungslogik handelt. Weiterführende Informationen erhalten Sie im Dokument Kostenträgerrechnung oder gegebenenfalls in den Dokumenten der anderen relevanten Anwendungskomponenten.

Beachten Sie außerdem, dass die hier dargestellte Buchungslogik gilt bei

anonymer Lagerfertigung

Kundenauftragsfertigung mit bewertetem Kundenauftragsbestand

Zu den Besonderheiten der Kundenauftragsfertigung mit unbewertetem Kundenauftragsbestand lesen Sie Abschnitt Besonderheit: Unbewerteter Kundenauftragsbestand ff.

Beispiel 1:

Bewertung der eigengefertigten Materialien mit S-Preis; die angefallenen Istkosten übersteigen den Standardpreis

Voraussetzungen

Für das zu produzierende Fertigerzeugnis ist im Materialstammsatz die Preissteuerung „S“ hinterlegt. Der Standardpreis beträgt 1.400.

Ablauf
Grafik 1-1: Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung vor der Produktion

Die Grafik zeigt die Ausgangssituation.

Gewinn- und Verlustrechnung:

In der Gewinn- und Verlustrechnung sind keine Einträge vorhanden.

Bilanz:

Die Bilanz weist auf der Aktivseite ein Umlaufvermögen in Höhe von 1.600 aus, von dem 800 auf den Bestand von Rohstoffen und 800 auf das Bankvermögen entfallen. Auf der Passivseite werden Eigen- und Fremdkapital in Höhe von 1.600 ausgewiesen.

Grafik 1-2: Buchungen in der Finanzbuchhaltung wirken sich auf die Kostenrechnung aus

In der Finanzbuchhaltung finden Buchungen statt:

Geschäftsvorfall (1), der zur Buchung geführt hat

Mit einem Fertigungsauftrag wird ein Fertigerzeugnis produziert. Während der Produktion werden in der Materialwirtschaft (MM) Rohstoffe zum Fertigungsauftrag entnommen. Diese Rohstoffe werden für die Herstellung des Fertigerzeugnisses benötigt.

Wird die Warenausgangsbuchung im MM gebucht, so erzeugt das System automatisch eine Buchung im FI.

Betriebswirtschaftlicher Hintergrund:

Kosten für eingesetzte Materialien sind in der Regel dem Kostenträger direkt zuordenbar. Direkt zuordenbare Kosten werden direkte Kosten oder Einzelkosten genannt. Einzelkosten können direkt aus der Finanzbuchhaltung in die Kostenträgerrechnung weitergeleitet werden.

Buchungssatz:

Aufwand aus Verbrauch von Rohstoffen 800 an Bestand Rohstoffe 800

Auswirkungen auf die Kostenträgerrechnung:

Der Kostenträger (in unserem Falle der Fertigungsauftrag) wird mit Istkosten in Höhe von 800 belastet. Die Belastung erfolgt unter der Primärkostenart. Die Nummer der Primärkostenart entspricht der Nummer des Aufwandskontos, unter dem der Aufwand im FI gebucht wurde (zum Beispiel ist im IDES die Konto-Nr. 400000 Aufwand Verbrauch Rohstoffe im System als Primärkostenart angelegt. Kosten, die durch die Entnahme von Rohstoffen entstehen, deren Verbrauch unter dem Aufwandskonto 400000 gebucht wird, werden dem Fertigungsauftrag mit der Kostenart 400000 belastet).

Geschäftsvorfall (2), der zur Buchung geführt hat

In der Finanzbuchhaltung fällt Personalaufwand an. Der Aufwand fällt in unserem Beispiel zum Zeitpunkt der Auszahlung an. Das zur Bezahlung der Mitarbeiter verwendete Geld wird per Überweisung vom Bankkonto abgebucht.

Betriebswirtschaftlicher Hintergrund:

Kosten für Personalaufwand sind in der Regel dem Kostenträger nicht direkt zuordenbar (Eine Ausnahme bilden beispielsweise die Personalkosten in Einproduktunternehmen). Nicht direkt zuordenbare Kosten werden indirekte Kosten oder Gemeinkosten genannt. Gemeinkosten werden zunächst an die Kostenstellenrechnung weitergeleitet. Die Zuordnung der Gemeinkosten zu den Kostenstellen erfolgt gemäß einer für Ihr Unternehmen sinnvollen Methodik. Weitere Informationen hierzu finden Sie in der Kostenstellenrechnung .

Buchungssatz:

Personalaufwand 800 an Bank 800

Auswirkungen auf die Kostenstellenrechnung:

Kostenstellen werden mit den angefallenen Kosten belastet.

Auswirkungen auf die Kostenträgerrechnung:

Keine

Geschäftsvorfall (3). der zur Buchung geführt hat

Aus der Kostenstellenrechnung werden Kosten an den Fertigungsauftrag weitergeleitet, beispielsweise weil

in der Produktion Rückmeldungen erfasst und wurden auf Basis der Rückmeldung Leistungsverrechnungen stattgefunden haben

eine Template-Verrechnung durchgeführt wurde

Gemeinkostenzuschläge im Ist ermittelt wurden

Betriebswirtschaftlicher Hintergrund:

Da die Gemeinkosten den Kostenträgern nicht direkt zugeordnet werden können, erfolgt die Zuordnung ausgehend von der Kostenstellenrechnung. Es gibt unterschiedliche Methoden, wie Gemeinkosten einem Kostenträger zugeordnete werden könne. Weitere Informationen hierzu finden Sie in der Dokumentation Kostenstellenrechnung .

Buchungssatz:

Keiner

Auswirkungen auf die Kostenstellenrechnung:

Kostenstellen werden um die verrechneten Kosten entlastet.

Auswirkungen auf die Kostenträgerrechnung:

Der Fertigungsauftrag wird mit den angefallenen Istkosten belastet. Die Belastung erfolgt unter einer sekundären Kostenart; die nur im Controlling (CO) vorhanden ist.

Beachten Sie, dass die Summe der im Ist angefallenen Gemeinkosten (d.h. die entsprechenden Aufwandsbuchungen), die aus der Kostenstellenrechnung (CO-OM-CCA) oder aus der Prozesskostenrechnung (CO-OM-ABC) an den Kostenträger verrechnet werden, in der Regel erst am Ende der Periode bekannt ist. Deshalb können die Istwerte erst nach Abschluss der Periode ermittelt werden. Innerhalb der Periode erfolgt deshalb die Belastung der Kostenträger mit Kosten zunächst zu Planwerten. Im Periodenabschluss der Kostenträgerrechnung kann dem Kostenträger die Differenz aus Planwert und Istwert nachbelastet werden.

In diesem Beispiel wurde dieser Effekt aus Vereinfachungsgründen nicht berücksichtigt.

Der Fertigungsauftrag ist nun mit Istkosten in Höhe von 1.600 belastet.

Grafik 1-3: Betriebswirtschaftliche Vorgänge in Produktion und Kostenträgerrechnung wirken sich auf die Finanzbuchhaltung aus

Geschäftsvorfall (4), der zur Buchung geführt hat

Das fertige Erzeugnis wird an das Lager geliefert. Im MM findet ein Wareneingang statt. Wird die Wareneingangsbuchung im MM gebucht, so erzeugt das System automatisch eine Buchung im FI.

Betriebswirtschaftlicher Hintergrund:

Während der Produktion wurde im FI Aufwand gebucht. Der entstandene Aufwand ist in einen Wertschöpfungsprozess eingegangen. Das Fertigerzeugnis verkörpert diese Wertschöpfung. Das Fertigerzeugnis wird in der Bilanz aktiviert. Da das Fertigerzeugnis S-Preis-gesteuert ist, erfolgt die Aktivierung zum Standardpreis. Zudem wird auf dem Bestandsveränderungskonto (Fabrikleistungskonto) eine Bestandsmehrung gebucht. Die Bestandsmehrung ist ertragswirksam.

Buchungssatz:

Bestand 1.400 an Bestandsveränderung 1.400

Kontenfindung:

Das System verwendet für diese Buchung in der automatischen Kontenfindung des MM

für die Bestimmung des Bestandskontos den Vorgangsschlüssel BSX

für die Bestimmung des Bestandsveränderungskontos den Vorgangsschlüssel GBB, Kontomodifikationskonstante AUF

Auswirkungen auf die Kostenträgerrechnung:

Der Fertigungsauftrag wird mit dem Standardpreis entlastet. Die Entlastung erfolgt unter der Kostenart, die dem Bestandsveränderungskonto entspricht. Diese Kostenart ist eine Primärkostenart (zum Beispiel ist im IDES die Konto-Nr. 895000 Bestandsveränderungen Fertigerzeugnisse im System als Primärkostenart angelegt. Entlastungen von Fertigungsaufträgen, die durch die Lieferung von Fertigerzeugnissen an das Lager erfolgen, werden auf dem Fertigungsauftrag unter der Kostenart 895000 fortgeschrieben).

Geschäftsvorfall (5), der zur Buchung geführt hatDa die Fertigung abgeschlossen ist, soll der Fertigungsauftrag vollständig entlastet werden. Die Entlastung erfolgt durch die Abrechnung des Fertigungsauftrages.

Betriebswirtschaftlicher Hintergrund:

Da die Belastung des Fertigungsauftrages (1.600) höher ist als die Entlastung (1.400), weist der Fertigungsauftrag eine Differenz von 200 aus. Diese Differenz wird im Rahmen des Periodenabschlusses der Kostenträgerrechnung an die Finanzbuchhaltung abgerechnet.

Buchungssatz:

Aufwand aus Preisdifferenzen 200 an Bestandsveränderung 200

Kontenfindung:

Das System verwendet für diese Buchung in der automatischen Kontenfindung des MM

für die Bestimmung des Preisdifferenzenkontos den Vorgangsschlüssel PRD

Ist die Belastung auf dem Fertigungsauftrag höher als die Entlastung, so bucht das System "Aufwand aus Preisdifferenzen (z.B. Konto 231500 in IDES) an Bestandsveränderung (z.B. 895000)". In diesem Falle wird eine Aufwandsbuchung der Buchung einer Bestandsmehrung gegenübergestellt.

Ist die Belastung auf dem Fertigungsauftrag niedriger als die Entlastung, so bucht das System "Bestandsveränderung (895000) an Ertrag aus Preisdifferenzen (z.B. 281500)“. In diesem Falle wird der Buchung einer Bestandsminderung eine Ertragsbuchung gegenübergestellt.

für die Bestimmung des Bestandsveränderungskontos den Vorgangsschlüssel GBB

Sie können den Saldo mit der Abrechnung an dasselbe Bestandsveränderungskonto abrechnen, das beim Wareneingang gebucht wurde. Das System verwendet in diesem Falle folgende Einstellung der automatischen Kontenfindung des MM: Vorgang GBB, Kontomodifikationskonstante AUF (sowohl für Wareneingang als auch für Abrechnung).

Möchten Sie mit der Abrechnung ein anderes Bestandsveränderungskonto bebuchen als beim Wareneingang, so verwenden Sie folgende Einstellung der automatischen Kontenfindung: Vorgang GBB, Kontomodifikationskonstante AUA. Ist die Kontomodifikationskonstante AUA gepflegt, so wird die Kontomodifikationskonstante AUF bei der Abrechnung nicht berücksichtigt. Für die Wareneingangsbuchung gilt weiterhin die Kontomodifikationskonstante AUF.

Auswirkungen auf die Kostenträgerrechnung:

Der Fertigungsauftrag weist anschließend einen Saldo von Null aus.

Auswirkungen auf die Gewinn- und Verlustrechnung:

Die Buchungen "Aufwand aus Preisdifferenzen an Bestandsveränderung" und "Bestandsveränderung an Ertrag aus Preisdifferenzen" sind ergebnisneutral, d.h. sie haben keine Auswirkung auf das Ergebnis (Gewinn oder Verlust). Das Ergebnis wurde jedoch bereits durch die vorher durchgeführten Buchungen (z.B. bei Warenausgangsbuchungen) beeinflusst.

Auswirkungen auf die Bilanz:

Der Bestandswert wird durch die Abrechnung der Preisdifferenz nicht beeinflusst. Die Bewertung des Fertigerzeugnisses erfolgt weiterhin zum Standardpreis.

Grafik 1-4: Auswirkungen der Geschäftsvorfälle "Lieferung an den Kunden" und "Faktura an den Kunden" auf die Finanzbuchhaltung

Geschäftsvorfall (6), der zur Buchung geführt hat

Das Material wird vom Lager entnommen und an den Kunden geliefert.

Buchungssatz:

Bestandsveränderung aus dem Verkauf von Fertigerzeugnissen (Kosten des Umsatzes) an Bestand

Auswirkungen auf die Kostenträgerrechnung:

keine Auswirkungen in der Kostenträgerrechnung bei

anonymer Lagerfertigung

Kundenauftragsfertigung mit bewertetem Kundenauftragsbestand ohne Kundenauftrags-Controlling

bei Kundenauftrags-Controlling mit bewertetem Kundenauftragsbestand wird die Kundenauftragsposition mit den Standardherstellkosten des Umsatzes belastet (ausführliche Informationen hierzu finden Sie im Abschnitt: Kundenauftrags-Controlling: Szenario ).

Auswirkungen auf die Gewinn- und Verlustrechnung:

Die Buchung der Bestandsveränderung wirkt sich ertragsmindernd aus. Die Bestandsveränderung wird bei S-Preis-gesteuerten Materialien zum Standardpreis (Standardherstellkosten des Umsatzes) gebucht.

Geschäftsvorfall (7), der zur Buchung geführt hat

Die an den Kunden gelieferte Ware wird fakturiert.

Buchungssatz:

Forderungen an Umsatzerlöse (z.B. 800000 Umsatzerlöse Inland in IDES)

Auswirkungen auf die Kostenträgerrechnung:

keine Auswirkungen in der Kostenträgerrechnung bei

anonymer Lagerfertigung

Kundenauftragsfertigung mit bewertetem Kundenauftragsbestand ohne Kundenauftrags-Controlling

bei Kundenauftrags-Controlling mit bewertetem Kundenauftragsbestand wird die Kundenauftragsposition mit den Isterlösen belastet

Auswirkungen auf die Gewinn- und Verlustrechnung:

Die Buchung des Erlöses wirkt sich ertragssteigernd aus.

Grafik 1-5: Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung nach Produktion, Abrechnung, Lieferung und Faktura; Gut-Rechnung nach Gesamtkostenverfahren

Gewinn- und Verlustrechnung:

In der Gewinn- und Verlustrechnung werden ausgewiesen:

Soll

(1)

Aufwand aus Verbrauch von Rohstoff

800

(2)

Personalaufwand

800

(5)

Aufwand aus Preisdifferenzen

200

Summe Aufwand

1.800

Haben

(4, 5, 6)

Mehrbestand (Bestandsveränderungen bei Wareneingang und bei Abrechnung)

200

(7)

Erlös

2.000

Summe Ertrag

2.200

Gewinn (Saldo)

400

Aus der Gegenüberstellung von Aufwand und Ertrag ergibt sich ein positiver Saldo in Höhe von 400, der zum Ausweis eines Gewinnes in der Gewinn- und Verlustrechnung führt.

Bilanz:

(4) Die Bilanz weist auf der Aktivseite ein Umlaufvermögen in Höhe von 2.000 aus. Dieses Umlaufvermögen entspricht dem Wert der Forderungen. Auf der Passivseite wird das Eigenkapital durch den Gewinnübertrag um 400 erhöht.

Die Bilanz wird um 400 verlängert.

Fazit:

Da während der Produktion mehr Kosten angefallen sind, als geplant war, wirkt sich der Mehraufwand negativ auf das Betriebsergebnis aus. Dies bedeutet, dass der Gewinn in der Höhe sinkt, in der der Fertigungsauftrag mit Istkosten belastet wurde, die den Standardpreis übersteigen.

Die Istkostenbelastung des Fertigungsauftrages ist ebenso ergebniswirksam wie die Buchung der Bestandsveränderung beim Wareneingang. Da der Istaufwand um 200 höher war als der erwartete Aufwand, fällt das Betriebsergebnis um 200 niedriger aus als es bei der Produktion zu Standardkosten angefallen wäre.

Beachten Sie, dass eine korrekte Ergebniswirksamkeit der Belastung und der Entlastung des Fertigungsauftrages nur gegeben ist, wenn bei der Abrechnung des Fertigungsauftrags eine ergebnisneutrale Buchung durchgeführt wird.

Hätten Sie beim Abrechnen der Preisdifferenzen eine ergebniswirksame Buchung durchgeführt, dann hätte dies zur Auswirkung, dass der Mehraufwand das Ergebnis nicht belasten würde. Der Gewinn würde höher ausgewiesen.

Beispiel:

Buchung bei Abrechnung: Bestand 200 an Bestandsveränderung 200

Daraus resultierten

in der Gewinn- und Verlustrechnung eine Bestandsmehrung von 200. Der Mehrbestand betrüge weiterhin 200; allerdings stünde dem Mehrbestand kein Aufwand aus Preisdifferenzen gegenüber. Zum Mehraufwand würde auf der Ertragsseite der Erlös von 2.000 hinzuaddiert. Dem Ertrag von 2.200 stünde ein Gesamtaufwand von 1.600 entgegen. Das Ergebnis betrüge 600.

in der Bilanz ein Bestandswert für Fertigerzeugnisse von 200 (1.400 bei Wareneingang zuzüglich 200 bei Abrechnung abzüglich 1.400 bei Lieferung an den Kunden). Auf der Aktivseite der Bilanz würden somit in Summe 2.200 ausgewiesen (Forderungen 2.000 zuzüglich Bestandswert 200).

(Achtung: Bei Standardpreisbewertung sollte der Gesamtbestandswert dividiert durch die Bestandsmenge den Standardpreis ergeben. Dies wäre bei dieser Buchung nicht mehr der Fall).

Grafik 1-6: Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung nach Produktion, Abrechnung, Lieferung und Faktura; GuV-Rechnung nach Umsatzkostenverfahren

Beispiel 2:

Bewertung der eigengefertigten Materialien mit V-Preis; die angefallenen Istkosten übersteigen den Standardpreis

Wir raten von der Verwendung der V-Preissteuerung bei eigengefertigten Materialien ab. Das folgende Beispiel dient nur der Vollständigkeit.

Voraussetzungen

Für das zu produzierende Fertigerzeugnis ist im Materialstammsatz die Preissteuerung „V“ hinterlegt. Der Standardpreis beträgt 1.400.

Die Ausgangssituation und die Belastung des Fertigungsauftrags entsprechen den obigen Ausführungen (siehe Grafik 1-1 und 1-2 und entsprechende Beschreibung). Dies Beispiel beginnt bei der Entlastung des Fertigungsauftrags.

Bilanz- und Gewinn- und Verlustrechnung werden in diesem Beispiel bereits nach den Geschäftsvorfällen "Lieferung der eigengefertigten Erzeugnisse an das Lager" und "Abrechnung Fertigungsauftrag" angezeigt. Auf die Auswirkungen von Lieferung und Faktura an den Kunden wird nicht noch einmal explizit eingegangen. Beachten Sie, das bei der Lieferung an den Kunden die Buchung "Bestandsveränderung an Bestand" in Höhe des Gleitenden Durchschnittspreises stattfinden würde. Die Gewinn- und Verlustrechnung wird in diesem Beispiel nach Gesamtkostenverfahren ausgewiesen.

Ablauf
Grafik 2-1: Betriebswirtschaftliche Vorgänge in Produktion und Kostenträgerrechnung wirken sich auf die Finanzbuchhaltung aus

Geschäftsvorfall (4), der zur Buchung geführt hat

Das fertige Erzeugnis wird an das Lager geliefert. Im MM findet ein Wareneingang statt. Wird die Wareneingangsbuchung im MM gebucht, so erzeugt das System automatisch eine Buchung im FI.

Betriebswirtschaftlicher Hintergrund:

Während der Produktion wurde im FI Aufwand gebucht. Der entstandene Aufwand ist in einen Wertschöpfungsprozess eingegangen. Das Fertigerzeugnis verkörpert diese Wertschöpfung. Das Fertigerzeugnis wird in der Bilanz aktiviert. Die vorläufige Aktivierung erfolgt zum Standardpreis. Zudem wird auf dem Bestandsveränderungskonto (Fabrikleistungskonto) eine Bestandsmehrung gebucht. Die Bestandsmehrung ist ertragswirksam.

Buchungssatz:

Bestand 1.400 an Bestandsveränderung 1.400

Auswirkungen auf die Kostenträgerrechnung:

Der Fertigungsauftrag wird mit dem Standardpreis entlastet. Die Belastung erfolgt unter der Kostenart, die dem Bestandsveränderungskonto entspricht.

Geschäftsvorfall (5), der zur Buchung geführt hat

Da die Fertigung abgeschlossen ist, soll der Fertigungsauftrag vollständig entlastet werden. Die Entlastung erfolgt durch die Abrechnung des Fertigungsauftrages. Betriebswirtschaftlicher Hintergrund:

Da die Belastung des Fertigungsauftrages (1.600) höher ist als die Entlastung (1.400), weist der Fertigungsauftrag eine Differenz von 200 aus. Diese Differenz wird im Rahmen des Periodenabschlusses der Kostenträgerrechnung an die Finanzbuchhaltung abgerechnet.

Buchungssatz:

Bestand 200 an Bestandsveränderung 200. Die Buchung auf dem Bestandsveränderungskonto ist ertragswirksam.

Auswirkungen auf die Kostenträgerrechnung:

Der Fertigungsauftrag weist anschließend einen Saldo von Null aus.

Auswirkungen auf die Gewinn- und Verlustrechnung:

Die Buchung auf das Bestandsveränderungskonto wirkt sich positiv auf das Ergebnis aus.

Auswirkungen auf die Bilanz:

Der Bestandswert wird durch die Abrechnung des Auftragssaldos beeinflusst. Das System bildet auf Basis der auf dem Bestandskonto fortgeschriebenen Daten einen neuen Gleitenden Durchschnittspreis in Höhe von 1.600.

Grafik 2-2: Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung nach Produktion und Abrechnung

Gewinn- und Verlustrechnung:

In der Gewinn- und Verlustrechnung werden ausgewiesen:

Soll

(1)

Aufwand aus Verbrauch von Rohstoff

800

(2)

Personalaufwand

800

Summe Aufwand

1.600

Haben

(4)

Mehrbestand (Bestandsveränderungen bei Wareneingang und bei Abrechnung)

1.600

Summe Ertrag

1.600

Gewinn/Verlust (Saldo)

0

Bilanz:

(4) Die Bilanz weist auf der Aktivseite ein Umlaufvermögen in Höhe von 1.600 aus. Dieses Umlaufvermögen entspricht dem Wert des Fertigerzeugnisses zum Gleitenden Durchschnittspreis. Auf der Passivseite weist die Bilanz weiterhin Eigen- und Fremdkapital in Höhe von 1.600 aus.

Fazit:

Die über die Planung hinausgehenden Kosten in Höhe von 200, die während der Produktion entstanden sind, werden zum Zeitpunkt ihrer Entstehung als ergebniswirksame Aufwandsmehrung gebucht. Bei der Abrechnung des Auftragssaldos wird eine ergebniswirksame Bestandsmehrung gebucht. Diese ergebniswirksamen Buchungen kompensieren sich, so dass sie letztlich keine Auswirkung auf das Betriebsergebnis haben.

Die Aktivierung des Fertigerzeugnisses in der Bilanz erfolgt zum gleitenden Durchschnittspreis. Alle angefallenen bestandsbewertungsrelevanten Kosten werden aktiviert.