Abrechnung im Produkt-Controlling
Während der Produktion werden Produktkostensammler und Produktionsaufträge mit Istkosten belastet. Bei jedem Wareneingang werden Entlastungsbuchungen zum Produktkostensammler beziehungsweise zum Produktionsauftrag erzeugt. Die Istkosten, die auf einen Auftrag gebucht worden sind, können höher oder niedriger sein als der Wert, mit dem ein Auftrag bei der Buchung des Wareneinganges entlastet wurde. Bei der Abrechnung soll diese Differenz aus Belastung und Entlastung des Auftrages an die Finanzbuchhaltung
(FI) weitergeleitet werden. Des weiteren werden bei der Abrechnung andere Komponenten mit Daten aus der Kostenträgerrechnung
versorgt.
Hinweis
SAP HANA™ verwendet nur die wichtigsten Selektionskriterien. Auf diese Weise wird die Abrechnung vereinfacht und beschleunigt (CO88H, VA88H – HANA-basierte Sammelverarbeitung). Wenn Sie zusätzliche Selektionskriterien benötigen, können Sie weiterhin den bisherigen Vorgang für die Ist-Abrechnung von Fertigungs- oder Kundenaufträgen verwenden (CO88, VA88 – HANA-basierte Sammelverarbeitung).
Bei der Abrechnung kann:
der Auftragssaldo auf Null gebracht werden, indem die Differenz aus der vorläufigen Bestandsbewertung gemäß Wareneingangsbuchung und den tatsächlich angefallenen Istkosten an die Finanzbuchhaltung
(FI) weitergeleitet wird. die Preisdifferenz auch an die Istkalkulation/Material-Ledger
weitergeleitet werden.
die Gesamtabweichung an Ergebnisobjekte der Ergebnis- und Marktsegmentrechnung
weitergeleitet werden. Dadurch haben Sie in der Ergebnis- und Marktsegmentrechnung
die Möglichkeit, einen weiteren Deckungsbeitrag auszuweisen. Sie können die einzelnen, in der Gesamtabweichung ausgewiesenen Abweichungskategorien
in Kombination mit bestimmten Kostenarten oder Kostenartengruppen an verschiedene Wertfelder in der Ergebnis- und Marktsegmentrechnung
weiterleiten.
Hinweis
Die Abrechnung an die Ergebnis- und Marktsegmentrechnung
erfolgt in der Regel gegliedert nach Abweichungskategorien. Sie können jedoch auch den Auftragssaldo an die Ergebnis- und Marktsegmentrechnung
abrechnen.
Sie können die Ware in Arbeit gemäß den Buchungsregeln im Customizing an die Finanzbuchhaltung
weiterleiten.
Sie können den Periodenabschluss mit Hilfe des Schedule Managers
ausführen. Informationen hierzu finden Sie unter:
Scheduler
Monitor
Ablaufdefinition
Wenn Sie den Schedule Manager
mit der Ablaufdefinition verwenden, können Sie den mehrstufigen Arbeitsvorrat zur Nachbearbeitung der fehlerhaften Objekte verwenden. Weitere Informationen finden Sie unter:
Mehrstufiger Arbeitsvorrat
Durch die Abrechnung der durch die WIP-Ermittlung ermittelten Ware in Arbeit werden im FI
die Bestände an unfertigen Erzeugnissen aktiviert.
Durch die Abrechnung des Auftragssaldos (im Periodischen Produkt-Controlling
abzüglich der Ware in Arbeit) werden in der Finanzbuchhaltung
:
bei Standardpreissteuerungen die Preisdifferenz (Auftragsbelastung – Wareneingang – Ware in Arbeit) ergebnisneutral an ein Preisdifferenzenkonto weitergeleitet
bei Verrechnungspreissteuerung die Preisdifferenz an die Bestände weitergeleitet, ein neuer Gleitender Durchschnittspreis ermittelt und der Bestand neu bewertet
Zur Abrechnung an die Finanzbuchhaltung
lesen Sie den Abschnitt: Buchhalterische Betrachtung der Kostenträgerrechnung
.
Wenn Sie die Istkalkulation / Material-Ledger
aktiviert haben, können Sie den Saldo an diese Anwendungskomponente abrechnen und anschließend im dortigen Periodenabschluss die Bestände nachbewerten.
Durch die Abrechnung der in der Abweichungsermittlung ermittelten Gesamtabweichung kann bei S-Preis-Steuerung an ein Ergebnisobjekt der Ergebnis- und Marktsegmentrechnung
abgerechnet werden.
Bei welchen Systemmeldungen Sie die Ware in Arbeit und Ausschuss abrechnen oder eine Abrechnung verhindern können, können Sie mit Hilfe der flexiblen Fehlersteuerung
beeinflussen.
Das System ordnet dem Produktkostensammler oder dem Produktionsauftrag aufgrund der Einstellungen im Customizing des Produktkosten-Controlling
eine Abrechnungsvorschrift zu. Diese Abrechnungsvorschrift enthält eine Aufteilungsregel, die wiederum auf eine Abrechnungsart verweist. Die Abrechnungsart entscheidet darüber, ob die Abrechnung kumuliert oder periodisch erfolgt. Welche Abrechnungsart Bestandteil der Abrechnungsvorschrift sein wird, bestimmen Sie im Customizing des Produktkosten-Controllings
unter Vorschlagswerte pro Auftragsart festlegen
.
Hinweis
Beachten Sie, dass bei Anlage eines Auftrages oder Produktkostensammlers eine erste Abrechnungsvorschrift erzeugt wird, die in der Regel den Abrechnungsempfänger Material
enthält.
Wenn Sie Abweichungen an die Ergebnis- und Marktsegmentrechnung
abrechnen möchten, erzeugt das System beim ersten Abrechnen eines Auftrages oder Produktkostensammlers eine zweite Abrechnungsvorschrift, die den Abrechnungsempfänger Ergebnisobjekt
enthält. Das Ergebnisobjekt besteht aus Merkmalen der Ergebnisrechnung
.
Im Periodischen Produkt-Controlling
ist für Produktkostensammler in der Auftragsart (z.B. Auftragsart RM01) die Defaultregel STR (mit Strategie für Bezugsbasisfindung) hinterlegt. Für Produktionsaufträge, die Sie periodisch abrechnen möchten, hinterlegen Sie in der Auftragsart die Defaultregel PP2 (Produktion Material periodische Abrechnung). Beide Defaultregeln sind mit der Abrechnungsart PER (Periodisch) verknüpft. Dadurch wird die Abrechnungsvorschrift zum Auftrag die Abrechnungsart PER (Periodisch) enthalten. Die periodische Abrechnung ist bei Einsatz von Produktkostensammlern obligatorisch.
Im Auftragsbezogenen Produkt-Controlling
ist in den entsprechenden Auftragsarten (z.B. PP01 als Auftragsart für losbezogene Fertigungsaufträge) immer die Defaultregel PP1 (Produktion Material Gesamtabrechnung) zu hinterlegen.
SAP empfiehlt bei einer kostenrechnerischen Betrachtung auf der Ebene von Fertigungsaufträgen und Prozessaufträgen die Gesamtabrechnung der Produktionsaufträge. Grund dafür ist, dass bei periodischer Abrechnung die Ware in Arbeit und der Ausschuss zu Sollkosten bewertet werden. Dies kann zu Problemen führen, wenn die Kalkulation, die der Bewertung der Ware in Arbeit und des Ausschusses zugrunde liegt, auf einem anderen Arbeitsplan basiert als der Produktionsauftrag selbst.
Sie müssen des weiteren folgende Arbeitsschritte im Customizing für Produktkosten-Controlling
unter vornehmen:
Abrechnungsprofil anlegen
Sie hinterlegen im Abrechnungsprofil unter anderem, ob die Abrechnung erlaubt ist, welche Empfänger für die Abrechnung erlaubt sind (z.B. Material, Kundenauftrag, Ergebnisobjekt) und welches Verrechnungsschema und Ergebnisschema verwendet werden sollen. Wenn Sie Abweichungen an die Ergebnis- und Marktsegmentrechnung
abrechnen möchten, so müssen Sie im Abrechnungsprofil das Kennzeichen Abweichungen
setzen.
Abrechnungskostenarten definieren
Sie definieren in diesem Arbeitsschritt primäre Abrechnungskostenarten für Empfänger im externen Rechnungswesen (z.B. Material
) und sekundäre Abrechnungsarten für Empfänger im internen Rechnungswesen (z.B. Ergebnisobjekt
).
Verrechnungsschema anlegen
Sie definieren in der Kostenträgerrechnung
im Verrechnungsschema, welche Kosten an den Abrechnungsempfänger abgerechnet werden. Es gliedert die Belastungskostenarten nach Abrechnungszuordnungen und ordnet jede Abrechnungszuordnung einer Abrechnungskostenart zu. Stellen Sie sicher, dass
jede Belastungskostenart im Verrechnungsschema berücksichtigt wird
Es genügt der Eintrag einer Kostenartengruppe.
jede Belastungskostenart nur einer Abrechnungskostenart zugeordnet ist.
Für die Abrechnung der Differenz aus Belastung und Entlastung des Auftrags an Material hinterlegen Sie im Verrechnungsschema alle Kostenarten, mit denen ein Auftrag belastet wurde. Die Materialkontenfindung in der Materialwirtschaft
bestimmt, unter welcher Primärkostenart (z.B. 895000 Bestandsveränderungen) die Entlastung auf dem Auftrag fortgeschrieben wird.
Für die Abrechnung der Differenz aus Belastung und Entlastung des Auftrages an Material legen Sie eine primäre Abrechnungskostenart an. Diese primäre Abrechnungskostenart legen Sie zum relevanten Bestandsveränderungskonto in der Finanzbuchhaltung
an. Um festzustellen, welche primäre Abrechnungskostenart Sie anlegen müssen, verzweigen Sie ins Customizing der Materialwirtschaft
unter . Wählen Sie Kontierung
und zeigen Sie das Detailbild zum Vorgang Gegenbuchung zur Bestandsbuchung
(GBB) an. Prüfen Sie die Einträge in den Spalten Soll
und Haben
zur Kontomodifikationskonstante AUF
und gegebenenfalls zur Kontomodifikationskonstante AUA
. Legen Sie zu den in den Spalten Soll
und Haben
eingetragenen Konten primäre Abrechnungskostenarten an.
Sie müssen für die Abrechnung an Material keine Zuordnung einer Abrechnungskostenart zum Empfängertyp Material
vornehmen.
Rechnen Sie bei Einsatz des unbewertetem Kundenauftragsbestandes oder des unbewerteten Projektbestandes hingegen die Auftragskosten an eine Kundenauftragsposition oder ein Projekt ab, so müssen Sie im Verrechnungsschema angeben, unter welcher Abrechnungskostenart die Daten fortgeschrieben werden.
Beispiel
Für einen Fertigungsauftrag, dessen Kosten auf eine Kundenauftragsposition kontiert sind, sind Kosten für Rohstoffe, Eigenleistungen und Gemeinkosten angefallen. Diese Kosten sind einer Kostenartengruppe zugeordnet.
Ist das Kennzeichen Kostenartengerechte Abrechnung
gesetzt, sehen Sie nach der Abrechnung auf der Kundenauftragsposition die einzelnen Belastungskostenarten für die Rohstoffe, Eigenleistungen und Gemeinkosten.
Ist das Kennzeichen Kostenartengerechte Abrechnung
nicht gesetzt, so sehen Sie nach der Abrechnung auf der Kundenauftragsposition alle Kosten zum Fertigungsauftrag unter einer Abrechnungskostenart.
Ursprungsschema anlegen
Sie bestimmen ein Ursprungsschema, wenn Sie die für einen Auftrag angefallenen Kosten je nach Kostenart an unterschiedliche Empfänger abrechnen wollen. Das Ursprungsschema gliedert die Belastungskostenarten nach Ursprungszuordnungen. Das Ursprungsschema kann beispielsweise in der Kuppelproduktion verwendet werden. Haben Sie keine Kuppelproduktion im Einsatz, können Sie in der Regel im Rahmen der Kostenträgerrechnung
auf den Einsatz eines Ursprungsschemas verzichten.
Ergebnisschema anlegen
Das Ergebnisschema besteht aus einer oder mehreren Positionen. Diese Positionen werden Ergebniszuordnungen
genannt. Sie weisen in einer Ergebniszuordnung eine Kostenartengruppe und gegebenenfalls eine Abweichungskategorie einem Wertfeld des Ergebnisbereiches in der Ergebnis- und Marktsegmentrechnung
zu. Damit die Abrechnung an die Ergebnis- und Marktsegmentrechnung
ordnungsgemäß erfolgen kann, muss jede Kombination von Kostenartengruppe und Abweichungskategorie genau einem Wertfeld des Ergebnisbereiches zugeordnet werden.
Hinweis
Jede Belastungskostenart muss im Ergebnisschema repräsentiert sein.
jede Abweichungskategorie muss im Ergebnisschema repräsentiert sein.
Die Belastungskostenarten haben die Kategorie Kostenarten
.
Die Abweichungskategorien haben die Kategorie Abweichungen
.
Jede Belastungskostenart beziehungsweise Kombination von Kostenartengruppe und Abweichungskategorie darf nur einem Wertfeld zugeordnet sein.
Wenn Sie Abweichungen an die Ergebnis- und Marktsegmentrechnung
abrechnen möchten, müssen Sie zuvor zum Auftrag eine Abweichungsermittlung auf Basis der Sollversion 0 durchführen. Nur die auf Basis der Sollversion 0 ermittelten Abweichungen sind abrechnungsrelevant.
Für die Abrechnung der Ware in Arbeit pflegen Sie die Buchungsregel im Customizing des Produktkosten-Controllings
unter . Sie legen in den Buchungsregeln fest, an welche Sachkonten die Ware in Arbeit abgerechnet wird.
Vor der Abrechnung führen Sie die WIP-Ermittlung und die Abweichungsermittlung durch.
Um Abweichungen an die Ergebnis- und Marktsegmentrechnung
abrechnen zu können, führen Sie im Customizing für Controlling
unter folgende Arbeitsschritte durch:
Stellen Sie sicher, dass ein Ergebnisbereich definiert ist.
Stellen Sie sicher, dass in diesem Ergebnisbereich Merkmale (z.B. Material, Kunde, Sparte) und Wertfelder (z.B. Einsatzpreisabweichungen, Einsatzmengenabweichungen) gepflegt sind.
Um sicherzustellen, dass die Ergebnisse der Plankalkulation in die Ergebnis- und Marktsegmentrechnung
übernommen werden, führen Sie folgende Arbeitsschritte durch:
Wählen Sie im Customizing für Controlling
unter :
Legen Sie fest, dass die Plankalkulation als Basis für die Materialbewertung in der Ergebnisrechnung
herangezogen wird, indem Sie in verzweigen. Setzen Sie im Detailbild das Kennzeichen Mat.kalk
.
Legen Sie fest, wie das System bei der Selektion einer Kalkulation vorgehen soll. Wählen Sie dazu . Geben Sie je Kalkulationsauswahlschlüssel eine Kalkulationsvariante ein, deren Kostenschichtung an die Ergebnis- und Marktsegmentrechnung
weitergeleitet werden soll. Dies ist in der Regel die Kalkulationsvariante, der die Kalkulationsart 01 (Fortschreibung als Standardpreis) zugeordnet ist. Wenn Sie mit dem bewerteten Kundenauftragsbestand arbeiten und Sie den Standardpreis auf Basis einer Kundenauftragskalkulation ermitteln, dann setzen Sie das Kennzeichen Kundenauftragskalkulation übernehmen
.
Ordnen Sie dem Ergebnisbereich unter ein Elementeschema zu. Ordnen Sie anschließend jedem Kostenelement ein Wertfeld zu.
Verknüpfen Sie den Kalkulationsschlüssel, den Sie unter Zugriff auf Plankalkulation definieren
gepflegt haben, mit einem Material oder mit einer Materialart. Wählen Sie Flexible Zuordnung der Kalkulationsauswahl
und ordnen Sie einen Kalkulationsschlüssel für jedes Material bzw. jede Materialart zu.
Stellen Sie im Customizing des Produktkosten-Controlling
sicher, dass:
im Abrechnungsprofil unter anderem der Empfänger Ergebnisobjekt
erlaubt ist.
im Abrechnungsprofil das Kennzeichen Abweichungen
gesetzt ist.
im Abrechnungsprofil ein Verrechnungsschema hinterlegt ist.
im Abrechnungsprofil ein Ergebnisschema hinterlegt ist.
ein Abrechnungschema definiert ist.
ein Ergebnisschema definiert ist.
Die Abrechnungsvorschrift eines Produktkostensammlers oder Produktionsauftrages kontiert die abzurechnenen Kosten in Abhängigkeit von den Einstellungen im Abrechnungsprofil sowie vom logistischen und kostenrechnerischen Szenario.
Szenario | Abrechnungsempfänger |
|---|---|
anonymer Lagerfertigung | den anonymen Lagerbestand (Empfänger "Material") |
Kundenauftragsfertigung mit bewertetem Kundenauftragsbestand | den bewerteten Kundenauftragsbestand (Empfänger = Material) |
Projektfertigung mit bewertetem Projektbestand | den bewerteten Projektbestand (Empfänger = Material) |
Kundenauftragsfertigung mit unbewertetem Kundenauftragsbestand | an die Kundenauftragsposition (Empfänger = Kundenauftrag) |
Projektfertigung mit unbewertetem Projektbestand | an das PSP-Element |
Das System rechnet die Ware in Arbeit gemäß den Buchungsregeln ab. Bei der Ermittlung der Ware in Arbeit erfolgt folgende Buchung in der Finanzbuchhaltung
:
Belastung | Entlastung |
|---|---|
Bestand unfertiger Erzeugnisse | |
Bestandsveränderung unfertige Erzeugnisse |
Wird in einer Periode Ware in Arbeit von Null ermittelt, so wird mit der Abrechnung die Ware in Arbeit aufgelöst. In diesem Fall erfolgt folgende Buchung in der Finanzbuchhaltung
:
Belastung | Entlastung |
|---|---|
Bestandsveränderung | |
Bestand unfertiger Erzeugnisse |
Informationen zur Buchungslogik finden Sie unter:
Buchhalterische Betrachtung der Kostenträgerrechnung
Je nach Preissteuerung des Materials erzeugt die Abrechnung die folgenden Buchungen in der Finanzbuchhaltung
: Die Preissteuerung beeinflusst dabei, welche Konten bei der Buchung herangezogen werden.
Das Preissteuerungskennzeichen ist in der Buchhaltungssicht des Materialstammsatzes hinterlegt. Dieses Preissteuerungskennzeichen kann als Vorschlagswert je Materialart im Customizing der Materialwirtschaft
hinterlegt werden.
Ist im Materialstammsatz das Preissteuerungskennzeichen S (Standardpreis) gesetzt, so wird ein Preisdifferenzenkonto mit der Differenz aus Istbelastung und Istentlastung (Enlastung aufgrund von Wareneingang) für die Periode belastet.
Es erfolgt mit der Abrechnung der Abweichungen an die Finanzbuchhaltung
keine Umbewertung des Materials. Bei der Abrechnung wird ein neuer statistischer gleitender Durchschnittspreis ermittelt und Wert in der Buchhaltungssicht des Materialstammsatzes fortgeschrieben.
Es erfolgt folgende Buchung im FI
:
Belastung | Entlastung |
|---|---|
Preisdifferenzen | |
Bestandsveränderung |
Diese Buchung ist ergebnisneutral.
Ist im Materialstammsatz das Preissteuerungskennzeichen V gesetzt, so wird das Bestandskonto für das gefertigte Material mit der Differenz aus Istbelastung und Istentlastung (Entlastung aufgrund von Wareneingang) für die Periode belastet.
Der gleitende Durchschnittspreis und der Gesamtwert des Bestandes werden neu berechnet und in der Buchhaltungssicht des Materialstammsatzes fortgeschrieben. Es erfolgt eine Umbewertung des Materials, zu der ein Beleg im FI erzeugt wird. Im Feld Gesamtbestand
in der Buchhaltungssicht des Materialstammsatzes ist die Gesamtanzahl der am Lager befindlichen Materialien (z.B. 100 Stück) eingetragen. Diese Menge wird vom System automatisch mit dem neuen gleitenden Durchschnittspreis bewertet. Der neue Wert aller Bestände wird in der Buchhaltungssicht des Materialstammsatzes im Feld Gesamtwert
angezeigt.
Es erfolgt folgende Buchung im FI
:
Belastung | Entlastung |
|---|---|
Bestand | |
Bestandsveränderung |
Diese Buchung ist ergebniswirksam.
Ist bei V-Preis-Steuerung die Bestandsmenge gleich oder größer der von einem Auftrag produzierten Menge, so wird die komplette Abweichung an das Lager (d.h. an das Bestandskonto) gebucht.
Wenn in der Periode kein Wareneingang stattgefunden hat, so findet eine Abrechnung der Istkosten ans Preisdifferenzkonto statt. Der gleitende Durchschnittspreis wird durch die Abrechnung nicht geändert. Dieser Fall tritt auf:
im Periodischen Produkt-Controlling
(periodische Abrechnung und Ware in Arbeit zu Sollkosten), wenn zusätzlich zur Ware in Arbeit Abweichungen in der Periode entstehen, diesen Abweichungen aber kein Wareneingang gegenüber steht
im Auftragsbezogenen Produkt-Controlling
(periodische Abrechnung und Ware in Arbeit zu Istkosten), wenn in einer Periode der Status des Auftrages auf TABG (technisch abgeschlossen) gesetzt wird und in dieser Periode kein Wareneingang stattgefunden hat, aber zusätzliche Istkosten entstanden sind
Wenn bei Materialien mit Preissteuerungskennzeichen V die Bestandsmenge kleiner ist als die produzierte Menge, wird nur die Unterdeckung an den Bestand gebucht. Der Restbetrag wird auf ein Preisdifferenzenkonto gebucht.
Achtung
Eine Bestandsunterdeckung kann zu unrealistischen Materialpreisen führen.
Wenn Sie mehrere Aufträge für dasselbe Material angelegt haben, prüft das System mit jeder Abrechnung, ob der Lagerbestand größer als die Auftragsmenge ist und rechnet die Auftragskosten entsprechend ab. Unter Umständen könnte der Restbestand dadurch mehrfach bewertet werden.
Beachten Sie diesbezüglich unsere Empfehlungen hinsichtlich der Preissteuerung von Materialien (siehe auch: Standardpreis versus gleitender Durchschnittspreis
; Grundsätzliche Entscheidungen zur Kostenträgerrechnung
).
Beispiel
Das Preissteuerungskennzeichen für Material FERT X ist auf V gesetzt.
Der Lagerbestand von Material FERT X beläuft sich vor Ablieferung der Aufträge 1 und 2 auf 100 Stück. Der V-Preis beträgt EUR 100.
Auftrag 1 produziert 100 Stück vom Material FERT X und liefert 100 Stück an das Lager.
Auftrag 2 produziert 100 Stück vom Material FERT X und liefert 100 Stück an das Lager.
Vom Lager werden 250 Stück FERT X entnommen. Anschließend liegen 50 Stück FERT X am Lager.
Auf Auftrag 1 befinden sich Gesamtabweichungen in Höhe von EUR 100. Das System stellt die produzierte Menge der am Lager befindlichen Menge gegenüber und errechnet, dass die am Lager befindliche Menge der Hälfte der produzierten Menge entspricht. Die Abweichungen werden hälftig auf ein Preisdifferenzenkonto und hälftig auf ein Bestandskonto abgerechnet.
Auftrag 2 hat auch eine Gesamtabweichung von EUR 100. Das System verfährt analog zu Auftrag 1: Es vergleicht die produzierte Menge mit der Bestandsmenge. Die Abweichungen werden hälftig auf ein Preisdifferenzenkonto und hälftig auf ein Bestandskonto abgerechnet.
Dies bedeutet, dass der Lagerbestand mit den Gesamtabweichungen beider Aufträge belastet wird. Der gleitende Durchschnittspreis verändert sich entsprechend.
Hinweis
Möchten Sie Materialien zu Istkosten bewerten, so können Sie hierzu die Anwendungskomponente Istkalkulation/Material-Ledger
verwenden.
Besonderheiten bei der Abrechnung des Produktkostensammlers
Wenn Sie Istkosten auf einem Produktkostensammler gesammelt haben, müssen die Kosten bei der Abrechnung möglicherweise verteilt werden. Dies ist beispielsweise notwendig, wenn auf einem Produktkostensammler die Kosten von einem Produkt (d.h. bspw. von einem Material oder von einer bestimmten Fertigungsversion eines Materials) gesammelt werden und der Produktkostensammler
an mehrere Kundenauftragsbestände geliefert hat
an den Lagerbestand und an bewertete Kundenauftragsbestände geliefert hat
an mehrere Bewertungsarten geliefert hat
Dies bedeutet, dass zur Verteilung der Kosten auf die einzelnen Wertsegmente die abgelieferte Menge je Bewertungsart und je Bestandssegment (z.B. an Kundenauftragsbestand abgelieferte Mengen und an anonymen Lagerbestand abgelieferte Mengen oder getrennt nach Chargeneinzelbeständen) identifiziert werden muss. Diese Identifikation erfolgt über eine Beschaffungsalternative. Die Beschaffungsalternative wird beim Wareneingang eines Materials fortgeschrieben. Aus den Daten der Beschaffungsalternative kann das System die für die Aufteilung relevanten Daten (Kundenauftragsposition, Projekt, Bewertungsart) bestimmen. Haben Sie bei Kundenauftragsfertigung mit bewertetem Kundenauftragsbestand definiert, dass die Bewertung ohne Bezug zum Vertriebsbeleg oder Projekt stattfinden soll, dann wird der Lieferwert des bewerteten Kundenauftragsbestandes mit dem Lieferwert des anonymen Lagerbestandes zusammengefasst.
Das System teilt bei der Abrechnung den Saldo des Produktkostensammlers entsprechend den Lieferwerten auf die verschiedenen Bewertungsarten und Bestandssegmente (anonymer Lagerbestand, bewerteter Kundenauftragsbestand) auf. Die Aufteilungsregel wird entsprechend den Lieferwerten der abzurechnenden Periode automatisch bei der Abrechnung erzeugt. Entsprechend den Lieferwerten bildet das System Äquivalenzziffern und übernimmt diese in die dynamische Aufteilungsregel. Die Aufteilung gemäß Lieferwerten wirkt sich
auf den (statistischen) gleitenden Durchschnittspreis aus (siehe auch: Grundsätzliche Entscheidungen zur Kostenträgerrechnung
)
bei Verwendung der Komponente Istkalkulation/Material-Ledger
auf den Periodischen Verrechnungspreis aus
Es werden bei der Aufteilung die in der Kostenrechnungskreiswährung fortgeschriebenen Lieferwerte berücksichtigt.
Wenn Sie mit Transferpreisen arbeiten, dann berücksichtigt das System die in der Version 0 (operative Bewertungssicht) fortgeschriebenen Lieferwerte.
Ist die Profitcenter-Rechnung
im Einsatz, dann kann die Ware in Arbeit und die Differenz aus Belastung und Entlastung (der Auftragssaldo) auch an die Profitcenter-Rechnung
abgerechnet werden.
Nach der ersten Buchung erzeugt das System eine Aufteilungsregel für die Abrechnung der Abweichungen in der Ergebnis- und Marktsegmentrechnung
. Das System erzeugt die Aufteilungsregel automatisch auf der Basis der Einstellungen im Customizing. Während der ersten Abrechnung eines Auftrages erzeugt das System das Ergebnisobjekt (eine Zusammenfassung der relevanten Merkmale für die Ergebnis- und Marktsegmentrechnung
) und schreibt es als Abrechnungsempfänger in der Aufteilungsregel fort. Sie können diese Aufteilungsregel nach der Abrechnung anzeigen, indem Sie die Abrechnungsvorschrift aufrufen und Abrechnung Abweichungen
wählen. Bei jeder weiteren Abrechnung werden die Abweichungen an das Ergebnisobjekt weitergeleitet, das maschinell mit der ersten Abrechnung erzeugt wurde.
Wenn Sie zu einem späteren Zeitpunkt die Merkmale für die Ergebnisrechnung ändern wollen, dann müssen Sie die zeitliche Gültigkeit der ersten Aufteilungsregel so ändern, dass sie bei der nächsten Abrechnung ungültig wird. Bei der Abrechnung wird das System eine neue Aufteilungsregel mit einem neuen Ergebnisobjekt erzeugen und die Abweichungen an dieses Ergebnisobjekt weiterleiten.
In der Ergebnis- und Marktsegmentrechnung
können Sie Berichte definieren, die diese Daten entsprechend Ihren Anforderungen darstellen.
Sie haben im System die Möglichkeit, den Wert des ungeplanten Ausschusses durch die Abweichungsermittlung zu ermitteln.
In der SAP-Standardauslieferung werden alle auf dem Auftrag angefallenen Istkosten zu 100% an das Bestandskonto des gefertigten Materials kontiert. Ist bei der Fertigung eines Materials Ausschuss angefallen, führt dies bei Abrechnung der Abweichungen zu einer unrealistischen Erhöhung des gleitenden Durchschnittspreises. Dies führt bei Materialien mit dem Preissteuerungskennzeichen V zu einer ungerechtfertigten Erhöhung der Bestandswerte in der Finanzbuchhaltung
. Um dies zu verhindern, können Sie bei Verwendung von Produktionsaufträgen als Kostenträger den Prozentwert der bereits existierenden Aufteilungsregel manuell an die gefertigte Gutmenge angleichen und eine neue Aufteilungsregel für den angefallenen Ausschuss hinzufügen. Für die neue Aufteilungsregel geben Sie als Abrechnungsempfänger eine Kostenstelle an.
Hinweis
Wenn Sie die Kosten auf einem Produktkostensammler sammeln, können Sie den Ausschuss nicht auf eine Kostenstelle abrechnen.
Für die Abrechnung an die Ergebnis- und Marktsegmentrechnung
können Sie der Abweichungskategorie Ausschuss
im Ergebnisschema ein eigenes Wertfeld zuordnen. Dieser Wert wird in der Ergebnis- und Marktsegmentrechnung
separat fortgeschrieben.
Die Auftragssalden der einer Kundenauftragsposition zugeordneten Produktionsaufträge beziehungsweise des einer Kundenauftragsposition zugeordneten Produktkostensammlers können Sie an die kosten- und erlösführende Kundenauftragsposition weiterleiten. Dies ist sinnvoll, wenn Sie die Summe aller angefallenen Kosten auf der Kundenauftragsposition sehen möchten (Preisdifferenzen für fremdbeschaffte Materialien werden immer auf die kosten- und erlösführende Kundenauftragsposition gebucht).
Weitere Informationen finden Sie unter Bewerteter Kundenauftragsbestand
.
Sie haben die Möglichkeit, Abweichungen, die auf Fertigungsaufträgen anfallen, auf die Kundenauftragsposition zu buchen. Diese Buchung ist keine statistische Buchung. Die Vorgehensweise ist wie folgt: Sie legen zum Preisdifferenzenkonto eine Kostenart an. Bei der Abrechnung des Fertigungsauftrags wird die Kundenauftragsposition automatisch mit Istkosten in Höhe der Preisdifferenz - und unter der entsprechenden Kostenart - bebucht.
Hinweis
Wenn Sie im Abrechnungsprofil zum Fertigungsauftrag nicht hinterlegen, dass die Abweichungen vom Fertigungsauftrag ausgehend nicht in die Ergebnis- und Marktsegmentrechnung
abgerechnet werden, so rechnen Sie die Abweichungen zweimal nach Ergebnis- und Marktsegmentrechnung
ab: einmal vom Fertigungsauftrag ausgehend nach Abweichungskategorien und einmal von der Kundenauftragsposition ausgehend. Die Abrechnungsvorschrift verweist weiterhin auf das Material, nicht auf die Kundenauftragsposition.
Siehe auch: Kundenauftrags-Controlling
.
Während der Abrechnung werden die betriebswirtschaftlichen Vorgänge gesperrt, die Kosten für einen Auftrag verursachen (zum Beispiel Zählpunktmeldungen, Gemeinkostenzuschläge, Warenbewegungen). Auf diese Weise stellt das System sicher, dass alle relevanten Kosten für die Periode bei der Abrechnung berücksichtigt werden.
Werden nach der Abrechnung weitere Kosten in dieser Periode gebucht, müssen Sie die Abrechnung für die Periode erneut durchführen. Wenn Sie die Kosten nicht abrechnen und die Periode endgültig sperren, dann können diese Kosten nicht mehr abgerechnet werden.
Sie können die Abrechnung entweder zum zum letzten Tag der Periode buchen oder aber ein anderes Buchungsdatum eingeben. Das Buchungsdatum muss innerhalb der Periode liegen, für die die Zuschlagsrechnung ausgeführt wird.
Sie können Aufträge erst archivieren, wenn Sie alle Istkosten abgerechnet haben.
Um die Laufzeit zu verkürzen, können Sie die Abrechnung parallelisiert ausführen.
Wenn Sie die Abrechnung außerhalb des Schedule Managers
durchführen, tragen Sie bei der Hintergrundverarbeitung eine Server-Gruppe ein.
Wenn Sie Abrechnung in Verbindung mit dem Schedule Manager
durchführen, dann setzen Sie beim Anlegen der Jobvariante im Selektionsbild des Programmes das Kennzeichen Parallelverarbeitung
. Anschließend erscheint ein Eingabefeld, in das Sie die Servergruppe eingeben.
Zu den im Periodenabschluss durchgeführten Einzelfunktionen können Sie die fehlerhaft bearbeiteten Objekte anzeigen und bearbeiten. Dazu verwenden Sie den mehrstufigen Arbeitsvorrat. Der mehrstufige Arbeitsvorrat bietet die Möglichkeit, fehlerhafte Objekte nicht nur eines einzelnen Verarbeitungsschrittes (d.h. einer Einzelfunktion), sondern einer ganzen Verarbeitungsschrittfolge zu bearbeiten.
Voraussetzung für die Verwendung des mehrstufigen Arbeitsvorrates ist, dass Sie den Schedule Manager
in Verbindung mit einer Ablaufdefinition verwenden.
Siehe Integration
.
Sie können im Rahmen des Transferpreisekonzeptes Ware in Arbeit zu Istkosten in parallelen Bewertungssichten fortschreiben. Informationen hierzu finden Sie unter Transferpreise in der Kostenträgerrechnung
.
Ausführliche Informationen zu den Arbeitsschritten im Customizing finden Sie im Customizing für Produktkosten-Controlling
in der Kostenträgerrechnung
unter Periodisches Produkt-Controlling
oder unter .
Informationen zur Abrechnungsvorschrift des Produktkostensammlers finden Sie unter:
Produktkostensammler anlegen
Informationen zur Ware in Arbeit finden Sie unter:
Ware in Arbeit im Periodischen Produkt-Controlling
WIP im Auftragsbezogenen Produkt-Controlling
Informationen zu den Buchungsregeln zur Abrechnung der Ware in Arbeit finden Sie im Einführungsleitfaden der Kostenträgerrechnung
unter Periodisches Produkt-Controlling
bzw. Auftragsbezogenes Produkt-Controlling
.
Informationen zur Abweichungsermittlung finden Sie unter:
Abweichungsermittlung
ff.
Sie können Produktionsaufträge zu Auftragsnetzen verknüpfen. Wenn Sie ein Auftragsnetz mit Standardlogik anlegen, erfolgt die Abrechnung aller im Auftragsnetz enthaltenen Aufträge wie in diesem Abschnitt beschrieben. Wenn Sie ein Auftragsnetz mit Sonderlogik anlegen, erfolgt die Abrechnung wie im folgenden Abschnitt beschrieben:
Auftragsnetz mit Sonderlogik
Sie finden in diesem Abschnitt auch Informationen darüber, wie der Kundenauftragsbestand getrennt vom anonymen Lagerbestand oder gemeinsam mit dem anonymen Lagerbestand bewertet werden soll.
Informationen zur Standardpreisermittlung bei bewertetem Kundenauftragsbestand finden Sie unter:
Unbewerteter Kundenauftragsbestand: Bewertung
Standardpreis bei bewertetem Kundenauftragsbestand
Informationen zum unbewerteten Kundenauftragsbestand finden Sie unter:
Besonderheit: Unbewerteter Kundenauftragsbestand
Informationen zur Plankalkulation, zur Kalkulationsvariante, zur Kalkulationsart, zu Kostenelementen und zum Elementeschema finden Sie im Abschnitt Produktkostenplanung
.
Informationen zur Bestandsbewertung mit Periodenpreisen finden Sie unter Istkalkulation/Material-Ledger
.
Informationen zur Materialkontenfindung finden Sie im Einführungsleitfaden der Materialwirtschaft
unter .
Ausführliche Informationen zur Ergebnisrechnung
finden Sie im Einführungsleitfaden und im Dokument Ergebnis- und Marktsegmentrechnung
.
Informationen zu weiteren Performance-Verbesserungen im Produktkosten-Controlling
finden Sie im Abschnitt Performance im Produktkosten-Controlling
.