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  Wareneingang in der Kostenträgerrechnung

Verwendung

Der Wareneingang ist eine Warenbewegung in der Materialwirtschaft (MM), die an das Lager liefert.

Es werden folgende Wareneingänge unterschieden:

  • Wareneingang eines fremdbezogenen Materials mit Bezug auf eine Bestellung

  • Wareneingang eines selbst gefertigten Materials mit Bezug auf einen Produktionsauftrag (Fertigungsauftrag oder Prozessauftrag) oder Serienauftrag

    Dabei sind zwei Fälle zu unterscheiden:

    • Der Fertigungsauftrag oder Prozessauftrag ist keinem Produktkostensammler zugeordnet:

      Der Produktionsauftrag selbst wird entlastet.

    • Der Fertigungsauftrag, Prozessauftrag oder Serienauftrag ist einem Produktkostensammler zugeordnet:

      Der Produktkostensammler wird entlastet.

  • Wareneingang eines selbst gefertigten Materials mit Bezug auf einen Produktkostensammler

Bei Wareneingangsbuchungen an den anonymen Lagerbestand oder an den bewerteten Kundenauftragsbestand erfolgt eine vorläufige Bestandsbewertung. Der Bestandswert im Materialstammsatz wird entsprechend fortgeschrieben.

Voraussetzungen

Sie haben im Customizing des MM unter Bewertung und Kontierung im Arbeitsschritt Automatische Buchungen anlegen , welche Konten bei der relevanten Materialbewegung fortgeschrieben werden. Dazu verknüpfen Sie für einen Bewertungskreis

  • den Vorgang BSX (Bestandsbuchung) mit einem Bestandskonto

  • den Vorgang GBB (Gegenbuchung zur Bestandsbuchung) mit der Kontomodifikation AUF (Wareneingänge zu kontierten Aufträgen) mit einem Fabrikleistungskonto (Bestandsveränderung)

Funktionsumfang

Sie führen einen Wareneingang zum Produktionsauftrag oder zum Serienauftrag durch. Dieser Wareneingang kann automatisch bei der Rückmeldung des letzten Vorganges eines Produktionsauftrages oder Serienauftrages erfolgen.

Hinweis Hinweis

In der Serienfertigung werden sämtliche Warenbewegungen im Menü der Serienfertigung gebucht. Bei Serienfertigung werden Warenbewegungen nicht über das Menü der Materialwirtschaft gebucht.

Ende des Hinweises

Wenn Sie an den anonymen Lagerbestand oder an den bewerteten Kundenauftragsbestand liefern, dann erfolgt die Bewertung wie folgt:

  • Bei Fremdbezug kann die Bewertung beim Wareneingang oder beim Rechnungseingang erfolgen. Wenn die Bewertung beim Wareneingang stattfindet, dann erfolgt eine vorläufige Bewertung zum Bestellnettopreis. Wenn der Rechnungspreis von dem Bestellnettopreis abweicht, dann wird bei Rechnungseingang die Differenz aus Rechnungspreis und Bestellnettopreis dem Bestand nachbelastet.

  • Bei Eigenfertigung erfolgt eine vorläufige Bewertung zum Zeitpunkt des Wareneingangs. Zur Bewertung wird die an das Lager gelieferte Menge mit dem Preis in der Buchhaltungssicht des Materialstammsatzes multipliziert. Welcher der in der Buchhaltungssicht hinterlegten Preise zur Bewertung herangezogen wird, bestimmt die ebenfalls dort hinterlegte Preissteuerung:

    • Bei S-Preissteuerung werden die Wareneingänge mit dem Standardpreisbewertet.

    • Bei V-Preissteuerung werden die Wareneingänge gemäß der Einstellung im Customizing bewertet:

      • Im Periodischen Produkt-Controlling nehmen Sie diese Einstellung vor unter Anfang des Navigationspfads Mitlaufende Kalkulation Navigationsschritt Zugangsbewertung für Auftragsablieferung festlegen Ende des Navigationspfads .

      • Im Auftragsbezogenen Produkt-Controlling nehmen Sie diese Einstellung vor unter Zugangsbewertung für Auftragsablieferung festlegen .

Nachfolgend wird insbesondere der Wareneingang bei Eigenfertigung behandelt.

Wenn zu einem Produktionsauftrag oder zu einem Serienauftrag ein Wareneingang gebucht wird, dann löst dies Folgendes aus:

  • Der Auftrag oder Produktkostensammler wird entlastet.

  • In der Finanzbuchhaltung (FI) wird eine entsprechende Bestandsbuchung ("Bestand an Bestandsveränderung") vorgenommen. Dabei wird ein Materialbeleg und ein Buchhaltungsbeleg erzeugt.

Die Bestandsbewertung beim Wareneingang zum Produktionsauftrag oder zum Produktkostensammler ist eine vorläufige Bewertung.

Wenn Sie im Periodenabschluss des Periodischen Produkt-Controlling oder Auftragsbezogenen Produkt-Controlling die Abrechnung durchführen, dann werden folgende Buchungen erzeugt:

  • Wenn die Istkosten größer sind als die Standardkosten und die Bestandsdeckung ausreichend ist ( Siehe auch: Beispiel für Abrechnung bei Bestandsunterdeckung ), wird bei Bewertung mit Standardpreis die Buchung "Aufwand aus Preisdifferenzen an Bestandsveränderung" erzeugt.

  • Wenn die Istkosten kleiner sind als die Standardkosten und die Bestandsdeckung ausreichend ist, wird bei Bewertung mit Standardpreis die Buchung "Bestandsveränderung an Ertrag aus Preisdifferenzen" erzeugt.

    Durch diese Buchungen wird sichergestellt, dass der Bestand auch nach Abrechnung der Abweichung mit dem Standardpreis bewertet ist.

  • Wenn die Istkosten größer sind als die Standardkosten, wird bei Bewertung mit gleitendem Durchschnittspreis die Buchung "Bestand an Bestandsveränderung" erzeugt.

  • Wenn die Istkosten kleiner sind als die Standardkosten, wird bei Bewertung mit gleitendem Durchschnittspreis die Buchung "Bestandsveränderung an Bestand" erzeugt.

Wenn zum relevanten Material eine Mischkalkulation vorliegt, dann entspricht der Standardpreis dem Mischpreis.

Der gleitende Durchschnittspreis kann sich bei jeder Warenbewegung sowie bei der Abrechnung der Abweichungen am Periodenende verändern.

Wenn die Kostenrechnungskreiswährung von der Buchungskreiswährung abweicht, dann wird der Wert des Wareneingangs in beiden Währungen fortgeschrieben.

Automatischer Wareneingang

Sie haben die Möglichkeit, bei der Rückmeldung des letzten durchzuführenden Vorgangs einen automatischen Wareneingang durchzuführen.

Dazu müssen Sie folgende Einstellungen vorgenommen haben:

  • Bei Serienfertigung haben Sie im Serienfertigungsprofil hinterlegt, dass ein automatischer Wareneingang bei der Istdatenerfassung zum letzten Zählpunkt erfolgen soll.

    Diese Einstellung nehmen Sie im Customizing des Periodischen Produkt-Controlling unter Anfang des Navigationspfads MitlaufendeKalkulation Navigationsschritt Steuerungsdaten für Serienfertigungsprofil überprüfen Ende des Navigationspfads vor.

  • Bei Werkstattfertigung und Prozessfertigung haben Sie im Steuerschlüssel des Arbeitsplans hinterlegt, dass der rückzumeldende Vorgang ein Zählpunkt (Serienfertigung) oder ein Meilenstein (Werkstattfertigung und Prozessfertigung) ist.

  • Bei Werkstattfertigung und Prozessfertigung haben Sie im Steuerschlüssel des Arbeitsplans hinterlegt, dass ein automatischer Wareneingang erfolgen soll.

    Hinweis Hinweis

    Wenn einem Zählpunkt, zu dem ein automatischer Wareneingang gebucht wird, ein weiterer Vorgang folgt, dann werden die Leistungen dieses Vorgangs nicht mehr automatisch gebucht.

    Ende des Hinweises
Wareneingang und retrograde Materialentnahme

Sie haben die Möglichkeit, bei der Wareneingangsbuchung die eingesetzten Materialien retrograd vom Lager zu entnehmen.

Sie können die vorgeschlagenen Materialkomponenten ändern und gegebenenfalls weitere Materialkomponenten hinzufügen. Die retrograde Materialentnahme erfolgt zum Standardpreis oder zum gleitenden Durchschnittspreis (wenn Istkalkulation / Material-Ledger nicht aktiv ist) bzw. zum Periodenpreis (wenn Istkalkulation / Material-Ledger aktiv ist) gemäß der Preissteuerung in der Buchhaltungssicht des Materialstammsatzes.

Die für die retrograde Materialentnahme vorgeschlagenen Materialien und Mengen können Sie ändern.

Voraussetzungen für die retrograde Materialentnahme bei Wareneingang

Nehmen Sie die Einstellungen vor, die für einen automatischen Wareneingang erforderlich sind (siehe oben).

Nehmen Sie zusätzlich folgende Einstellungen vor:

Serienfertigung

Sie hinterlegen im Serienfertigungsprofil mit dem Kennzeichen WE und WA, dass ein gleichzeitiger Wareneingang / Warenausgang erfolgen soll.

Sie können in der Serienfertigung zum letzten Vorgang eine Zählpunktmeldung mit automatischem Wareneingang und gleichzeitigem retrogradem Warenausgang durchführen. Nehmen Sie die entsprechende Einstellung im Customizing im Serienfertigungsprofil vor.

In der Serienfertigung löst das System die aktuelle Stückliste (d.h. die zum Buchungsdatum oder die auf Basis eines Revisionsstandes in der Fertigungsversion hinterlegte Stückliste) zum Material auf, um festzustellen, welcher Materialkomponentenverbrauch vorgeschlagen wird.

Sie führen den Wareneingang über das Menü der Serienfertigung aus.

Beispiel Beispiel

Sie liefern zu einem Serienauftrag 500 Tonnen an das Lager. Die Plankalkulation zum Produkt wurde mit Bezug auf 1000 Tonnen durchgeführt. Zur Fertigung der 1000 Tonnen wird von einer Bezugszeit von 100 Minuten ausgegangen. Zur Fertigung von 500 Tonnen wird eine Leistungsverrechnung auf Basis 50 Minuten Eigenleistung durchgeführt. Der Tarif für die Leistungsart beträgt EUR 20 pro Minute. Das System schreibt Istkosten von EUR 1000 auf dem Produktkostensammler fort.

Für die 500 Tonnen wird eine retrograde Entnahme auf Basis der aktuellen Stückliste gebucht. Das System schreibt Materialkosten vom EUR 2000 auf dem Produkt fort.

Der Standardpreis für das Produkt beträgt EUR 5 pro Tonne. Der Wareneingang wird mit EUR 2500 bewertet. Das System entlastet den Produktkostensammler mit EUR 2500. Am Periodenende werden die restlichen EUR 500 an den Bestand abgerechnet.

Ende des Beispiels.
Werkstattfertigung und Prozessfertigung

Sie müssen bei Werkstattfertigung und Prozessfertigung im Arbeitsvorgang des Arbeitsplans hinterlegen, dass eine retrograde Materialentnahme erfolgen soll.

Sie hinterlegen im Steuerschlüssel des letzten Vorganges, dass ein automatischer Wareneingang erfolgen soll.

In der Werkstattfertigung und Prozessfertigung berücksichtigt das System die im Produktionsauftrag hinterlegte Stückliste und berücksichtigt die Zuordnung von Einsatzmaterialien zu Arbeitsplanvorgängen.

Wareneingang und Leistungsverrechnung

Wenn Sie in der Serienfertigung nicht mit Zählpunkten arbeiten, dann können Sie im Serienfertigungsprofil festlegen, dass zum Zeitpunkt des Wareneingangs eine Leistungsverrechnung stattfinden soll.

Wenn Leistungen gebucht werden, dann wird eine interne Leistungsverrechnung auf Basis folgender Informationen gebucht:

  • Die Menge der in Anspruch genommenen Leistung wird auf Basis des Mengengerüsts in der aktuellen Plankalkulation zum gefertigten Material oder der Vorkalkulation zum Produktkostensammler ermittelt. Sie können die Leistungsmenge manuell ändern.

  • Der aktuelle Tarif pro Leistungsart wird aus der Kostenstellenrechnung anhand einer Bewertungsvariante ermittelt. Die Bewertungsvariante wird über die Kalkulationsvariante für die Istkosten ermittelt. Die Kalkulationsvariante für die Istkosten wird über die Auftragsart des Produktionskostensammlers ermittelt.

Besonderheiten beim Produktionskostensammler zum einzelbedarfsgesteuerten Material

Wenn Sie mit einem Produktionskostensammler zum einzelbedarfsgesteuerten Material arbeiten, dann wird dieser zum Zeitpunkt des Wareneingangs immer gleichzeitig mit allen Materialeinsatzkosten und Leistungsverrechnungen belastet und mit dem Standardpreis entlastet.

Siehe auch:

Informationen zur Buchungslogik finden Sie unter Buchhalterische Betrachtung der Kostenträgerrechnung .

Weitere Informationen zur Materialbewertung zum Periodenpreis finden Sie unter Istkalkulation/Material-Ledger .

Informationen zum Wareneingang und zur Bestandsführung finden Sie in der Dokumentation LO-Materialwirtschaft .

Informationen zu Warenbewegungen bei Rückmeldung finden Sie in den Dokumenten LO-PP-Fertigungsauftrag-Rückmeldungen und LO-PP-Serienfertigung-Istdatenerfassung/Rückmeldung .

Informationen zu den Besonderheiten des Produktkostensammlers bei Kundenauftragsfertigung finden Sie unter:

Informationen zur Abrechnung finden Sie unter Abrechnung im Produkt-Controlling .

Informationen zur empfohlenen Preissteuerung finden Sie unter Grundsätzliche Entscheidungen zur Kostenträgerrech nung.