FixkostenvorverteilungDie Fixkostenvorverteilung wird im Rahmen der Grenzplankostenrechnung eingesetzt. Sie steht sowohl für Kostenstellen als auch für Geschäftsprozesse zur Verfügung.
Auch für einen Grenzplankostenrechner ist es interessant, im Rahmen der Kalkulation Herstellkosten zu bestimmen, die auf den vollen Kosten basieren. Daher müssen neben der Verrechnung variabler (also Grenz-)Kosten durch die innerbetriebliche Leistungsverrechnung auch die fixen Kosten von den Senderkostenstellen bzw. den Sendergeschäftsprozessen auf die Kostenträger gebracht werden. Da fixe Kosten als Bereitstellungskosten nicht proportional zur Beschäftigung sind, sollten sie auch nicht proportional zur erbrachten Leistung der Senderkostenstellen/Sendergeschäftsprozesse verrechnet werden.
Durch die Fixkostenvorverteilung wird dieses Problem gelöst, indem die Fixkosten vollständig auf die Kostenstellen bzw. Geschäftsprozesse verteilt werden, die die Leistungsaufnahmen geplant haben. So können Senderkostenstellen bzw. Sendergeschäftsprozesse ihre Leistungen im Rahmen eines abgestimmten Leistungsplans bereitstellen. Denn die sendende Kostenstelle bzw. der sendende Geschäftsprozeß hat die Fixkosten für die Bereitstellung dieser Leistungen nicht verursacht, da die Leistungsaufnahme von anderen Kostenstellen bzw. Geschäftsprozessen geplant wurde.
Im Rahmen der Fixkostenvorverteilung werden pro Leistungsart einer Senderkostenstelle bzw. pro Geschäftsprozeß die fixen Plankosten der Version 0 als Istkosten auf die Kostenstellen bzw. Geschäftsprozesse verteilt, die die Leistungsaufnahmen geplant haben.
Hinweis
Sender der Fixkostenvorverteilung können Kostenstellen/Leistungsarten oder Geschäftsprozesse sein, wenn für die Leistungsart bzw. den Geschäftsprozeß (in den Stammdaten oder bei der Planung) das Kennzeichen "fixkostenvorverteilt" gesetzt wurde (s.a. Fixkostenvorverteilung ausführen ).
Empfänger der Fixkostenvorverteilung können nur CO-Objekte vom Typ Kostenstelle, Kostenstelle/Leistungsart oder Geschäftsprozeß sein. Alle anderen CO-Objekte können nicht als Empfänger fungieren.
Werden planintegrierte Aufträge oder Projekte an eine Kostenstelle im Plan abgerechnet, so erfolgt eine Fixkostenvorverteilung auf die empfangende Kostenstelle (s.u. Abschnitt "Auftragsabrechnung").
Die Aufteilung der fixen Kosten auf die empfangenden Kostenstellen bzw. Geschäftsprozesse geschieht proportional zum fixen Anteil der geplanten Leistungsaufnahmemengen. Der Verrechnungsbetrag der Fixkostenvorverteilung ergibt sich aus dem Produkt der geplanten Leistungsaufnahmemenge der Empfängerkostenstelle bzw. des Empfängergeschäftsprozesses mit dem fixen Plantarif der Senderkostenstelle bzw. des Sendergeschäftsprozesses. Dieser Betrag wird im Ist gebucht.
Durch die Kostenstellen bzw. die Geschäftsprozesse, die die Leistungsaufnahmen geplant haben, wird somit sichergestellt, daß auch die beschäftigungsunabhängigen Kostenanteile gedeckt sind.
Die nachfolgende Grafik verdeutlicht die Fixkostenvorverteilung:
Wurde die Fixkostenvorverteilung für Leistungsarten einer Kostenstelle bzw. für Geschäftsprozesse vereinbart, so hat dies Auswirkungen auf die Verrechnungen im Ist und auf den Periodenabschluß.
Leistungsverrechnung im Ist
Bei Leistungsarten oder Geschäftsprozessen, die an der Fixkostenvorverteilung teilnehmen, hängt es vom Typ des Empfängers ab, ob in der Istleistungsverrechnung die Gesamtkosten oder nur die variablen Kosten auf die Istleistungsempfänger (Kostenstellen bzw. Geschäftsprozesse) verrechnet werden.
Auf diese Weise verhindert das SAP-System, daß die Leistungsempfänger doppelt mit den Fixkosten belastet werden.
Wenn für den Sender das Kennzeichen "fixkostenvorverteilt" gesetzt wurde und der Empfänger vom Typ Kostenstelle, Kostenstelle/Leistungsart oder Geschäftsprozeß ist, so werden bei der innerbetrieblichen Leistungsverrechnung nur die variablen Kosten verrechnet. Der fixe Anteil wird nicht berücksichtigt.
Nimmt der Sender an der Fixkostenvorverteilung teil, der Empfänger jedoch nicht (weil kein CO-Objekt vom Typ Kostenstelle, Kostenstelle/Leistungsart oder Geschäftsprozeß), so werden die fixen und die variablen Kosten verrechnet.
Wenn für den Sender das Kennzeichen "fixkostenvorverteilt" nicht gesetzt wurde, so werden unabhängig vom Empfänger die fixen und variablen Kosten verrechnet.
Dies gilt für alle Leistungsverrechnungen im Ist und zwar unabhängig davon, ob auf den Empfänger im Rahmen der Fixkostenvorverteilung tatsächlich Fixkosten gebucht werden.
Auftragsabrechnung
Planintegrierte Aufträge und Projekte nehmen nicht als Empfänger an der Fixkostenvorverteilung teil. Sie werden daher immer mit fixen und variablen Kosten belastet.
Werden Aufträge und Projekte an Kostenstellen bzw. an Geschäftsprozesse abgerechnet, die an der Fixkostenvorverteilung teilnehmen, so verhindert das SAP-System, daß die Kostenstellen bzw. Geschäftsprozesse doppelt mit den Fixkosten belastet werden. Die fixen Kosten der Leistungsverrechnung werden in diesem Fall vom Auftrag auf die sendende Kostenstelle bzw. den sendenden Geschäftsprozeß zurückverrechnet, falls diese ihre Fixkosten vorverteilt hat. Dies gilt unabhängig davon, ob auf den Empfänger im Rahmen der Fixkostenvorverteilung tatsächlich Fixkosten gebucht werden.
Achtung
Die Rückverrechnung der fixen Kosten erfolgt ausschließlich bei der periodischen Auftragsabrechnung, nicht jedoch bei der Gesamtabrechnung. Darum dürfen Aufträge im Ist nicht mit der Gesamtabrechnung abgerechnet werden, wenn sie Leistungen bezogen haben, deren fixe Kosten vorverteilt wurden.
Die nachfolgende Grafik verdeutlicht die Fixkostenvorverteilung mit planintegrierten Aufträgen:
Sollkostenermittlung
Beim Einsatz der Fixkostenvorverteilung werden zur Ermittlung der Sollkosten andere Sollkostenformeln verwendet (siehe: Sollkostenermittlung ).
Isttarifermittlung
Achtung
Eine Nachbewertung im Rahmen der Isttarifermittlung ist im Zusammenhang mit der Fixkostenvorverteilung im SAP-System nicht sinnvoll, da die Isttarifermittlung alle Daten der Fixkostenvorverteilung überschreibt.
Abweichungsermittlung
Einsatzseite :
Sind die Fixkosten der Senderleistungsart bzw. des Sendergeschäftsprozesses vorverteilt, können weder im Soll noch im Ist Tarife berechnet werden. Die Gesamtmengen in den jeweiligen Datensätzen beziehen sich dann nur auf den variablen Teil der Kosten.
Achtung
Da aus den Istkostensätzen mit vorverteilten Fixkosten keine Tarife berechnet werden können, führen die bisherigen Berechnungen der Einsatzpreis- und Einsatzmengenabweichung zu falschen Ergebnissen.
Einsatzmengenabweichungen kann es bei der Leistungsaufnahme nur solange geben, wie die Isttarifermittlung ohne Nachbewertung eingesetzt wird, d.h. solange im Plan und im Ist der gleiche Tarif verwendet wird. Werden die Leistungsaufnahmen im Ist nachbewertet, müssen die Einsatzpreisabweichungen für die Abweichungsermittlung in den Istsätzen fortgeschrieben werden.
Verrechnungsseite :
Wenn die betrachtete Kostenstelle bzw. der Geschäftsprozeß die Fixkosten vorverteilt, kann es keine Beschäftigungsabweichungen geben, wohl aber eine Über-/Unterdeckung der Fixkosten. Zu dieser Abweichung kommt es, wenn die Kostenstelle bzw. der Geschäftsprozeß im Ist an Objekte außerhalb der Kostenstellenrechnung bzw. der Prozeßkostenrechnung Leistung und somit zusätzliche Fixkosten verrechnet. Diese Abweichung wird als Restabweichung ausgewiesen.
Die Sollentlastung wird in der Abweichungsermittlung aus den Plankosten der Einsatzseite multipliziert mit dem Beschäftigungsgrad berechnet. Dies entspricht dem Produkt des Plantarifs mit der Istleistung. Sie beinhaltet damit die Beschäftigungsabweichung, so daß die Differenz aus Sollentlastung und Istentlastung gleich der Verrechnungspreisabweichung ist.
Im Fall der Fixkostenvorverteilung wird der fixe Teil der Sollentlastung korrigiert, so daß die Beschäftigungsabweichung nicht mehr enthalten ist. Die Differenz zwischen Soll- und Istentlastung beinhaltet dann die Verrechnungspreisabweichung und die oben beschriebene Überdeckung der Fixkosten. Die Überdeckung der Fixkosten ist dann Bestandteil der fixen Verrechnungspreisabweichung (s iehe: Abweichungsermittlung ).
Informationen über die Durchführung der Fixkostenvorverteilung finden Sie unter Fixkostenvorverteilung ausführen.