Finite Planung
Die finite Planung mit Hilfe des SNP-Optimierers eignet sich besonders, wenn die Kapazität Ihrer Unternehmensressourcen begrenzt ist und sich diese begrenzten Kapazitäten auf Ihre Produktions- und Distributionsplanung auswirken. Mit der finiten Planung können Sie die Kapazitäten bereits in Supply Network Planning (SNP) berücksichtigen, um der nachgelagerten Feinplanung (z.B. SAP APO Produktions- und Feinplanung, PP/DS) die Erstellung ausführbarer Pläne zu erleichtern.
Darüber hinaus können Sie bei der finiten Planung mit dem SNP-Optimierer eine mögliche Erweiterung Ihrer Kapazitäten gegen die Berechnung zusätzlicher Kosten in Ihre Planung einbeziehen.
Folgende Ressourcenarten und -typen können Sie mit dem SNP-Optimierer finit planen:
· Ressourcenarten:
¡ Produktionsressourcen
¡ Transportressourcen
¡ Handling-Ressourcen
¡ Lagerressourcen
· Ressourcentypen:
¡ Single- und Multi-Mischressourcen
¡ Bucket-Ressourcen
¡ Transportressourcen
Der SNP-Optimierer berücksichtigt grundsätzlich nur das Nettokapazitätsangebot, d.h. er prüft, ob die in SNP zur Verfügung stehende Kapazität bereits durch andere Anwendungsbereiche des Systems (z.B. PP/DS, Deployment, Transport Load Builder) oder fixierte SNP-Aufträge verbraucht wird.
Bei Single- und Multi-Misch-Ressourcen subtrahiert der SNP-Optimierer beispielsweise die durch PP/DS verbrauchte Kapazität von dem in SNP zur Verfügung stehenden Kapazitätsangebot. Wenn der Kapazitätsverbrauch durch PP/DS das aggregierte Kapazitätsangebot in einem Bucket (Periode) in SNP übersteigt, geht der Optimierer von einem Kapazitätsangebot von 0 in dem entsprechenden Bucket aus und plant in diesem Bucket keinen zusätzlichen Kapazitätsverbrauch.
Für die finite Planung gelten die gleichen Voraussetzungen wie für die optimierungsbasierte Planung allgemein:
·
Einrichten des
Planungsbereichs
·
Einrichten der
Stammdaten für den Optimierer
·
Anlegen eines
Modellnamens und einer Version
·
Einrichten des
Supply-Chain-Modells
·
Freigeben des
Absatzplans an Supply Network Planning
· Der SNP-Optimierer berücksichtigt grundsätzlich alle Restriktionen des Modells gleichzeitig. Dies bedeutet, dass der Optimierer bei der finiten Planung die Kapazitätsangebote aller Ressourcen simultan berücksichtigt. So werden z.B. bei einer mehrstufigen Produktion alle Produktionsstufen gleichzeitig in die Planung einbezogen.
Sie können im SNP-Optimiererprofil einstellen, welche Kapazitätsrestriktionen (Produktions-, Transport-, Handling- oder Lagerkapazität) vom Optimierer berücksichtigt werden sollen.
· Der Optimierer ermittelt das Kapazitätsangebot auf der Basis des festgelegten Fabrikkalenders, d.h. er zieht nur die Tage zur Ermittlung der Bucket-Kapazität heran, die im Fabrikkalender als Arbeitstage definiert wurden.
· Sie haben die Möglichkeit, für Ressourcen mehrere Kapazitätsangebotsvarianten festzulegen und diese als minimales, normales oder maximales Kapazitätsangebot zu kennzeichnen. Auf diese Weise können Sie dem Optimierer die Entscheidung überlassen, eine Erhöhung der Kapazität oder eine Unterschreitung der Mindestkapazität gegen die Berechnung zusätzlicher Kosten vorzunehmen. Da der Optimierer grundsätzlich die Lösung mit den geringsten Kosten wählt, wird er die Kapazität nur erhöhen oder die Mindestkapazität unterschreiten, wenn dies trotz Zusatzkosten zur günstigsten Gesamtlösung führt.
Die Kosten für die
Angebotsvarianten mit minimalem, normalem oder maximalen Angebot legen Sie in
den Ressourcenstammdaten in der Mengen-/Ratendefinition oder im Angebotsprofil
fest. Zur Festlegung des Statuskennzeichens wählen Sie vom Einstiegsbild der
Ressource aus Lfd. Einstellungen ->
Angebotsvarianten (siehe auch
Einrichten der
Stammdaten für den Optimierer).
Beachten Sie, dass das minimale Angebot sowie Kosten, die Sie für eine Angebotsvariante mit dem Status Normales Angebot festgelegt haben, vom Optimierer nur für Produktionsressourcen berücksichtigt werden.
· Der SNP-Optimierer berücksichtigt den Kapazitätsverbrauch einer Produktionsressource, den Sie im Modus des Produktionsprozessmodells (PPM) festlegen. Dabei kann ein PPM mehrere Ressourcen belasten und eine Ressource von mehreren PPMs belastet werden. Die Dauer eines SNP-PPMs (d.h. die Summe aller Dauern der Aktivitäten des PPMs) ist fix. Sie hat keinen Einfluss auf den Ressourcenverbrauch, sondern wird nur für die Terminierung des PPMs verwendet.
Der pro Aktivität festgelegte Ressourcenverbrauch wird gleichmäßig auf die Aktivitätenlänge verteilt. Dies bedeutet, dass der Optimierer die für die Aktivität festgelegte Verbrauchsart ignoriert und immer von einem kontinuierlichen Verbrauch (Verbrauchsart C) ausgeht.
· Wenn Sie die lineare Optimierungsmethode verwenden, berücksichtigt der Optimierer nur den im PPM festgelegten variablen Ressourcenverbrauch. Wenn der Optimierer auch den fixen Ressourcenverbrauch berücksichtigen soll, müssen Sie im SNP-Optimiererprofil die diskrete Optimierung auswählen und einen Diskretisierungshorizont für den Fixen Material- und Ressourcenverbrauch festlegen. Dies ist z.B. erforderlich, wenn Sie bei der Losgrößenplanung mit dem SNP-Optimierer Rüstzeiten mit Hilfe des fixen Ressourcenverbrauchs abbilden möchten (siehe auch Losgrößenplanung).

Beachten Sie, dass der Optimierer den im PPM festgelegten fixen Ressourcenverbrauch ignoriert, wenn Sie die lineare Optimierungsmethode im SNP-Optimiererprofil wählen. Der fixe Ressourcenverbrauch wird jedoch berücksichtigt, wenn während der Planung Aufträge im liveCache angelegt werden. Dies kann dazu führen, dass in der Kapazitätssicht der interaktiven SNP-Planung eine Ressourcenüberlastung angezeigt wird. Wählen Sie daher die diskrete Optimierung, wenn der Optimierer den fixen Ressourcenverbrauch berücksichtigen soll, oder legen Sie in Verbindung mit der linearen Optimierung keinen fixen Ressourcenverbrauch im PPM fest.
Wenn Sie eine integrierte SNP- und PP/DS-Planung durchführen und im SNP-Optimiererprofil das Kennzeichen Nicht-periodenübergreifende Losgrößenplanung (Registerkarte Integration) setzen, wird der fixe Ressourcenverbrauch beim Anlegen von SNP-Aufträgen im liveCache nicht berücksichtigt, wenn bereits ein PP/DS-Auftrag für das entsprechende PP/DS-PPM vorhanden ist (siehe auch F1-Hilfe für das Kennzeichen). Analog gilt dies auch für die periodenübergreifende Losgrößenplanung, wenn Sie das entsprechende Kennzeichen Periodenübergreifende Losgrößenplanung setzen.
· Der Optimierer berücksichtigt auch zeitabhängige Ressourcenverbräuche, die Sie im PPM festgelegt haben. Mit Hilfe dieser zeitabhängigen Verbräuche können Sie unterschiedliche Verbräuche im Zeitverlauf der Buckets abbilden. So können Sie beispielsweise in die Planung einbeziehen, dass eine Maschine am Anfang der Produktion noch einen höheren Verbrauch von Schmierstoffen aufweist als gegen Ende der Produktion.
· Für die maximale Kapazitätsangebotsvariante (s.o.) von Produktionsressourcen können Sie festlegen, dass der Optimierer die Kapazität entweder um das gesamte Kapazitätsangebot dieser Variante (z.B. eine ganze Schicht) oder gar nicht erhöhen darf. In diesem Fall berücksichtigt der Optimierer dann auch nur die gesamten Erhöhungskosten oder gar keine Kosten. Wählen Sie dazu im SNP-Optimiererprofil die diskrete Optimierungsmethode und legen Sie einen Diskretisierungshorizont im Feld Diskrete Erhöhung Produktionskapazität fest.
· Sie können die Kosten für die Erhöhung der Kapazität von Produktionsressourcen auch zeitabhängig festlegen. So können Sie beispielsweise festlegen, dass bei einem Planungszeitraster in Tagesperioden die Erhöhung montags mehr kostet als dienstags.
· Darüber hinaus können Sie bei Produktionsressourcen auch für die normale Kapazitätsangebotsvariante (Standardkapazität) Kosten festlegen (optional). Diese Kosten können Sie (auch zeitabhängig) pro Kapazitätseinheit und Bucket angeben. Die Kosten fallen proportional zur Ressourcennutzung an.
· Wenn Sie ein minimales Kapazitätsangebot festlegen möchten (siehe Abschnitt Allgemeines), müssen Sie für dessen Unterschreitung Kosten festlegen. Diese Kosten können Sie ebenfalls pro Kapazitätseinheit und Bucket angeben. Die Kosten fallen proportional zur Unterschreitung des minimalen Kapazitätsangebots an.
·
Da Sie im SNP-PPM pro Aktivität nur einen Modus
anlegen können, können Sie keine alternativen Ressourcen für eine
Produktionsaktivität festlegen. Zur Festlegung alternativer Ressourcen müssen
Sie pro Moduskombination jeweils ein PPM anlegen. Mit Hilfe der Funktion
SNP-PPM-Generierung
mit Losgrößenspanne können Sie SNP-PPMs auch automatisch für verschiedene
Moduskombinationen eines PP/DS-PPMs generieren lassen.
· Der SNP-Optimierer berücksichtigt nur den variablen Kapazitätsverbrauch (pro Tag) des Transportmittels, den Sie in der Transportbeziehung im Feld Verbrauch des Abschnitts Produktspezifischer Transport festgelegt haben. Sie geben diesen Verbrauch jeweils für das in diesem Abschnitt festgelegte Produkt an. Der Verbrauch ist abhängig von der Transportdauer. Wenn die Transportdauer 0 ist, existiert kein Ressourcenverbrauch.
Wenn Sie im Feld Verbrauch keinen Wert eingeben oder im gesamten Abschnitt Produktspezifischer Transport keine Daten festlegen, berechnet der Optimierer den Verbrauch anhand des Umrechnungsverhältnisses für die Mengeneinheiten, das Sie in den Produktstammdaten auf der Registerkarte Mengeneinheiten festlegen.
· Sie können Transportressourcen mehreren Transportbeziehungen zuordnen und somit die Transportkapazität auf diesen Transportbeziehungen beschränken. Geben Sie dazu in der Transportbeziehung im Feld Ressource des Abschnitts Transportmittel eine Transportressource an.
· Sie können im SNP-Optimiererprofil einstellen, dass die zur Verfügung stehenden Transportmittel diskret, d.h. als nicht teilbar betrachtet werden sollen. In diesem Fall werden die Transportmittel pro Transportbeziehung diskret betrachtet. Die Transportmittelkapazität legen Sie in den Ressourcenstammdaten im Feld Ausmaß fest.
Diese Option können Sie beispielsweise verwenden, um die in Ihrem Unternehmen zur Verfügung stehenden Transportmittel (z.B. einen LKW) abzubilden. Wenn Sie externe Transportdienstleister beauftragen, ist die diskrete Betrachtung von Transportmitteln für Sie eher nicht relevant.
· Die vom Optimierer berücksichtigten Transportkosten setzen sich aus den produktspezifischen Transportkosten (d.h. den Transportkosten, die Sie in der Transportbeziehung im Abschnitt Produktspezifischer Transport eingegeben haben) und den Transportkosten für das Transportmittel (d.h. den im Abschnitt Transportmittel eingegebenen Transportkosten) zusammen. Die Transportmittelkosten sind abhängig vom Transportressourcenverbrauch aller Produkte, die auf der Transportbeziehung transportiert werden, sowie von der für die Transportbeziehung festgelegten Entfernung zwischen der Start- und der Ziellokation.
· Sie können die Transportmittelkosten entweder als Kosten pro Transportressourceneinheit oder als Kosten pro Transportmittel festlegen. Im ersten Fall legen Sie in den Ressourcenstammdaten kein Ausmaß für die Transportressource fest. Im zweiten Fall legen Sie ein solches Ausmaß fest (z.B. 5 t) und aktivieren ggf. das Kennzeichen Ganzzahlige Transportmittel im SNP-Optimiererprofil (bei Aktivierung des Kennzeichens müssen Sie außerdem die diskrete Optimierungsmethode im SNP-Optimiererprofil wählen).
Wenn Sie im ersten Fall z.B. Rabattstaffeln abbilden möchten, können Sie Kostenfunktionen anwenden. Die Anwendung von Kostenfunktionen eignet sich insbesondere bei Zusammenarbeit mit externen Transportdienstleistern.
· Sie können Handling-Ressourcen einer Lokation in den Lokationsstammdaten (Registerkarte Ressourcen) als Handling-In- oder Handling-Out-Ressourcen zuordnen. Die Handling-In-Ressource wird während der Wareneingangsbearbeitungszeit durch eingehende Transporte (SNP-Umlagerungen) und Fremdbeschaffung, die Handling-Out-Ressource während der Warenausgangsbearbeitungszeit durch ausgehende Transporte belastet.
· Sie können den Kapazitätsverbrauch der Handling-In- und Handling-Out-Ressourcen für das jeweilige Lokationsprodukt in den Lokationsproduktstammdaten (Registerkarte WE/WA) festlegen. Der Ressourcenverbrauch bezieht sich auf den Handling-Vorgang und ist somit proportional zu Menge, aber nicht proportional zur Zeit.
· Sie können pro Lokation höchstens eine Handling-In- und eine Handling-Out-Ressource festlegen.
· Der Optimierer berücksichtigt den Kapazitätsverbrauch der Lagerressource, den Sie für das jeweilige Lokationsprodukt in den Lokationsproduktstammdaten (Registerkarte WE/WA) festlegen.
· Die Restriktion der Lagerkapazität ist für den Optimierer ein Soft-Constraint, d.h. die Restriktion kann vom Optimierer gegen die Berechnung von Strafkosten verletzt werden. Diese Strafkosten sind vom Optimierer vorgegeben, d.h. sie können nicht in den Stammdaten eingestellt werden.
Der Grund für die Einrichtung der Lagerkapazität als Soft-Constraint liegt in der Integration von Supply Network Planning mit PP/DS und SAP R/3. Durch die Integration können Initiallagerbestände oder fixe Materialzugänge (z.B. aus PP/DS) vorhanden sein, die nicht innerhalb eines Buckets abgebaut werden können und die Lagerkapazität überschreiten. Um dennoch eine Lösung zu finden, kann der Optimierer die Restriktion der Lagerkapazität gegen die Berechnung von Strafkosten verletzen. Der Optimierer wird jedoch aufgrund der hohen Strafkosten immer versuchen, die Lagerkapazität einzuhalten.
· Das Kapazitätsangebot der Lagerressource wird nicht wie bei den anderen Ressourcenarten nach Bucket aggregiert. Der Optimierer berücksichtigt immer das Kapazitätsangebot, das am letzten Tag eines Buckets vorhanden ist.
Wir empfehlen, für die Lagerressource einen Fabrikkalender ohne arbeitsfreie Tage zu wählen. Falls der letzte Tag im Bucket ein arbeitsfreier Tag wäre, würde der Optimierer annehmen, dass das Kapazitätsangebot 0 ist.
· Zusätzlich zur Kapazität der Lagerressource haben Sie die Möglichkeit, im Lokationsproduktstamm eine produktspezifische Obergrenze für den Lagerbestand festzulegen. Diese Obergrenze wird vom Optimierer berücksichtigt, wenn Sie im SNP-Optimiererprofil das Kennzeichen Maximale Produktspezifische Lagermenge aktivieren. Sie ist für den Optimierer eine weiche Restriktion, d.h. sie kann gegen die Berechnung von Strafkosten verletzt werden. Diese Strafkosten sind vom Optimierer vorgegeben, d.h. sie können nicht in den Stammdaten eingestellt werden.
Außerdem können Sie auch eine zeitabhängige Bestandsobergrenze festlegen. Weitere Informationen dazu finden Sie unter Festlegung zeitabhängiger Restriktionen in interaktiver Planung.
· Sie können jeder Lokation höchstens eine Lagerressource zuordnen.
Weitere Informationen zur optimierungsbasierten Planung und deren Ausführung finden Sie unter:
· Optimierungsbasierte Planung