Bestandsplanung
Lagerbestand dient in einem Unternehmen zur Absicherung gegenüber Unsicherheiten und Schwankungen des Bedarfs. Wenn Sie zu viel Lagerbestand halten, wird jedoch zu viel Kapital gebunden und die Lagerkosten sind entsprechend hoch. Bei zu wenig Lagerbestand kann z.B. die Gefahr bestehen, dass ein unvorhergesehener Bedarf nicht gedeckt werden kann.
Daher besteht das Ziel beim Einsatz des SNP-Optimierers im Bereich der Bestandsplanung vor allem darin, den Lagerbestand zwischen bestimmten Unter- und Obergrenzen zu halten.
Für die Bestandsplanung mit dem SNP-Optimierer gelten die gleichen Voraussetzungen wie für die optimierungsbasierte Planung allgemein:
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Einrichten des
Planungsbereichs
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Einrichten der
Stammdaten für den Optimierer
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Anlegen eines
Modellnamens und einer Version
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Einrichten des
Supply-Chain-Modells
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Freigeben des
Absatzplans an Supply Network Planning
Der SNP-Optimierer berücksichtigt bei der Planung des Lagerbestands Materialzu- und -abgänge, die durch andere Anwendungsbereiche des Systems (z.B. PP/DS, Deployment, Transport Load Builder) oder fixierte SNP-Aufträge verursacht werden.
Sollten diese Aufträge Materialabgänge beinhalten, die der Optimierer nicht in dem entsprechenden Bucket ausgleichen kann, so entsteht für den Optimierer ein nicht lösbares Problem. Um dies zu vermeiden, können Sie im SNP-Optimiererprofil (auf der Registerkarte Integration) festlegen, dass Materialabgänge, die durch Umlagerungen oder Planaufträge verursacht werden, wie Kundenbedarf, Bedarfsprognose oder korrigierte Bedarfsprognose behandelt werden, d.h. dass diese Bedarfe nicht gedeckt werden müssen. Für die Nichtdeckung dieser Bedarfe legen Sie im Produktstamm auf der Registerkarte SNP1 Strafkosten fest, die vom SNP-Optimierer ggf. berücksichtigt werden. Auf diese Weise wird das Problem für den Optimierer lösbar. Die Lösung enthält allerdings ggf. Fehlmengen.
· Sie können zunächst festlegen, ob der SNP-Optimierer bei der Berechnung der Lagerkosten den Lagerbestand pro Bucket (Periode) als durchschnittlichen Lagerbestand pro Bucket oder als Lagerbestand am Ende des Buckets interpretieren soll:
¡ Durchschnittlicher Lagerbestand: Der Optimierer berechnet die Lagerkosten, indem er den Lagerbestand, die im Lokationsproduktstamm festgelegten Lagerkosten (s.u.) und die Anzahl der Tage im Bucket miteinander multipliziert. Diese Option eignet sich vor allem bei gleichmäßigen Zu- und Abgängen im Laufe eines Buckets.
¡ Periodenendbestand: Der Optimierer berechnet die Lagerkosten, indem er den Lagerbestand mit den im Lokationsproduktstamm festgelegten Lagerkosten multipliziert. Diese Option eignet sich vor allem bei eher unregelmäßigen Zu- und Abgängen im Laufe eines Buckets.
· Sie legen die Lagerkosten in den Lokationsproduktstammdaten auf der Registerkarte Beschaffung im Feld Produkt Lagerkosten jeweils für ein bestimmtes Produkt in einer bestimmten Lokation fest.
· Grundsätzlich sollten Sie die Lagerkosten immer festlegen, da Sie dadurch sicherstellen können, dass der SNP-Optimierer keine unnötige Vorproduktion plant. Mit Hilfe der Lagerkosten können Sie gewährleisten, dass Produktion, Beschaffung und Transport immer möglichst bedarfsnah erfolgen.
· Da die Lagerkosten produktspezifisch festgelegt werden, können Sie mit ihrer Hilfe steuern, wo, d.h. in welchen Lokationen, ein Produkt gelagert wird.
· Die Lagerkosten sind unabhängig von den Lagerressourcenverbräuchen, d.h. Sie können Lagerkosten festlegen, ohne eine entsprechende Lagerressource anzulegen.
· Der SNP-Optimierer entscheidet, ob und wie der Sicherheitsbestand eines Produkts in bestimmten Lokationen aufgebaut wird.
·
Die gewünschte Höhe des Sicherheitsbestands muss
dem Optimierer vorgegeben werden. Diese Höhe können Sie entweder direkt auf
der Basis Ihrer Erfahrungen aus der Vergangenheit im Lokationsproduktstamm
festgelegen oder vom System mit Hilfe der
erweiterten
Sicherheitsbestandsplanung ermitteln lassen. Die Ergebnisse der
erweiterten Sicherheitsbestandsplanung werden in Form einer Kennzahl
automatisch vom Optimierer berücksichtigt. Weitere Informationen zur
Sicherheitsbestandsplanung finden Sie unter
Sicherheitsbestandsplanung.
· Der Sicherheitsbestand ist für den Optimierer ein Soft-Constraint, d.h. eine weiche Restriktion, die gegen die Berechnung von Strafkosten verletzt werden kann. Die Strafkosten für die Verletzung des Sicherheitsbestands müssen Sie entweder im Lokationsproduktstamm auf der Registerkarte Beschaffung im Feld Strafe unter SiBst oder als zeitabhängige Kennzahl in der interaktiven Planung (z.B. Planungsmappe 9ATSOPT) festlegen, damit der Optimierer den Sicherheitsbestand berücksichtigen kann (siehe auch Festlegung zeitabhängiger Restriktionen in interaktiver Planung). Diese Kosten müssen höher sein als die Lagerkosten, da der Optimierer andernfalls keinen Sicherheitsbestand planen würde.
Sie können im SNP-Optimiererprofil (auf der Registerkarte Allgemeine Restriktionen) festlegen, ob der Optimierer den Sicherheitsbestand überhaupt berücksichtigen soll und wenn ja, ob er bei einer Unterschreitung des Sicherheitsbestands zur Berechnung der Strafkosten den absoluten oder den relativen Wert der Unterschreitung heranziehen soll. Im ersten Fall multipliziert er den absoluten Wert der Unterschreitung mit den im Produktstamm festgelegten Strafkosten (pro Tag). Im zweiten Fall multipliziert er den Prozentsatz der Unterschreitung mit den im Produktstamm festgelegten Strafkosten (pro Tag).
· Die Höhe des Sicherheitsbestands darf die im Lokationsproduktstamm festgelegte produktspezifische Lagerobergrenze (Feld Höchstbestand auf der Registerkarte Losgröße) nicht übersteigen.
Sie können auch eine statische Reichweitenplanung mit dem SNP-Optimierer unter Verwendung des Sicherheitsbestands durchführen. Dabei soll sichergestellt werden, dass zu jedem Zeitpunkt mindestens so viel Lagerbestand eines Produkts vorhanden ist, wie innerhalb des Reichweitenzeitraums benötigt wird.
Legen Sie dazu im Lokationsproduktstamm auf der Registerkarte Losgröße für das entsprechende Produkt eine Sicherheitsbestandsmethode fest (SZ, MZ, SM oder MM) und geben Sie eine Sicherheitsreichweite entweder periodenunabhängig im Lokationsproduktstamm oder periodenabhängig in der Planungstabelle der interaktiven Planung ein. Beachten Sie, dass der SNP-Optimierer bei den Sicherheitsbestandsmethoden SM und MM nur Primärbedarfe sowie durch fixierte Aufträge verursachte Sekundär- und Distributionsbedarfe berücksichtigt, da diese Bedarfe und die Bedarfslokationen bereits vor dem Optimierungslauf bekannt sind.
Der Optimierer nutzt die Ergebnisse der Reichweitenplanung als Grundlage für den Aufbau des Sicherheitsbestands.
Sie können für ein Lokationsprodukt eine produktspezifische Bestandsobergrenze in den Lokationsproduktstammdaten festlegen. Geben Sie dazu auf der Registerkarte Losgröße im Feld Höchstbestand einen Wert ein. Der SNP-Optimierer berücksichtigt diese Obergrenze bei der Planung, wenn Sie im SNP-Optimiererprofil auf der Registerkarte Allgemeine Restriktionen das Kennzeichen Maximale produktspezifische Lagermenge aktivieren. Die Bestandsobergrenze ist für den Optimierer eine weiche Restriktion, d.h. sie kann gegen die Berechnung von Strafkosten verletzt werden. Diese Strafkosten sind vom Optimierer vorgegeben, d.h. sie können nicht in den Stammdaten eingestellt werden.
Außerdem können Sie für ein Produkt auch eine zeitabhängige Bestandsobergrenze in der interaktiven SNP-Planung definieren. Weitere Informationen dazu finden Sie unter Festlegung zeitabhängiger Restriktionen in interaktiver Planung.
Eine produktübergreifende Bestandsobergrenze können Sie durch Festlegung des Kapazitätsangebots einer Lagerressource in den Ressourcenstammdaten angeben. Der SNP-Optimierer berücksichtigt diese Obergrenze bei der Planung, wenn Sie im SNP-Optimiererprofil auf der Registerkarte Allgemeine Restriktionen das Kennzeichen Lagerkapazität aktivieren (siehe auch Finite Planung).
Mit Hilfe der Haltbarkeitsfunktionalität können Sie auch eine dynamische Bestandsobergrenze für die optimierungsbasierte Planung festlegen. Wenn Sie in den Produktstammdaten auf der Registerkarte Eigenschaften das Kennzeichen Planung m. Haltbkt. aktivieren und einen Zeitraum in das zugehörige Feld Haltbarkeit eingeben, gewährleistet der Optimierer bei der Planung, dass zu keinem Zeitpunkt mehr Lagerbestand dieses Produkts vorhanden ist, als in dem angegebenen Zeitraum benötigt wird.
Wenn Sie beispielsweise einen Haltbarkeitszeitraum von einer Woche eingeben, legen Sie fest, dass vor diesem Zeitraum keine Materialzugänge für den in dieser Woche bestehenden Bedarf geplant werden sollen, d.h. dass für den Bedarf nicht länger als eine Woche im Voraus Lagerbestand vorgehalten werden soll.
Damit der SNP-Optimierer die im Produktstamm festgelegte Haltbarkeit des Produkts berücksichtigen kann, müssen Sie im SNP-Optimiererprofil die Haltbarkeit als weiche Restriktion einstellen. Markieren Sie dazu auf der Registerkarte Allgemeine Restriktionen den Auswahlknopf Abgelaufenes Produkt weiterverwenden. Der Optimierer plant dann für Produkte mit überschrittenem Haltbarkeitsdatum die Weiterverwendung des Produkts, berechnet allerdings dafür Strafkosten. Wir empfehlen außerdem, das Kennzeichen Produktunabh. Strafkosten verwenden zu setzen. Der Optimierer berechnet in diesem Fall als Strafkosten nicht die im Produktstamm festgelegten Beschaffungskosten des Lokationsprodukts (Standardeinstellung), sondern produktunabhängige Strafkosten, die Sie selbst im nebenstehenden Feld festlegen können.
Der SNP-Optimierer kann in eingeschränkter Form auch die Haltbarkeit eines Produkts berücksichtigen. Dabei versucht der Optimierer, zu keinem Zeitpunkt mehr Lagerbestand dieses Produkts zu planen, als in der entsprechenden Periode benötigt wird. Falls dennoch eine größere Menge des Produkts gelagert werden muss, als in der Periode verbraucht wird, betrachtet der Optimierer diese Überschussmengen als Mengen, die gegen Strafkosten zu entsorgen sind.
Aktivieren Sie dazu zunächst (wie oben bereits beschrieben) in den Produktstammdaten auf der Registerkarte Eigenschaften das Kennzeichen Planung m. Haltbkt. und geben Sie einen Zeitraum in das zugehörige Feld Haltbarkeit ein. Legen Sie dann im SNP-Optimiererprofil die Haltbarkeit als harte Restriktion fest, d.h. markieren Sie auf der Registerkarte Allgemeine Restriktionen den Auswahlknopf Abgelaufenes Produkt entsorgen. Wir empfehlen, nichtdas Kennzeichen Produktunabh. Strafkosten verwenden zu setzen. In diesem Fall berechnet der Optimierer als Strafkosten die im Produktstamm festgelegten Beschaffungskosten des Lokationsprodukts.
· Beim Anlegen von Aufträgen am Ende des Optimierungslaufs unterscheidet das System nicht zwischen den Mengen, die vom Optimierer als zu entsorgen betrachtet werden, und den übrigen geplanten Mengen. Dies bedeutet, dass als Planungsergebnis (z.B. in der interaktiven Planung) die Summe aus beiden Mengen angezeigt wird.
· Die in den Produktstammdaten festgelegte Haltbarkeit des Produkts wird nicht über die Produktionsstufen hinweg vererbt, d.h. die Haltbarkeit einer Input-Komponente wirkt sich z.B. nicht auf die Haltbarkeit einer Output-Komponente aus. Wenn Sie beispielsweise die Haltbarkeit eines Wirkstoffs festlegen, wird diese Haltbarkeit vom System nicht auf die späteren Tabletten und Verpackungen übertragen.
· Die in den Produktstammdaten festgelegte Haltbarkeit des Produkts wird auch beim Transport (analog zur Produktion) nicht über mehrere Lokationen hinweg vererbt, d.h., wenn ein Produkt von einer in eine andere Lokation transportiert wird, beginnt der festgelegte Haltbarkeitszeitraum von neuem.
Dies hat zur Folge, dass im Fall von Zyklen im Distributionsnetzwerk (d.h., es besteht die Möglichkeit, ein Produkt von einer Lokation über eine andere wieder zurück zur Startlokation zu transportieren) durch einen Rundtransport Produkte wieder haltbar werden. Der Optimierer kann in diesem Fall ein eigentlich zu entsorgendes Produkt weiterverwenden.
Weitere Informationen zur optimierungsbasierten Planung und deren Ausführung finden Sie unter:
· Optimierungsbasierte Planung