Zuschläge in der KundenauftragsfertigungGemeinkosten sind Kosten, die einem Kostenträger nicht direkt zugerechnet werden. Mit Hilfe von Kalkulationsschemata können Sie Gemeinkosten über die Zuschlagsrechnung auf einem Kostenträger planen beziehungsweise im Ist auf einen Kostenträger verrechnen. Dabei können Sie
Materialgemeinkosten auf der Basis von Materialeinzelkosten ermitteln
Fertigungsgemeinkosten auf der Basis von Fertigungseinzelkosten ermitteln
Vertriebskosten und Verwaltungskosten auf der Basis von Herstellkosten ermitteln
Bei der Ermittlung von Gemeinkostenzuschlägen sind bei der Kundenauftragskalkulation und bei der Auftragsstücklistenkalkulation einige Besonderheiten zu beachten.
Wenn Sie mit dem bewerteten Kundenauftragsbestand arbeiten, können Sie mit der Kundenauftragskalkulation und mit der Auftragsstücklistenkalkulation arbeiten.
Wenn Sie mit dem unbewerteten Kundenauftragsbestand arbeiten, können Sie
mit der Kundenauftragskalkulation arbeiten
nicht mit der Auftragsstücklistenkalkulation arbeiten
Die Bedingungen für die Ermittlung von Gemeinkostenzuschlägen definieren Sie im Customizing des
Produktkosten-Controlling
unter
Kostenträgerrechnung
→
Kundenauftrags-Controlling
→
Grundeinstellungen für das Kundenauftrags
-
Controlling
→
Gemeinkostenzuschläge . Sie fassen dort die Bedingungen für die Zuschlagsrechnung in einem Kalkulationsschema zusammen.
Im Rahmen der Kundenauftragsfertigung können Sie mit zwei Kalkulationsschemata arbeiten.
Ein Kalkulationsschema können Sie direkt in der Kundenauftragsposition hinterlegen. Dieses Kalkulationsschema können Sie im Customizing des
Kundenauftrags-Controlling
unter
Steuerung der
Kundenauftragsfertigung
→
Bedarfsklasse überprüfen als Vorschlagswert hinterlegen. Beim Anlegen des Kundenauftrages übernimmt das System das Kalkulationsschema in die Kundenauftragsposition, deren Bedarfsart auf die Bedarfsklasse verweist. Sie können das Kalkulationsschema in der Sicht
Kontierung
der Kundenautragsposition pflegen (siehe auch:
Kundenauftragsposition überprüfen
).
Sie können auftragsspezifische Zuschläge ermitteln, indem Sie einen Zuschlagsschlüssel in der Kundenauftragsposition hinterlegen. Ist in der Kalkulationssicht des Materialstammsatzes des in der Kundenauftragsposition geführten Materials eine Gemeinkostengruppe hinterlegt, die im Customizing mit einem Zuschlagsschlüssel verknüpft ist, so wird der Zuschlagsschlüssel über die Gemeinkostengruppe selektiert und in die Kundenauftragsposition vorgeschlagen.
Beispiel
Für eine Kundenauftragsposition wird die Bedarfsart CO2 selektiert. Die Bedarfsart CO2 verweist auf die Bedarfsklasse CO2. In der Bedarfsklasse CO2 ist das Kalkulationsschema COGS1 hinterlegt. Das System übernimmt in die Kundenauftragsposition das Kalkulationsschema COGS1.
Sie haben die Kundenauftragsposition zum Material T-F100 angelegt. Im Materialstammsatz von T-F100 ist die Gemeinkostengruppe SAP10 hinterlegt. Die Gemeinkostengruppe SAP 10 ist im Customizing mit dem Zuschlagsschlüssel SAP10 verknüpft. Das System schlägt den Zuschlagsschlüssel SAP10 für die Kundenauftragsposition vor.
Beachten Sie:
Wenn Sie mit dem bewerteten Kundenauftragsbestand arbeiten, so können Sie dieses Kalkulationsschema verwenden, um auf Basis der Herstellkosten die Vertriebs- und Verwaltungskosten zu errechnen und so die Selbstkosten zu ermitteln (siehe unten).
Wenn Sie dies tun möchten, so müssen Sie für die Berechnung der Selbstkosten die Herstellkosten als Basis verwenden. Sie müssen deshalb in dem Kalkulationsschema (in unserem Beispiel COGS1) eine Basis hinterlegen, in der die Kostenart hinterlegt ist, mit der die kosten- und erlösführende Kundenauftragsposition mit Istkosten belastet wird. Dies ist die Kostenart, die über die automatische Kontenfindung in der
Materialwirtschaft
(MM) über den Vorgang GBB (Gegenbuchung zur Bestandsbuchung) und die Kontomodifikationskonstante VAY gefunden wird (siehe auch:
Bsp. Kundenauftrags-Controlling mit bewertetem Kundenauftragsbestand: Mengen- und Wertefluß
). Sie müssen die Kostenart, die über die Kontomodifikationskonstante VAY gezogen wird, auch dann als Basis für die Ermittlung der Selbstkosten verwenden, wenn Sie mit dem bewerteten Kundenauftragsbestand arbeiten und die Kundenauftragsposition
nicht
kosten- und erlösführend ist. In diesem Falle simuliert die Kundenauftragskalkulation, daß die Kundenauftragsposition kosten- und erlösführend wäre, da im Ist bei Auslieferung an den Kunden ein Konto gezogen wird, für das keine Kostenart angelegt ist (siehe auch:
Bsp. bewerteter Kundenauftragsbestand ohne Kundenauftrags-Controlling: Mengen- und Wertefluß
).
Ein zweites Kalkulationsschema wird über die Bewertungsvariante gezogen. Das System ermittelt die Bewertungsvariante über die Kalkulationsvariante. Die Kalkulationsvariante können Sie direkt in der Kundenauftragsposition hinterlegen. Die Kalkulationsvariante können Sie auch im Customizing des
Kundenauftrags-Controlling
unter
Steuerung der
Kundenauftragsfertigung →
Bedarfsklasse überprüfen
hinterlegen. Haben Sie in der Bedarfsklasse eine Kalkulationsvariante hinterlegt, so ist diese in der Kundenauftragsposition selbst nicht mehr änderbar.
Beispiel
Für eine Kundenauftragsposition wird die Bedarfsart CO2 selektiert. Die Bedarfsart CO2 verweist auf die Bedarfsklasse CO2. In der Bedarfsklasse CO2 ist die Kalkulationsvariante PPC4 hinterlegt. Die Kalkulationsvariante PPC4 verweist auf die Bewertungsvariante 001. Die Bewertungsvariante 001 verweist auf das Kalkulationsschema COGM.
Wenn Sie mit dem unbewerteten Kundenauftragsbestand arbeiten, so müssen Sie im Customizing des
Kundenauftrags-Controlling
unter
Vorkalkulation und Auftragsstücklistenkalkulation → Erzeugniskalkulation zu Kundenauftragspos/Auftragsstückliste
→
Kalkulationsvarianten für die Erzeugniskalkulation
→
Kalkulationsvarianten f. die Erzeugniskalkulation überprüfen das Kennzeichen
Losgröße durchreichen
gesetzt haben, um korrekte Gemeinkostenzuschläge zu ermitteln.
Die Zuschlagsermittlung im Plan bildet immer die Ermittlung von Zuschlägen im Ist nach.
Die Zuschlagsermittlung findet im Rahmen der Kundenauftragskalkulation und der Auftragsstücklistenkalkulation systemintern in zwei Schritten statt. Es ist dabei von Bedeutung, ob Sie mit dem bewerteten Kundenauftragsbestand arbeiten oder mit dem unbewerteten Kundenauftragsbestand.
Kundenauftragskalkulation und Auftragsstücklistenkalkulation mit Erzeugniskalkulation
Bewerteter Kundenauftragsbestand: Kundenauftragskalkulation oder Auftragsstücklistenkalkulation
Die Einzelnachweise aller Fertigungsstufen werden mit Gemeinkosten bezuschlagt, um die Herstellkosten zu ermitteln.
Die Bezuschlagung erfolgt mit dem Kalkulationsschema der Bewertungsvariante (in unserem Beispiel COGM), wenn im Customizing des
Kundenauftrags-Controlling
unter
Vorkalkulation
→
Kalkulationsarten überprüfen
das Kennzeichen
Kalkulationsschema vom Kundenauftrag durchreichen
nicht
gesetzt ist.
Die Bezuschlagung erfolgt innerhalb der einzelbedarfsgesteuerten Baugruppen für alle in der Baugruppe befindlichen Materialien mit dem Kalkulationsschema der Kundenauftragsposition (in unserem Beispiel COGS1), wenn das Kennzeichen
Kalkulationsschema vom Kundenauftrag durchreichen
gesetzt ist.
Die Bezuschlagung innerhalb der sammelbedarfsgesteuerten Baugruppen erfolgt für alle in der Baugruppe befindlichen Materialien immer mit dem Kalkulationsschema der Bewertungsvariante.
Anschließend werden auf der Basis der Herstellkosten des Umsatzes die Vertriebs- und Verwaltungskosten ermittelt, um die Selbstkosten zu berechnen. Für die Berechnung der Selbstkosten verwendet das System das Kalkulationsschema, das in der Kundenauftragspositon hinterlegt ist (in unserem Beispiel COGS1). In diesem Kalkulationsschema muß eine Basiszeile mit der Kostenart für die Herstellkosten des Umsatzes definiert sein. Dies ist die Kostenart, unter der die Kundenauftragsposition im Ist belastet wird. (siehe auch: Istkosten im Kundenauftrags-Controlling: Szenario ).
Hinweis
Für die Auftragsstücklistenkalkulation wird der zweite Schritt nur dann ausgeführt, wenn das in der Kundenauftragsposition eingetragene Material selbst kalkuliert wird.
Für alle in dieses Material eingehenden Materialien, die in der Auftragsstückliste aufgeführt sind, wird die zweite Bezuschlagung nicht durchgeführt.
Beispiel für den Ablauf der Bezuschlagung bei bewertetem Kundenauftragsbestand (Erzeugniskalkulation)
* In diesem Beispiel ist das Kennzeichen
Kalkulationsschema vom Kundenauftrag durchreichen
in der Kalkulationsart
nicht
gesetzt.
**Die Selbstkosten für das Fertigerzeugnis werden immer auf Basis des in der Kundenauftragskalkulation eingetragenen Kalkulationsschemas ermittelt.
Unbewerteter Kundenauftragsbestand: Kundenauftragskalkulation
Für alle einzelbedarfsgesteuerten Baugruppen werden die Zuschläge für die Positionen ermittelt, die nicht einzelbedarfsgesteuerte Materialien sind. Dies bedeutet, daß Zuschläge ermittelt werden für sammelbedarfsgesteuerte Materialien, Eigenleistungen, Geschäftsprozesse und gegebenenfalls Fremdbearbeitung und Lohnbearbeitung.
Die Bezuschlagung erfolgt mit dem Kalkulationsschema der Bewertungsvariante (in unserem Beispiel COGM), wenn das Kennzeichen
Kalkulationsschema vom Kundenauftrag durchreichen
nicht
gesetzt ist.
Die Bezuschlagung erfolgt mit dem Kalkulationsschema der Kundenauftragsposition (in unserem Beispiel COGS1), wenn das Kennzeichen
Kalkulationsschema vom Kundenauftrag durchreichen
gesetzt ist.
Für alle sammelbedarfsgesteuerten Baugruppen werden, sofern keine Übernahmesteuerung aktiv ist, Zuschläge ermittelt auf Basis des Kalkulationsschemas der Bewertungsvariante.
Sie legen im Customizing des
Kundenauftrags-Controlling
unter
Vorkalkulation
→
Kalkulationsvarianten überprüfen
in der
Übernahmesteuerung
fest, ob die sammelbedarfsgesteuerten Materialien erneut kalkuliert werden oder ob bestehende Kalkulationen übernommen werden.
Anschließend wird mit dem Kalkulationsschema der Kundenauftragsposition eine zweite Bezuschlagung durchgeführt.
Ist das Kennzeichen
nur kundenauftragskontierte Rohstoffe bezuschlagen
in der Kalkulationsart gesetzt, dann werden nur die einzelbedarfsgesteuerten Rohstoffe mit den Kalkulationsschema der Kundenauftragsposition bezuschlagt (in unserem Beispiel COGS1).
Hinweis
SAP empfiehlt, das Kennzeichen
nur kundenauftragskontierte Rohstoffe bezuschlagen
zu setzen.
Ist das Kennzeichen
nur kundenauftragskontierte Rohstoffe bezuschlagen
in der Kalkulationsart
nicht
gesetzt, dann werden alle Einzelnachweispositionen aller einzelbedarfsgesteuerten eigengefertigten Materialien in der kalkulierten Struktur mit dem Kalkulationsschema der Kundenauftragsposition bezuschlagt. Berücksichtigt werden nur solche Positionen, für die in den Eigenschaften des Kostenelementes definiert wurde, daß sie wälzungsrelevant sind. Positionen, die einen Einzelnachweis haben, werden nur durch die Positionen ihres Einzelnachweises berücksichtigt; die den Einzelnachweis führende Position selbst wird nicht bezuschlagt. Gemeinkostenzuschläge, die im ersten Schritt ermittelt wurden, können bezuschlagt werden.
Hinweis
Das Kennzeichen
nur Kundenauftragskontierte Rohstoffe bezuschlagen
hat
keine
Relevanz, wenn Sie mit dem bewerteten Kundenauftragsbestand arbeiten.
Sie definieren zudem unter
Kalkulationsvariante überprüfen
, ob die Losgröße der Kundenauftragsposition für die Kalkulation der einzelbedarfsgesteuerten Materialien durchgereicht wird.
Ob ein Material einzelbedarfsgesteuert oder sammelbedarfsgesteuert ist, bestimmen Sie im Materialstammsatz in der Dispositionssicht mit dem
Kennzeichen Einzel/Sammel
. Wenn Sie den gleichen Rohstoff als einzelbedarfsgesteuerten Rohstoff und als sammelbedarfsgesteuerten Rohstoff führen, dann stellen Sie sicher, daß das System unterschiedliche Verbrauchskonten und somit auch unterschiedliche Kostenarten findet. Sie stellen dies im Customizing der
Materialwirtschaft
(MM) über die automatische Kontenfindung sicher.
Ein Material wird als Baugruppe behandelt, wenn eine Stückliste für das Material aufgelöst wird. Ein Material wird als Rohstoff behandelt, wenn keine Stückliste für das Material aufgelöst wird. Ob eine Stückliste aufgelöst wird oder nicht, ist nicht nur davon abhängig, ob eine Stückliste für das Material vorhanden ist. Entscheidend für die Auflösung einer Stückliste sind auch andere Faktoren, beispielsweise vom Kennzeichen
Sonderbeschaffung
im Materialstammsatz und die
Auflösungssteuerung
in der
Kalkulationsvariante
.
Beispiel für den Ablauf der Bezuschlagung bei unbewertetem Kundenauftragsbestand (Erzeugniskalkulation)
*Mit welchem Kalkulationsschema die Einzelnachweispositionen einzelbedarfsgesteuerter Baugruppen, die nicht selbst einzelbedarfsgesteuerte Materialpositionen sind, bezuschlagt werden, ist abhängig von den Einstellungen in der
Kalkulationsart
(Kennzeichen
Kalkulationsschema vom Kundenauftrag durchreichen
).
** Die Bezuschlagung der sammelbedarfsgesteuerten Materialien erfolgt immer auf Basis des Kalkulationsschemas der Bewertungsvariante (in unserem Beispiel COGM). Sie können aber auch in der
Kalkulationsvariante
mit der
Übernahmesteuerung
festlegen, daß die sammelbedarfsgesteuerten Materialien nicht neu kalkuliert werden.
*** In diesem Beispiel ist das Kennzeichen
nur kundenauftragskontierte Rohstoffe bezuschlagen
gesetzt. Die einzelbedarfsgesteuerten Rohstoffe werden mit dem Kalkulationsschema der Kundenauftragsposition bezuschlagt (in unserem Beispiel COGS1).
Allgemeine Informationen zum Kennzeichen "Kalkulationsschema vom Kundenauftrag durchreichen"
Wenn Sie das Kennzeichen
Kalkulationsschema vom Kundenauftrag durchreichen
setzen, sollten Sie sicherstellen, daß
auch im Ist
die Gemeinkostenzuschläge auf Basis des in der Kundenauftragsposition geführten Kalkulationsschemas ermittelt werden. Dies bedeutet, daß das in der Kundenauftragsposition hinterlegte Kalkulationsschema in die der Kundenauftragsposition zugeordneten Fertigungsaufträge übernommen werden soll. Dazu hinterlegen Sie im Customizing des
Kundenauftrags-Controlling
unter
Bedarfsklasse überprüfen
das Kennzeichen
Kschema kop
. Das Kalkulationsschema für den Fertigungsauftrag wird in diesem Falle nicht über die Bewertungsvariante der Kalkulationsvariante ermittelt, die als Vorschlagswert je Auftragsart und Werk für die Vorkalkulation des Fertigungsauftrages hinterlegt ist.
Sind die Kennzeichen
Kalkulationsschema vom Kundenauftrag durchreichen
(für die Ermittlung der Plangemeinkostenzuschläge) und
Kschema kop
. (für die Ermittlung der Istgemeinkostenzuschläge) nicht gesetzt, so werden die Gemeinkosten für die relevanten Materialien über das Kalkulationsschema der Bewertungsvariante (in unserem Beispiel COGM) ermittelt.
"Kalkulationsschema vom Kundenauftrag durchreichen" bei bewertetem Kundenauftragsbestand
Wenn Sie mit dem bewerteten Kundenauftragsbestand arbeiten, dann sollten Sie einige Besonderheiten bei der Verwendung des Kennzeichens "
Kalkulationsschema vom Kundenauftrag durchreichen"
beachten. Sie haben folgende Möglichkeiten:
Sie können das Kalkulationsschema der Kundenauftragsposition (in unserem Beispiel COGS1) lediglich zur Berechnung der Vertriebs- und Verwaltungskosten zur Ermittlung der Selbstkosten zu verwenden. In diesem Falle tragen Sie in die Basiszeile des Kalkulationsschemas die Kostenart ein, mit der die Kundenauftragsposition im Ist belastet werden wird (Herstellkosten des Umsatzes, z.B. 893015). Definieren Sie dazu Zuschläge für Vertriebsgemeinkosten und Verwaltungsgemeinkosten. Die Ermittlung der Herstellkosten erfolgt in diesem Falle mit dem Kalkulationsschema der Bewertungsvariante (in unserem Beispiel COGM).
Sie können das Kalkulationsschema der Kundenauftragspositon verwenden, um die Herstellkosten und die Selbstkosten zum einzelbedarfsgesteuerten Fertigerzeugnis zu ermitteln.
In diesem Falle müssen Sie besonders auf eine saubere Trennung der Kostenarten achten. Verwenden Sie beispielsweise das gleiche Material einmal als Halbfabrikat, das in ein anderes einzelbedarfsgesteuertes Material eingeht, zum anderen aber auch als verkaufsfähiges Fertigerzeugnis, so müssen Sie sicherstellen, daß das System unterschiedliche Kostenarten findet. Sie steuern dies über die Bewegungsart.
Beispiel
Material ABC wird in Ihrem Unternehmen sowohl als einzelbedarfsgesteuertes Halbfabrikat als auch als einzelbedarfsgesteuertes Fertigerzeugnis hergestellt.
Wenn Sie das Material als Halbfabrikat dem bewertetem Kundenauftragsbestand entnehmen, um es für die Herstellung eines anderen Materials zu verwenden, dann verwendet das System die Bewegungsart 261. Dieser Bewegungsart ist im Customizing der
Materialwirtschaft
(MM) in der Materialkontenfindung die Kontomodifikationskonstante VBR zugeordnet. In Verbindung mit der in der Buchhaltungssicht des Materialstammsatzes hinterlegten Bewertungsklasse 7900 findet das System das Konto 890000 "Verbrauch Halbfabrikate". Zu diesem Konto ist eine Primärkostenart angelegt. Diese Kostenart können Sie als Basis zur Berechnung der Herstellkosten eines Materials verwenden, zu dessen Herstellung das Material ABC verbraucht wird.
Wenn Sie das Material als Fertigerzeugnis dem bewerteten Kundenauftragsbestand entnehmen und an den Kunden liefern, dann verwendet das System die Bewegungsart 601. Ist die Kundenauftragsposition kosten- und erlösführend, dann ist dieser Bewegungsart die Kontomodifikationskonstante VAY zugeordnet. In Verbindung mit der Bewertungsklasse 7900 findet das System das Konto 893015 "Herstellkosten des Umsatzes, mit Kostenart". Zu diesem Konto ist eine Primärkostenart angelegt. Diese Kostenart können Sie als Basis für die Berechnung der Selbstkosten von Material ABC verwenden, wenn Material ABC als Endprodukt an den Kunden verkauft wird.
Ausführliche Informationen zur Materialkontenfindung finden Sie im Einführungsleitfaden (IMG) der
Materialwirtschaft
unter
Bewertung und
Kontierung
→
Kontenfindung
.
Vertriebs- und Verwaltungskosten können auch mit dem Kalkulationsschema des SD ermittelt werden.
Kundenauftragskalkulation mit Einzelkalkulation
Die Gemeinkostenzuschläge werden immer mit dem Kalkulationsschema aus der Kundenauftragsposition ermittelt. In unserem Beispiel ist dies das Kalkulationsschema COGS1.
Nachbearbeitung von Erzeugniskalkulation mit Einzelkalkulation
Die Gemeinkostenpositionen aus der Erzeugniskalkulation werden in variable Positionen (Positionstyp V) (siehe auch: Kalkulationspositionen in der Einzelkalkulation ) umgewandelt. Anschließend erfolgt eine Bezuschlagung gemäß dem in der Kundenauftragsposition hinterlegten Kalkulationsschema. In unserem Beispiel ist dies das Kalkulationsschema COGS1.
Basis des Kalkulationsschemas
Wie bereits oben erwähnt, gilt grundsätzlich, daß die Plangemeinkostenermittlung immer die Istgemeinkostenermittlung simuliert. So wird im Plan beim bewerteten Kundenauftragsbestand die Kostenart für die Kosten des Umsatzes bezuschlagt, beim unbewerteten Kundenauftragsbestand hingegen werden die Verbrauchskostenarten bzw. die Kostenarten für die Bestandsveränderungen der eingesetzten Materialien bezuschlagt.
Bewerteter Kundenauftragsbestand
Für einzelbedarfsgesteuerte Materialien können die Gemeinkostenzuschläge bei Verwendung des bewerteten Kundenauftragsbestandes im Ist erst nach der Lieferung an den Kunden auf der Kundenauftragsposition ermittelt werden
Die Kundenauftragsposition wird bei Verwendung des bewerteten Kundenauftragsbestandes zum Zeitpunkt der Lieferung an den Kunden mit Istkosten für das gelieferte Material belastet. Die Belastung der Kundenauftragsposition erfolgt mit der Kostenart, die dem Konto
Herstellkosten des Umsatzes
in der Finanzbuchhaltung (FI) bei der Lieferung an den Kunden entspricht. Möchten Sie Zuschläge auf Basis der Herstellkosten ermitteln, so muß diese Kostenart in der Basiszeile des Kalkulationsschemas hinterlegt sein.
Dabei handelt es sich um Vertriebs- und Verwaltungsgemeinkosten, die zur Berechnung der Selbstkosten ermittelt werden. Sonstige Gemeinkosten wie Materialgemeinkosten und Fertigungsgemeinkosten sind im Ist bereits in den Herstellkosten des Umsatzes des an den Kunden gelieferten Materials enthalten.
Wenn Sie im Ist auf der Kundenauftragsposition die Selbstkosten ermitteln möchten, so ermitteln Sie diese Selbstkosten auch im Plan. Des weiteren müssen Sie im Plan die Materialgemeinkostenzuschläge und die Fertigungsgemeinkostenzuschläge ermitteln. Dies bedeutet, daß auch die Kostenarten für eingesetzte Materialien und für sonstige Kosten wie Leistungsverrechnungen im Kalkulationsschema in Basiszeilen hinterlegt werden müssen.
Achtung
Stellen Sie bei mehrstufiger Fertigung sicher, daß Sie nur die eingsetzten Rohstoffe, nicht aber die Halbfabrikate bezuschlagen. Tragen Sie dazu nur die Kostenarten für Rohstoffe in eine Basiszeile des Kalkulationsschemas ein. Tragen Sie nicht die Kostenarten für Halbfabrikate in eine Basiszeile des Kalkulationsschemas ein, da Sie sonst die eingesetzten Materialien doppelt bezuschlagen.
Vor der Bezuschlagung der Herstellkosten im Plan werden die im Einzelnachweis der Kalkulation ausgewiesenen Kosten verdichtet und unter der Kostenart der Kosten des Umsatzes summiert.
Beispiel
Bei der Lieferung an den Kunden wird die Kundenauftragsposition mit der Kostenart 893015 "Herstellkosten des Umsatzes, mit Kostenart" belastet. Auf Basis der Herstellkosten des Umsatzes möchten Sie die Selbstkosten ermitteln. Sie tragen deshalb im Kalkulationsschema in einer Basiszeile die Kostenart 893015 ein. In einer Zuschlagszeile definieren Sie den Zuschlagssatz für Vertriebs- und / oder Verwaltungskosten.
Zuschlagsermittlung: Erzeugniskalkulation zur Kundenauftragskalkulation bei bewertetem Kundenauftragsbestand
*Mit welchem Kalkulationsschema die in den Baugruppen enthaltenen Rohstoffe bezuschlagt werden, hängt davon ab, ob das Kalkulationsschema durchgereicht wurde.
** Übernahme gemäß der Elementesicht in der Kalkulationsart, die im Feld
Zuschlagsbasis
als Basis für die Bezuschlagung hinterlegt ist. Es wird empfohlen, hier die Elementesicht für die Herstellkosten oder die Bestandsbewertung einzutragen. Nicht eingetragen werden sollte die Elementesicht für die Selbstkosten.
Die Bezuschlagung der in den Baugruppen enthaltenen Rohstoffe erfolgt im ersten Bezuschlagungsschritt. Dabei werden einzelbedarfsgesteuerte und sammelbedarfsgesteuerte Rohstoffe gleichermaßen berücksichtigt. In der Regel stellen Sie durch die Basiszeilen des Kalkulationsschemas sicher, daß Halbfabrikate nicht bezuschlagt werden, da die Halbfabrikate sonst doppelt bezuschlagt würden.
Nach dem ersten Bezuschlagungsschritt wird der Einzelnachweis des Fertigerzeugnisses vom System automatisch verdichtet. Die durch die Verdichtung ermittelte Summe wird systemintern unter der Kostenart der Herstellkosten des Umsatzes fortgeschrieben und im zweiten Bezuschlagungsschritt mit Vertriebs- und Verwaltungskosten bezuschlagt.
Die Vertriebs- und Verwaltungskosten werden danach im Einzelnachweis der Kundenauftragskalkulation ausgewiesen. Auf der Kundenauftragsposition selbst werden die Herstellkosten des Umsatzes und die Vertriebs- und Verwaltungsgemeinkosten kostenartengerecht fortgeschrieben.
siehe auch: Fortschreibung der Plankosten
Wenn Sie mit bewertetem Kundenauftragsbestand arbeiten, wird zur Nachbearbeitung der Einzelnachweis der obersten Baugruppe in die Einzelkalkulation übernommen. Bei der Nachbearbeitung der Erzeugniskalkulation mit der Einzelkalkulation werden Positionen des Positionstyps "G" (Gemeinkosten) umgewandelt in Positionen des Positionstyps "V" (variable Position). Anschließend erfolgt eine Bezuschlagung gemäß dem in der Kundenauftragsposition hinterlegten Kalkulationsschema. In unserem Beispiel ist dies das Kalkulationsschema COGS1.
Unbewerteter Kundenauftragsbestand
Gemeinkostenzuschläge können bei Verwendung des unbewerteten Kundenauftragsbestand im Ist
bei eigengefertigten Materialien nach der Abrechnung der abhängigen Objekte (z.B. Fertigungsaufträge) an die Kundenauftragsposition ermittelt werden
Die Belastung der Kundenauftragsposition erfolgt entsprechend der Einstellungen im Abrechnungsschema der abhängigen Objekte entweder unter der Ursprungskostenart oder der Abrechnungskostenart. Falls Sie Abrechnungskostenarten verwenden, so müssen Sie diese Abrechnungskostenarten in die Basiszeilen des Kalkulationsschemas übernehmen. Rechnen Sie unter der Ursprungskostenart ab, so tragen Sie in den Basiszeilen die Ursprungskostenarten ein.
siehe auch:
Abrechnung im Produkt-Controlling
sowie
Einführungsleitfaden
(IMG)
Auftragsbezogenes Produkt-Controlling
beziehungsweise
Periodisches Produkt-Controlling
Beispiel
Sie rechnen unter der Ursprungskostenart ab. Sie haben bei Warenausgangsbuchungen zu Fertigungsaufträgen diese mit der Kostenart 400000 "Verbrauch Rohstoffe" belastet. Nach der Abrechnung des Fertigungsauftrages werden zur Kundenauftragsposition die Gemeinkostenzuschläge im Ist ermittelt. Die Gemeinkostenbezuschlagung erfolgt auf Basis der Kostenart 400000.
bei fremdbeschafften Materialien nach dem Wareneingang oder Rechnungseingang (in Abhängigkeit von der Einstellung im Kontierungstyp) vorgenommen werden
Die Belastung der Kundenauftragsposition erfolgt unter der Verbrauchskostenart des fremdbeschafften Materials (z.B. 400000). Diese Kostenart muß in der Basiszeile des Kalkulationsschemas hinterlegt sein.
Beispiel für Kundenauftragskalkulation mit Erzeugniskalkulation bei unbewertetem Kundenauftragsbestand
Die einzelbedarfsgesteuerten Baugruppen werden über alle Stufen der Fertigungsstruktur hinweg aufgelöst. So geht beispielsweise der Einzelnachweis des einzelbedarfsgesteuerten HALB in den "großen" Einzelnachweis der Kundenauftragsposition ein. Nicht ausgewiesen im "großen Einzelnachweis" wird das einzelbedarfsgesteuerte Halbfabrikat selbst.
Hinweis
Der große Einzelnachweis wird nur in der Nachbearbeitung angezeigt.
*Die Bezuschlagung der in den Baugruppen enthaltenen Rohstoffe in der Erzeugniskalkulation erfolgt wie oben beschrieben.
**Die Bezuschlagung in der Nachbearbeitung erfolgt gemäß dem Kalkulationsschema der Kundenauftragsposition.
Alle einzelbedarfsgesteuerten Halbfabrikate werden für die Nachbearbeitung im Einzelnachweis aufgelöst. Sammelbedarfsgesteuerte Halbfabrikate werden nicht aufgelöst.
Im "großen" Einzelnachweis werden die Einzelnachweise der in der Fertigungsstruktur zuunterst angesiedelten Baugruppen an vorderer Stelle ausgewiesen. An unterster Stelle im "großen" Einzelnachweis wird der Einzelnachweis der Fertigerzeugnisses selbst ausgewiesen.
Hinweis
Die Nachbearbeitung greift den Einzelnachweis vor der zweiten Bezuschlagung ab. Dies bedeutet, daß in der Erzeugniskalkulation möglichst keine Vertriebs- und Verwaltungskosten ermittelt werden sollten. Vertriebs- und Verwaltungskosten sollten erst in der Nachbearbeitung oder im SD ermittelt werden.
Konfigurationssimulation
Sie können zu einem konfigurierten Material eine Kalkulation simulieren (siehe auch: Konfigurationssimulation kalkulieren ). In diesem Falle verwendet das System für den ersten und den zweiten Bezuschlagungsschritt das Kalkulationsschema aus der Bewertungsvariante.
Vertriebs- und Verwaltungskosten
Vertriebs- und Verwaltungskosten können Sie über die Kundenauftragskalkulation (d.h. über das Kalkulationsschema des Produktkosten-Controlling; in unserem Beispiel das Kalkulationsschema COGS1) oder über die Konditionen im SD (d.h. über das Kalkulationsschema im SD) ermitteln.
Siehe auch:
Erzeugniskalkulation zur Kundenauftragsposition
Einzelkalkulation zur Kundenauftragsposition
Nachbearbeitung Erzeugnis- mit Einzelkalkulation
Informationen zur Kostenwälzung bei unbewertetem Kundenauftragsbestand finden Sie unter
Allgemeines zum unbewerteten Kundenauftragsbestand
sowie im Einführungsleitfaden (IMG) des
Produktkosten-Controlling
.
Informationen zur Übernahmesteuerung und zum Durchreichen der Losgröße bei Kundenauftragsfertigung sowie bei weiteren vorzunehmenden Customizing-Einstellungen finden Sie im Einführungsleitfaden des
Produktkosten-Controlling
unter
Kostenträgerrechnung
→
Kundenauftrags-Controlling
sowie im Abschnitt
Erzeugniskalkulation zur Kundenauftragsposition
.
Ausführliche Informationen zu Gemeinkosten finden Sie in der Dokumentation
CO-Gemeinkosten-Controlling.