Allgemeines zum unbewerteten KundenauftragsbestandKostenwälzung bei unbewertetem Kundenauftragsbestand
Beim unbewerteten Kundenauftragsbestand hängt die Wälzung der Kosten durch diese Struktur vom Bedarfskennzeichen des Materials (Einzelbedarf oder Sammelbedarf) ab.
Die Herstellkosten für Materialien aus dem Sammelbedarf werden in die nächsthöhere Fertigungsstufe gewälzt und in allen übergeordneten Kalkulationen berücksichtigt, solange das Kennzeichen
Wälzen
für das Kostenelement gesetzt ist.
Die Herstellkosten beziehungsweise Beschaffungskosten für Materialien aus dem Einzelbedarf werden nicht durch die Struktur gewälzt, sondern direkt in der Kalkulation zur Kundenauftragsposition angezeigt. Sie werden in den Kalkulationen der übergeordneten Materialien angezeigt, aber nicht bezuschlagt.
Die Kosten für die Kundenauftragsposition enthalten somit
die Plankosten für die Fertigung aller einzelbedarfsgesteuerten Materialien in der Struktur plus die Gemeinkostenzuschläge
die Plankosten für die externe Beschaffung aller einzelbedarfsgesteuerte Rohstoffe in der Struktur plus die Gemeinkostenzuschläge
Auf diese Weise simuliert die Erzeugniskalkulation den Ablauf im Ist, wobei die Kosten für alle Materialien aus dem Einzelbedarf
auf Fertigungsaufträgen gesammelt werden und mit der Auftragsabrechnung an die Kundenauftragsposition abgerechnet werden
mit dem Rechnungseingang auf die Kundenauftragsposition kontiert werden
Hinweis
Wenn Sie mit dem bewerteten Kundenauftragsbestand arbeiten, entspricht die Abwicklung der Kostenwälzung der Kostenwälzung bei anonymer Lagerfertigung.
Istkosten auf den Fertigungsaufträgen
Materialbewegungen über den unbewerteten Kundenauftragsbestand werden in der
Finanzbuchhaltung
nicht bewertet. Dies bedeutet, daß Materialverbräuche von Sekundärbedarfen (v.a. Halbfabrikate) aus dem Kundenauftragsbestand auf dem Fertigungsauftrag nicht angezeigt werden. Diese Kosten werden entweder mit der Rechnung oder beim Wareneingang (externe Beschaffung) oder der Auftragsabrechnung (Eigenfertigung) auf der Kundenauftragsposition erfaßt. Da die Fertigungsaufträge nicht die gesamten Istkosten enthalten, ist eine sinnvolle Abweichungsermittlung nicht möglich und wird daher systemseitig nicht unterstützt.
Istkosten auf der Kundenauftragsposition
Beim unbewerteten Kundenauftragsbestand werden die auf den Produktionsaufträgen (Fertigungsaufträge und Prozeßaufträge) stehenden Istkosten der Fertigung beim Periodenabschluß an die Kundenauftragsposition abgerechnet.
Bei Handelsware wird die Kundenauftragsposition zum Zeitpunkt des Wareneingangs oder des Rechnungseingangs mit den Istkosten des fremdbezogenen Materials belastet.
Istkosten können beim unbewerteten Kundenauftragsbestand auf der Kundenauftragsposition über folgende betriebswirtschaftliche Vorgänge erfaßt werden:
Warenbewegungen in der
Materialwirtschaft
(MM)
Warenausgänge für Kundenauftrag
Sie arbeiten hier mit der Bewegungsart 291. So stellen Sie sicher, daß das Feld
Kundenauftrag
angezeigt wird.
Wareneingänge für Kundenauftrag
Sie arbeiten hier mit der Bewegungsart 101. So stellen Sie sicher, daß an den Kundenauftragsbestand geliefert wird.
Abrechnung der der Kundenauftragsposition zugeordneten Fertigungsaufträge, Instandhaltungsaufträge, Innenaufträge usw. an die Kundenauftragsposition
Buchungen in der
Finanzbuchhaltung
(FI)
innerbetriebliche Leistungsverrechnungen
Innerbetriebliche Leistungsverrechnungen erfassen Sie in der Kundenauftragsfertigung mit der Erfassungsvariante SAP05.
Umbuchungen von Kosten, von Einzelposten, von Leistungsverrechnungen
Umbuchungen von Kosten erfassen Sie in der Kundenauftragsfertigung mit der
Erfassungsvariante SAP08.
Direkte Erfassung von Personalkosten zur Kundenauftragsposition mit Hilfe des Arbeitszeitblattes.
Hinweis
Kundenauftragspositionen können auch durch Prozeßkostenverrechnung, Nachbewertung von Leistungen zu Isttarifen und durch die Zuschlagsberechnung mit Istkosten belastet werden.
Diese Funktionen werden im Periodenabschluß behandelt.
Bilanzieren Sie in der
Finanzbuchhaltung
(FI) nach dem Umsatzkostenverfahren und arbeiten Sie mit dem unbewerteten Kundenauftragsbestand, dann müssen Sie vor Weiterleitung der Kosten des Umsatzes an FI eine Ergebnisermittlung durchführen und die errechneten Kosten des Umsatzes anschließend FI abrechnen.
Wenn Sie mit dem unbewerteten Kundenauftragsbestand arbeiten, haben alle der Kundenauftragsposition zugeordneten Produktionsaufträge als Abrechnungsempfänger die Kundenauftragspositon und die Abrechnungsart GES ("Gesamt").
Führen Sie zunächst den Periodenabschluß im
Auftragsbezogenen Produkt-Controlling
durch. Das System rechnet bei der Abrechnung alle auf die der Kundenauftragsposition zugeordneten Produktionsaufträge gebuchten Istkosten an die Kundenauftragsposition ab. Wenn Sie Produktionsaufträge in anderen Buchungskreisen erzeugt haben, die der Kundenauftragsposition zugeordnet sind, dann stellen Sie sicher, daß auch diese abgerechnet werden, bevor Sie die Ergebnisermittlung durchführen.
Die Abweichungsermittlung zum Produktionsauftrag wird bei Einsatz des unbewerteten Kundenauftragsbestandes nicht unterstützt.
Anschließend führen Sie den Periodenabschluß im
Kundenauftrags-Controlling
durch.
Sie führen eine Ergebnisermittlung durch, um den Wert der unfertigen und der fertigen Erzeugnisse zu ermitteln.
Bei der Abrechnung werden die bei der Ergebnisermittlung errechneten Abgrenzungsdaten an die Folgekomponenten weitergeleitet.
Erlöse, Erlösschmälerungen und Kosten des Umsatzes an die
Ergebnisrechnung
(CO-PA)
Kostenanteil im Bestand oder erlösfähiger Bestand an die
Finanzbuchhaltung
(FI) und die
Profit-Center-Rechnung
(EC-PCA)
Rückstellungen für drohende Verluste an das CO-PA, das FI und das EC-PCA
Rückstellungen für fehlende Kosten an FI und EC-PCA
Rückstellungen für Reklamationen und Provisionen an FI und EC-PCA
bei Umsatzkostenverfahren die Kosten des Umsatzes an FI und EC-PCA
Hinweis
Besonderheit bei buchungskreisübergreifender Abwicklung mit unbewertetem Kundenauftragsbestand:
Sie können in der
Abgrenzungsversion
in der
erweiterten Steuerung
durch das Kennzeichen "WIP auf abhängigen Aufträgen" bestimmen, daß die Kosten der Produktionsaufträge im zweiten Buchungskreis so lange als Ware in Arbeit ausgewiesen werden, bis sie den Status GLFT (geliefert) erreichen. Ab dann wird die Ware in Arbeit im zweiten Buchungskreis aufgelöst und eine Ware im Arbeit im Buchungskreis der Kundenauftragsposition ausgewiesen. Anschließend führen Sie die Ergebnisermittlung auf der Kundenauftragsposition durch.
Ergebnisermittlung
Wenn Sie mit dem unbewerteten Kundenauftragsbestand arbeiten, dann verwenden Sie die Ergebnisermittlung unter anderem zur Bestandsbewertung. Sie müssen in diesem Falle immer eine Ergebnisermittlung durchführen, wenn Sie den Kundenauftragsbestand in der Bilanz aktivieren möchten. Die Buchung im FI erfolgt durch die Abrechnung der in de Ergebnisermittlung errechneten Abgrenzungsdaten.
Wenn Sie mit dem unbewerteten Kundenauftragsbestand arbeiten, dann nutzen Sie die Ergebnisermittlung, um
den Wert der Ware Arbeit zu ermitteln (Ermittlung eines Kostenanteils im Bestand oder eines erlösfähigen Bestandes)
Die so ermittelte Ware in Arbeit umfaßt den Bestand an Fertigerzeugnissen und den Bestand an unfertigen Erzeugnissen, da die Ablieferung an den Wareneingang unbewertet erfolgt
eine automatisierte Rückstellungsbildung durchzuführen
falls Sie in der Finanzbuchhaltung nach dem Umsatzkostenverfahren bilanzieren die Kosten des Umsatzes zu ermitteln, die Sie anschließend an die Finanzbuchhaltung abrechnen können
Siehe auch:
Planwertermittlung im Kundenauftrags-Controlling
Istbuchungen und Mittelbindung im Kundenauftrags-Controlling
Periodenabschluß im Kundenauftrags-Controlling: Szenario
Informationen zu Kostenwälzung und Kostenschichtung finden Sie im Dokument
Produktkostenplanung
.