Fertigungsauftrag in der Kostenträgerrechnung
Produktionsauftrag, der im Rahmen der diskreten Fertigung verwendet wird.
Ein Fertigungsauftrag enthält Folgen von Vorgängen. Ein Vorgang beschreibt, wie ein Arbeitsschritt durchzuführen ist. Die Zusammenfassung von Vorgängen in Folgen ermöglicht eine Darstellung von parallelen oder alternativen Abläufen.
Ein Vorgang kann zur detaillierten Beschreibung in Untervorgänge unterteilt werden.
Ein Vorgang beziehungsweise ein Untervorgang kann auf einen Arbeitsplatz verweisen, auf dem dieser durchzuführen ist. Ein Vorgang beziehungsweise ein Untervorgang enthält Leistungen, die zur Ausführung des Vorgangs beziehungsweise Untervorgangs erforderlich sind. Aus diesen Planleistungen werden in Bezug auf die zu bearbeitende Menge die Kapazitätsbedarfe vom Vorgang beziehungsweise Untervorgang ermittelt.
Des Weiteren kann ein Vorgang eine bestimmte Menge von Einsatzmaterialien beziehungsweise Fertigungshilfsmitteln benötigen.
Ein Vorgang kann mehrere Ereignispunkte enthalten, bei deren Erreichen bestimmte betriebswirtschaftliche Vorgänge auszulösen sind.
Hinweis
Wenn Sie keine Produktionsplanung
(PP) im Einsatz haben, können Sie Fertigungsaufträge auch im Controlling
(CO) anlegen. Die Fertigungsaufträge im CO sind Fertigungsaufträge ohne Mengengerüst. Sie greifen nicht auf Stammdaten des PP zu.
Wenn Sie die Kosten nicht je Fertigungsauftrag, sondern je Produkt sammeln möchten, dann können Sie im Customizing hinterlegen, dass Sie die Kosten nicht auf dem Fertigungsauftrag, sondern auf einem Produktkostensammler sammeln werden. In diesem Falle führen Sie ein Periodisches Produkt-Controlling
durch. Der Fertigungsauftrag ist in diesem Falle kein Kostenträger.
Sie definieren dies im Customizing des Periodischen Produkt-Controlling
unter bzw. im Customizing des Auftragsbezogenen Produkt-Controlling
unter .
Wenn Sie in der Auftragsart hinterlegt haben, dass Sie die Kosten auf einem Produktkostensammler sammeln möchten, dann stellt das System beim Anlegen eines Fertigungsauftrages zu der entsprechenden namensbildenden Merkmalskombination (z.B. Material / Werk / Fertigungsversion) direkt eine Verbindung zum Produktkostensammler her. Der Fertigungsauftrag erhält den Status PKSA (Produktkostensammler). Dieser Status verhindert, dass auf den Fertigungsauftrag Kosten gebucht werden. Im Fertigungsauftrag wird die Nummer des Fertigungsprozesses angezeigt. Folgende Felder werden im Produktkostensammler gepflegt:
Kalkulationsvariante Ist
Abweichungsschlüssel
Abgrenzungsschlüssel
Profitcenter
Geschäftsbereich
Kalkulationsschema
Zuschlagsschlüssel
Diese Felder sind für den Fertigungsauftrag nicht eingabebereit. Die in der Kalkulationsvariante Ist
des Produktkostensammlers hinterlegte Bewertungsvariante wird zur Bewertung der zum Fertigungsauftrag rückgemeldeten Daten herangezogen.
Die Kalkulationsvariante Plan
wird nicht aus dem Produktkostensammler übernommen, sondern wird weiterhin aus der Auftragsart des Fertigungsauftrages heraus vorgeschlagen. Sie dient dem Erstellen einer temporären Auftragsvorkalkulation, die nicht abgespeichert werden kann.
Für einen Fertigungsauftrag, der mit einem Produktkostensammler verknüpft ist, wird keine Abrechnungsvorschrift erzeugt.
Die Verknüpfung zwischen dem Fertigungsauftrag und dem Fertigungsprozess des Produktkostensammlers kann nur geändert werden, solange noch keine kostenverursachenden Funktionen zum Fertigungsauftrag ausgeführt worden sind. Wurden noch keine kostenverursachenden Funktionen zum Fertigungsauftrag ausgeführt, so kann beispielsweise bei Änderung der Fertigungsversion oder von Stückliste und Arbeitsplan der Fertigungsauftrag von einem Produktkostensammler gelöst und einem anderen Produktkostensammler zugeordnet werden. Sind bereits Kosten entstanden, so bleibt die Zuordnung auch bei Änderung der Fertigungsversion oder von Stückliste und Arbeitsplan bestehen.
Sie können aus dem Fertigungsauftrag heraus den Produktkostensammler anzeigen.
Ist noch kein Produktkostensammler angelegt, mit dem der Fertigungsauftrag verknüpft werden kann, dann gibt das System eine Meldung aus.
Fertigungsaufträge, die auf einen Produktkostensammler verweisen, werden im Periodenabschluss der Kostenträgerrechnung
bei der Bearbeitung der Fertigungsaufträge ignoriert.
Im Auftragsbezogenen Produkt-Controlling
wird der Fertigungsauftrag selbst als Kostenträger verwendet.
Ein Fertigungsauftrag kann nach folgenden Methoden angelegt werden:
auf Basis eines Planauftrages, der während der maschinellen Bedarfsplanung erstellt wurde
als selbstständiger Auftrag ohne Anschluss an die Bedarfsplanung
Sie arbeiten insbesondere dann mit Fertigungsaufträgen, wenn Sie Werkstattfertiger sind. Sie können Fertigungsaufträge aber auch als Prozessfertiger verwenden.
Der Fertigungsauftrag enthält alle Informationen, die zur Fertigung von einem Los eines Materials benötigt werden. Der Fertigungsauftrag bestimmt:
welches Material zu welchem Termin gefertigt wird
welche Vorgänge und Untervorgänge an welchem Arbeitsplatz durchgeführt werden
zu welchen Terminen diese Vorgänge durchgeführt werden
welche Lagermaterialien zur Durchführung der Vorgänge benötigt werden
welche Materialien und Leistungen für den Auftrag fremdbeschafft werden müssen
an welchen Empfänger (z.B. Bestand, Kundenauftrag bei unbewertetem Kundenauftragsbestand) die angefallenen Istkosten abgerechnet werden
Sie können zu einem Fertigungsauftrag nach der Freigabe eine Vorkalkulation durchführen. In der Kundenauftragsfertigung kann die Vorkalkulation des Fertigungsauftrages der Ermittlung des Standardpreises dienen, wenn Sie mit dem bewerteten Kundenauftragsbestand arbeiten.
Istkosten zum Fertigungsauftrag werden während des Produktionsprozesses erfasst, beispielsweise durch Warenausgangsbuchungen und interne Leistungsverrechnungen. (Siehe auch: Istbuchungen in der Kostenträgerrechnung). Sie können sich die Istkosten und die Plankosten zum Fertigungsauftrag jederzeit vom System anzeigen lassen.
Sie führen am Periodenende zum Fertigungsauftrag einen Periodenabschluss durch, bei dem Sie beispielsweise Ware in Arbeit ermitteln können.
Sie können die Abweichungsermittlung zum Fertigungsauftrag entweder kumuliert (losbezogen) oder periodisch durchführen.
Achtung
Achten Sie darauf, dass der Arbeitsplan des Fertigungsauftrages dem Arbeitsplan entspricht, der der Ermittlung der Ausschussabweichungen zugrunde liegt, da das System bei bestimmten Änderungen bezüglich des Arbeitsplans die Ausschussabweichungen nicht ermitteln kann.
Sie können Fertigungsaufträge auch bei Kuppelproduktion verwenden (siehe auch: Besonderheiten bei Kuppelproduktion).
Sie können Fertigungsaufträge verdichten und sich im Informationssystem die Kosten beispielsweise auf Werksebene anzeigen lassen.
Sie können Fertigungsaufträge zu Auftragsnetzen verknüpfen.
Ein Fertigungsauftrag kann auch ohne Materialbezug angelegt werden, um nach Abschluss des eigentlichen Fertigungsprozesses Fehler an Erzeugnissen zu beseitigen.
Informationen zur Nacharbeit finden Sie im Abschnitt:
Informationen zu Auftragssplits finden Sie unter Kostenverteilung bei Auftragssplit.
Fertigungsaufträge, die Sie nicht mehr benötigen, können Sie in einem Reorganisationslauf löschen. Lesen Sie hierzu den Abschnitt:
Ausführliche Informationen zur Produktionsplanung
finden Sie in der Dokumentation PP-Produktionsplanung
.
Wie Sie einen Fertigungsauftrag im PP anlegen, erfahren Sie in der Dokumentation PP-Fertigungsaufträge
.
Sie können Fertigungsaufträge auch in Verbindung mit dem Kundenauftrags-Controlling
verwenden. Weitere Informationen finden Sie unter Kundenauftrags-Controlling.
Sie können die zu Fertigungsaufträgen entstehenden Kosten auch auf einem Produktkostensammler sammeln. In diesem Falle wird der Fertigungsauftrag nicht mit Kosten belastet.
Weitere Informationen finden Sie unter: