Prozessautomatisierung
Prozessautomatisierung umfasst Modellierung, Konfiguration und automatisierte Ausführung von Prozessen. Dabei kann es sich um folgende Arten von Prozessen handeln:
● Eingebettete Prozesse: Prozesse, die in eine SAP-Anwendung eingebunden sind
● Übergreifende Prozesse: anwendungs- bzw. systemübergreifende Prozesse
Eingebettete Prozesse automatisieren Geschäftsprozesse innerhalb von SAP-Anwendungen. Solche Geschäftsprozesse können z. B. einfache Freigabe- oder Genehmigungsverfahren sein oder komplexere Prozesse, wie z. B. die Anlage eines Materialstamms und die damit zusammenhängende Koordination der beteiligten Abteilungen.
Für Geschäftsprozesse, die noch nicht durch SAP-Anwendungen abgedeckt sind, können Sie eigene eingebettete Prozesse definieren. Dazu definieren Sie im SAP Business Workflow entsprechenden Workflows. Ein Workflow ist ein ausführbarer eingebetteter Prozess. SAP liefert Workflow-Vorlagen aus, die Sie anpassen und erweitern können.
Workflows setzen Sie typischerweise für folgende Arten von Geschäftsprozessen ein:
● Arbeitsabläufe, die wiederholt in der gleichen Art und Weise durchlaufen werden müssen
● Arbeitsabläufe, an denen mehrere Bearbeiter in einer festgelegten Reihenfolge und in festgelegten Rollen beteiligt sind
● Abläufe, die auf Fehler und Ausnahmesituationen in anderen Geschäftsprozessen reagieren
Bei der Ausführung eines Workflows erzeugt das System Workitems. Diese repräsentieren Aufgaben, die ein Benutzer ausführt oder die im Hintergrund von System ausgeführt werden.
Damit das System den richtigen Benutzer für die Bearbeitung eines Workitems ermitteln kann, definieren Sie die unternehmensspezifischen Aufbauorganisation und Regeln für die Bearbeiterfindung.
Ein Workflow verarbeitet Objekte. Ein Objekt ist ein einzelner Datensatz eines Objekttyps. Ein Objekttyp ist z. B. Material. Im Business Object Repository finden Sie eine Übersicht über alle im SAP-System existierenden Objekttypen. Sie können die existierenden Objekttypen verwenden oder erweitern und auch neue Objekttypen anlegen.
Für einen Objekttyp sind Attribute, Methoden und Ereignisse definiert:
● Attribute beschreiben die Daten, aus denen sich der Datensatz eines Objekttyps zusammensetzt (z.B. Materialname, Materialnummer).
● Methoden beschreiben die Tätigkeiten, die mit den Daten durchgeführt werden können (z.B. Material anlegen). In einer Methode können Sie die Transaktionen und Funktionen des SAP-Systems aber auch eigene oder andere Anwendungen aufrufen.
● Ereignisse beschreiben die Zustandsänderungen, die ein Objekt erfahren kann (z.B. Material gelöscht oder Material geändert). Ein solches Ereignis kann z. B. einen Workflow starten.
Um diese Szenariovariante für die Automatisierung eingebetteter Prozesse zu verwenden, benötigen Sie die Folgenden installierbaren Einheiten:
System mit aktivierten Verwendungsarten:
● Application Server ABAP (AS-ABAP)
● Application Server JAVA (AS-JAVA)
● Enterprise Portal (EP)
Sonstiges:
● Zusätzlich können Sie ARIS for SAP NetWeaver als Modellierungsumgebung einsetzen.
Diese Variante beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Definition eingebetteter Prozesse. Diese Bearbeitung von Aufgaben, die durch diese eingebetteten Prozesse erzeugt werden, beschreibt das IT-Szenario Business Task Management.
Diese Szenariovariante besteht für die Automatisierung von eingebetteten Prozessen aus folgenden IT-Prozessen:
Prozess |
Beschreibung |
Sie definieren aus betriebswirtschaftlicher Sicht das Geschäftsprozessmodell für eingebettete Prozesse. Auf dieser Grundlage modellieren Sie die benötigten Workflows. |
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Sie passen die Workflows auf Ihre spezifischen Anforderungen und Gegebenheiten an. Sie definieren z. B. Regeln für die Bearbeiterfindung und Texte, die die auszuführenden Aufgaben beschreiben. |
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Ein Workflow kann auf unterschiedliche Arten gestartet werden, z. B. manuell durch einen Benutzer oder automatisch durch ein Ereignis. Das System erzeugt zu jedem Schritt ein Workitem. Ein Workflow besteht typischerweise aus Workitems, die das System automatisch im Hintergrund ausführt und aus Workitems, die der jeweils zuständige Bearbeiter ausführt. Dieser Prozess beschreibt nur die Schritte, die das System ausführt. |
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Der zuständige Benutzer bearbeitet seine Workitems bzw. Aufgaben. Weitere Information hierzu finden Sie im IT Szenario Business Task Management. |
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Sie können die Ausführung von Workflows aus betriebswirtschaftlicher sowie aus technischer Sicht überwachen und analysieren. |
Übergreifende Prozesse automatisieren über Unternehmens- und Anwendungsgrenzen hinweg laufende Geschäftsprozesse. Solche übergreifenden Prozesse verwenden Sie z. B. um Fremd- oder Altsysteme zu integrieren.
Für die technische Umsetzung dieser übergreifenden Prozesse modellieren Sie Integrationsprozesse. Ein Integrationsprozess ist ein ausführbarer systemübergreifender Prozess, der auf der Kommunikation über XML-Messages basiert. In einem Integrationsprozess definieren Sie alle auszuführenden Prozessschritte und steuerungsrelevanten Parameter.
Über XML-Messages werden die beteiligten Business-Systeme und Anwendungen lose gekoppelt und Sie vermeiden aufwendig zu wartende programmierte Integrationen.
Übergreifende Prozesse setzen Sie typischerweise für folgende Arten von Geschäftsprozessen ein:
● System- bzw. anwendungsübergreifende Geschäftsprozesse, bei denen die Kommunikation zwischen den beteiligten Business-Systemen bzw. Anwendungen über XML-Messages abgebildet werden kann
● Prozesse, die keine Benutzerinteraktion erfordern
● Prozesse, bei denen der Zustand der Message-Verarbeitung innerhalb des Prozesses gespeichert werden muss, um eine weitere Verarbeitung der Messages zu ermöglichen. Dies ist zum Beispiel zum Sammeln und Bündeln von Messages erforderlich.
Integrationsprozesse basieren auf der message-basierten Prozessintegration von SAP NetWeaver. Integrationsprozesse erweitern die message-basierte Integration um eine zustandsbehaftete Verarbeitung. Dadurch können Sie komplexere Verarbeitungsfolgen definieren.
Neben Sende-, Empfangs- und Transformationsschritten haben Sie zahlreiche Möglichkeiten, den Kontrollfluss des Prozesses zu steuern. Sie können z. B. Schleifen und parallele Abschnitte definieren, Fristen festlegen und Ausnahmebehandler definieren.
Mit diesen Mitteln können Sie z. B. festlegen, in welcher Reihenfolge empfangene Messages aus dem Prozess heraus weitergesendet werden oder dass mehrere Message zu einer Message gebündelt werden und diese gebündelte Message an mehrere Empfänger weitergesendet wird.
Für die Definition von Integrationsprozessen steht Ihnen im Integration Repository des Integration Builder ein grafischer Prozess-Editor zur Verfügung. Um Integrationsprozesse an Ihre Sytemlandschaft anzupassen, stehen Ihnen im Integration Directory des Integration Builder Assistenten für die Konfiguration zur Verfügung.
Um diese Szenariovariante für die Automatisierung übergreifender Prozesse zu verwenden, benötigen Sie die Folgenden installierbaren Einheiten:
System mit aktivierter Verwendungsart:
● Process Integration (XI)
Sonstiges:
● Zusätzlich können Sie ARIS for SAP NetWeaver als Modellierungsumgebung einsetzen.
Wenn Sie diese Variante für die Automatisierung von übergreifenden Prozessen einsetzen, verwenden Sie teilweise Werkzeuge, die auch im IT-Szenario Enabling Application to Application Processes eingesetzt werden (siehe auch: Enabling Application-to-Application Processes).
Diese Szenariovariante besteht für die Automatisierung übergreifender Prozesse aus folgenden IT-Prozessen:
Prozess |
Beschreibung |
Sie beschreiben die Integrationsstrategie in einem Modell. Auf dieser Basis modellieren Sie die entsprechenden Integrationsszenarien und Integrationsprozesse. |
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Sie passen die Integrationsszenarien und Integrationsprozesse an Ihre Systemlandschaft an. |
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Zur Laufzeit führt das System die definierten Prozesse aus. |
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Für Integrationsszenarien und -prozesse stehen Ihnen Monitoringfunktionen zur Verfügung, anhand derer Sie die Verarbeitung von XML-Messages und den Durchsatz überwachen können, ebenso wie die Verarbeitung von Integrationsprozessen. |