Auftragsabwicklung: Aufarbeitung
von Reserveteilen 
Die Aufarbeitung von Reserveteilen ist wichtig für Unternehmen, bei denen die Anlagenverfügbarkeit ein kritischer Erfolgsfaktor ist (z.B. Prozeßindustrie, Ölförderung und ‑verarbeitung, Stahlverarbeitung) und die zur Sicherstellung einer hohen Anlagenverfügbarkeit Reserveteile vorhalten. Die Aufarbeitung der - in der Regel hochwertigen - defekten Reserveteile ist von hoher wirtschaftlicher Bedeutung für diese Unternehmen und oftmals ein Kernprozeß in der Instandhaltung. Sie ist häufig sehr viel kostengünstiger als ein Neukauf.
In Produktionsanlagen oder sonstigen technischen Objekten werden oft hochwertige Komponenten eingesetzt (Pumpen, Motoren usw.), die im Schadensfall durch ein funktionsfähiges Reserveteil ersetzt und anschließend aufgrund eines separaten Auftrags aufgearbeitet werden.
Zusätzlich zu den Funktionen der Instandhaltung werden für die Aufarbeitung von Reserveteilen auch Funktionen der Bestandsführung und die Disposition verwendet.

Die Disposition unterscheidet nicht zwischen “Gutteilen” (funktionsfähige Teile) und “Schlechtteilen” (nicht funktionsfähige Teile).
· Für die Reserveteile muß ein Materialstammsatz im System angelegt sein.
· Eine eindeutige Identifizierung ist nur möglich, wenn die Einzelstücke des Materials serialisiert wurden.
Es ist sinnvoll, wenn Sie in Ihrem System mit Hilfe der Customizing-Funktion eine eigene Auftragsart definieren, die Sie für die Aufarbeitung kennzeichnen. Sie können aber auch eine bereits vorhandene Auftragsart für die Aufarbeitung zulassen.
Auf der folgenden Grafik sehen Sie eine Übersicht über die Verwendung von Reserveteilen:

Im Detail sieht der Ablauf wie folgt aus:
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1. Beschaffung von neuen Reserveteilen
Für bestimmte kritische und hochwertige Komponenten, die in einer Anlage eingesetzt werden, beschaffen Sie neue Reserveteile, um die Komponenten bei einem Ausfall umgehend ersetzen zu können.
Die Beschaffung der neuen Reserveteile wird von der Materialwirtschaft vorgenommen. Die Reserveteile werden bestellt und an das Reserveteillager geliefert. Im System wird ein Materialstammsatz für die Reserveteile angelegt. Wenn gewünscht können die Reserveteile bei Wareneingang im vorgesehenen Lagerort als Materialeinzelstücke serialisiert, einer Charge zugeordnet und bewertet werden.
Weitere Informationen finden Sie in
der
Bestandsführung.
2. Austausch von defekten und intakten Reserveteilen
Wenn ein als Reserveteil geführtes Material(einzelstück) in einer Anlage defekt ist, muß es durch ein intaktes Reserveteil ersetzt werden. Hierzu wird das defekte Reserveteil aus der Anlage ausgebaut und ins Lager zurückgegeben, während ein intaktes Reserveteil aus dem Lager entnommen und in die Anlage eingebaut wird.
Weitere Informationen finden Sie
unter
Bestandsführung.
Bei Lagerzugang aus der Produktion und Lagerabgang in die Produktion können Materialeinzelstücke mit ihren Serialnummern registriert werden.
Wenn es sich bei den betroffenen Reserveteilen um Equipments handelt, die auf Technischen Plätzen ein- und ausgebaut werden, können Sie den Ein- und Ausbau mit einem herkömmlichen Auftrag planen und durchführen. Die Ein- und Ausbaudaten gehen außerdem in die Instandhaltungshistorie ein.
Für den Ausbau können Sie die Funktion Aus-/Einbau mit Warenbewegung nutzen; mit dieser Funktion können Sie ein eingebautes Equipment ausbauen und gleichzeitig im Lagerort einlagern.
3. Eröffnung des Aufarbeitungsauftrags
Sobald die Anzahl defekter Reserveteile im Lager eine bestimmte Menge erreicht hat, eröffnet der zuständige Planer einen Aufarbeitungsauftrag.
Er plant in diesem Auftrag, wie viele - ggf. eindeutig durch Serialnummer zu identifizierende - bestandsgeführte Reserveteile eines bestimmten Materials aufzuarbeiten sind. Dabei kann es sich auch um Equipments handeln, die über ihre Material-/Serialnummernkombination identifiziert werden. Er setzt den Zeitrahmen für die Aufarbeitung fest und plant alle nötigen Vorgänge, Materialien, Hilfsmittel usw.
Die Auftrag bewirkt eine Zustandsänderung der Reserveteile eines Materials. Der Ausgangszustand ist dabei “aufzuarbeiten”, der Zielzustand “aufgearbeitet”.
4. Auftragsfreigabe und ‑ausführung
Nach Abschluß der Planungstätigkeiten wird der Aufarbeitungsauftrag freigegeben. Dies bedeutet, daß mit der Ausführung des Auftrags begonnen werden kann.
Weitere Informationen finden Sie unter Auftragsfreigabe.
5. Entnahme von aufzuarbeitenden Reserveteilen aus dem Lager
Die mit der Aufarbeitung betrauten Mitarbeiter entnehmen die aufzuarbeitenden Reserveteile sowie alle weiteren, im Auftrag eingeplanten Materialien, die sie für die Aufarbeitung benötigen, aus dem Lager. Der Warenausgang wird erfaßt.
Weitere Informationen finden Sie unter Lagermaterial entnehmen.
6. Rückmeldung
Die mit der Aufarbeitung betrauten Mitarbeiter geben Rückmeldungen zum Aufarbeitungsauftrag ein. Anhand dieser Rückmeldungen ist der Arbeitsfortschritt ersichtlich.
Weitere Informationen finden Sie unter Rückmeldung.

Die Pflege von Meldungen zum Aufarbeitungsauftrag ist nicht vorgesehen.
7. Rückgabe von aufgearbeiteten Reserveteilen ans Lager
Für die aufgearbeiteten Reserveteile wird ein Wareneingang gebucht. Dabei wird automatisch die Charge/Bewertungsart in Serialnummernstammsatz aktualisiert. Die Reserveteile sind jetzt wieder intakt und können disponiert und eingesetzt werden.
Weitere Informationen finden Sie unter Wareneingang für aufgearbeitetes Material buchen.
Durch die Rückgabe ans Lager ergeben sich im Aufarbeitungsauftrag folgende Änderungen:
· Die gelieferte Menge wird im Auftragskopf angezeigt.
· Der Auftrag erhält den Status Geliefert bzw. Teilgeliefert.
· Der Auftrag wird um den Wert, der sich aus der gelieferten Menge und dem aktuellen Preis des aufgearbeiteten Materials ergibt, entlastet.
Mit Hilfe der Objektliste können Sie die einzelnen Reserveteile identifizieren.
Weitere Informationen finden Sie
unter
Bestandsführung.

Für nicht wiederaufzuarbeitende Reserveteile stornieren Sie die Reservierung und buchen eine Verschrottung.
Für den Einbau können Sie die Funktion Aus-/Einbau mit Warenbewegung nutzen; mit dieser Funktion können Sie in einem Schritt ein Equipment aus einem Lagerort auslagern und in einem technischen Objekt einbauen.
8. Auftragsabschluß
Sobald die Aufarbeitung beendet ist, kann der Auftrag abgeschlossen werden.
Weitere Informationen finden Sie unter Abschluß eines Auftrags.
9. Auftragsabrechnung
Aufarbeitungsaufträge können auf das aufzuarbeitende Material abgerechnet werden.
Weitere Informationen finden Sie unter Abrechnung und Abrechnungsempfänger.