Verwendung
Die Interpolation dient dazu, für eine Zinslaufzeit einer Zinskurve, für die kein Zinssatz vorhanden ist, einen Wert aus den vorhandenen Zinssätzen zu bestimmen. In folgenden Fällen wird interpoliert:

Jahresstützwerte, d.h. Stützstellen wie z.B. 1 Jahr, 2 Jahre, die nicht als Referenzzins (Stützstelle) der Zinskurve definiert wurden, werden für die Berechnung der Zerobondabzinsungsfaktoren benötigt.
Beim Renditetyp Parsatz wird der unter Interpolationsgrundlage eingestellte Zinssatz zum gesuchten Zinsdatum gemäß dem gewählten Interpolationsverfahren der Zinskurvenart interpoliert und aus dem interpolierten Parsatz der Zerocoupon und der Zerobondabzinsungsfaktor berechnet. Beim Renditetyp Zerobondrendite wird zunächst der unter Interpolationsgrundlage eingestellte Zinssatz gemäß dem Interpolationsverfahren interpoliert und anschließend daraus der Zerobondabzinsungsfaktor berechnet. Es erfolgt in diesem Fall keine Berechnung eines Parsatzes (Ausnahme: Continuous-Compounding-Zero-Interpolation ist eingestellt).
Bei aktivierter Continuous-Compounding-Zero-Interpolation werden unabhängig vom Renditetyp aus den Zerobondabzinsungsfaktoren Zerobondsätze mit stetiger Verzinsung und Zinsberechnungsmethode ACT/365 berechnet. Als Eingangszinskurve dient die äquivalente Zinskurve ohne Continuous-Compounding, d.h. an den Stützstellen ist eine Zinskurve mit Continuous-Compounding-Zero-Interpolation identisch mit der äquivalenten Zinskurve ohne Continuous-Compounding. Die stetigen Zerobondsätze werden unabhängig vom Interpolationsverfahren immer linear interpoliert. Die Kapitel
Zerobondabzinsungsfaktoren und Forward Rates beschreiben, wie aus interpolierten stetigen Zerobondsätzen Parsätze und Nullkuponsätze (in der Zinsberechnungsmethode der Zinskurve) berechnet werden.Funktionsumfang
Liegt die Laufzeit eines gesuchten Zinssatzes vor der ersten bzw. nach der letzten Stützstelle, wird die erste bzw. letzte Stützstelle übernommen (Extrapolation). Liegt das gesucht Zinsdatum zwischen zwei Stützstellen der Zinskurve, so wird in Abhängigkeit des Parameters Interpolation der Zinskurvenart entweder die lineare Interpolation oder die kubische Spline-Interpolation durchgeführt:

Die Interpolation wird wie folgt ausgeführt:
Pt: interpolierter Zinssatz zum Zeitpunkt t
Pt-1: unterer Stützwert zum Zeitpunkt t-1
Pt+1: oberer Stützwert zum Zeitpunkt t+1
dt : Laufzeit des gesuchten Zinssatzes in Tagen
dt-1 : Laufzeit des unteren Stützwertes in Tagen
dt+1: Laufzeit des oberen Stützwertes in Tagen

Das Verfahren kubische Spline-Interpolation verwendet stückweise Polynome dritten Grades, welche durch geeignete Bedingungen an den Stützstellen so verbunden werden, daß die stetige Differenzierbarkeit der Zinskurve gegeben ist. Im Unterschied zur linearen Interpolation gehen bei der kubischen Spline-Interpolation in die Berechnung eines interpolierten Wertes alle Stützwerte mit ein.
Das Verfahren der kubischen Spline-Interpolation liefert bessere Interpolationswerte als die lineare Interpolation. Die kubische Spline-Interpolation ist dadurch aber komplexer, umfangreicher und damit auch laufzeitintensiver als die lineare Interpolation.

Bei der grafischen Anzeige einer Zinskurve werden die Stützpunkte unabhängig vom Interpolationstyp der Zinskurve linear verbunden. Die kubische Spline-Interpolation läßt sich daher nicht in der grafischen Darstellung betrachten.
Beispiel
Zinssätze der Stützwerte:
|
Tage |
Stützwerte |
|
1 |
5,0 % |
|
30 |
5,3 % |
|
90 |
5,6 % |
|
365 |
6,0 % |
|
1096 |
6,4 % |
Gültigkeitsdatum: 1.4.1994
Zinsberechnungsmethode: act/360
Interpolierter Jahresstützwert für die Laufzeit 2 Jahre (731 Tage):

P731 = 0,062503419