Lieferantenwechsel Ein wesentliches Merkmal des deregulierten Energiemarktes besteht in der freien Wahl des Energielieferanten durch den Kunden.
Der Prozess des
Lieferantenwechsels
bezeichnet die organisatorische Abwicklung über die Unternehmensgrenzen der an der Abwicklung beteiligten Unternehmen (Netzbetreiber, Alter Lieferant, Neuer Lieferant) hinweg.
Im Folgenden sind die wesentliche Merkmale eines Lieferantenwechsels aufgelistet:
Der Lieferantenwechsel wird mit Bezug zum
Zählpunkt
ausgeführt.
Der Prozess des Lieferantenwechsels wird zwischen folgenden Unternehmen abgewickelt:
Netzbetreiber (VNB)
Serviceanbieter, der im Rahmen der Versorgung des Zählpunkts die Netzdienstleistung zur Verfügung stellt
Alter Lieferant (LA)
Serviceanbieter, der den Zählpunkt bis zum Zeitpunkt des Lieferantenwechsels beliefert
Wenn der Zählpunkt zum Zeitpunkt des Lieferantenwechsels noch nicht beliefert wird, spielt der alte Lieferant für die Abwicklung keine Rolle. Im Folgenden wird in diesem Fall vom Prozess des
Lieferbeginns
gesprochen.
Neuer Lieferant (LN)
Serviceanbieter, der den Zählpunkt vom Zeitpunkt des Lieferantenwechsels an beliefern möchte
Wenn der Zählpunkt vom Zeitpunkt des Lieferantenwechsels an nicht mehr beliefert wird, spielt der neue Lieferant für die Abwicklung keine Rolle. Im Folgenden wird in diesem Fall vom Prozess des
Lieferendes
gesprochen.
Zwischen den an der Abwicklung beteiligten Unternehmen findet unternehmensübergreifender Datenaustausch statt.
Die folgenden Punkte sind Beispiele für einen solchen Datenaustausch im Rahmen des Lieferantenwechsels:
Der neue Lieferant sendet an den Netzbetreiber eine Zugangsmeldung zur Belieferung des Zählpunkts.
Der Netzbetreiber sendet eine positive oder negative Antwort auf die Zugangsmeldung.
Der neue Lieferant sendet eine Kündigungsmeldung bzgl. der Belieferung des Zählpunkts an dessen alten Lieferanten.
Der alte Lieferant sendet eine positive oder negative Antwort auf die Kündigungsmeldung.
Der alte Lieferant sendet an den Netzbetreiber eine Abgangsmeldung zur Belieferung des Zählpunkts.
Der Netzbetreiber sendet eine positive oder negative Antwort auf die Abgangsmeldung.
Die Abwicklung des Lieferantenwechsels erfordert die Einhaltung von Fristen:
die Frist, bis zu der die Anmeldung der Belieferung durch den neuen Lieferanten beim Netzbetreiber erfolgt sein muss
die Frist, bis zu der die Antwort an den neuen Lieferanten erfolgt sein muss
usw.
Fristen können auf allgemeingültigen Marktregeln beruhen oder auf individuellen Vereinbarungen zwischen den beteiligten Unternehmen.
Die Abwicklung des Lieferantenwechsels erfordert die Durchführung von Prüfungen:
Prüfung, ob die Anmeldung der Belieferung fristgerecht erfolgt
Prüfung, ob die Abmeldung der Belieferung fristgerecht erfolgt
Prüfung, ob der Geschäftspartner (Kunde) zum Lieferantenwechsel ermittelt werden konnte
usw.
Prüfungen können allgemeingültig definiert sein oder individuell mit Bezug zu den beteiligten Unternehmen ausgeführt werden.
Die im System verwalteten Stammdaten zum Zählpunkt müssen der neuen Versorgungssituation angepasst werden.
Die Abwicklung des Lieferantenwechsels stellt einen erheblichen administrativen Aufwand dar. Durch einen möglichst hohen Grad der Automatisierung (auch über die Unternehmensgrenzen hinweg) können die dadurch entstehenden Prozesskosten minimiert werden. Dies betrifft insbesondere die automatische Abwicklung des Datenaustauschs.
In SAPIS-U/IDE steht Ihnen eine umfangreiche Infrastruktur zur automatischen Abwicklung des Lieferantenwechsels zur Verfügung.
Die automatische Abwicklung des Lieferantenwechsels erfolgt in SAPIS-U/IDE über
SAP Business Workflow
. Im
Business Object Repository (BOR)
stehen eine Vielzahl von speziell für den Lieferantenwechsel entwickelten Methoden zur Verfügung, aus denen Sie den von Ihnen benötigten Prozess zum Lieferantenwechsel erstellen können.
Für die Abwicklung des Lieferantenwechsels im deutschen liberalisierten Strommarkt sind bereits Muster-Workflows vordefiniert, die Sie als Vorlage verwenden können.
Die Erstellung von Lieferantenwechselprozessen erfolgt mit Bezug zu einer
Wechselsicht
. Eine Wechselsicht beschreibt die Sichtweise der Abwicklung eines beteiligten Unternehmens. Wechselsichten sind z.B.
Netzbetreiber
,
Alter Lieferant
und
Neuer Lieferant
. Je Wechselsicht erstellen Sie einen Workflow, der die zur Abwicklung notwendigen Prozessschritte enthält.
Für die Abwicklung des Lieferantenwechsels im deutschen liberalisierten Strommarkt sind folgende Workflows bereits vordefiniert:
Workflow zur
Lieferanmeldung
(Wechselsicht
Neuer Lieferant
)
Der Workflow beinhaltet die Prozessschritte, die der neue Lieferant bei der Anmeldung eines Zählpunkts zur Belieferung ausführen muss.
Workflow zum
Lieferantenwechsel
(Wechselsicht
Netzbetreiber
)
Der Workflow beinhaltet die Prozessschritte, die der Netzbetreiber beim Wechsel des Lieferanten zum Zählpunkt ausführen muss.
Workflow zur
Kündigungsbearbeitung
(Wechselsicht
Alter Lieferant
)
Der Worklfow beinhaltet die Prozessschritte, die der alte Lieferant bei der Kündigung der Belieferung eines Zählpunkts ausführen muss.
Grundlage der Workflows ist eine aus verschiedenen Elementen bestehende Infrastruktur, die Sie flexibel an die konkreten Bedürfnisse Ihres Lieferantenwechselprozesses anpassen können.
Die Infrastruktur zum Lieferantenwechsel besteht aus folgenden Elementen:
Datenaustauschprozesse dienen der automatischen Abwicklung des unternehmensübergreifenden Datenaustauschs.
Für den Lieferantenwechsel sind spezielle Datenaustausch-Basisprozesse bereits vordefiniert.
Der Wechselbeleg steuert und dokumentiert den Prozess des Lieferantenwechsels. Er ist das zentrale Objekt der Infrastruktur zur Abwicklung des Lieferantenwechsels in SAPIS-U/IDE.
In sogenannten Serviceanbietervereinbarungen definieren Sie prozesssteuernde Parameter, die der Vereinbarung zweier an der Prozessabwicklung beteiligter Serviceanbieter entsprechen. Die für einen spezifischen Prozess zur Verfügung stehenden Parameter werden dabei über Deregulierungsprozesse modelliert.
Der Deregulierungsprozess GRIDUSAGE enthält Prozessparameter zur Steuerung des Lieferantenwechsels. Zu diesen Parametern können Sie Werte hinterlegen, die der Vereinbarung der am Prozess beteiligten Serviceanbieter entsprechen.
Mit dem Prüf-Framework können Sie Prüfungen, die im Rahmen der Abwicklung des Lieferantenwechsels ausgeführt werden sollen, leicht in den Workflow integrieren und das Fehlerverhalten des Workflows beeinflussen.
Mit dem Prüf-Framework steht Ihnen auch eine Vielzahl konkreter Prüfungen zur Verfügung.
Die im Rahmen des Lieferantenwechsels auszuführenden Prüfungen können Sie in den Serviceanbietervereinbarungen beeinflussen.
Das Fristenmanagement bietet Ihnen die Möglichkeit Fristen zu definieren, die im Rahmen der Abwicklung des Lieferantenwechsels zu beachten sind. Des Weiteren können Sie die Einhaltung der Fristen über das Prüf-Framework kontrollieren.
Die im Rahmen des Lieferantenwechsels zu beachtenden Fristen können Sie in den Serviceanbietervereinbarungen beeinflussen.
Das Versorgungsszenario bietet Ihnen die Möglichkeit, die Stammdaten des Zählpunkts automatisch an die durch den Lieferantenwechsel veränderte Versorgungssituation des Zählpunkts anzupassen.

Die einzelnen Elemente der Infrastruktur zum Lieferantenwechsel bieten eine Vielzahl von Möglichkeiten, die Prozessabwicklung im Detail durch Customizing-Einstellungen und Erweiterungsmöglichkeiten (Business Add-Ins) zu beeinflussen.
Siehe auch:
Lieferantenwechsel für den deutschen liberalisierten Energiemarkt