Kosten- und Erlösplanung Durch eine getrennte Betrachtung der Kostenplanung und Verkaufspreisermittlung wird eine detaillierte Planung im Kundenangebot und im Kundenauftrag ermöglicht.
Wenn Sie Leistungen an Nachunternehmer vergeben möchten, kennzeichnen Sie diese Fremdleistungen und erstellen Einkaufsbelege. Für die Preisermittlung im Kundenangebot können Sie anschließend die Preise aus den Nachunternehmerangeboten übernehmen.
Bei der Verarbeitung der benötigten Ressourcen und deren Einsatzmengen für die Kalkulation der Leistungen kann auf Stammdaten (Materialstämme, hinterlegte Lohnkosten) zurückgegriffen werden. Außerdem können Sie Lieferantenanfragen für diese Materialien erstellen.
Bereits im Kundenangebot und im Kundenauftrag können Zielvorgaben für die Ausführung ermittelt werden. Die Übernahme der Zielvorgaben ins Projekt verbindet die kaufmännischen und technischen Bereiche und unterstützt somit ein Projektcontrolling in der Ausführungsphase.
Nachträge werden ebenfalls verwaltet und können kalkuliert werden (weitere Informationen finden Sie unter Nachtrag .
Die Kostenplanung und Verkaufspreisermittlung können Sie im Kundenangebot und im Kundenauftrag durchführen.
Hinweis
Wenn Sie den Kundenauftrag mit Bezug zum Kundenangebot anlegen, können Sie die Konditionen und Kalkulationspositionen kopieren und somit wesentlich den Aufwand bei der Auftragskalkulation minimieren. Um diese Möglichkeit nutzen zu können, müssen Sie zuvor das Kennzeichen
Leistungen kopieren
gesetzt haben. Weitere Informationen finden Sie unter
Kopiersteuerung für Vertriebsbelege
.
Im folgenden werden die Schritte der Kostenplanung und Verkaufspreisermittlung beschrieben.

Sie erhalten eine Anfrage oder nehmen an einer Ausschreibung teil.
Beispiel
Der Bauherr hat seine Bauleistung durch ein Ingenieurbüro planen lassen. Als Ergebnis liegt ein Leistungsverzeichnis vor, daß für eine Angebotserstellung angefordert werden kann.
Eine andere Möglichkeit besteht darin, daß der Bauherr eine funktionale Leistungsbeschreibung erstellt hat, in der die Bauaufgabe (Funktionsbeschreibungen, Raumprogramm, Mindestqualitäten) beschrieben wird. In diesem Fall erstellt der Auftragnehmer das Leistungsverzeichnis.
Im ersten Schritt spielen Sie das Leistungsverzeichnis in das System ein (siehe Schnittstellen für Verkaufsbelege mit LV ) oder bauen es manuell auf (siehe Erstellen und Bearbeiten eines Kundenleistungsverzeichnisses ).
Sehr oft werden weitere Leistungszeilen hinzugefügt. Dies geschieht, um die Kalkulation zu vereinfachen und transparenter zu machen. Zusätzliche Leistungszeilen können Eventualzeilen oder auch Alternativzeilen sein (siehe Zeilenattribute ).
Um das Kundenangebot zu erstellen, können Angebote von verschiedenen Nachunternehmern eingeholt werden. Über Nachunternehmergruppen wird ermöglicht, Leistungszeilen im Verkaufsbeleg zu gruppieren und an einen Einkaufsbeleg zu übergeben (siehe Leistungszeile ).
Sie geben bei den Leistungszeilen im Kunden-LV, die an Nachunternehmer vergeben werden sollen, Nachunternehmergruppen ein.
Hinweis
Sie legen Nachunternehmergruppen im Customizing des
Vertriebs
unter
fest.
Achtung
Im Standardsystem ist festgelegt, daß die Nachunternehmergruppe 0000 Eigenleistungen kennzeichnet. Leistungszeilen mit dieser Nachunternehmergruppe können nicht fremd vergeben werden und somit nicht in ein Einkaufsbeleg übernommen werden.
Beispiel
Als Gruppierungs- bzw. Selektionskriterium können Sie Einkäufergruppen oder Gewerke verwenden. Für Gewerke legen Sie folgende Nachunternehmergruppen fest:
0001 Trockenbau
0002 Heizung
0003 Elektro
Sie erstellen Leistungsverzeichnisse, um Nachunternehmerangebote einzuholen . Dazu übernehmen Sie die für die Fremdvergabe gekennzeichneten Leistungszeilen über die Leistungsselektion aus einem Kunden-LV in ein Nachunternehmerleistungsverzeichnis (Nachunternehmer-LV). Bei der Übernahme können Sie festlegen, ob die Gesamtmenge oder nur eine Teilmenge nachgefragt werden soll.
Für jede aus dem Kundenleistungsverzeichnis übernommene Leistungszeile wird vom System eine Referenz verwaltet. Über diese Referenzinformation wird eine Mengenüberprüfung und Preisübernahme ermöglicht.
Beispiel
Für die Erstellung eines Angebots für einen Bauherrn holen Sie entsprechende Nachunternehmerangebote für Elektroarbeiten ein. Dazu erstellen Sie eine Anfrage mit Nachunternehmerleistungsverzeichnis, wobei Sie alle Leistungen der Nachunternehmergruppe 0003 (Elektro) aus dem Kundenleistungsverzeichnis zuordnen.
Auf der Basis der NU-Leistungsverzeichnisse werden bei den Nachunternehmern die Angebotspreise für die Fremdleistungen nachgefragt. Teilweise werden Nachunternehmer dazu aufgefordert, Angebotspreise nur für den Lohnanteil oder den Materialanteil im NU-LV abzugeben. Dabei wird davon ausgegangen, daß der Materialanteil selber eingekauft und dem Nachunternehmer zur Erbringung der Bauleistung zur Verfügung gestellt wird.
Den Einkaufsprozeß realisieren Sie über die Komponente Dienstleistung (MM-SRV) .
Sie können die Preise sämtlicher auf eine bestimmte Ausschreibung bezogenen Angebote mit Hilfe des Preisspiegels vergleichen. In diesem Preisspiegel sind die Angebote nach Positionen in der Reihenfolge der günstigsten Preisangebote aufgelistet. Weitere Informationen zum Preisspiegel finden Sie unter Angebote vergleichen .
Das System unterstützt Sie dabei, die Preise aus dem Nachunternehmerangebot in das Kundenangebot zu übernehmen. Die Preisübernahme rufen Sie im Bericht Nachunternehmerleistungen auf.
Hinweis
Über die Zuordnung von Konditionsarten für MM-Leistungen zu Konditionsarten für SD-Leistungen steuern Sie die Preisbestandteile, die aus einem Nachunternehmerangebot in ein Kundenangebot zu übertragen sind.Die Einstellungen nehmen Sie im Customizing des
Vertriebs
unter
vor.
Wenn Sie beispielsweise nur Materialkosten übernehmen - die Lohnkosten aber unberücksichtigt lassen wollen, ordnen Sie nur die jeweiligen Materialkonditionen zu. Dann werden bei einer automatischen Preisübernahme nur diese Preisbestandteile übernommen.
Achtung
Eine automatische Preisübernahme ist nicht möglich, wenn Sie mehrere Einkaufsbelegketten angelegt haben, d.h., wenn in mehreren Bestellanforderungen bzw. Bestellungen auf dieselbe Leistungszeile referenziert wird.
Zu jeder Leistungszeile werden auf der Ebene der Kalkulationspositionen die benötigten Ressourcen (z.B. Material, Lohn, Fremdarbeit und Gerät) und die Einsatzmengen (z.B. Anzahl Stunden, Stück und Meter) ermittelt (siehe Kostenplanung und Bearbeitung von Kalkulationsmodellen und Zuordnung der Attribute ).
Soweit Stammdaten zu den geplanten Ressourcen vorhanden sind, werden die dort gespeicherten Kostenansätze automatisch auf der Ebene der Kalkulationsposition ausgewiesen.
Materialstamm
hinterlegte Lohnkosten (Leistungsarten, Kostenstellen)
Leistungsstammkonditionen
Einkaufsinformationssatz
Für Kalkulationspositionen, die weder aus Stammdaten noch aus Angeboten von Lieferanten und Nachunternehmern mit Basiskosten versorgt werden können, schätzen Sie die Basiskosten und erfassen diese manuell (siehe Kostenplanung ).
Sie erstellen Anfragen für Fremdleistungen und Materialien (siehe Auslösen von Execution Services ). Nach einiger Zeit gehen die Angebote der Lieferanten und Nachunternehmer ein und werden im Einkauf erfaßt und ausgewertet. Dazu nutzen Sie die Komponente Dienstleistung (MM-SRV) . Sie übernehmen die Angebotspreise manuell als Kostenansatz für die Basiskosten für die für die Fremdvergabe bestimmten Kalkulationspositionen.
Die Gemeinkosten für ein Leistungsverzeichnis werden separat kalkuliert, um auf die einzelnen Kalkulationspositionen der Leistungszeilen verteilt zu werden (siehe Gemeinkosten kalkulieren ).
Die Basiskosten und -mengen können unter Berücksichtigung der speziellen Gegebenheiten des Projektes durch Zu- und Abschläge korrigiert werden, um die Grundkosten und Grundmengen zu ermitteln (siehe Leistungszeilen kalkulieren und Zu- und Abschläge berechnen und Umlagen verteilen ).
Aus den Basiskosten und Basismengen, den Zu- und Abschlägen und Umlagen ermittelt das System die Grundkosten und Grundmengen .
Die Grundkosten werden die Leistungszeile übergeben, um den Verkaufspreis zu ermitteln. Das System übernimmt die Grundkosten der Kalkulationspositionen in die Konditionen des Kalkulationsschemas der Leistungszeile (siehe Kostenübernahme in Leistungskonditionen ).
Der Verkaufspreis wird durch die Bezuschlagung der Leistungszeilen mit den allgemeinen Geschäftskosten und der Vertriebsspanne ermittelt.
Der Gesamtverkaufspreis ergibt sich aus der hierarchischen Summierung aller Verkaufspreise der Leistungszeilen. Diesen können Sie auf der Ebene der Belegposition noch manuell mindern oder erhöhen (siehe auch Verkaufspreisermittlung ).
Durch weitere Zu- und Abschläge auf die Grundkosten und Grundmengen ergeben sich die Zielkosten und Zielmengen. (Siehe auch: Leistungszeilen kalkulieren und Zu- und Abschläge berechnen und Umlagen verteilen )
Die Zielkosten und Zielmengen sind Kosten und Mengen, zu denen eine Realisierung der Leistung im Projekt angestrebt wird. Damit bilden sie die Vorgabewerte für die Projektausführung, z.B. für den Bauleiter auf der Baustelle.
Achtung
Es handelt sich bei der Ermittlung der Zielkosten nicht um eine Zielpreiskalkulation.
Sie können die Zielkosten und Zielmengen an das Projektsystem übergeben. Diese dienen als Grundlage für das Projektplanung. (Siehe auch: Kostenübernahme ins Projekt )
Der Kalkulationsbericht dokumentiert das Kalkulationsergebnis.