Vergleich der
Kapazitätsabgleichsmethoden
Für den Kapazitätsabgleich in Supply Network Planning (SNP) stehen Ihnen drei verschiedene Verfahren zur Verfügung:
· heuristikbasierter Kapazitätsabgleich
· optimierungsbasierter Kapazitätsabgleich
· eigenes, mit dem Business Add-In /SAPAPO/SNP_CAP angebundenes Verfahren
Welche Methode jeweils die geeignetste ist, hängt von den individuellen Gegebenheiten ab. Um Ihnen jedoch die Wahl zu erleichtern, sind im Folgenden die wesentlichen Eigenschaften der beiden von SAP bereitgestellten Methoden beschrieben.
Der heuristikbasierte Kapazitätsabgleich vergleicht je nach der von Ihnen gewählten Terminierungsrichtung (Vorwärts- oder Rückwärtsterminierung) vom Beginn oder Ende des Planungshorizonts aus Periode für Periode die Kapazitätsauslastung der Ressource mit der von Ihnen festgelegten Wunschauslastung. Wenn das System eine Überlastung der Ressource feststellt, selektiert es zunächst alle Aktivitäten bzw. Aufträge, die die Überlastung in der entsprechenden Periode verursachen. Anschließend sortiert das System diese Aufträge nach der von Ihnen festgelegten Priorität und verschiebt nacheinander so viele Aufträge oder Teilmengen von Aufträgen zeitlich in nachfolgende oder vorhergehende Perioden, bis die gewünschte maximale Ressourcenauslastung erreicht ist. Bei Vorwärtsterminierung verschiebt das System die Aufträge so weit, dass die erste Aktivität, die die abzugleichende Ressource verwendet, erst nach der überlasteten Periode beginnt. Bei Rückwärtsterminierung verschiebt das System die Aufträge so weit, dass die letzte Aktivität, die die abzugleichende Ressource verwendet, bereits vor der überlasteten Periode endet.
Das System berücksichtigt bei der Verschiebung der Aufträge die in den Stammdaten festgelegten Losgrößen- und Rundungswerte (Einschränkungen siehe Berücksichtigung von Losgrößen und anderen Stammdaten).
Die Laufzeit des heuristikbasierten Kapazitätsabgleichs hängt von der Anzahl der zu verarbeitenden Aufträge und der Anzahl der Perioden ab. Insbesondere wird die Laufzeit von folgenden Faktoren beeinflusst:
· Anzahl der Produkte an der Ressource
· Verhältnis der Losgröße zur Gesamtmenge
· Grad der Ressourcenüberlastung
· Wahl der Perioden (Tag, Woche, Monat)
· Länge des Planungshorizonts
Beispiele für einen heuristikbasierten Kapazitätsabgleich
Der optimierungsbasierte Kapazitätsabgleich verwendet den SNP-Optimierer, um Überlastungen von Ressourcen auszugleichen. Dabei geht das System wie folgt vor:
Der Optimierer ermittelt zunächst alle Produktionsprozessmodelle (...
...
1. Der Optimierer ermittelt zunächst alle Produktionsprozessmodelle (PPMs) oder Produktionsdatenstrukturen (PDS) und Transportbeziehungen, die die abzugleichende Ressource verwenden. Anschließend ermittelt er alle zu diesen Stammdaten gehörenden Lokationsprodukte sowie die relevanten Stamm- und Bewegungsdaten zu diesen Produkten.
2. Der Optimierer generiert anhand der ermittelten Daten und der vom Anwender vorgenommenen Einstellungen (z.B. der Terminierungsrichtung) ein spezielles Optimierungsproblem für den Kapazitätsabgleich. Die im Rahmen dieses Problems berücksichtigten Kosten (z.B. für Lagerung, Verspätung, Nichtlieferung usw.) werden vom Optimierer automatisch festgelegt. Kosten, die evtl. vom Anwender festgelegt wurden, werden ignoriert. Die Kosten dienen nur dazu, das gewünschte Verhalten des Kapazitätsabgleichs zu realisieren, und haben keine betriebswirtschaftliche Bedeutung.
3. Der Optimierer löst das generierte Optimierungsproblem. Dabei führt er eine vollständige Neuplanung durch, d.h. er löscht zunächst alle Aufträge und Umlagerungen zu der abzugleichenden Ressource und plant sie neu. Wenn mehrere alternative PPMs, PDS oder Transportbeziehungen zur Verfügung stehen, trifft er die Auswahl wenn möglich nach der Beschaffungspriorität.
Der Optimierer achtet darauf, dass die abzugleichende Ressource nicht überlastet wird und die zeitliche Verschiebung der Planaufträge und Umlagerungen gegenüber den ursprünglichen Zugangsterminen möglichst gering bleibt. Wenn möglich, bevorzugt er zu frühe Zugänge (d.h. Bildung von Lagerbeständen) gegenüber zu späten Zugängen (d.h. Verursachung von Fehlmengen).
4. Der Optimierer legt neue Aufträge und Umlagerungen an. Abschließend legt er auch diejenigen Aufträge und Umlagerungen an, die er zunächst aufgrund der begrenzten Ressourcenkapazität nicht einplanen konnte. Bei Rückwärtsterminierung legt er die Aufträge und Umlagerungen zum ursprünglichen Zugangstermin an, bei Vorwärtsterminierung in der letztmöglichen Periode des Planungshorizonts.
Folgende Faktoren beeinflussen die Laufzeit des optimierungsbasierten Kapazitätsabgleichs deutlich:
· Länge und Anzahl Perioden des Planungshorizonts
· Anzahl alternativer Transportbeziehungen und PPMs oder PDS
· Anzahl Produkte, für die Planaufträge bzw. Umlagerungen existieren
Folgende Faktoren haben keinen signifikanten Einfluss auf die Laufzeit des optimierungsbasierten Kapazitätsabgleichs:
· Anzahl Planaufträge bzw. Umlagerungen für ein Produkt innerhalb einer Periode
· Losgrößen
· Grad der Ressourcenüberlastung
In der folgenden Tabelle sind die Eigenschaften der beiden Methoden gegenübergestellt:
|
Heuristik |
Optimierer |
Art der Verarbeitung |
Auftragsorientierte Verarbeitung: · Nur verschobene Aufträge werden geändert (liveCache, R/3) · Vorteilhaft, wenn viele Aufträge vorhanden sind, aber nur wenige die Ressource überlasten |
Perioden-/Mengenorientierte Verarbeitung: · Alle vorhandenen Aufträge werden gelöscht und nach dem Kapazitätsabgleich neu angelegt |
Ressourcenauslastung |
Bei Konstellationen, wie unter Beispiele für den heuristikbasierten Kapazitätsabgleich beschrieben, nicht immer optimal |
Fast immer optimal |
Veränderung der Planungssituation |
Gering |
Neuplanung |
Beachtung von Prioritätsregeln |
· Auftragsgröße · Produktpriorität (aufsteigende/absteigende Sortierung) |
Nein |
Verschiebung von Überlasten bei Rückwärtsterminierung |
Immer |
Nur wenn ausreichend freie Kapazität in der Zielperiode vorhanden ist |
Lage von Abgang und Zugang |
Zugang muss im Planungshorizont und außerhalb des SNP-Produktions- bzw. SNP-Umlagerungshorizonts liegen |
Abgang und Zugang müssen im Planungshorizont und außerhalb des SNP-Produktions- bzw. SNP-Umlagerungshorizonts liegen |
Bucket-Versatz |
Wird nicht berücksichtigt (siehe Periodenfaktor) |
· Der Bucket-Versatz für PPMs oder PDS ist immer 1 · Der Bucket-Versatz für Transportbeziehungen ist immer 1 |
Periodenfaktor |
Periodenfaktor des PPMs/PDS oder der Transportbeziehung wird berücksichtigt (wenn nicht festgelegt, wird Periodenfaktor des Lokationsprodukts berücksichtigt) |
Wird nicht berücksichtigt (siehe Bucket-Versatz) |