Produktaustauschbarkeit in Supply Network Planning 
In Supply Network Planning (SNP) wird die Austauschbarkeit von Produkten sowohl bei der heuristikbasierten als auch der optimierungsbasierten Planung berücksichtigt. So können Sie beispielsweise im SNP-Planungslauf Bedarfe für ein Produkt, das auslaufen soll, auf ein Nachfolgerprodukt übertragen oder noch vorhandenen Bestand eines Produkts zur Deckung des Bedarfs für das Nachfolgerprodukt verwenden.
Folgende Arten des Produktaustauschs werden von SNP unterstützt:
In SNP sind verschiedene Typen von Ersetzungsketten möglich. Zyklischen Ketten jedoch, bei denen ein Produkt in die Kette zurückkehrt, nachdem es von einem anderen Produkt ersetzt wurde, werden nur vom SNP-Optimierer und nicht von der SNP-Heuristik unterstützt. Beispiel:
Kettentyp |
SNP-Heuristik |
SNP-Optimierer |
|---|---|---|
A->B<->C |
X |
X |
A<->B<->C |
X |
X |
A->B->A (z.B. bei verkaufsfördernden Maßnahmen wie Promotions) |
- |
X |
A->B->C->D->A->B->C->D (z.B. bei saisonbedingtem Wechsel der Produkte) |
- |
X |
Die Pfeile stehen dabei für die Austauschrichtung der Produkte. Produkte können vorwärts austauschbar (->) oder voll austauschbar (<->) sein.
Weitere Informationen über diese Arten des Produktaustauschs finden Sie in der anwendungsübergreifenden Dokumentation zur Produktaustauschbarkeit in SAP APO unter Ersetzungskette und Form-Fit-Function-Klasse (FFF-Klasse).
Um die Produktaustauschbarkeit bei der SNP-Planung berücksichtigen zu können, müssen Sie die SNP-Standardplanungsmappe 9ASNP_PS mit der Datensicht PROD_SUBST verwenden. Die Planungsmappe enthält die erforderlichen Kennzahlen Ersetzungs-Bedarf und Ersetzungs-Zugang sowie ein angepasstes Makro zur Berechnung der Lagerbilanz, das diese Kennzahlen berücksichtigt. Sie können sich jedoch auch auf der Basis der Standardplanungsmappe Ihre eigene Planungsmappe anlegen.
Die Produktaustauschbarkeit in SNP ist in den Gesamtprozess der Produktaustauschbarkeit in SAP APO eingebunden. Weitere Informationen über diesen Prozess finden Sie in der Dokumentation zur Produktaustauschbarkeit, z.B. unter Produktaustauschbarkeit.
Die während der Planung erzeugten SNP-Planaufträge und -Umlagerungen werden in ein angeschlossenes SAP-ERP-System übertragen. Die ebenfalls erzeugten und mit diesen Aufträgen verknüpften SNP-Produktersetzungsaufträge werden jedoch nicht übertragen, d.h. dass die Produktersetzungsdaten während der SNP-Planung nicht im SAP-ERP-System sichtbar sind. Die Integration der SNP-Produktersetzungsdaten mit SAP ERP kann jedoch über die Produktions- und Feinplanung (PP/DS) erfolgen. Weitere Informationen dazu finden Sie unter R/3-Integration von Planaufträgen mit austauschbaren Komponenten.
Produktersetzungen für Distributionsbedarfe können nicht in das SAP-ERP-System übertragen werden. Daher sollte die Produktaustauschbarkeit für Distributionsbedarfe nicht verwendet werden.
Sie haben im Customizing des SNP unter Globale SNP-Einstellungen pflegen die Produktaustauschbarkeit aktiviert (Kennzeichen SNP: PAT deakt.).
Sie haben die Stammdaten für die Ausführung der SNP-Heuristik oder des SNP-Optimierers angelegt und die erforderlichen Einstellungen für diese Planungsläufe vorgenommen. Weitere Informationen finden Sie unter Heuristik im Hintergrund ausführen oder Optimierer im Hintergrund ausführen.
Sie haben die Produktersetzungsdaten in den Stammdaten für die Produktaustauschbarkeit festgelegt, d.h. Sie haben eine Austauschbarkeitsgruppe angelegt (wählen Sie ) und diese Gruppe Ihrem Modell zugeordnet (wählen Sie ). Beachten Sie Folgendes:
Als Typ der Austauschbarkeitsgruppe können Sie für SNP Ersetzungskette oder FFF-Klasse wählen (der Auslauf von Produkten wird als Ersetzungskette mit nur einem Auslaufschritt angelegt). Der Typ Eingeschränkte Austauschbarkeit für FFF-Klassen wird von SNP nicht unterstützt. Auch Regeln werden nicht unterstützt.
Die Austauschbarkeitsgruppe muss immer in der Lokation angelegt sein, in der der Bedarf besteht.
Weitere Informationen zur Pflege der Stammdaten finden Sie in der Dokumentation zur Produktaustauschbarkeit unter Ersetzungskette, Austauschbarkeitsgruppe anlegen, Form-Fit-Function-Klasse (FFF-Klasse) und FFF-Untergruppen anlegen.
Wenn Sie die Produktaustauschbarkeit im Hintergrund ausführen möchten, haben Sie das Ankreuzfeld Produkte aus Ersetzungsketten hinzufügen in den Funktionen zur Ausführung der Heuristik oder des Optimierers im Hintergrund markiert. Es werden dann alle Produkte einer Ersetzungskette zusätzlich in die Selektion aufgenommen und mitgeplant.
Wenn Sie dieses Ankreuzfeld nicht markieren, überträgt das System zwar ggf. den Bedarf auf ein Nachfolgerprodukt, indem es Produktersetzungsaufträge anlegt, es plant jedoch nicht den Zugang für das Nachfolgerprodukt. Beachten Sie, dass diese Planung kein korrektes Ergebnis für die gesamte Supply Chain liefert, da das System nicht alle Produkte der Ersetzungskette plant.
Im Folgenden sind beispielhaft die verschiedenen Möglichkeiten des Produktaustauschs in SNP beschrieben:
Auslauf von Produkten (A->B)
Ein Produkt (A) wird zu einem bestimmten Termin durch ein Nachfolgerprodukt (B) ersetzt. Alle Bedarfe, die für dieses Produkt bestehen, werden im Planungslauf ab diesem Termin, der in den Stammdaten für die Produktaustauschbarkeit als Gültig-ab-Datum festgelegt wurde, auf das Nachfolgerprodukt übertragen. Sie können festlegen, dass vorhandener Bestand von Produkt A noch aufgebraucht wird, indem Sie für dieses Produkt in den Stammdaten für die Produktaustauschbarkeit das Ankreuzfeld Aufbrauch markieren. Sie können auch ein Datum festlegen, bis zu dem der Bestand von A noch verwendet werden soll.
Wenn das System während des Planungslaufs einen Bedarf für A ermittelt und feststellt, dass A nicht mehr gültig ist, legt es einen Zugang (d.h. einen SNP-Produktersetzungsauftrag) für A in der Kennzahl Ersetzungs-Zugang an, um den Bedarf für A auszugleichen. Außerdem legt das System einen Bedarf für B in der Kennzahl Ersetzungs-Bedarf an, um den Bedarf auf B zu übertragen. Anschließend wird der Bedarf für B wie üblich vom Planungslauf gedeckt (z.B. durch Anlegen eines SNP-Planauftrags in der Kennzahl Produktion (geplant)). Wenn Sie das Ankreuzfeld Aufbrauch für A markiert haben, wird eventueller Bestand von A auch nach dem Auslaufdatum noch zur Deckung des Bedarfs für A verwendet, bis er aufgebraucht ist oder das festgelegte Aufbrauchdatum erreicht wurde.
Ersetzungskette (z.B. A->B<->C)
Ein Produkt (A) wird zu einem bestimmten Termin durch ein Nachfolgerprodukt (B) ersetzt. Im Planungslauf werden Bedarfe für A ab diesem Termin auf B übertragen. Bedarfe für B können jedoch nicht auf A übertragen werden, da für A die Austauschrichtung Vorwärts austauschbar festgelegt wurde. Zu einem späteren Termin wird Produkt B dann durch C ersetzt. Bedarfe für B werden ab diesem Termin auf C übertragen. Da für B die Austauschrichtung Voll austauschbar festgelegt wurde, werden Bedarfe für C auch mit überschüssigem Lagerbestand von B gedeckt.
Für die Ersetzung von A durch B geht das System zunächst vor wie im Abschnitt Auslauf von Produkten beschrieben. Wenn das System feststellt, dass ein Bedarf für B besteht und B nicht mehr gültig ist, legt es für B einen Ersetzungszugang an, um den Bedarf für B auszugleichen, sowie für C einen Ersetzungsbedarf, um den Bedarf auf C zu übertragen. Wenn das System einen Bedarf für C ermittelt und zuvor feststellt hat, dass für B noch Überschussbestand vorhanden ist, legt es für C einen Ersetzungszugang und für B einen Ersetzungsbedarf an. Bis zum Aufbrauchdatum verwendet das System den Überschussbestand von B zunächst zur Deckung der Bedarfe für B. Nur wenn darüber hinaus noch Bestand von B vorhanden ist, deckt das System auch Bedarfe von C.
Hinweis
Standardmäßig wird der Bestand eines Produkts zunächst verwendet, um die eigenen Bedarfe des Produkts zu decken und dann erst die der anderen Produkte der Ersetzungskette. Mit dem BAdI SAPAPO/SNP_INC_STFW können Sie jedoch auch festlegen, dass das System den Bestand zunächst an mögliche gültige Nachfolgeprodukte in der Ersetzungskette weitergibt, bevor es die eigenen Bedarfe des Produkts deckt.
Bei Ersetzungsketten mit voller Austauschbarkeit wie A<->B<->C kann C z. B. auch direkt durch A ersetzt werden.
Form-Fit-Function-Klasse (FFF-Klasse)
Verschiedene Produkte, die sich bzgl. aller technisch relevanten Eigenschaften nicht unterscheiden, werden zu einer FFF-Klasse und FFF-Untergruppe (lokationsspezifisch) zusammengefasst. Nur das als führendes Produkt gekennzeichnete Produkt der FFF-Untergruppe darf beschafft werden. In SNP werden sämtliche Bedarfe, die für die anderen Produkte der FFF-Untergruppe bestehen, auf das führende Produkt übertragen. Wenn für das führende Produkt kein ausreichender Bestand vorhanden ist, wird der Bestand der anderen Produkte der FFF-Untergruppe verwendet. Nur wenn keines der Produkte ausreichenden Bestand aufweist, wird das führende Produkt beschafft (d.h. eigengefertigt oder fremdbeschafft).
Wenn das System einen Bedarf für ein anderes als das führende Produkt ermittelt und das Produkt keinen ausreichenden Bestand aufweist, legt es einen Ersetzungszugang für dieses Produkt an, um den Bedarf auszugleichen, sowie einen Ersetzungsbedarf für das führende Produkt, um den Bedarf auf dieses Produkt zu übertragen.
Das System versucht immer, die Bestandssituation der Produkte der FFF-Untergruppe zu berücksichtigen. Bedarfe werden nicht zwingend von dem führenden Produkt, sondern auch von den Produkten der FFF-Untergruppe gedeckt.
Für die Austauchbarkeit mit dem SNP-Optimierer gelten über die obenstehenden Ausführungen hinaus noch folgende Besonderheiten:
Der Optimierer trifft seine Entscheidungen grundsätzlich auf der Basis der für das Supply-Chain-Modell festgelegten Kosten (Lager-, Transport-, Produktions- und Beschaffungskosten). Er ermittelt immer die kostengünstigste Lösung.
Für den Austausch eines Produkts durch ein anderes in der gleichen Lokation werden vom Optimierer keine Kosten berechnet.
Der Optimierer betrachtet das Produkt nicht nur wie die Heuristik in einer Lokation, sondern in allen Lokationen des Modells.
Das folgende Beispiel zeigt, welche Auswirkungen diese Besonderheiten auf den Austausch von Produkten haben können:
Beispiel
Produkt A in Lokation C soll durch Produkt B in Lokation C ersetzt werden. In Lokation C ist kein Bestand mehr für Produkt A vorhanden. Wenn nun ein Bedarf für Produkt A eingeht, würde die SNP-Heuristik den Bedarf auf Produkt B übertragen. Der Optimierer prüft jedoch, ob für Produkt A noch Bestand in anderen Lokationen des Modells vorhanden ist Wenn z.B. in Lokation D noch ausreichend Bestand vorhanden ist, prüft der Optimierer die Kosten, die mit einer Umlagerung des Produkts A von Lokation D nach Lokation C verbunden sind. Wenn dies die kostengünstigste Lösung ist, weil z.B. die Lagerkosten in D höher sind als die Transportkosten nach C, so plant der Optimierer die Umlagerung von D nach C. Der Bedarf für Produkt A wird dann durch den umgelagerten Bestand gedeckt.
Sie können im SNP-Optimiererprofil getrennt festlegen, ob Ersetzungsketten und FFF-Klassen vom Optimierer berücksichtigt werden. Weitere Informationen finden Sie unter Optimierungsprofile.
Das Deployment innerhalb von SNP kann die von der SNP-Planung angelegten SNP-Produktersetzungsaufträge berücksichtigen und Deployment- oder SNP-Produktersetzungsaufträge in der Ziellokation anlegen. Weitere Informationen finden Sie unter Produktaustauschbarkeit im Deployment.
Sie führen einen SNP-Heuristik- oder Optimierungslauf für die zu planenden Produkte im Hintergrund aus. Verwenden Sie dazu die Standardplanungsmappe 9ASNP_PS mit der Datensicht PROD_SUBST oder Ihre eigene auf der Standardplanungsmappe basierende Planungsmappe. Für den Heuristiklauf können Sie nur die Lokationsheuristik verwenden. Die Netzwerkheuristik steht nicht zur Verfügung. Wenn Sie das Ankreuzfeld Produkte aus Ersetzungsketten hinzufügen markiert haben (s.o.), müssen Sie nur jeweils ein Produkt der Austauschbarkeitsgruppe selektieren, die anderen Produkte werden automatisch mitgeplant.
Wenn Sie die Lokationsheuristik oder den Optimierer in der interaktiven Planung ausführen, plant das System alle Produkte der Ersetzungskette automatisch in der richtigen Reihenfolge mit.
Weitere Informationen finden Sie unter Heuristik im Hintergrund ausführen und Optimierer im Hintergrund ausführen.
Das System berücksichtigt die in den Stammdaten für die Produktaustauschbarkeit festgelegten Produktersetzungsdaten und legt ggf. neben den SNP-Planaufträgen und -Umlagerungen auch SNP-Produktersetzungsaufträge in den Kennzahlen Ersetzungs-Bedarf und Ersetzungs-Zugang an.
Sie lassen sich das Ergebnis in der interaktiven SNP-Planung anzeigen. Über die üblichen Anzeigemöglichkeiten hinaus bestehen für die Produktaustauschbarkeit folgende Möglichkeiten:
Shuffler: Sie können im Shuffler das Merkmal Produktaustauschbarkeitsgruppe auswählen und sich alle Lokationsprodukte, Produkte oder Lokationen für eine bestimmte Austauschbarkeitsgruppe anzeigen lassen.
Funktion Zeige abhängige Objekte: Mit dieser Funktion können Sie sich z.B. die Bedarfe für Vorgänger- oder Nachfolgerprodukte anzeigen lassen.
In der Kennzahl Lagerbestand ist der Bestand eines Produkts, der ungültig ist und nicht mehr verwendet werden darf, farblich hervorgehoben.
In der Detailsicht wird das Vorgänger- und das Nachfolgerprodukt angezeigt. Das Produkt, das Sie im Selektionsbereich für die Planung oder Anzeige der Daten ausgewählt haben, ist farblich hervorgehoben.