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Prozessdokumentation Lohnbearbeitung mit Streckenbeistellung im PP/DS  Dokument im Navigationsbaum lokalisieren

Einsatzmöglichkeiten

Mit Hilfe der Streckenbeistellungsabwicklung können Komponenten für ein Produkt, das durch einen Lohnbearbeiter gefertigt werden soll, von einem externen Lieferanten anstatt vom eigenen Werk beigestellt werden.

Beispielsweise verkauft eine Firma in den USA mobile Handgeräte. Sie stellt diese jedoch nicht selbst her, sondern lässt die gesamte Produktion von einem Lohnbearbeiter in Asien durchführen. Die Komponenten für das mobile Handgerät wie Gehäuse usw. bezieht er bei einem externen Lieferanten, der ebenfalls in Asien angesiedelt ist.

Bei der normalen Form der Lohnbearbeitung würde der Lieferant aus Asien die Komponenten an das Werk in den USA liefern, dieser schickt die Komponenten wieder nach Asien zum Lohnarbeiter. Um diesen Umweg zu vermeiden, kann der Lieferant die Komponenten direkt an den Lohnarbeiter schicken.

Siehe auch: Lohnbearbeitung mit Quellokation im PP/DS

Mit Hilfe der Streckenbeistellung in der Frembeschaffung können Sie nun diesen Prozess im SAP-System abbilden.

Für die fremdzubeschaffenden Komponenten müssen Sie im SAP-APO-System manuell eine Transportbeziehung zwischen dem Lieferanten anlegen, der die Komponenten beistellt (Startlokation) und dem Lohnbearbeiter (Ziellokation), der die mobilen Handgeräte herstellen soll. Diese Transportbeziehung muss auf die Fremdbeschaffungsbeziehung verweisen.

Wenn in der Lohnbearbeiterlokation eine Bestellanforderung angelegt wird, ordnet das SAP-R/3-System der Bestellanforderung automatisch als Anlieferadresse die Adresse des Lohnbearbeiters in Asien zu und nicht die des Werks in den USA. Gleichzeitig wird das Kennzeichen Lohnbearbeitungslieferant gesetzt. Die Anlieferadresse der Bestellanforderung wird beim Umsetzen in die Bestellung übernommen. Bei einem Wareneingang zu einer solchen Bestellung werden die Komponenten des mobilen Handgeräts automatisch in den Lohnbearbeitungsbestand gebucht.

Diese Grafik wird im zugehörigen Text erklärt

Voraussetzungen

beteiligte Geschäftspartner

Abbildung im SAP R/3

Abbildung im SAP APO

Kunde

Werk

Lokation - Typ Werk 1001

Lieferant

Lieferant

Lokation - Typ Lieferant 1011

Lohnbearbeiter

Lieferant

Lokation - Typ Lieferant 1011 oder

Lokation - Typ Lohnbearbeiter 1050

Daten im SAP-R/3-System

Folgende Daten müssen im SAP-R/3-System angelegt sein und per APO-CIF (SAP APO Core Interface) an das SAP-APO-System übertragen werden:

·        das Fertigmaterial;

Im Materialstamm (Disposition 2) muss eine Fertigungsversion hinterlegt sein.

·        die zum Fertigmaterial gehörenden Beistellkomponenten

·        einen Arbeitsplan oder ein Planungsrezept für das Fertigprodukt;

Im SAP APO wird in der Lohnbearbeiterlokation ein Produktionsprozessmodell (PPM) benötigt. Das PPM besteht aus Komponenten und Vorgängen. Um ein PPM aus dem SAP-R/3-System zu übertragen, benötigen Sie eine Fertigungsversion mit Stückliste und Arbeitsplan oder Planungsrezept. Für die Lohnbearbeitung müssen Sie einen Arbeitsplan oder ein Planungsrezept im SAP R/3 anlegen. Alternativ können sie das PPM auch direkt im SAP APO pflegen. 

·        den Lieferanten, der die Komponenten für das zu fertigende Material beistellt

·        den Lieferanten, der als Lohnbearbeiter das Endprodukt herstellt

·        einen Einkaufsinfosatz vom Typ Lohnbearbeitung, der den Lohnbearbeiter als Bezugsquelle für das Fertigmaterial dokumentiert;
Im Infosatz muss die im Materialstamm hinterlegte Fertigungsversion angegeben sein. Über die Fertigungsversion erkennt das System, in welcher Lieferantenlokation das PPM im SAP APO angelegt werden muss.

·        jeweils einen Einkaufsinfosatz vom Typ Normal, der den Lieferanten als Bezugsquelle für die Komponenten dokumentiert

Integrationsmodell

Im Integrationsmodell des SAP APO Core Interface, mit dem Sie Ihre Daten vom SAP-R/3-System ins SAP-APO-System übertragen wollen, müssen alle oben genannten Daten enthalten sein. Beachten Sie außerdem, dass der R/3-Arbeitsplan oder das R/3-Planungsrezept als Lohnbearbeiter-PPM übertragen werden muss, damit es im SAP APO in der Lieferantenlokation angelegt wird.

Weitere Informationen finden Sie unter Integration von Stamm- und Bewegungsdaten.

Daten im SAP-APO-System

Folgende Daten müssen im SAP-APO-System vorhanden sein:

·        Fremdbeschaffungs- und Transportbeziehungen

Aus den Einkaufsinfosätzen erzeugt das SAP-APO-System automatisch

¡        für das Endprodukt eine Fremdbeschaffungsbeziehung vom Typ Lohnbearbeitung und eine Transportbeziehung vom Lohnbearbeiter (Quelllokation) zum Werk (Ziellokation);
Diese Transportbeziehung ist der Fremdbeschaffungsbeziehung für das Fertigprodukt zugeordnet.

¡        für die Beistellkomponenten jeweils eine Fremdbeschaffungsbeziehung vom Typ Normal und jeweils eine Transportbeziehung vom Lieferanten (Quelllokation) zum Werk (Ziellokation).

Siehe auch: Transportbeziehung und Automatisches Anlegen von Transportbeziehungen

·        Lokation vom Typ Lohnbearbeiter

Diese ist nur erforderlich, wenn der Lohnbearbeiter das gleiche Produkt für mehrere Werke bearbeitet. In diesem Fall müssen Sie manuell je eine Lokation vom Typ Lohnbearbeiter für jede Werk-Lieferanten-Kombination anlegen.

·        Produktionsprozessmodell

Wenn Sie einen Arbeitsplan oder ein Planungsrezept aus SAP R/3 übertragen haben, erzeugt das SAP-APO-System daraus ein Produktionsprozessmodell (PPM). Andernfalls können Sie direkt im SAP APO ein PPM für das Endprodukt anlegen.
Siehe auch: Produktionsprozessmodell

·        Transportbeziehungen vom Lieferanten zum Lohnbearbeiter

Sie müssen für jede Beistellkomponente, die Sie direkt vom Lieferanten zum Lohnbearbeiter schicken wollen, manuell eine Transportbeziehung vom Lieferanten (Quelllokation) bis zum Lohnbearbeiter (Ziellokation) anlegen.
Jeder Transportbeziehung ordnen Sie die dazugehörende Fremdbeschaffungsbeziehung zu. In der Fremdbeschaffungsbeziehung ist das Werk enthalten, das bei der Übertragung der Bestellung ins SAP-R/3-System benötigt wird.

·        Transportbeziehungen vom Werk zum Lohnbearbeiter

Sie müssen für jede Beistellkomponente, die Sie vom Werk zum Lohnbearbeiter schicken wollen, manuell eine Transportbeziehung anlegen.

·        Produktstamm in der Lohnbearbeiterlokation

Sie müssen das Endprodukt und alle Komponenten in der Lohnbearbeiterlokation anlegen und dem Modell 000 zuordnen.

Ablauf

1.       Anlegen der Bestellanforderung

Sie führen für Ihren Produktbedarf eine automatische Planung oder interaktive Planung durch.
Abhängig von der Planungsart ermittelt das System einen Lieferanten als zulässige Bezugsquelle oder Sie wählen manuell eine Bezugsquelle aus.

Nach Auswahl der Bezugsquelle führt das SAP-APO-System folgende Aktivitäten aus:

¡        Es generiert einen Fremdbeschaffungsauftrag vom Typ Lohnbearbeitung. Der Auftrag enthält als Bezugsquelle den Lohnbearbeiter.

¡        Es ermittelt in der Lohnbearbeiterlokation ein gültiges PPM und verwendet dieses, um für das bestellte Produkt einen Eigenfertigungsauftrag in der Lohnbearbeiterlokation zu erzeugen.

¡        Es plant die Beistellkomponenten für den Eigenfertigungsauftrag in der Lohnbearbeiterlokation und führt dort eine Bezugsquellenfindung durch:

§         Wenn vom Werk zum Lohnbearbeiter eine Transportbeziehung existiert, dann legt das System Umlagerungsreservierungen an. Diese werden an das SAP R/3 übertragen.

§         Wenn vom Lieferanten zum Lohnbearbeiter eine Transportbeziehung existiert, dann legt das System eine Bestellanforderung an, die als Bezugsquelle den Lieferanten enthält.

Nach der CIF-Übertragung werden im SAP-R/3-System folgende Daten erzeugt:

¡        die Bestellanforderung für das Endprodukt mit dem Lohnbearbeiter als Bezugsquelle;

Sie enthält den Positionstyp Lohnbearbeitung sowie die Komponenten des Lohnbearbeitungsplanauftrags.

¡        die Bestellanforderungen für die Beistellkomponenten mit dem Lieferanten als Bezugsquelle;

Sie enthält den Positionstyp Nomal. In der Bestellanforderung ist das Kennzeichen Lohnbearbeitungslieferant gesetzt und als Anlieferadresse ist die Adresse des Lohnbearbeiters eingetragen. D.h. bei einer Wareneingangsbuchung  wird der Wareneingang direkt in den Bestand des Lohnbearbeiters gebucht, der im SAP-R/3-System ebenfalls als Lieferant abgebildet ist.

Siehe auch: Bezugsquellenfindung im PP/DS

2.       Umsetzen der Bestellanforderung für das Endprodukt

Sie setzen die Bestellanforderung vom Typ Lohnbearbeitung für das Endprodukt in eine Bestellung um. Bei der interaktiven Planung können Sie die Umsetzung direkt vom SAP-APO-System vornehmen, wenn Sie dort das Umsetzungskennzeichen setzen. Oder Sie nehmen die Umsetzung im SAP-R/3-System vor. Durch die Umsetzung wird die Bestellanforderung im SAP APO gelöscht und die Bestellung angelegt.

Siehe auch: Umsetzung von Bestellanforderungen

3.       Umsetzen der Bestellanforderung für die Beistellkomponenten

Sie setzen die Bestellanforderung vom Typ Normal für die Beistellkomponenten um. Durch die Umsetzung wird die Bestellanforderung im SAP APO gelöscht und die Bestellung angelegt. Das System übernimmt die Anlieferadresse der Bestellanforderung beim Umsetzen in die Bestellung.

4.       Buchen des Wareneingangs für die Beistellkomponenten

Sie buchen im SAP-R/3-System den Wareneingang für die Beistellkomponenten. Im Materialbeleg ist vermerkt, dass es sich um die Bewegungsart Wareneingang an Lohnbearbeiter-Lieferant handelt und als empfangenden Lieferanten ist die Adresse des Lohnbearbeiters angegeben. Das bedeutet, die Beistellkomponenten werden im SAP-R/3-System in den Lohnbearbeitungsbestand gebucht. Korrespondierend dazu wird im SAP-APO-System die offene Bestellmenge reduziert und der Lieferantenbeistellbestand entsprechend erhöht.

5.       Buchen des Wareneingangs für das Endprodukt

Sie buchen im SAP-R/3-System den Wareneingang für das Endprodukt. Im SAP-APO-System wird die Bestellmenge um die Wareneingangsmenge reduziert. Das System erhöht den frei verwendbaren Bestand für das Endprodukt.
Gleichzeitig wird mit dem Wareneingang auch der Warenausgang für die Beistellkomponenten beim Lohnbearbeiter gebucht. Der Lohnbearbeitungsbestand wird dementsprechend reduziert.

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