Lohnbearbeitung mit Quellokation im PP/DS
Bei der Lohnbearbeitung wird das zu beschaffende Produkt von einem Lieferanten in Form von Lohnbearbeitung gefertigt.

Ein Schraubenhersteller produziert Schrauben im eigenen Werk. Das Verpacken der Schrauben wird allerdings von einem externen Dienstleister - einem Lohnbearbeiter - übernommen. Diesem werden die Schrauben und die Verpackung geliefert; er verpackt die Schrauben und liefert dem Schraubenhersteller die verpackten Schrauben.
Bei der Planung mit Quellokation wird ein Eigenfertigungsauftrag bei dem Lieferanten (Quelllokation) erzeugt, der als Lohnbearbeiter fungiert. Die Bedarfe und Bestände der Beistellkomponenten sind in der Quelllokation dispositiv wirksam und können für jeden Lieferanten einzeln disponiert werden.
Dieses Szenario setzen Sie sinnvollerweise ein, wenn Sie mit mehreren Lohnbearbeitern kooperieren oder wenn Sie für ein Produkt sowohl Eigenfertigung als auch Beschaffung über Lohnbearbeitung erlauben.

Das System plant in der Quellokation, wenn für diese Lokation ein lokationsspezifischer Produktstamm für das bestellte Produkt (z.B. verpackte Schrauben) existiert.

Wenn der Produktstamm für das bestellte Produkt erst
nachträglich angelegt wird, dann kann es zu Schiefständen im Bestand
kommen.
Um diesen Fehler zu beheben, steht Ihnen ein entsprechender Report zur
Verfügung. Weitere Informationen dazu finden Sie im SAP-Hinweis 544161.
Folgende Daten müssen im SAP-R/3-System angelegt sein und per APO-CIF (SAP APO Core Interface) an das SAP-APO-System übertragen werden:
● das Fertigmaterial;
Im Materialstamm (Disposition 4) muss eine Fertigungsversion hinterlegt sein.
● die zum Fertigmaterial gehörenden Beistellkomponenten
● einen Arbeitsplan oder ein Planungsrezept für das Fertigmaterial;
In SAP APO wird in der Lohnbearbeiterlokation ein Produktionsprozessmodell (PPM) benötigt. Das PPM besteht aus Komponenten und Vorgängen.
Damit in SAP APO automatisch ein PPM angelegt wird, müssen Sie aus dem SAP-R/3-System Werk, Material, Fertigungsversion mit Stückliste und Arbeitsplan (oder Planungsrezept) übertragen. Alternativ können Sie das PPM auch direkt in SAP APO pflegen.
● den Lieferanten, der als Lohnbearbeiter das Fertigmaterial herstellt
● einen Einkaufsinfosatz vom Typ Lohnbearbeitung, der den Lohnbearbeiter als Bezugsquelle für das Fertigmaterial dokumentiert;
Im Infosatz muss die im Materialstamm hinterlegte Fertigungsversion angegeben sein. Über die Fertigungsversion erkennt das System, in welcher Lieferantenlokation das PPM im SAP APO angelegt werden muss.
Im Integrationsmodell des SAP APO Core Interface, mit dem Sie Ihre Daten vom SAP-R/3-System ins SAP-APO-System übertragen wollen, müssen alle oben genannten Daten enthalten sein. Beachten Sie außerdem, dass der R/3-Arbeitsplan oder das R/3-Planungsrezept als Lohnbearbeiter-PPM übertragen werden muss, damit es im SAP APO in der Lieferantenlokation angelegt wird.
Weitere Informationen finden Sie unter
Integration von Stamm-
und Bewegungsdaten.
Folgende Daten müssen im SAP-APO-System vorhanden sein:
● Fremdbeschaffungs- und Transportbeziehungen
Aus dem Einkaufsinfosatz erzeugt das SAP-APO-System
automatisch für das Endprodukt eine Fremdbeschaffungsbeziehung
vom Typ Lohnbearbeitung und eine
Transportbeziehung vom Lohnbearbeiter (Quelllokation) zum
Werk (Ziellokation);
Diese Transportbeziehung ist der Fremdbeschaffungsbeziehung für das
Fertigprodukt zugeordnet.
Siehe
auch:
Transportbeziehung
und
Automatisches Anlegen
von Transportbeziehungen
● Transportbeziehungen vom Werk zum Lohnbearbeiter
Sie müssen für jede Beistellkomponente, die Sie vom Werk (Quelllokation) zum Lohnbearbeiter (Ziellokation) schicken wollen, manuell eine Transportbeziehung anlegen.
●
Lokation vom Typ
Lohnbearbeiter
Diese ist nur erforderlich, wenn der Lohnbearbeiter das gleiche Produkt für
mehrere Werke bearbeitet. In diesem Fall müssen Sie manuell je eine Lokation vom Typ
Lohnbearbeiter für jede Werk-Lieferanten-Kombination anlegen.
● Produktionsprozessmodell
Wenn Sie einen Arbeitsplan oder ein Planungsrezept
aus SAP R/3 übertragen haben, erzeugt das SAP-APO-System daraus ein
Produktionsprozessmodell (PPM). Andernfalls können Sie direkt im SAP APO in
der Lohnbearbeiterlokation ein PPM für das Endprodukt anlegen.
Siehe
auch:
Produktionsprozessmodell
● Produktstamm in der Lohnbearbeiterlokation
Sie müssen das Endprodukt und alle Komponenten in
der Lohnbearbeiterlokation anlegen und dem Modell 000 zuordnen. (Wählen Sie
Modell
zuordnen. Markieren Sie auf dem folgenden Fenster die entsprechenden
Modelle und wählen Sie
Objekte dem Modell zuordnen.)
Wenn der Produktstamm für das bestellte Produkt nicht existiert, dann plant
das System ohne Quelllokation.
Mit dem Customer-Exit APOCF012 (EXIT_/SAPAPO/SAPLCIF_PPM_001) können Sie die Produktstämme bei der Übertragung des Lohnbearbeiter-PPM automatisch anlegen und Modelle automatisch zuordnen. Weitere Informationen und Beispielcoding finden Sie im SAP-Hinweis 483358.
Siehe auch:
Produkt
...
1. Anlegen der Bestellanforderung
Sie führen für Ihren Produktbedarf eine
automatische oder interaktive Planung durch.
Abhängig von der Planungsart ermittelt das System einen Lieferanten als
zulässige Bezugsquelle oder Sie wählen manuell eine Bezugsquelle aus.
Nach Auswahl der Lohnbearbeiter-Bezugsquelle führt das SAP-APO-System folgende Aktivitäten aus:
○ Es generiert einen Fremdbeschaffungsauftrag vom Typ Lohnbearbeitung. Der Auftrag enthält als Bezugsquelle den Lohnbearbeiter.
○ Es ermittelt in der Lohnbearbeiterlokation ein gültiges PPM und verwendet dieses, um für das bestellte Produkt einen Eigenfertigungsauftrag in der Lohnbearbeiterlokation zu erzeugen.
○ Wenn Sie automatische Planung eingestellt haben, plant es aufgrund des PPMs die Beistellkomponenten für den Eigenfertigungsauftrag in der Lohnbearbeiterlokation und führt dort eine Bezugsquellenfindung durch. Wenn vom Werk zum Lohnbearbeiter eine Transportbeziehung existiert, dann legt das System Umlagerungsreservierungen an. Diese werden an das SAP R/3 übertragen.
Nach der CIF-Übertragung wird im SAP-R/3-System die Bestellanforderung für das Endprodukt mit dem Lohnbearbeiter als Bezugsquelle erzeugt. Sie enthält den Positionstyp Lohnbearbeitung sowie die Komponenten des Lohnbearbeitungsplanauftrags.
Siehe auch:
Bezugsquellenfindung
im PP/DS
2. Umsetzen der Bestellanforderung für das Endprodukt
Sie setzen die Bestellanforderung vom Typ Lohnbearbeitung für das Endprodukt in eine Bestellung um. Bei der interaktiven Planung können Sie die Umsetzung direkt vom SAP-APO-System vornehmen, wenn Sie dort das Umsetzungskennzeichen setzen. Oder Sie nehmen die Umsetzung im SAP-R/3-System vor. Durch die Umsetzung wird die Bestellanforderung im SAP APO geslöscht und die Bestellung angelegt.
3. Versenden der Beistellkomponenten an den Lieferanten
Die Umbuchung der Bestellkomponenten erfolgt gemäß dem R/3-Lohnbearbeitungsprozess.
Sie können mit der Funktion LB-Bestandsüberwachung zum Lieferanten für die benötigten Bestellkomponenten entweder eine Umbuchung oder eine Lieferung anlegen. Da diese Lieferung nicht disporelevant ist, erscheint diese nicht in SAP APO.
Die Umbuchung erhöht in SAP R/3 den Lieferantenbeistellbestand und reduziert den Bestand im Werk. Die Bestandsänderungen werden an SAP APO übertragen.
Weitere Informationen zum R/3-Lohnbearbeitungsprozess finden Sie in der Komponente Materialwirtschaft (MM) unter Lohnbearbeitung.
4. Buchen des Wareneingangs für das Endprodukt
Sie buchen im SAP-R/3-System den Wareneingang für
das Endprodukt. Im SAP-APO-System wird die Bestellmenge um die
Wareneingangsmenge reduziert. Das System erhöht den frei verwendbaren Bestand
für das Endprodukt.
Gleichzeitig wird mit dem Wareneingang auch der Warenausgang für die
Beistellkomponenten beim Lohnbearbeiter gebucht. Der Lohnbearbeitungsbestand
wird dementsprechend reduziert.