Grundlagen 
Ziel der Modellierung ist es, betriebswirtschaftliche Abläufe zu modellieren. Das Modell hilft dabei, die Abläufe zu verstehen und sie später zu implementieren beziehungsweise eine bereits vorhandene Implementation zu erweitern.
Obwohl die Software in einem Unternehmen auf die Anforderungen dieses Unternehmens zugeschnitten ist, unterscheiden sich die grundlegenden betriebswirtschaftlichen Abläufe kaum. Es kann sogar sein, dass es verschiedene Implementierungen zu einem Ablauf innerhalb eines Unternehmens gibt; für den gleichen Geschäftsbereich, aber eben mit einem anderen Fokus. Die Daten und die grundlegenden Abläufe sind hingegen oft die gleichen.
Aus diesem Grund macht es Sinn, in der Modellierung von Anfang an eine Abstraktionsebene einzuführen, die von den Details der Implementierung abhebt. Für den gleichen betriebswirtschaftlichen Ablauf wird immer das gleiche Modellierungsobjekt verwendet (die sogenannte „Prozesskomponente“), unabhängig davon wie viele unterschiedliche Implementierungen in einer konkreten Systemlandschaft es dazu geben wird. Die Daten zum jeweiligen Ablauf werden über „Business-Objekte“ modelliert. Die folgenden Abschnitte gehen genauer darauf ein.
SAP verwendet BOs, um die Daten einer Anwendung zu beschreiben. Der Grundgedanke ist, dass eine saubere Abgrenzung der Daten verschiedener Geschäftsbereiche zu einer guten Modellierung der Geschäftsabläufe führt. Viele Fragen der Modellierung lassen sich daher immer wieder auf die Modellierung von Business-Objekten reduzieren oder klären. Die Business-Objekte sind daher der Dreh- und Angelpunkt der bei SAP angewendeten Methodik und bilden die Grundlage für die Definition von Services.
Hinweis
Ein alternativer Ansatz für die Modellierung von Services könnte eine Betrachtungsweise sein, die sich mehr an dem Austausch von Messages orientiert. Die Message-Choreographie ist dann allerdings nur auf einen ursprünglichen Anwendungsfall zugeschnitten. Es hat sich gezeigt, dass dadurch die Flexibilität von Services erheblich reduziert wird. Dies ist der Grund, warum SAP Services stets ausgehend von Business-Objekte definiert.
Um BOs für mehrere Anwendungsfälle effektiv einsetzen zu können, müssen Sie so modelliert werden, dass Überschneidungen mit anderen BOs vermieden werden. Beispielsweise sollten Produktdaten nicht Teil einer Bestellung sein, sondern in einem getrennten BO modelliert werden. Auf diese Weise kann das BO für die Produktdaten auch für andere Anwendungsfälle eingesetzt werden.
Symbol | Definition |
|---|---|
| Ein Business-Objekt (kurz: BO) repräsentiert eine spezifische Sicht auf die Daten eines wohldefinierten und konkret umschriebenen Geschäftsbereich. BOs werden auf eine Art und Weise identifiziert, dass keine Überschneidungen entstehen können. |
Natürlich spielt der Charakter der Daten, die durch ein BO beschrieben werden, eine große Rolle für die Modellierung. Eine wichtige Charakterisierung ist die Unterscheidung von Bewegungsdaten und Stammdaten:
BOs, die mit Bewegungsdaten arbeiten (also solchen Daten, die nur in einem kurzen Zeitraum während des Geschäftsablaufs von Bedeutung sind), nennt man auch „Business-Prozess-Objekte“ (business process objects).
BOs, die mit Stammdaten arbeiten (also solche Daten, die über einen längeren Zeitraum benötigt werden), nennt man auch „Stammdatenobjekte“ (master data objects).
Neben dieser Charakterisierung von BOs gibt es auch den Ansatz, ein BO als Vorlage für eine ganze Reihe von BOs zu verwenden. Beispielsweise kann ein Geschäftspartner sowohl ein Kunde als auch ein Lieferant sein und die Daten, mit denen sowohl Kunde als auch Lieferant beschrieben werden, sind ähnlich. Wenn man sich vorher eine „BO-Vorlage“ (business object template) überlegt, aus der sich Kunde und Lieferant projizieren lassen, vermeidet man inkonsistente Definition der gleichen Daten.
Zusammenfassend betrachtet sind die Daten, auf die zugegriffen werden muss (und damit die BOs), Dreh- und Angelpunkt der Modellierung: Services greifen immer auf Daten zu, daher ist die Modellierung von Services unmittelbar mit der Modellierung von Business-Objekten verbunden. Eine gut überlegte und konsistente Identifizierung von BOs führt daher auch zu einer guten Modellierung von Services.
In ARIS-Modellen arbeitet SAP mit Prozesskomponenten, um einen in sich geschlossenen Teil einer Wertschöpfungskette zu identifizieren. Die betriebswirtschaftliche Bedeutung einer Prozesskomponente ist nicht auf SAP zugeschnitten, sondern wird unternehmensübergreifend verstanden. Dies ist insbesondere für eine spätere Implementation von B2B-Prozessen unabdingbar.
Hinweis
Sie können auch Prozesskomponenten von Business-Partnern oder Fremdanbietern modellieren. Weitere Informationen: Integrationsszenario-Modell.
Aus Modellierungssicht ist eine Prozesskomponente eine Hülle, um Daten und Services für den Zugriff auf diese Daten zu kapseln. Da Daten über Business-Objekte modelliert werden, gehören ein oder mehrere Business-Objekte zu genau einer Prozesskomponente und bestimmen so die Daten eines Geschäftsbereichs. Auf diese Art bilden Prozesskomponenten wiederverwendbare Module von (möglicherweise mehreren) größeren Anwendungen.
Symbol | Definition |
|---|---|
| Prozesskomponenten beschreiben den Teil einer Wertschöpfungskette, der typischerweise innerhalb einer Abteilung ausgeführt wird (in großen Firmen). Prozesskomponenten gruppieren Business-Objekte (BOs). Ein BO gehört zu genau einer Prozesskomponente. |
Eine Schwierigkeit bei der Definition von Prozesskomponenten besteht darin, auf welcher Granularität man sie einführt. Mit anderen Worten: Mit Blick auf die Daten und den zu modellierenden Ablauf muss entschieden werden, ob ein oder mehrere Prozesskomponenten einzuführen sind. Tatsächlich ist es so, dass die Modellierung der Daten durch ein oder mehrere BOs und die Modellierung der Prozesskomponenten eng zusammengehören. Wenn beispielsweise verschiedene Abteilungen auf unterschiedliche Daten eines BOs zugreifen, ist dies ein Hinweis dafür, dass das BO keinen in sich geschlossenen Geschäftsbereich umfasst, man also eigentlich zwei getrennte BOs braucht. Zugleich kann es Sinn machen, in solchen Fällen auch die zugehörige Prozesskomponente in zwei Prozesskomponenten aufzuteilen. Aber es kann auch Fälle geben in denen eine Prozesskomponente zwei BOs umfasst, etwa wenn das eine BO jeweils die komplementären Daten des anderen BOs beschreibt.
Ist die Granularität der Daten und die Aufteilung des zu modellierenden Ablaufs der Wertschöpfungskette in Prozesskomponenten geklärt, können Sie in der Modellierung den Zugriff auf diese Daten ableiten. Es gibt zwei Arten von Zugriffen:
„Asynchrone Zugriffe“ sind das Mittel der Wahl für eine A2A- oder eine B2B-Kommunikation.
„Synchrone Zugriffe“ gehen vor allem von anderen Komponenten der gleichen Anwendung aus (Beispiel: Zugriff vom UI oder anderen Clients auf Daten).
Die Zugriffe werden über Service-Interfaces und Operationen modelliert, die synchron oder asynchron auf BOs zugreifen.
Symbole | Definition |
|---|---|
| Eine Operation gehört zu genau einem BO. Zu einem BO kann es mehrere Operationen geben. |
| Ein Service-Interface gruppiert Operationen. |
Die für einen Zugriff notwendigen Service-Interfaces und Operationen leiten Sie von der Art des Zugriffs ab. Es gibt einige Standardvarianten für synchrone und asynchrone Zugriffe, die die meisten Anwendungsfälle abdecken. SAP arbeitet pro Variante mit einem Interface-Pattern, mit dem sich in der Modellierung direkt Service-Interfaces, Operationen und Message-Typen ableiten und immer auf die gleiche Weise modellieren lassen:
Für die Kommunikation zwischen Prozesskomponenten gibt es A2A-Interface-Pattern (die auch auf B2B-Kommunikation anwendbar ist). Solche Zugriffe sind überwiegend asynchron.
Für Zugriffe von UI-Komponenten oder anderen Clients auf Daten gibt es sogenannte A2X-Interface-Pattern („X“ steht für 'beliebig'). SAP modelliert solche Zugriffe derzeit nur als synchrone Zugriffe.
Bisher hat sich dieser Abschnitt auf die Modellierung von Prozesskomponenten konzentriert, und zwar unabhängig davon, ob sie unabhängig von anderen Prozesskomponenten lauffähig sind oder nicht. Dieser Aspekt ist insbesondere für die Frage essentiell, welche Prozesskomponenten wie untereinander interagieren müssen. Eine wesentliche Frage für die Art und Weise einer Kommunikation zwischen Prozesskomponenten ist: Welche Prozesskomponenten müssen gemeinsam auf einem System installiert werden, damit sie später ausgeführt werden können. Um solche Abhängigkeiten in der Modellierung auszudrücken, arbeitet SAP mit sogenannten „Deployment-Units“.
Symbol | Definition |
|---|---|
| Gruppierung aller Prozesskomponenten, die später zusammen auf einem System installiert werden. Für die Lauffähigkeit dieser Prozesskomponenten ist es unter Umständen notwendig, Prozesskomponenten anderer Deployment-Units zu konfigurieren, auch wenn dies im Idealfall nicht notwendig ist. |

Die wichtigsten Modellierungsobjekte auf einen Blick
Die wichtigsten Modelltypen sind die folgenden:
Prozesskomponenten-Modell (SAP ProcComp model)
Mit diesem Modell beschreiben Sie das Innenleben einer Prozesskomponente: Welche Business-Objekte für die Daten erforderlich sind und über welche Service-Interfaces und Operationen darauf zugegriffen werden soll.
Integrationsszenario-Modell (SAP integration scenario model)
Mit diesem Modell beschreiben Sie, welche Prozesskomponenten zu welchen Deployment-Units gehören und welche Interaktionen es zwischen Prozesskomponenten gibt.
Prozesskomponenten-Interaktionsmodell (SAP ProcComp interaction model)
Mit diesem Modell beschreiben Sie die Kommunikation zwischen zwei Prozesskomponenten.
Abgesehen von diesen Modelltypen gibt es noch die sogenannte Business-Objekt-Map beziehungsweise Business-Objekt-Template-Map (über den Modelltyp SAP entity map) und den Integrationsszenario-Katalog (über den Modelltyp SAP Scenario Catalog).
Business-Objekt-Maps beziehungsweise Business-Objekt-Template-Maps aggregieren Business-Objekte beziehungsweise Business-Objekt-Vorlagen in einem Modell als Übersicht. Auf diese Weise kann man beispielsweise alle angelegten Modelle ermitteln, die es zu einem BO gibt und dazu Statistiken und Analysen erstellen. Die folgende Grafik gibt ein Beispiel:

BO-Map der SAP Business Suite als Beispiel einer SAP entity map
Integrationsszenario-Kataloge gruppieren und strukturieren alle Integrationsszenarien einer Lösung und stellen somit den betriebswirtschaftlichen Einstiegspunkt in die Prozessmodellierung dar. Sie können von einem Integrationsszenario-Katalog zu den relevanten Integrationsszenario-Modellen navigieren. Um Integrationsszenarien innerhalb eines Integrationsszenario-Katalogs zu gruppieren, steht die Integrationsszenario-Gruppe (integration scenario group) als Gruppierungselement zur Verfügung. Die folgende Grafik gibt ein Beispiel:

Beispiel für einen Integrationsszenario-Katalog mit zwei Integrationsszenario-Gruppen