
Der Mandant ist definiert als für sich handelsrechtlich, organisatorisch und datentechnisch abgeschlossene Einheit innerhalb eines SAP-Systems. Das bedeutet, dass alle betriebswirtschaftlichen Daten gegenüber anderen Mandanten geschützt sind. Jeder Mandant verfügt über seine eigenen Kundendaten, die er als sein exklusives Eigentum betrachten kann.
Andererseits bietet ein SAP-System eine für alle Mandanten gemeinsame implementierte Systemlösung, die im zentralen Repository und mandantenübergreifenden Tabellen abgelegt ist (zentraler Datenbestand).
Mehrmandantenfähigkeit bedeutet hinsichtlich der Datenverwaltung, dass die im Systembetrieb benötigten Daten wohldefiniert diesen beiden Datenbeständen, dem zentralen Datenbestand und dem Kundendatenbestand, zugeordnet sind. Als Rahmenrichtlinie gilt dabei:
Auf Daten des Kundendatenbestands darf nur der zugeordnete Mandant selbst lesend oder schreibend zugreifen, in begründbaren Ausnahmefällen (Troubleshooting, Batch-job-Administration oder Change Management) eventuell auch der Provider, niemals aber andere Kunden.
Auf Daten des zentralen Datenbestands haben alle Mandanten Lese- bzw. Ausführungsrecht, Änderungen jedoch dürfen nur vom Provider, nicht von den Mandanten (Endkunden) vorgenommen werden.
In den SAP-Datenmodellen werden Kundendaten auf mandantenabhängige Tabellen, der zentrale Datenbestand hingegen ausschließlich auf mandantenübergreifende, d.h. mandantenunabhängige Tabellen abgebildet. Zu diesen zählt zum einen das Repository selbst, aber auch eine Reihe von mandantenübergreifenden Steuerdaten, auf die im Verlaufe der nächsten Abschnitte noch näher eingegangen wird.
Der Mandant geht in das Datenmodell insofern ein, als er zusätzlich zur betriebswirtschaftlichen Anwendungslösung die Entität "Kunde" abbildet. Er trägt also zur eigentlichen Modellierung der Anwendungslösung zunächst überhaupt nicht bei. Er sorgt hingegen dafür, dass alle Daten, die bei der Abwicklung von Geschäftsprozessen anfallen, eindeutig und exklusiv ihren Ownern (Mandanten) zugeordnet werden können.
Zu den mandantenabhängigen Kundendaten zählen alle Anwendungstabellen (Stamm-und Bewegungsdaten) sowie der größte Teil des Customizings:
Anwendungstabellen Hierbei handelt es sich um Tabellen, die Stamm- oder Bewegungsdaten, d.h. betriebswirtschaftliche Daten, beinhalten. Diese Daten können durch die täglichen Geschäftsprozesse jederzeit erfasst, geändert und gelöscht werden. Anwendungstabellen sind im SAP Data Dictionary gekennzeichnet durch das Attribut "Auslieferungsklasse" mit dem Attributwert "A".
Customizing-Tabellen (mit betriebswirtschaftlicher Relevanz) Diese Tabellen enthalten Daten, durch die die Geschäftsprozesse gesteuert werden können, also
Daten, durch die Organisationsstrukturen des Unternehmens abgebildet werden
Parameter zur Steuerung von Verfahren für die Abwicklung von Geschäftsprozessen
Außer den mandantenabhängigen Customizing-Tabellen gibt es auch eine Reihe von mandantenübergreifenden Customizing-Tabellen. Da die Menge der Customizing-Objekte sehr groß und vielseitig ist, werden diese im folgenden Abschnitt unter dem Gesichtspunkt des Mandantenbezugs kategorisiert und transparenter gemacht.
Zwischen Customizing-Tabellen besteht häufig eine starke gegenseitige Abhängigkeit. Aus diesem Grund werden die Tabellen dann nicht einzeln zur Pflege angeboten, sondern als sogenannte "Customizing-Objekte". Die Pflege von Einträgen eines Customzing-Objektes stellt aufgrund der formalen Abhängigkeitsbeziehungen sicher, dass die Konsistenz im Tabellenverbund eines Objekts immer erhalten bleibt. Wir sprechen im folgenden immer dann von Customizing-Objekten, wenn wir die Repräsentation der Customizing-Tabellen an der Benutzungsoberfläche meinen und von Customizing-Tabellen, wenn wir ihre konkrete Ausprägung auf der Datenbank meinen.
Ein Customizing-Objekt kann durchaus sowohl mandantenabhängige Tabellen als auch mandantenübergreifende Tabellen beinhalten. Wir sprechen dann von mandantenabhängigen Objekten, wenn alle über das Objekt pflegbaren Tabellen mandantenabhängig sind. Wenn umgekehrt mindestens eine über das Objekt erreichbare mandantenübergreifende Tabelle geändert werden kann, ist das Objekt selbst mandantenübergreifend. Beachten Sie, dass ein Objekt selbst dann noch als mandantenabhängig gilt, wenn es eine oder mehrere mandantenübergreifende Tabellen beinhaltet, deren Werte aber nur angezeigt bzw. nur lesend verarbeitet werden, jedoch im Kontext der Objekt-Pflege nicht änderbar sind.