Kapitalerhöhung mit Veränderung des prozentualen Anteils 
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht kann mit einer Kapitalerhöhung gleichzeitig eine Veränderung des prozentualen Anteils der Konzernunternehmen und der Minderheitsgesellschafter am gezeichneten Kapital der Gesellschaft verbunden sein. Diese Veränderung kommt dadurch zustande, daß die anteilshaltenden Konzernunternehmen einerseits und die Minderheitsgesellschafter andererseits sich an der Kapitalveränderung nicht entsprechend ihres bisherigen Anteils beteiligen.
Im System FI-LC muß dieser Vorgang interpretiert werden als eine Kombination von Kapitalerhöhung und - je nach Ausprägung - sukzessivem Erwerb, Teilabgang oder Umbuchung. In der Tabelle der Beteiligungsentwicklung sind dafür jeweils getrennte Einträge vorzunehmen.
Nachfolgend werden die in der Tabelle der Beteiligungsentwicklung vorzunehmenden Einträge erläutert.
Grundlagen
Annahme: Es liegt eine Beteiligung von Konzerngesellschaft A an Konzerngesellschaft B vor.
Folgende Abkürzungen gelten zur Erläuterung der Beteiligungs- und Kapitalverhältnisse:
Abkürzungen
X |
bisheriger Anteil von A am gez. Kapital von B |
Y |
Anteil von A an der Veränderung des gez. Kapitals bei B |
KAP |
bisheriges gez. Kapital von B |
RL |
bisherige Rücklagen von B |
GKAP |
bisheriges Gesamtkapital von B |
DKAP |
Veränderung des gez. Kapitals bei B |
DINV |
Veränderung des Beteiligungsbuchwertes bei A |
DX |
Veränderung des Anteils von A an B |
Z |
neuer Gesamtanteil von A an B |
Vom Anwender sind die Größen Z und DX nach folgenden Formeln zu berechnen:
Z |
= |
(X * KAP + Y * DKAP) / (KAP + DKAP) |
DX |
= |
(Z - X) |
Bei der Behandlung der Kapitalerhöhung mit Veränderung des prozentualen Anteils müssen folgende Fälle unterschieden werden:
Fall 1: Veränderung ausschließlich des gezeichneten Kapitals
Einträge in der Tabelle der Beteiligungsentwicklung
In der Tabelle der Beteiligungsentwicklung sind zwei Einträge erforderlich:
lf. Nummer |
Anteil |
Betrag |
01 |
DX % |
DINV - Z * DKAP / 100 |
02 |
0 % |
Z * DKAP / 100 |
Diese Einträge ergeben sich aus folgenden Sachverhalten:
Beim sukzessiven Erwerb könnte sich folgender Unterschiedsbetrag ergeben:
Unterschiedsbetrag = DINV - Z * DKAP - DX * GKAP
Das System unterstellt, daß in der gleichen Periode die Vorgänge sukzessiver Erwerb, Umbuchung oder Teilabgang vor einer Kapitalerhöhung oder einer Kapitalherabsetzung stattfinden. Die Einträge werden daher vom System stets in dieser Reihenfolge bearbeitet.

Die automatische Buchung des Teilabgangs wird derzeit durch das System nicht unterstützt und muß daher manuell erfolgen. Sehen Sie hierzu
Beispiel A: Obergesellschaft übernimmt das neue Kapital aus Kapitalerhöhung vollständig
Daten zu Beteiligung und Kapital
X |
= |
80 % |
Y |
= |
100 % |
KAP |
= |
1000 Geldeinheiten |
DKAP |
= |
1000 Geldeinheiten |
DINV |
= |
1000 Geldeinheiten |
Vom Anwender sind die Werte Z und DX zu berechnen:
Z |
= |
(80 % * 1000 GE + 100 % * 1000 GE) |
= |
90 % |
DX |
= |
90 % - 80 % |
= |
10 % |
Nach Berechnung der Werte sind für Gesellschaft A folgende Einträge in der Tabelle der Beteiligungsentwicklung vorzunehmen:
lf. Nummer |
Anteil |
Betrag |
01 |
10 % |
1000 GE - 0,9 * 1000 GE = 100 GE (sukzessiver Erwerb) |
02 |
0 % |
0,9 * 1000 GE = 900 GE (Kapitalerhöhung) |
Beispiel B: Obergesellschaft beteiligt sich nicht an Kapitalerhöhung
Daten zu Beteiligung und Kapital
X |
= |
80 % |
Y |
= |
0 % |
KAP |
= |
1000 Geldeinheiten |
DKAP |
= |
1000 Geldeinheiten |
DINV |
= |
0 Geldeinheiten |
Vom Anwender sind die Werte Z und DX zu berechnen:
Z |
= |
(80 % * 1000 GE + 0 % * 1000 GE) |
= |
40 % |
DX |
= |
40 % - 80 % |
= |
-40 % |
Nach Berechnung der Werte sind für Gesellschaft A folgende Einträge in der Tabelle der Beteiligungsentwicklung vorzunehmen:
lf. Nummer |
Anteil |
Betrag |
01 |
-40 % |
0 GE - 0, 4 * 1000 GE = -400 GE (Teilabgang) |
02 |
0 % |
0, 4 * 1000 GE = 400 GE (Kapitalerhöhung) |
Beipiel C: Obergesellschaft beteiligt sich nur teilweise an Kapitalerhöhung
Daten zu Beteiligung und Kapital
X |
= |
80 % |
Y |
= |
40 % |
KAP |
= |
1000 Geldeinheiten |
DKAP |
= |
1000 Geldeinheiten |
DINV |
= |
400 Geldeinheiten |
Vom Anwender sind die Werte Z und DX zu berechnen:
Z |
= |
(80 % * 1000 GE + 40 % * 1000 GE) |
= |
60 % |
DX |
= |
60 % - 80 % |
= |
-20 % |
Nach Berechnung der Werte sind für Gesellschaft A folgende Einträge in der Tabelle der Beteiligungsentwicklung vorzunehmen:
lf. Nummer |
Anteil |
Betrag |
01 |
-20 % |
400 GE - 0,6 * 1000 GE = -200 GE (Teilabgang) |
02 |
0 % |
0, 6 * 1000 GE = 600 GE (Kapitalerhöhung) |
Beispiel D: Mehrere Konzerngesellschaften sind an kapitalerhöhender Gesellschaft beteiligt
Für jede Obergesellschaft (hier A1 und A2) der kapitalerhöhenden Gesellschaft (B) muß eine Betrachtung erfolgen.
Daten zu Beteiligung und Kapital
X (A1) |
= |
80 % |
X (A2) |
= |
20 % |
Y (A1) |
= |
100 % |
Y (A2) |
= |
0 % |
KAP |
= |
1000 Geldeinheiten |
DKAP |
= |
1000 Geldeinheiten |
DINV (A1) |
= |
1000 Geldeinheiten |
DINV (A2) |
= |
0 Geldeinheiten |
Anmerkung: Obergesellschaft A1 übernimmt das neue Kapital demnach vollständig.
Vom Anwender sind die Werte Z und DX zu berechnen:
Z (A1) |
= |
(80 % * 1000 GE + 100 % * 1000 GE) |
= |
90 % |
DX (A1) |
= |
90 % - 80 % |
= |
10 % |
Z (A2) |
= |
(20 % * 1000 GE + 0 % * 1000 GE) |
= |
10 % |
DX (A2) |
= |
10 % - 20 % |
= |
-10 % |
Nach Berechnung der Werte sind folgende Einträge in der Tabelle der Beteiligungsentwicklung vorzunehmen:
lf. Nummer |
Gesellschaft |
Anteil |
Betrag |
01 |
A1 |
10 % |
1000 GE - 0,9 * 1000 GE = 100 GE |
02 |
A1 |
0 % |
0, 9 * 1000 GE = 900 GE |
01 |
A2 |
-10 % |
0 GE - 0,1 * 1000 GE = -100 GE |
02 |
A2 |
0 % |
0,1 * 1000 GE = 100 GE |
Beispiel E: Existenz weiteren Eigenkapitals vor Erhöhung des gezeichneten Kapitals
Die vorangehenden Beispiele A bis D basieren auf der Vereinfachung, daß die Veränderung des Buchwertes (DINV) mit dem bei der Kapitalerhöhung übernommenen gezeichneten Kapital übereinstimmt. Eine solche Übereinstimmung wird häufig nicht vorliegen.
Ein Grund dafür, daß die Anschaffungskosten der Anteile das übernommene gezeichnete Kapital übersteigen, besteht in folgendem Sachverhalt:
Zum Zeitpunkt der Kapitalerhöhung existiert neben dem gezeichneten Kapital zusätzliches Eigenkapital, beispielsweise Rücklagen. Steigt im Zuge der Kapitalerhöhung der prozentuale Anteil eines Gesellschafters am kapitalerhöhenden Unternehmen, dann beinhalten im Idealfall die Anschaffungskosten der Anteile nicht nur das anteilige neue gezeichnete Kapital (Y * DKAP), sondern auch den zusätzlichen Anteil an den bereits existierenden Rücklagen (DX * RL).
Für die Übernahme bereits existierenden Eigenkapitals muß demnach ein entsprechendes Entgelt gezahlt werden. Dieses steht den Gesellschaftern zu, die den Anteil am Eigenkapital abgeben.
Die Zahlung eines Entgelts für die Übernahme bereits existierenden Eigenkapitals wirkt sich allerdings nicht aus auf die Berechnung der Werte für die Einträge in die Tabelle der Beteiligungsentwicklung.
Daten zu Beteiligung und Kapital
X |
= |
80 % |
Y |
= |
100 % |
RL |
= |
500 Geldeinheiten |
KAP |
= |
1000 Geldeinheiten |
GKAP |
= |
1500 Geldeinheiten |
DKAP |
= |
1000 Geldeinheiten |
DINV |
= |
1050 Geldeinheiten |
Vom Anwender sind die Werte Z und DX zu berechnen:
Z |
= |
(80 % * 1000 GE + 100 % * 1000 GE) |
= |
90 % |
DX |
= |
90 % - 80 % |
= |
10 % |
Nach Berechnung der Werte sind für Gesellschaft A folgende Einträge in der Tabelle der Beteiligungsentwicklung vorzunehmen:
lf. Nummer |
Anteil |
Betrag |
01 |
10 % |
1050 GE - 0,9 * 1000 GE = 150 GE (sukzessiver Erwerb) |
02 |
0 % |
0,9 * 1000 GE = 900 GE (Kapitalerhöhung) |
Fall 2: Veränderung des gezeichneten Kapitals sowie der Rücklagen
Bei Kapitalerhöhungen ist häufig für die neuen Anteile ein Agio zu zahlen, welches in die Kapitalrücklagen eingestellt wird. Es handelt sich also nicht nur um eine Erhöhung des gezeichneten Kapitals, sondern auch um eine Erhöhung des sonstigen Eigenkapitals.
Die Anteilsberechnung (Werte DX und Z) ist identisch zum Fall 1. Die Berechnung der Einträge in die Tabelle der Beteiligungsentwicklung muß jedoch wie folgt verallgemeinert werden:
lf. Nummer |
Anteil |
Betrag |
01 |
DX % |
DINV - Z * (DKAP + AGIO) / 100 |
02 |
0 % |
Z * (DKAP + AGIO) / 100 |
Beispiel:
Daten zu Beteiligung und Kapital
X |
= |
80 % |
Y |
= |
100 % |
KAP |
= |
1000 Geldeinheiten |
DKAP |
= |
1000 Geldeinheiten |
DINV |
= |
1250 Geldeinheiten |
AGIO |
= |
250 |
Vom Anwender sind die Werte Z und DX zu berechnen:
Z |
= |
(80 % * 1000 GE + 100 % * 1000 GE) |
= |
90 % |
DX |
= |
90 % - 80 % |
= |
10 % |
Nach Berechnung der Werte sind für Gesellschaft A folgende Einträge in der Tabelle der Beteiligungsentwicklung vorzunehmen:
lf. Nummer |
Anteil |
Betrag |
01 |
10 % |
1250 GE - 0,9 * (1000 GE + 250 GE) = 125 GE (sukzessiver Erwerb) |
02 |
0 % |
0,9 * (1000 GE + 250 GE) = 1125 GE (Kapitalerhöhung) |