Steuer- und handelsrechtliche Preise 
Verwendung
Sie führen eine Inventurkalkulation durch, um steuer- bzw. handelsrechtliche Preise für Halb- und Fertigfabrikate zu ermitteln. Nachdem Sie die Inventurkalkulation durchgeführt haben, können Sie die Kalkulationsergebnisse als steuer- und handelsrechtliche Preise in den Materialstamm
übernehmen.Voraussetzungen
Einstellungen für die Niederstwertfortschreibung in der Kalkulationsart
Sie führen eine Kalkulation auf Basis einer Kalkulationsvariante durch. Dieser Kalkulationsvariante ist eine Kalkulationsart zugeordnet. Ob bei der Fortschreibung im Materialstamm eine Niederstwertermittlung erfolgt, hängt von den Einstellungen in der Kalkulationsart ab:
In diesem Fall erfolgt beim Fortschreiben der Preise in den Materialstammsatz eine Niederstwertermittlung. Das System vergleicht den Bewertungspreis laut Preissteuerung der aktuellen Periode oder Vorperiode mit dem Kalkulationsergebnis. Wenn der Bewertungspreis niedriger ist, wird der Bewertungspreis und nicht der über die Inventurkalkulation ermittelte Wert als steuer- bzw. handelsrechtlicher Preis fortgeschrieben.
Die Kalkulationsergebnisse werden in jedem Fall in den Materialstamm übernommen, unabhängig von dem Vergleich mit dem Bewertungspreis.
Einstellungen zur Bestandsbewertungsrelevanz in den Kostenelementen
Über Elementesichten bestimmen Sie, welcher Anteil der Kostenelemente in der Bestandsbewertung, handelsrechtlichen und steuerrechtlichen Inventurbewertung berücksichtigt und welcher Anteil des Einzelnachweises bezuschlagt werden soll. Bei einer Plankalkulation werden die Kostenanteile bezuschlagt, die als Kostenelemente für die Bestandsbewertung gekennzeichnet sind. Für die Inventurkalkulation kann auch eine andere Elementesicht angegeben werden. Wenn Sie keine Elementesicht eingeben, arbeitet die Kalkulation mit den Kostenanteilen der Materialposition, die der Bestandsbewertung zugeordnet sind. Wenn bei der Inventurkalkulation für bestimmte Kostenelemente nur der variable oder fixe Anteil als bestandsbewertungsrelevant gekennzeichnet werden soll, definieren Sie im Customizing eine entsprechende Elementesicht.
Einstellungen in der Bewertungsvariante
Sie führen die Inventurkalkulation auf Basis einer Kalkulationsvariante durch. Über die dort hinterlegte Bewertungsvariante können Sie einstellen, daß folgende Daten berücksichtigen:
In der Bewertungsvariante legen Sie fest, in welcher Reihenfolge das System bei der Kalkulation nach einem Preis für die Bewertung der Materialien sucht. Für die Inventurkalkulation definieren Sie den Zugriff auf steuer- und handelsrechtliche Preise im Materialstamm.
In der Bewertungsvariante definieren Sie, in welcher Reihenfolge das System Tarife für Eigenleistungen zur Kalkulation heranziehen soll. Sie legen außerdem fest, auf Basis welcher Plan-/Istversion die Tarife ermittelt werden.

Versionen werden in der Kostenstellenrechnung verwendet, um unterschiedliche Plandaten parallel zu führen. Sie haben so die Möglichkeit, eine Version zu definieren, in der eine Tarifermittlung durchgeführt, die zu pessimistischen Tarifen für Eigenleistungen führt. Sie können z.B. auch Istwerte in eine Planversion kopieren.
Wenn Sie für die Inventurkalkulation die in Anspruch genommenen Eigenleistungen nach dem Imparitätsprinzip bewerten wollen, definieren Sie im Customizing eine Bewertungsvariante, in der Sie die Version hinterlegen, die diese pessimistischen Tarife verwendet.
Weitere Informationen hierzu finden Sie unter
Planung und parallele Bewertung in mehreren Versionen
In der Bewertungsvariante hinterlegen Sie zur Ermittlung der Gemeinkosten für die Inventurkalkulation ein Kalkulationsschema, das sich z.B. in der Höhe der Zuschläge vom Kalkulationsschema der Plankalkulation unterscheidet.
Kalkulationsrelevanzkennzeichen und Preisfaktoren
Das Kalkulationrelevanzkennzeichen kennzeichnet Kalkulationspositionen als "kalkulationsrelevant" oder "nicht kalkulationsrelevant". Sie können die Relevanzkennzeichen mit Faktoren verknüpfen, damit beispielsweise Verpackungskosten bei der Kalkulation entsprechend abgewertet werden können. (Siehe auch: Inventurkalkulation) Über die Einstellungen in den Kostenelementen werden diese Faktoren berücksichtigt. Die Kostenelemente werden hier mit der Kalkulationsvariante verknüpft.
Für die Plankalkulation, die Sollkalkulation und die aktuelle Kalkulation kennzeichnen Sie die Stücklistenpositionen und Vorgänge als "kalkulationsrelevant" oder "nicht kalkulationsrelevant". Auf diese Weise können Sie die Kosten für Vorgänge ignorieren, die beispielsweise nur für die Terminierung relevant sind.
In der Standardauslieferung ist das Kennzeichen X mit dem Faktor eins verknüpft (kalkulationsrelevant), und das leere Kennzeichen mit dem Faktor Null (nicht kalkulationsrelevant). Für die Inventurkalkulation definieren Sie im Customizing zwei weitere Kennzeichen, z. B. A und B .
Verknüpfen Sie im Customizing Sie die Kalkulationsrelevanzkennzeichen mit Faktoren sowohl für die fixen Kosten als auch für die variablen Kosten, damit bestimmte Stücklistenposition bzw. Vorgänge bei der Kalkulation prozentual abgewertet werden. Sie können diese Zuordnung entweder für eine bestimmte Bewertungsvariante oder für alle Bewertungsvarianten definieren.

Beispiel 1:
Die Stückliste eines Materials gibt an, wie das Produkt verpackt wird. Die Verpackungskosten betragen DM 10. Die in der Plankalkulation enthaltenen Verpackungskosten betragen DM 10.
Für die Inventurkalkulation verknüpfen Sie das Kalkulationsrelevanzkennzeichen mit dem Faktor 0,500 . Die in der Inventurkalkulation enthaltenen Verpackungskosten betragen DM 5.
Beispiel 2:
Bewertungsvariante |
Relevanzkennzeichen |
Faktor fix |
Faktor variabel |
001 |
A |
0,800 |
0,800 |
001 |
B |
0,200 |
0,200 |
Die Inventurkalkulation enthält 80% der Kosten für Stücklistenpositionen bzw. Vorgänge mit dem Kennzeichen "A" und 20% der Kosten für Stücklistenpositionen bzw. Vorgänge mit dem Kennzeichen "B".
In der Plankalkulation, Sollkalkulation und aktuellen Kalkulation werden die Kosten für diese Stücklistenpositionen und Vorgänge als kalkulationsrelevant interpretiert. Das heißt, daß die Faktoren intern auf eins gesetzt werden.

Wenn eine bestimmte Bewertungsvariante an dieser Stelle im Customizing der Produktkostenplanung angegeben ist, wählt das System das Relevanzkennzeichen für die Bewertungsvariante aus und ignoriert das Relevanzkennzeichen in der Stücklistenposition.
Beispiel 3:
Bewertungsvariante |
Relevanzkennzeichen |
Faktor fix |
Faktor variabel |
+++ |
A |
0,800 |
0,800 |
001 |
N |
0,000 |
0,000 |
Die Bewertungsvariante für die Inventurkalkulation ist 001. Für die Stücklistenposition ist das Kalkulationsrelevanzkennzeichen "A" gesetzt. Für die Bewertungsvariante 001 findet das System nur den Eintrag mit dem Kalkulationsrelevanzkennzeichen "N", weil dafür eine bestimmte Bewertungsvariante angegeben wurde. Die Stücklistenposition wird mit dem Faktor Null bewertet.