Anlagenkomplexe 

Verwendung

Im System FI-AA findet die Abschreibungsberechnung und -verbuchung im allgemeinen auf Ebene des Wirtschaftsgutes statt. Das System ist so konzipiert, daß die Abschreibung je Anlagenhaupt- bzw. Unternummer berechnet wird. Die Abbildung bestimmter steuerrechtlicher Vorgaben (z.B. ADR in den USA) verlangt jedoch eine Abschreibung auf einer höheren Ebene, als auf Ebene des Wirtschaftsgutes (z.B. alle Anlagen einer Klasse und eines Zugangsjahres).

Funktionsumfang

Deshalb ist es im R/3-System FI-AA neben der Abschreibung auf Wirtschaftsgutebene möglich, Anlagenkomplexe zu definieren. Diese Anlagenkomplexe dienen dazu, mehrere Anlagen für die Abschreibungsrechnung und Abschreibungsverbuchung bewertungsbereichsspezifisch zusammenzufassen.

Anlagenkomplex je Zugangsjahr

Stammdatenpflege (Anlagenkomplex)

Ein Anlagenkomplex wird im System durch einen eigenen Stammsatz repräsentiert. Dieser Stammsatz entspricht in seinem Aufbau dem normalen Anlagenstammsatz und kann ebenso wie dieser über eine entsprechende Bildaufbausteuerung eingegrenzt werden. Außerdem kann auch ein Anlagenkomplex beliebig viele Unternummern haben. Auf diese Weise lassen sich z.B. alle Zugänge eines Jahres auf Komplexebene auf einem Unternummernstammsatz sammeln.

Für das Anlegen von Anlagenkomplexen steht eine eigene Stammdatentransaktion zur Verfügung (Anlage ® Anlegen ® Anlagenkomplex). Diese Transaktion entspricht der Transaktion für das Anlegen von Anlagen. Allerdings gelten für die Stammdatenpflege von Anlagenkomplexen folgende Besonderheiten:

Anlagenkomplexe müssen wie gewöhnliche Anlagen einer Anlagenklasse zugeordnet werden. Über ein Kennzeichen in der Anlagenklasse, können Sie festlegen, daß die Klasse ausschließlich für Komplexe verwendbar ist.

Zuordnung einer Anlage zu einem Anlagenkomplex

Die Verbindung zwischen einer Anlagen und dem übergeordneten Anlagenkomplex ist je Bewertungsbereich spezifisch festlegbar. Hierfür gibt es im Anlagenstammsatz ein entsprechendes Feld (in der Detailanzeige zu jedem Bewertungsbereich) in das ein Anlagenkomplex eingetragen werden kann. Wenn dieser Eintrag gesetzt ist, berechnet und bucht das System die Abschreibungen dieses Bewertungsbereiches nur auf Ebene des Anlagenkomplexes. Auf diese Weise ist es auch möglich, eine Anlage in verschiedenen Bewertungsbereichen unterschiedlichen Anlagenkomplexen zuzuordnen.

Grafik: Bereichspezifische Zuordnung zu einem Anlagenkomplex

Zu einem Anlagenkomplex dürfen nur Anlagen mit einheitlichem Resbuchwert-Vorzeichen gehören (nur Anlagen mit positivem Restbuchwert oder nur Anlagen mit negativem Restbuchwert). Anlagen mit negativem Restbuchwert und Anlagen mit positivem Restbuchwert dürfen nicht zum selben Anlagenkomplex gehören.

Substitution

Die Eingabe der Zuordnung zu Anlagenkomplexen kann wie bei jedem anderen Stammsatzfeld mit der Substitutionstechnik unterstützt werden (vgl. Validierung und Substitution). Auf diese Weise läßt sich die Zuordnung zu einem Anlagenkomplex automatisieren. Beispielsweise ist es möglich, die Zuordnung in Abhängigkeit von der Anlagenklasse oder bestimmten Ordnungsbegriffen vorzuschlagen.

Prüfungen/Auswirkungen bei der Zuordnung

Die Zuordnung zu einem Anlagenkomplex ist allerdings nur möglich, solange die jeweilige Anlage noch inaktiv ist. Eine getroffene Zuordnung ist nach der Aktivierung nur noch per Vollumbuchung auf eine neue Anlage änderbar. Eine weitere Auswirkung der Zuordnung zu einem Anlagenkomplex ist, daß die Bewertungsparameter in den betroffenen Bewertungsbereichen nicht mehr auf Anlagenebene, sondern nur noch auf Komplexebene gepflegt werden können.

Bei der Zuordnung zu einem Anlagenkomplex prüft das System, daß die Anlage mindestens alle Bewertungsbereiche des Anlagenkomplexes führt. Ist dies nicht der Fall, wird die Zuordnung zurückgewiesen. Durch die Zuordnung wird die Kontozuordnung des Anlagenkomplexes an die betroffene Anlage vererbt. Somit ist gewährleistet, daß alle Anlagen eines Komplexes die gleichen Hauptbuchkonten bebuchen.

Altdatenübernahme

Anlagen und Komplexe müssen bei der Altdatenübernahme getrennt übernommen werden. Der Komplex und die Zuordnung in den zugehörigen Anlagenstammsätzen wird nicht automatisch angelegt. Es besteht daher keine Konsistenzprüfung zwischen den Werten des Komplexes und den Werten der Einzelanlagen.

Buchungen

Wenn eine zu einem Komplex gehörige Anlage bebucht wird, dupliziert das System je nach bereichsweiser Zuordnung alle erzeugten Einzelposten (z.B.Zugänge) auf den Anlagenkomplex. Das direkte Buchen von Bewegungen auf einem Anlagenkomplex ist im allgemeinen nicht möglich.

Grafik: Zugang Anlagenkomplex

Folgende Besonderheiten sind bei den einzelnen Bewegungstypen zu beachten:

Hier gelten keine Besonderheiten. Zugehende AHK-Veränderungen bucht das System auf die Einzelanlage und dupliziert die Einzelposten online auf den zugehörigen Anlagenkomplex.

Die Behandlung von Mehr-/Mindererlösen bei Anlagenabgängen bzw. Umbuchungen ist im FI-AA-Customizing für die Abgangsbewegungsarten je Bewertungsbereich parametrisierbar (Buchtechnische Behandlung von Anlagenabgängen bestimmen):

Vergleichen Sie hierzu bitte auch die Ausführungen im Abschnitt Kontierungen von Mehr- bzw. Mindererlösbuchungen.

Beachten Sie bitte, daß das System die anteiligen Wertberichtigungen einer Anlagenbewegung auf Ebene des Anlagenkomplexes pauschaler berechnet als auf Ebene der Einzelanlage. Deshalb kann es diesbezüglich zu leichten Differenzen zwischen Anlage und Anlagenkoplex kommen.

Für Umbuchungen kann in der Bewegungsartendefinition ebenfalls je Bewertungsbereich festgelegt werden, ob nur die AHK oder auch die kumulierten Abschreibungen mit umgebucht werden sollen. Auf diese Weise lassen sich bei Umbuchungen innerhalb eines Anlagenkomplexes ausschließlich AHK umbuchen (ohne Abschreibungen).

Umbuchungen zwischen Anlagen aus verschiedenen Anlagenkomplexen sind nur möglich, wenn die Anlagen im selben Geschäftsjahr zugegangen sind. Daneben gelten dieselben Restriktionen, wie bei Umbuchungen zwischen Anlagen, die keinem Anlagenkomplex zugehören.

Beachten Sie bitte, daß Sie für die Zugangsbuchung im Rahmen einer Altbestandsumbuchung zwischen Anlagenkomplexen eine Bewegungsart verwenden, die die Übernahme des historischen AfA-Beginns vorsieht (FI-AA-Customizing: Kennzeichen in der Bewegungsartendefinition).

Zuschreibungen und manuelle Abschreibungen müssen ebenso wie automatisch berechnete Wertberichtigungen direkt auf Anlagenkomplexe gebucht werden.

Auswertungen

Die FI-AA-Standardreports weisen Komplexe aus. Die Anlagen, die zu einem Anlagenkomplex gehören werden zunächst nicht gezeigt. Auf diese Weise ist gewährleistet, daß Doppelzählungen vermieden werden. Über die Funktion Komplex auflösen im Listanzeigebild ist es jedoch möglich, die zu einem Komplex gehörigen Anlagen anzuzeigen.

Notwendige Systemeinstellungen

Wenn Sie Anlagenkomplexe einsetzen möchten, sind folgende Systemeinstellungen erforderlich:

Wenn Sie die Funktion "Anlagenkomplexe" nutzen möchten und einen Releasewechsel von 2.1 oder 2.2 durchgeführt haben, müssen Sie zunächst den Report RAXPRA04 starten (Transaktion SE38).