Rechnungsprüfung in der Differenzrechnungsstellung
Die Rechnungsprüfung basiert auf Bestellungen von Commodities, die für die Differenzrechnungsstellung relevant sind.
Der Rechnungsprüfer muss zunächst entscheiden, welche Rechnungsart er buchen möchte, dabei stellt das System die korrekte Abfolge des Belegflusses sicher:
Vorläufige Rechnung
Sie starten den Rechnungsvorgang mit einer vorläufigen Rechnung, die auf vorläufigen Berechnungsdaten basiert, die Sie z.B. aufgrund einer Berechnungsregel und einer ersten qualitativen Analyse erhalten. Sie können pro Einkaufsprozess nur eine vorläufige Rechnung erstellen.
Differenzrechnung
Eine Differenzrechnung erstellen Sie, um den Differenzbetrag zur jeweils vorherigen Rechnung zu erfassen, z.B. wenn Sie aufgrund von weiteren Testanalysen die Qualität und Quantität der eingekauften Commodity jeweils anpassen müssen. Sie müssen bereits eine vorläufige Rechnung erfasst haben und können während des Einkaufsprozesses mehrere Differenzrechnungen erstellen.
Endgültige Rechnung
Die endgültige Rechnung erhält der Kunde vom Lieferanten als Abschluss des Rechnungsvorgangs. Die endgültige Rechnung ist eine Differenzrechnung, die diesen Abschluss markiert. Sie können die endgültige Rechnung nach einer vorläufigen Rechnung, nach einer Differenzrechnung oder als erste und einzige Rechnung erfassen. Sie können anschließend keine weitere Differenzrechnung erfassen.
Das System unterstützt zudem das Vorerfassen und Merken von Belegen.
Wenn Sie die Rechnungspositionen einer Differenzrechnung oder endgültigen Rechnung buchen wollen, müssen Sie zuvor im Feld Differenzbuchung
den Wert als Rechnung
für eine positive Differenz oder den Wert als Gutschrift
für
eine negative Differenz gesetzt haben.
Weitere Informationen finden Sie unter Differenzrechnungsstellung im Commodity-Beschaffungsprozess.
Die Differenzrechnungsstellung erfolgt in der Rechnungsprüfung auf Positionsebene. Die Logistik-Rechnungsprüfung entscheidet anhand des Wertes des Relevanzfeldes Differenzrechnungsstellung
innerhalb der Bestellposition, ob für die Rechnungsposition die Differenzrechnungsstellung
zutrifft. Das System unterstützt dabei auch Bestellpositionen mit Kontierungen.
Nur wenn Sie die jeweilige Vorgängerrechnung bereits gebucht haben, können Sie eine nachfolgende Differenzrechnung oder eine endgültige Rechnung buchen. Das System stellt dies sicher, um Inkonsistenzen durch nachträgliche Änderungen einer Position einer Vorgängerrechnung auszuschließen, denn jede Folgerechnung bezieht sich auf die Vorgängerrechnung.
Wenn eine Vorgängerrechnung nicht gebucht ist, z.B. wenn der Status Gemerkt
vorliegt, stellt das System außerdem sicher, dass Sie eine vorläufige Rechnung, Differenzrechnung oder endgültige Rechnung zu der gleichen Bestellposition ebenfalls nicht buchen können.

Berücksichtigung der Vorgängerrechnung innerhalb eines Rechnungsablaufs
Vorläufige Rechnung, Differenzrechnung und endgültige Rechnung können jeweils für die Differenzrechnungsstellung relevante Positionen und nicht relevante Positionen enthalten. Dabei unterstützt das System Rechnungen mit Bezug zu verschiedenen Wareneingängen und mit Bezug zu verschiedenen relevanten Bestellpositionen.
In den Transaktionen der Rechnungsprüfung (Eingangsrechnung hinzufügen
(MIRO
) und Eingangsrechnung vorerfassen
(MIR7
)) können Sie neben den Standardvorgängen (Rechnung
, Gutschrift
, Nachträgliche
Entlastung
oder Nachträgliche Belastung
) auch einen der Vorgänge zur Differenzrechnungsstellung (Vorläufige Rechnung
, Differenzrechnung
oder Endgültige Rechnung
)
wählen:
Welche Rechnungsart Sie dabei als Vorgang für die Differenzrechnungsstellung wählen können, hängt von folgenden Bedingungen ab:
Mindestens eine Position muss im Rechnungsbeleg als relevant für die Differenzrechnungsstellung gekennzeichnet sein.
Wenn mehrere Rechnungspositionen relevant für die Differenzrechnungsstellung sind, müssen alle Rechnungspositionen zur selben Rechnungsart innerhalb des Belegflusses gehören.
Folgende Tabelle zeigt die erlaubten Kombinationen verschiedener Rechnungsarten innerhalb der Differenzrechnungsstellung.

Abhängigkeiten zwischen vorheriger und nachfolgender Rechnungsart
Beispiele für Abhängigkeiten aus der obigen Tabelle:
Wenn Sie noch keine Rechnung gebucht haben (Vorherige Rechnungsart = Keine Rechnung), können Sie eine vorläufige oder endgültige Rechnung buchen. Sie können keine Differenzrechnung buchen.
Wenn Sie eine vorläufige Rechnung gebucht haben (Vorherige Rechnungsart = Vorläufige Rechnung), können Sie eine Differenzrechnung oder endgültige Rechnung buchen. Sie können keine Standardrechnungsart (z.B. Gutschrift) buchen.
Nachdem Sie eine endgültige Rechnung gebucht haben, können Sie eine nachträgliche Entlastung oder eine nachträgliche Belastung buchen.
Hinweis
Vorläufige Rechnungen, Differenzrechnungen oder endgültige Rechnungen beziehen sich immer auf die gesamte Wareneingangsmenge, d.h. das System unterstützt nicht das Erfassen von Teilrechnungen in Bezug auf einen Wareneingang.
Mit dem Business Add-In BAdI: Rechnungsvalidierung
(MRM_DINV_VALIDATION
) können Sie für jede Rechnungsposition, die für die Differenzrechnungsstellung relevant ist, Kriterien definieren, nach denen zur Wareneingangsposition
bzw. Bestellposition eine endgültige Rechnung erfasst werden darf. Weitere Informationen finden Sie im Customizing der Materialwirtschaft
unter .
Innerhalb der Differenzrechnungserstellung können Sie immer nur die letzte Rechnung im Belegfluss stornieren (Transaktion MR8M
). Das System verbietet die Stornierung eines Rechnungsbelegs, zu dem bereits ein Folgerechnungsbeleg existiert, und stellt damit den
Erhalt einer gültigen Ablauffolge sicher.

Stornierungsschritte
In der Differenzrechnung und endgültigen Rechnung, sofern diese einen Vorgängerrechnungsbeleg hat, zeigt das System sowohl die aktuelle Position als auch die Position des Vorgängerrechnungsbelegs an (zweizeilige Darstellung pro Bestellposition, auf die sich eine Rechnung bezieht): Die erste Zeile zeigt den aktuellen Betrag der Position (Rechnungsposition) an, die zweite Zeile zeigt den bisher berechneten Betrag (Gutschriftsposition) an. Außerdem zeigt das System die Betragsdifferenz zwischen aktueller Rechnung und Vorgängerbeleg an.
Bei der Mengenberechnung berücksichtigt das System einen möglichen Kontenpflegebeleg: Wenn Sie z.B. eine vorläufige Rechnung mit einer Rechnungsmenge verbucht haben, die von der Wareneingangsmenge abweicht, können Sie die Mengendifferenz anschließend über die Transaktion WE/RE-Verrechnungskonto
pflegen
(MR11
) ausgleichen. Wenn Sie eine Folgerechnung (Differenzrechnung oder endgültige Rechnung) buchen, berechnet das System die Menge der Gutschriftsposition als Summe der Menge der vorläufigen Rechnung und der Teilmenge des Kontenpflegebelegs.
Die Buchung der Positionen erfolgt analog zur Buchungslogik der Komponente Finanzwesen
für Rechnungs-/Gutschriftspositionen.
Sie erhalten mit der Layoutvariante Differenzrechnungsstellung
für die Rechnungsvorgänge innerhalb der Differenzrechnungsstellung eine übersichtliche Anzeige.
Auf Rechnungspositionsebene gibt es Prüfungen auf Toleranzen, die Sie standardmäßig im Customizing der Materialwirtschaft
unter definieren können. Wenn eine Prüfung fehlschlägt, z.B. weil eine zu hohe Preisdifferenz aufgrund einer manuellen Änderung auftritt, setzt das System für die Rechnung eine Zahlungssperre. Für die Differenzrechnungsstellung werden die Standard-Toleranzprüfungen
verwendet:
Preisabweichung (Toleranzschlüssel PP
)
In der Logistik-Rechnungsprüfung erfolgt die Toleranzprüfung gegen eine Preisabweichung (Toleranzschlüssel PP
) standardmäßig gegen den in der Bestellung hinterlegten
Preis bzw. den zum Zeitpunkt des Wareneingangs ermittelten Preis. Innerhalb einer vorläufigen Rechnung, einer Differenzrechnung oder einer endgültigen Rechnung erfolgt die Toleranzprüfung für Positionen, die für die Differenzrechnungsstellung relevant sind, gegen den zum Zeitpunkt der Rechnungsprüfung
ermittelten Preis. Wenn Sie nach dem Buchen einer endgültigen Rechnung noch nachträgliche Belastungen oder nachträgliche Entlastungen erfassen, führt das System für Rechnungspositionen, die relevant für die Differenzrechnungsstellung sind, keine Toleranzprüfung gemäß dem Toleranzschlüssel PP
durch.
V-Preisabweichung (Toleranzschlüssel VP
)
Wenn durch eine Rechnungsposition eine Bestandsbuchung erzeugt wird, so ermittelt das System standardmäßig den sich daraus ergebenden neuen gleitenden Durchschnittspreis. Das System vergleicht
die prozentuale Abweichung des neuen gleitenden Durchschnittspreises zu dem bisherigen mit den eingestellten prozentualen Grenzen. Die Prüfung gegen den Toleranzschlüssel VP
wird für Positionen, die für die Differenzrechnungsstellung relevant sind, innerhalb einer vorläufigen
Rechnung, einer Differenzrechnung oder endgültigen Rechnung nicht unterstützt.
Betragshöhe Position mit Bestellbezug (Toleranzschlüssel AP
)
Wenn Sie das Prüfen des Positionsbetrags aktiviert haben, so vergleicht das System bei einer Rechnung mit Bestellbezug in bestimmten Rechnungspositionen den Betrag mit der eingestellten absoluten Obergrenze. Innerhalb einer Differenzrechnung oder endgültigen Rechnung (mit Vorgängerbeleg) wird die Prüfung nicht gegen den Positionsbetrag der Rechnungs- und Gutschriftsposition durchgeführt, sondern gegen den vom System ermittelten Differenzbetrag der beiden Positionen.
Freigabe von gesperrten Belegen
Mit der Transaktion Gesperrte Rechnungen freigeben
(MRBR
) können standardmäßig Rechnungspositionen, die aufgrund der Toleranzprüfung gegen den Preis gesperrt wurden (Toleranzschlüssel PP
), automatisch
erneut hinsichtlich einer Preisabweichung geprüft und gegebenenfalls freigegeben werden (siehe auch Freigeben von Rechnungen). Diese Funktion steht für Rechnungspositionen, die für die Differenzrechnungsstellung
relevant sind, innerhalb einer vorläufigen Rechnung, einer Differenzrechnung oder endgültigen Rechnung nicht zur Verfügung. Den Sperrgrund müssen Sie manuell entfernen.
Die Transaktion Eingangsrechnung für Rechnungsprüfung im Hintergrund hinzufügen
(MIRA
) und das Programm RMBABG00
unterstützen die Verarbeitung von vorläufigen Rechnungen, Differenzrechnungen und endgültigen
Rechnungen.
Sie können die Transaktion WE/RE-Verrechnungskonto pflegen
(MR11
) analog zum Standard starten, nachdem Sie einen Wareneingang, eine vorläufige Rechnung, eine Differenzrechnung oder eine endgültige Rechnung gebucht haben (siehe Pflege des WE/RE-Verrechnungskontos).
Wenn Sie das Ankreuzfeld Differenzrechnung
unter Einschränkungen
im Gruppenrahmen Auswahl
markieren, selektiert das System nur Vorgänge, die für die Differenzrechnungsstellung relevant sind. Für diese
Vorgänge bestehen noch Mengendifferenzen zwischen Wareneingangs- und Rechnungseingangsbuchungen, die Sie durch die Kontenpflege ausgleichen können. Wenn Sie das Ankreuzfeld nicht markieren, werden Vorgänge, die für die Differenzrechnungsstellung relevant sind, von der Trefferliste ausgeschlossen.
Weitere Informationen finden Sie unter Preisfindung in der Differenzrechnungsstellung.