Abweichungen der Einsatzseite
Die Einsatzseite umfasst alle Be- und Entlastungen auf Kostenstellen bzw. Geschäftsprozessen außer den Entlastungen durch Leistungsverrechnungen.
Auf der Einsatzseite werden die Istkosten mit den Sollkosten verglichen. Die Abweichungen der Einsatzseite beinhalten Mehr- oder Minderkosten oder einen Mehr- oder Minderverbrauch bei einzelnen Kostenarten, differenziert nach fixen und variablen Anteilen. Die Abweichungskategorien der Einsatzseite sind:
Einsatzpreisabweichungen
Einsatzmengenabweichungen
Strukturabweichung
Einsatzrestabweichungen
Die Abweichungskategorien der Einsatzseite werden periodisch pro Kostenart ermittelt.
Die Einsatzpreisabweichung weist auf Kostenänderungen durch Preisänderungen hin.
Abweichungen, die sowohl durch Preis- als auch durch Mengendifferenzen zustande gekommen sind, werden ebenfalls den Einsatzpreisabweichungen zugeordnet.
Beispiel
Wurden auf einer Kostenart 10 Lohnstunden mit dem Gesamtbetrag von 1.000 € geplant und wurden im Ist 10 Lohnstunden mit 2.000 € gebucht, enthalten diese 2.000 € eine Einsatzpreisabweichung von 1.000 €. 10 Lohnstunden hätten aufgrund der Planung nur 1.000 € kosten dürfen. Der Unterschied zwischen Istdaten und Planung ist auf gestiegene Preise (höhere Löhne) zurückzuführen, da die Verbrauchsmengen keine Abweichungen zeigen.
Im System werden bei primären Buchungen die Einsatzpreisabweichungen vorgangsbezogen berechnet und gebucht, wie im Einführungsleitfaden unter “Primärdaten-Preisabweichungen festlegen” beschrieben. Sie können die Einsatzpreisabweichungen im Informationssystem anzeigen.
Das System errechnet die Einsatzpreisabweichungen neu, wenn Sie bei den Buchungen neben den Kosten auch Mengen angegeben haben.
Sind die Mengen nur unvollständig oder gar nicht vorhanden, so werden die Einsatzpreisabweichungen aus den Buchungssätzen übernommen, wie sie bei den Buchungen vorgangsbezogen prozentual aus den Istkosten errechnet worden sind. Falls auch keine Prozentsätze definiert worden sind, können keine Einsatzpreisabweichungen ermittelt werden.
Bei einem Soll/Ist-Vergleich sind die Einsatzpreisabweichungen durch folgende Formeln definiert:
Einsatzpreisabweichung = (Istpreis - Planpreis) * Isteinsatzmenge
Einsatzpreisabweichung fix = (Istpreis fix - Planpreis fix) * Isteinsatzmenge
Hinweis
Bei Leistungsbezügen mit Fixkostenvorverteilung werden die gebuchten Einsatzpreisabweichungen übernommen (siehe: Fixkostenvorverteilung).
Die Einsatzmengenabweichung weist den mengenbezogenen Mehr- bzw. Minderverbrauch von Kostenarten aus.
Abweichungen, die sowohl durch Preis- als auch durch Mengendifferenzen zustande gekommen sind, werden den Einsatzpreisabweichungen zugeordnet.
Beispiel
Für das Erbringen der Leistungsart Maschinenstunden
wurde ein Verbrauch von 10 l Schmieröl proportional zur Leistungsmenge geplant. Bei einem Beschäftigungsgrad von 110 % wurden im Ist 12 l Schmieröl verbraucht. Die Einsatzmengenabweichung beträgt 1 l. Für die Erbringung der Kostenstellenleistung war im Ist im Vergleich zur Planung ein Mehrverbrauch von 1 l Schmieröl erforderlich. Der Verbrauch auf Basis der Beschäftigung sollte nur 11 l betragen.
Bei einem Soll/Ist-Vergleich sind die Mengenabweichungen durch folgende Formeln definiert:
Einsatzmengenabweichung = (Isteinsatzmenge - Solleinsatzmenge) * Planpreis
Einsatzmengenabweichung fix = (Isteinsatzmenge - Solleinsatzmenge) * Planpreis fix
Einsatzmengenabweichungen können nur errechnet werden, wenn die Verbrauchsmengen im Soll und im Ist vollständig vorhanden sind.
Hinweis
Bei Leistungsbezügen mit Fixkostenvorverteilung ist die Einsatzmengenabweichung gleich der Differenz zwischen Sollkosten und Istkosten abzüglich der Einsatzpreisabweichung (siehe: Fixkostenvorverteilung).
Hinweis
Hinweise für die Kostenstellenrechnung:
Um Einsatzpreis- oder Einsatzmengenabweichungen ermitteln zu können, benötigt das System neben Kosten im Plan und im Ist auch Verbrauchsmengen. Dadurch kann die Abweichungsermittlung Kosten- und Verbrauchseinflüsse ermitteln und entsprechend differenziert ausweisen. Oftmals reicht es jedoch, nur für solche Kostenarten auch die Verbrauchsmengen zu planen, die Preiseinflüssen unterliegen und zusätzlich wesentliche Kostenbestandteile aufweisen. Geben Sie dazu im Stammsatz der jeweiligen Kostenart eine Mengeneinheit an. Sie können auch solche Mengeneinheiten verwenden, für die eine Umrechnung möglich ist. Wenn Sie zusätzlich das Kennzeichen Mengen führen
im Kostenarten- und Kostenstellenstammsatz aktivieren, gibt das System eine Warnung aus, wenn Sie keine Mengen kontieren. Ausschlaggebend für die gesonderte Berechnung von Mengen- und Einsatzpreisabweichungen ist nur die Mengeneinheit.
Ist das Führen von Verbrauchsmengen zu aufwendig, können dennoch Einsatzpreisabweichungen ermittelt werden. Dazu müssen Sie im Rahmen der Systemeinstellungen prozentuale Einsatzpreisabweichungen für einzelne Kostenarten hinterlegen. Diese Einsatzpreisabweichungen werden vom System vorgangsbezogen bei primären Buchungen und zum Periodenabschluss bei der Abweichungsermittlung berücksichtigt. Die jeweilige Einsatzmengenabweichung weist das System in der Einsatzrestabweichung aus (siehe: Einführungsleitfaden der Kostenstellenrechnung unter ).
Die Strukturabweichung zeigt einen anderen Kosten(arten)einsatz als geplant auf. Sie tritt auf, wenn eine nicht geplante Kostenart im Ist gebucht wurde oder zu einer geplanten Kostenart keine Istdaten vorhanden sind.
Die daraus resultierende Differenz zwischen Istbuchung und Planung kann keiner der beiden Abweichungskategorien "Einsatzpreisabweichung" oder "Einsatzmengenabweichung" zugeordnet werden. Es fehlt die Möglichkeit, geplante und im Ist gebuchte Daten einander gegenüberzustellen. Diese Abweichungen werden deshalb in der Kategorie "Strukturabweichung" ausgewiesen.
Beispiel
Auf einer Kostenstelle werden Plankosten in Höhe von 100 € unter der Kostenart 400.000 geplant. Die entsprechende Istbuchung erfolgt unter der Kostenart 410.000. Bei der Abweichungsermittlung wird auf beiden Kostenarten die Höhe der gebuchten Kosten als Strukturabweichung ausgewiesen.
Strukturabweichungen werden ermittelt, wenn zu einer Kostenart entweder keine zu kontrollierenden Kosten oder keine Sollkosten vorhanden sind.
Bei einem Soll/Ist-Vergleich sind die Strukturabweichungen durch folgende Formeln definiert:
Strukturabweichung = Istkosten - Sollkosten - Einsatzpreisabweichung
Strukturabweichung fix = Istkosten fix - Sollkosten fix - Einsatzpreisabweichung fix
Die Einsatzrestabweichung beinhaltet Abweichungen, die zwar auf der Einsatzseite entstanden sind, aber keiner der folgenden Kategorien zugeordnet werden können:
Einsatzpreisabweichungen
Einsatzmengenabweichungen
Strukturabweichungen
Folgende Ursachen sind denkbar:
Es wurden Kostenarten geplant und im Ist gebucht, jedoch keine Verbrauchsmengen geführt. Die Ermittlung von Einsatzpreis- und Einsatzmengenabweichungen war deshalb nicht möglich.
Die Ermittlung einer der angeführten Abweichungskategorien wurde vom Anwender deaktiviert. Der entstandene Abweichungsbetrag wird somit der Einsatzrestabweichung zugeordnet.
Für viele Unternehmen stellt die Einsatzrestabweichung die klassische Verbrauchsabweichung (Einsatzmengenabweichung) dar. Kostenarten, die preisreagibel sind, werden dabei mengenmäßig geführt, wodurch für diese Kostenarten eine genaue Ermittlung der Einsatzpreis- und Einsatzmengenabweichung sichergestellt ist. Bei Kostenarten, die keinen oder nur sehr geringen Preiseinflüssen unterliegen, kann die Differenz zwischen Ist- und Sollkosten meistens auf einen Mehrverbrauch zurückgeführt werden. Der Planungs- und Isterfassungsaufwand reduziert sich durch diese Vorgehensweise erheblich, die Aussagekraft bleibt jedoch durch eine sinnvolle, kostenartenindividuelle Steuerung erhalten.
Haben Sie in der Abweichungsvariante festgelegt, dass Einsatzpreisabweichungen, Einsatzmengenabweichungen und Strukturabweichungen nicht ermittelt werden sollen, so werden auf der Einsatzseite nur Einsatzrestabweichungen ausgewiesen.
