Berechnung der Reichweite Um Maßnahmen zur Vermeidung von Produktunterdeckungen oder zu großen Beständen ergreifen zu können, ermitteln Sie mit Hilfe der Reichweite, wie lange Bestand und Zugänge die Bedarfe decken.
Unterschiedliche Reichweiten(typen) geben dem Planer einen Hinweis darauf, mit welcher Priorität er Probleme lösen sollte.

Das System kann die Reichweite unter Berücksichtigung verschiedener Bestands- und Zugangskategorien berechnen. Zusätzlich können Sie im Produktstamm einstellen, dass das System auch vorzeitige oder verspätete Zugänge bei der Reichweitenberechnung berücksichtigen soll.
Ist die Bestandsreichweite beispielsweise kleiner als einen Tag, dann besteht unmittelbare Gefahr für die Rohstoffversorgung der Produktion.
Ist die Zugangsreichweite kleiner als die Planlieferzeit, dann besteht ebenfalls Handlungsbedarf, der aber ggf. weniger dringend ist.
Per Alert kann Sie das System über kritische Situationen bei der Produktverfügbarkeit oder bei zu hohen Produktbeständen informieren.
Sie haben Reichweitentypen und die Mindestreichweite im Customizing der
Produktions- und Feinplanung
unter
Auftragssicht
→
Reichweitentypen pflegen
gepflegt.
Dort können Sie folgendes festlegen:
zu berücksichtigende Zugangs- und Bedarfskategorien
Sie können festlegen, welche Zugangs- und Bedarfskategorien bei der Reichweitenberechnung berücksichtigt werden (z.B. könnte die Bestandskategorie nicht nur frei verfügbaren Bestand, sondern auch gesperrten Bestand umfassen).
Reichweitentypen
Sie können festlegen, welche Bestands- und Zugangskategorien mit welchen Prognose- und Bedarfskategorien verglichen werden sollen.
Es gibt zwei Standard-Reichweitentypen, die Sie kopieren können, wenn Sie neue Reichweitentypen anlegen möchten:
SAP1 = Bestandsreichweite (enthält den gesamten Bestand sowie alle Bedarfe und Prognosen, die momentan im R/3-System definiert sind)
SAP2 = Zugangsreichweite (enthält den gesamten Bestand sowie alle Zugänge, Bedarfe und Prognosen, die momentan im R/3-System definiert sind)

Sie können die Standard-Reichweitentypen kopieren und dann die Kategorien löschen, die Sie nicht in die Reichweitenberechnung einbeziehen möchten.
Das System kann bis zu drei verschiedene Reichweitentypen berechnen, wenn Sie die Produktsicht oder den Alert Monitor aufrufen. Da es mehrere Reichweitentypen gibt, können Sie die Auswirkungen vergleichen, die verschiedene Kategorien auf die Produktverfügbarkeit haben, und prüfen, ob irgendwelche Maßnahmen erforderlich sind.

Folgende Beispielmöglichkeiten ergeben sich dadurch, dass bis zu drei verschiedene Reichweitentypen verwendet werden können:
Sie berücksichtigen den Bestand und alle Bedarfe.
Sie berücksichtigen den Bestand, alle Bedarfe sowie die Zugänge, die Sie mit Sicherheit erhalten werden, wie z.B. Fertigungsaufträge und Bestellungen.
Sie berücksichtigen den Bestand sowie alle Bedarfe und Zugänge.
Mindestreichweite und Maximalreichweite (für Alerts) festlegen
Sie können Mindest- und Maximalreichweiten in Tagen festlegen.
D.h. Sie können pro Reichweitentyp die
Mindestreichweite
in Tagen eingeben, bei deren Unterschreitung das System Alerts zur Reichweitenunterschreitung (
Mindestreichweite unterschritten
) ausgeben soll.
Und Sie können pro Reichweitentyp die Maximalreichweite in Tagen eingeben, bei deren Überschreitung das System Alerts zur Reichweitenüberschreitung (
Geforderte Reichweite überschritten
) ausgeben soll.
Anhand dieser Werte erzeugt das System Reichweiten-Alerts, die Sie auf potentiell kritische Situationen bei der Produktverfügbarkeit hinweisen.

Mit der Erweiterung APOCV001 können Sie z.B. für bestimmte Produkte verschiedene Mindestreichweiten definieren.
Sie haben die Reichweitentypen (maximal drei), die vom System berechnet werden sollen, im Customizing der
Auftragssicht
unter
Layout einstellen
→ Allgemeine Einstellungen pflegen
eingegeben.
Dort können Sie auch einstellen, dass die Reichweite in Planungsfunktionen nicht in Tagen, sondern beispielsweise in Wochen oder Monaten angezeigt wird.
Sie haben im lokationsabhängigen Produktstamm die
Alert-Schwelle für Verfrühung
und die
Alert-Schwelle für Verspätung
festgelegt, die für die Ermittlung des ersten unterdeckten Bedarfs in der Reichweitenrechnung relevant sind.

Mit demBusiness Add-In /SAPAPO/RRP_COVPARAM Max. Verfrühung/Verspätung von Zugängen in der RW
-Rechnung
können Sie die Ermittlung der Reichweite beeinflussen. Zu diesem BAdI existiert eine Beispielimplementierung, die das Systemverhalten bis SAP APO 4.0 beinhaltet. (Bis
SAP APO 4.0
wurde die Reichweite unter Berücksichtigung der
Maximal erlaubten Verfrühung eines Zugangselements
bzw.
Verspätung
aus dem lokationsabhängigen Produktstamm berechnet. Ab
SAP SCM 4.1
werden zur Berechnung der Reichweite die
Alert-Schwelle für zu frühe Zugänge
und die
Alert-Schwelle für verspätete Zugänge
verwendet.)
Sie haben die Reichweitentypen und Werte, die das System zur Ermittlung von Alerts verwenden soll, entweder im Customizing gepflegt oder Sie haben im Alert-Profil abweichende Reichweitentypen zugewiesen.
Das System errechnet die Reichweite auf der Basis der Reichweitentypen, die Sie im Customizing gepflegt oder ggf. im Alert-Profil zugewiesen haben.
Wenn Sie im lokationsabhängigen Produktstamm die
Alert-Schwelle für zu frühe Zugänge
und die
Alert-Schwelle für verspätete Zugänge
gepflegt haben, dann werden bei der Reichweitenberechnung vorzeitige oder verspätete Zugänge zur Bedarfsdeckung herangezogen, die aus der Sicht des Planers unproblematisch sind. (Siehe „Beispiel“).
Die vom System ermittelten Reichweiten können u.a. in der Produktsicht, der Produktübersicht oder im Alert Monitor angezeigt werden.
In der Produktsicht werden maximal drei Reichweiten berechnet und angezeigt, d.h. es wird für jeden der (maximal drei) Reichweitentypen ein Wert angezeigt. Sie sehen nur die Reichweite des ausgewählten bzw. markierten Pegging-Bereichs (Planungsabschnitte). Für diesen Pegging-Bereich werden auch Mindestreichweiten-Alert angezeigt.
Da die Reichweite für jeden Pegging-Bereich einzeln berechnet wird, kann es bei Kundeneinzelfertigung mehrere Reichweiten für dasselbe Produkt in derselben Lokation und derselben Planversion geben. Die für alle Pegging-Bereiche eines Produktes berechneten Reichweiten sowie die ermittelten Mindest- und Maximalreichweiten-Alerts werden im Alert Monitor angezeigt.

Wenn Sie beispielsweise die Reichweitentypen
SAP 1 (
Bestandsreichweite
) und
SAP 2 (
Zugangsreichweite
) verwenden, dann sehen Sie in der Produktsicht die Bestandsreichweite und die Zugangsreichweite.
Anhand der Bestandsreichweite sehen Sie, in wie vielen Tagen Ihr Bestand zur Neige geht, d.h. nicht mehr ausreicht um Bedarfe zu decken.
Die Bestandstreichweite gibt die Anzahl der Tage an, die zwischen dem Heute-Datum und dem Zeitpunkt liegen, zu dem erstmalig ein Bedarf nicht mehr vollständig durch den Bestand gedeckt werden kann.
Anhand der Zugangsreichweite sehen Sie, in wie vielen Tagen ein Zugang erfolgen müsste, um den vorhandenen Bedarf zu decken.
Die Zugangsreichweite gibt die Anzahl der Tage an, die zwischen dem Heute-Datum und dem Zeitpunkt liegen, zu dem erstmalig ein Bedarf nicht mehr vollständig durch den Bestand oder einen Zugang gedeckt werden kann. D.h. sie gibt an, in wie vielen Tagen ein Bedarf liegt, der nicht mehr erfüllt werden kann.
Wenn Sie für die Bestandsreichweite und die Zugangsreichweite auch Mindestreichweiten definiert haben, dann wird neben der errechneten Reichweite ggf. der vom System ermittelte Reichweiten-Alert angezeigt.
Sie haben z.B. folgende Mindestreichweite-Werte festgelegt:
Fehler-Alert:
5 Tage
Warnungs-Alert:
10 Tage
Info-Alert:
15 Tage
Wenn das System eine Bestandsreichweite von 3 Tagen ermittelt, dann zeigt es neben der Bestandsreichweite auch das Symbol
für den
Fehler-Alert
an.
In der periodischen Sicht der Produktplantafel und Produktsicht wird ebenfalls eine Reichweite angezeigt. Die Berechnung dieser Reichweite unterscheidet sich von der üblichen Reichweitenberechnung im PP/DS. Für die in der periodischen Sicht berechnete Reichweite werden keine Alerts erzeugt.
Weitere Informationen zur Berechnung dieser Reichweite finden Sie im Abschnitt Berechnung der Reichweiten in der periodischen Produktsicht .
In der Produktübersicht (und im Teilbild
Produktübersicht
der Produktplantafel) sehen Sie die Reichweite sowie Mindestreichweiten-Alerts für alle selektierten Produkte.
Siehe Produktübersicht
Im Alert Monitor sehen Sie Mindest- und Maximalreichweiten-Alerts aller Pegging-Bereiche eines Produkts.
Wenn die Mindestreichweite unterschritten wird, dann erhalten Sie den Alert
Mindestreichweite unterschritten
.
Wenn die Maximalreichweite überschritten wird, dann erhalten Sie den Alert
Geforderte Reichweite überschritten
.
Neben den als Mindest- oder Maximalreichweite definierten Werten wird die für jeden Pegging-Bereich berechnete Reichweite angezeigt.
Im Alert-Profil können Sie die RW-Typen des Customizings übersteuern, indem Sie für PP/DS-Alerts maximal drei abweichende Reichweitentypen pflegen. Die Reichweite und Mindestreichweiten-Alerts werden dann auf der Basis dieser RW-Typen ermittelt.
Die folgenden Beispiele erläutern, unter welchen Bedingungen vorzeitige und verspätete Zugänge bei der Reichweitenermittlung berücksichtigt werden.
Sie haben im lokationsabhängigen Produktstamm als Alert-Schwelle für Verfrühung und Verspätung 72 Stunden (3 Tage) eingegeben. Daher werden zur Berechnung der Zugangsreichweite auch Zugänge berücksichtigt, die maximal 72 Stunden vor oder nach dem Bedarfstermin liegen.
Sie haben am 30.Juni noch keinen Bestand, aber einen ersten Bedarf zum 03. Juli. Das System errechnet eine Bestandsreichweite von 3 Tagen.
Im Laufe des Monats gibt es mehrere Bedarfe und Zugänge, so dass sich die Zugangsreichweite ändert.
Der Zugang vom 1. Juli wird zur Berechnung der Reichweite berücksichtigt, da er 48 Stunden zu früh erfolgt und somit noch innerhalb der tolerierten 72 Stunden liegt.
Der Zugang vom 11. Juli wird ebenfalls berücksichtigt, da er nur 48 Stunden zu spät erfolgt und somit noch innerhalb der tolerierten 72 Stunden liegt.
Da alle Bedarfe – unter Berücksichtigung der Alert-Schwelle für Verspätung von 72 Stunden ‑ durch Zugänge gedeckt werden können, ist die Zugangsreichweite 9.999,99.
Sie haben im lokationsabhängigen Produktstamm als Alert-Schwelle für Verfrühung und Verspätung 72 Stunden (3 Tage) eingegeben. Daher werden zur Berechnung der Zugangsreichweite auch Zugänge berücksichtigt, die maximal 72 Stunden vor oder nach dem Bedarfstermin liegen.
Der Zugang vom 1. Juli wird zur Berechnung der Reichweite berücksichtigt, da der Zugang 48 Stunden zu früh erfolgt und somit noch innerhalb der tolerierten 72 Stunden liegt.
Der Zugang vom 11.07. wird nicht berücksichtigt, da er mehr als die tolerierten 72 Stunden (d.h. 144 h) zu spät erfolgt und somit nicht zur Deckung des Bedarfes vom 5. Juli verwendet werden kann.
Die Zugangsreichweite beträgt somit 5 Tage, d.h. um den Bedarf zu decken, müsste in 5 Tagen (+/- 72 Stunden) ein Zugang erfolgen.
