Bedarfsvorvereinnahmung
Aktionen und saisonale Ereignisse, wie zum Beispiel Weihnachten, können zu ungewöhnlich hohen Bedarfsspitzen führen. Warenlieferungen an Filialen oder Distributionszentren, die zur Deckung dieses Bedarfs benötigt werden, können Sie mit Hilfe eines Bedarfsvorvereinnahmungsprofils zeitlich vorverlegen. Dadurch können Sie die mit diesen Lieferungen verbundenen Aktivitäten über eine größere Anzahl von Wochen verteilen und so logistische Engpässe vermeiden, die sonst in Zeiträumen mit besonders hohem Bedarf auftreten können.
Auf dem Bild Bedarfsvorvereinnahmungsprofil bearbeiten
können Sie eine Quellwoche, eine Zielwoche und den jeweiligen Prozentanteil der jeweiligen Liefermenge angeben, der in der Zielwoche vorvereinnahmt werden soll. Dieses Profil ordnen Sie dann in der Transaktion Massenpflege für Lokationsprodukte
den betreffenden Lokation/Produkt-Kombinationen zu. Die Bedarfsrechnung berücksichtigt die im Profil enthaltenen Informationen bei der Ermittlung der prognostizierten Mengen.
Beispiel
Der ursprüngliche Bedarf für ein beliebtes Spielzeug liegt in Woche 51 bei 40 Stück pro Filiale, die normalerweise in der betreffenden Woche geliefert werden sollten. Sie wissen jedoch, dass eine besonders hohe Liefermenge in dieser Woche zu Kapazitätsproblemen in der Logistik führen würden. Daher möchten Sie einen Teil des prognostizierten Bedarfs in frühere Bedarfsperioden verschieben, so dass die einzelnen Filialen in Woche 49 eine zusätzliche Menge von 20 Stück und in Woche 50 eine zusätzliche Menge von 10 Stück erhalten und nur noch die restlichen 10 Stück in Woche 51 geliefert werden.
Das Bedarfsvorvereinnahmungsprofil könnte in diesem Fall wie folgt aussehen:
Quellwoche |
Zielwoche |
Prozentanteil |
200751 |
200749 |
50% |
200751 |
200750 |
25% |
Sie geben in diesem Profil nicht die absolute Menge des Spielzeugs, sondern einen prozentualen Anteil der Gesamtliefermenge ein. Die Wochen werden im Format JJJJWW
angegeben. Innerhalb der jeweiligen Zielwoche verteilt das System den zusätzlichen Bedarf gleichmäßig auf alle Verkaufstage.
Hinweis
Die Verschiebung von der Quellwoche in die Zielwoche bezieht sich nur auf den prognostizierten Bedarf und gilt nur für die Bedarfsrechnung. Der tatsächliche Bedarf entsteht natürlich nach wie vor in der Quellwoche. Das bedeutet, dass der Bestand in der Zielwoche den Bedarf in der betreffenden Woche übersteigt, da der vorvereinnahmte Teil erst in der Quellwoche verkauft werden kann. Die vorvereinnahmten Bedarfsmengen werden daher in der Bedarfsrechnung praktisch als für die Quellwoche reservierte Mengen betrachtet.
Ein Bedarfsvorvereinnahmungsprofil kann mehrere Quellwochen und mehrere Zielwochen enthalten. Sie können für eine Quellwoche mehrere Zielwochen angeben. Innerhalb ein und desselben Profils kann eine Woche jedoch nicht gleichzeitig als Quellwoche und als Zielwoche verwendet werden.
Die Zielwoche muss immer vor der Quellwoche liegen; das heißt, Sie können Lieferungen nur auf einen früheren Zeitpunkt vorverlegen, nicht jedoch auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.
Sie können Bedarfsvorvereinnahmungsprofile anlegen, kopieren und löschen.
Das System prüft, ob der Bedarf in der jeweiligen Woche die im Customizing festgelegten harten oder weichen Grenzen überschreitet, wie zum Beispiel:
maximale Menge, die bestellt werden kann, ohne den Höchstbestand zu überschreiten
maximale Menge, die bestellt werden kann, ohne die Haltbarkeitsdauer zu überschreiten
maximale Menge, die bestellt werden kann, ohne die maximale Sollreichweite zu überschreiten
Vorvereinnahmte Mengen können in der ersten Bedarfsperiode nur weiche, aber keine harten Grenzen überschreiten.
Beispiel
Der Höchstbestand für ein Produkt ist auf 60 Stück festgelegt. Für die erste Bedarfsperiode wurde ein Nettobedarf von 50 Stück ermittelt. Unter Berücksichtigung der vorvereinnahmten Bedarfsmenge würde das System eine Bestellung über 70 Stück erzeugen.
Falls der Höchstbestand als weiche Grenze definiert wurde, erzeugt das System in diesem Fall eine Warnmeldung, bestellt aber dennoch die vollen 70 Stück.
Falls es sich beim Höchstbestand um eine harte Grenze handelt, erzeugt das System eine Warnung und verringert die Bestellmenge auf 60 Stück.
Die Prozentanteile für die Vorvereinnahmung muss der Disponent manuell vorgeben. Eine automatische Ermittlung, zum Beispiel anhand des Absatzvolumens, findet nicht statt.
Die Vorvereinnahmung wird nur in der Nachschubrechnung berücksichtigt. Auf der Benutzungsoberfläche von SAP F&R (zum Beispiel in der Dispositions-Workbench) sind die vorvereinnahmten Mengen nicht sichtbar.