Erweiterte Rückwärtsplanung
Die Heuristik SAP_DS_02 führt mehrstufig eine Rückwärtsplanung durch, um einen kapazitiv abgestimmten Produktionsplan zu erstellen, bei dem sich die Auftragstermine an den Kundenwunschterminen orientieren. Die Heuristik führt keine Reihenfolgenbildung durch, sondern sucht primär nach freien Kapazitäten für die einzuplanenden Aufträge.
Die Heuristik basiert auf dem Algorithmus /SAPAPO/SFW_HEUR_BW_EXT.
Die Heuristik ist stabil, d.h. sie liefert ausgehend von den gleichen Ausgangsdaten auch dann das gleiche Ergebnis, wenn sie zweimal hintereinander ausgeführt wird.
Sie können die Heuristik in der Feinplanungsplantafel
und in der Ressourcenplantafel
interaktiv aufrufen oder in einen Produktionsplanungslauf
einbinden. Bei den zu planenden Objekten kann es sich um Ressourcen
oder Aufträge/Vorgänge
handeln.
Die Heuristik kann für folgende Planungsprozesse eingesetzt werden:
Erstellung eines machbaren Produktionsplans im Anschluss an einen infiniten MRP-Lauf
Sie können die Heuristik für Szenarios mit einer bis drei finit geplanten Ressourcen verwenden. Um ein gutes Ergebnis zu erzielen, dürfen Sie keine Maximalwerte für Anordnungsbeziehungen, keine oder nur einfache Rüstmatrizen und nur einige wenige Produktionsstufen angelegt haben.
Analyse von Kapazitätsproblemen
Nach dem Ausführen der Heuristik kann der Planer überprüfen, welche Kundenauftragstermine verletzt werden und von welchen Ressourcen (mit der höchsten Kapazitätauslastung) diese Terminverletzungen verursacht werden.
Um diese Analyse erstellen zu können, müssen Sie die Heuristik mit verschiedenen Finitheitsgraden nacheinander ausführen und die Planungsergebnisse in verschiedenen Simulationsversionen speichern. Anschließend können Sie die verschiedenen Simulationsversionen miteinander vergleichen.
Verwendung in einem CTP- oder CTP/MRP-Prozess
Sie können die Heuristik im CTP-Prozess einsetzen oder in einem kombinierten Prozess, in dem einige Produkte mit CTP und einige mit dem MRP-Lauf geplant werden. Dadurch erreichen Sie eine Glättung des Produktionsplans, d.h. Sie können die Anzahl der kleinen Kapazitätslücken reduzieren, indem Sie mit Hilfe der Heuristik eine geringere Anzahl, aber dafür größere Lücken erzielen. Diese Lücken können anschließend bei weiteren CTP-Prüfungen leichter mit neuen Aufträgen gefüllt werden. Beachten Sie, dass Sie mit dieser Heurisitik nur Ressourcen mit zeitkontinuierlicher Kapazität beplanen können. Die Verwendung von Ressourcen mit finiter PP/DS-Bucket-Kapazität ist nicht möglich.
Einschränkungen
Die Heuristik erstellt keinen optimalen Produktionsplan.
Die Heuristik kann keine Kompaktplanung durchführen.
Maximalabstände werden nicht beachtet.
CDP-Blöcke werden nicht beachtet.
Das Pegging
bildet zusammen mit den Anordnungsbeziehungen
die Grundlage für den Aufbau des Netzes der umzuplanenden Vorgänge. Bei komplexen Szenarios wird die Verwendung des fixierten Peggings empfohlen, da beim fixierten Pegging auch nach dem Ausführen der Heuristik die Zuordnungen zwischen den Bedarfs- und Zugangselementen erhalten bleiben. Bei Verwendung des dynamischen Peggings dagegen wird das Netz der Vorgänge nur für die Ausführung der Heuristik fixiert. Danach können sich die Zuordnungen wieder dynamisch ändern. Für den Planer ist es daher bei Verwendung des dynamischen Peggings schwieriger, die Planungsergebnisse der Heuristik nachzuvollziehen.
Die Zuordnungen des Peggings bilden die Grundlage für die Ermittlung der Bedarfstermine. Die Bedarfstermine wiederum sind die Grundlage für die Sortierung der Aktivitäten, die die Heuristik vornimmt.
Bei Aufträgen, die keinem Bedarf zugeordnet sind, verwendet das System den Endtermin des Auftrags als Bedarfstermin. Dieses Vorgehen stellt sicher, dass diese Aufträge nicht am Ende des Planungshorizonts
eingeplant werden.
Hinweis
Fixierte Pegging-Beziehungen können Sie z.B. im Anschluss an einen infiniten MRP-Lauf mit Hilfe der Heuristik SAP_PP_019 anlegen.
Sie haben die folgenden Heuristik-Einstellungen
vorgenommen:
Behandlung ausgeplanter Vorgänge
Auswahl alternativer Modi
Berücksichtigung der Rüstreihenfolge
Berücksichtigung von ATP-Kategorien
Sie können für Primärbedarfe ATP-Kategorien vorgeben. Aufträge, die diesen ATP-Kategorien über Pegging zugeordnet sind, werden dann umgeplant. Alle übrigen Aufträge werden ausgeplant. Diese Einstellung wirkt wie ein Filter, um die Anzahl der umzuplanenden Aufträge einzuschränken.
Berücksichtigung von Auftragsprioritäten
Sie können für die Primärbedarfe Prioritäten festlegen. In den Heuristik-Einstellungen
können Sie zusätzlich als Filterkriterium eine Auftragspriorität angeben. Das System ermittelt dann die Aufträge (Zugangselemente), die dem Primärbedarf über Pegging zugeordnet sind. Wenn Sie z.B. eine Auftragspriorität von 2 vorgeben, filtert das System nur die Aufträge heraus, denen eine Auftragspriorität von 2 oder kleiner zugeordnet ist. Das System kann dann nur die Aufträge mit der entsprechenden Auftragspriorität umplanen. Die übrigen Aufträge werden ausgeplant.
Mit dieser Heuristik können Sie mehrstufig finit planen. Das System ermittelt alle relevanten Aufträge/Vorgänge und Ressourcen anhand der Anordnungs- und Pegging-Beziehungen und baut daraus das Netz der Vorgänge auf, die umgeplant werden sollen. Wenn Sie z.B. in der Feinplanungsplantafel eine Ressource markieren und die Heuristik aufrufen, ermittelt das System automatisch alle Vorgänge auf der Ressource und alle abhängigen Vorgänge auf den über- und untergeordneten Produktionsstufen, die mit einem der selektieren Vorgänge über Pegging verbunden sind. Auf Ressourcen, die für finite Planung vorgesehen sind, werden die Vorgänge unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Kapazität eingeplant. Das System führt ggf. eine Modusauswahl durch und wählt eine geeignete Ressource aus. Infinite Ressourcen werden entsprechend infinit beplant.
Die Heuristik plant die Vorgänge in Planungsrichtung rückwärts
ein und füllt die finit geplanten Ressourcen möglichst vollständig mit Vorgängen auf. Dabei können die Vorgänge auch in der Vergangenheit eingeplant werden. Erst wenn das Kapazitätsangebot der Ressource in der Vergangenheit erschöpft ist, plant das System die übrigen Vorgänge aus. Um den Rückstand wieder aufzulösen, können Sie anschließend die Heuristik Stabile Vorwärtsterminierung (SAP_DS_01) ausführen. Diese Heuristik plant alle Vorgänge in der Zukunft ein, ohne den Modus zu wechseln und ohne die bestehende Auftragsreihenfolge auf der Ressource zu verändern. Dies kann zu Terminverletzungen in der Zukunft führen. Häufig liegen diese Terminverletzungen aber in der weiter entfernten Zukunft, so dass Sie diese durch spätere Planungsläufe noch auflösen können.
Die Heuristik durchläuft im Einzelnen folgende Verarbeitungsschritte:
Das System filtert die umzuplanenden Aktivitäten entsprechend den Filterkriterien, die Sie für die Bedarfe in den Heuristik-Einstellungen
vorgegeben haben. Aktivitäten, die den vorgegebenen Kriterien nicht entsprechen, z.B. aufgrund einer niedrigeren Auftragspriorität
, werden ausgeplant.
Das System sortiert die Aktivitäten, die an der Rückwärtsplanung teilnehmen, um Sie für die Einplanung in eine Reihenfolge zu bringen. Die wichtigsten Sortierkriterien sind der Bedarfstermin
und die ATP-Kategorie
des verursachenden Bedarfs sowie ob es sich um einen bestätigten
oder unbestätigten
Kundenauftrag handelt. Siehe auch: Sortierung der Aktivitäten.
Das System wählt für die Aktivitäten einen Modus
aus, dessen Ressource noch freie Kapazität hat. Siehe auch Modusauswahl.
Das System sortiert die Aktivitäten vor der Einplanung nochmals, um eine Rüstreihenfolge zu ermitteln, bei der die Rüstzeiten so gering wie möglich sind.
Das System plant die Vorgänge ein. Dabei werden auch die abhängigen Vorgänge verschoben und deren Termine entsprechend angepasst.