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FunktionsdokumentationSicherheits- und Ziellagerbestandsplanung im PP/DS

 

In der Produktions- und Feinplanung (PP/DS) können Sie Sicherheitsbestände und Ziellagerbestände bei der Planung berücksichtigen.

Sicherheitsbestände sollen nicht vorhersehbare Bedarfe, z.B. Prognosefehler oder Produktionsausfälle, ausgleichen oder saisonale Bedarfsschwankungen abbilden.

Im PP/DS existieren zwei verschiedene Verfahren, wie Sicherheitsbestände berücksichtigt werden:

  • Um unerwartet hohe Bedarfe zu decken, sollten Sie das Verfahren mit virtuellen Sicherheitsbestandselementen verwenden. Bei diesem Verfahren können Sie sowohl statische als auch zeitabhängige Sicherheitsbestandsmethoden verwenden.

  • Um Verzögerungen oder Probleme in der Produktion zu beheben, sollten Sie das Verfahren mit realen Sicherheitsbestandsbedarfen verwenden. Bei diesem Verfahren können Sie nur statische Sicherheitsbestandsmethoden verwenden.

Beide Verfahren unterscheiden sich vor allem hinsichtlich ihres Verhaltens beim Pegging sowie im Hinblick auf die erzeugten Alerts. Gemeinsam ist beiden Verfahren, dass im Anschluss an den Planungslauf ein Sicherheitsbestand im PP/DS vorhanden ist. Wenn der Sicherheitsbestand unterschritten wird, können Sie per Alert informiert werden.

Mit dem Ziellagerbestand können Sie sporadische Bedarfe decken oder Ihre Produktion glätten, wenn Sie z.B. kontinuierlich große und kleine Bedarfe haben. Mit dem Ziellagerbestand können Sie die Verfügbarkeit des Sicherheitsbestands in SAP APO abbilden. Der Ziellagerbestand stellt einen Wert für den verfügbaren Lagerbestand dar, der bei der Planung erreicht werden sollte.

Wenn der Ziellagerbestand verletzt wird, können Sie per Alert informiert werden. Sie können z.B. den Alert Ziellagerbestand überschritten verwenden, wenn Sie mit dem Ziellagerbestand die maximale Lagerkapazität abbilden.

Voraussetzungen

Stammdaten

Planversion

In der Planversion legen Sie fest, wie die Produktions- und Feinplanung (PP/DS) Sicherheitsbestände berücksichtigt. Wählen Sie im Menü Anfang des Navigationspfads Stammdaten Navigationsschritt Planversionsmanagement Navigationsschritt Modell- und Planversionsmanagement Ende des Navigationspfads. Legen Sie im Bereich PP/DS unter Berücksichtigung Sicherheitsbestand das gewünschte Verfahren fest.

Sie haben folgende Möglichkeiten:

  • Sicherheitsbestände nicht berücksichtigen (’ ’)

  • Virtuelle Sicherheitsbestandselemente berücksichtigen (2)

  • Sicherheitsbestandsbedarfe im liveCache berücksichtigen (3)

Hinweis Hinweis

Bitte beachten Sie, dass manche Ziellagerbestandsverfahren den Ziellagerbestand auf der Basis des Sicherheitsbestands berechnen. Wenn Sie einen Ziellagerbestand in der Planung verwenden möchten, dann müssen Sie daher ein geeignetes Sicherheitsbestandsverfahren wählen.

Ende des Hinweises

Produktstamm

Geben Sie im Produktstamm auf der Registerkarte Losgröße die erforderlichen Daten ein. (Anfang des Navigationspfads Stammdaten Navigationsschritt Produkt Ende des Navigationspfads)

  1. statischer Sicherheitsbestand

    Geben Sie den Sicherheitsbestand ein und wählen Sie eine geeignete Sicherheitsbestandsmethode (SB Methode). Im PP/DS können Sie folgende statische Sicherheitsbestandsmethoden verwenden:

    • Sicherheitsbestand aus Lokationsproduktstamm (SB)

    • Maximum aus Sicherheitsbestand und Sicherheitsreichweite aus Lokationsproduktstamm (SM)

      Hinweis Hinweis

      Der in SAP ERP im Materialstamm auf der Registerkarte Dispo 2 gepflegte statische Sicherheitsbestand wird beim Übertragen der Materialstammdaten nach SAP APO übernommen. (Der Bedarfsvorlauf (Ist-Reichweite) wird in SAP APO zur Sicherheitsreichweite.)

      Der im SAP ERP im Customizing der Verbrauchsgesteuerten Disposition einstellbare prozentuale Wert der Verfügbarkeit des Sicherheitsbestands wurde nicht in SAP APO integriert.

      Ende des Hinweises
  2. zeitabhängiger Sicherheitsbestand

    i. Wählen Sie im Produktstamm eine geeignete Sicherheitsbestandsmethode (SB Methode). Im PP/DS können Sie folgende zeitabhängige Sicherheitsbestandsmethoden verwenden:

    • Sicherheitsbestand (zeitabhängige Pflege) (MB)

    • Maximum aus Sicherheitsbestand und Sicherheitsreichweite (zeitabhängige Pflege) (MM)

    ii. Legen Sie im Customizing von PP/DS folgendes fest:

    • Sie definieren, welche SNP-Kennzahlen PP/DS als Sicherheitsbestand oder Reichweite verwendet (SNP-Kennzahlen verfügbar machen).

    • Planungsbereich festlegen. Sie geben einen SNP-Planungsbereich an, der die Kennzahlen für die zeitabhängigen Sicherheitsbestände/-reichweiten enthält. (Anfang des Navigationspfads Globale Einstellungen Navigationsschritt Globale Parameter und Vorschlagswerte pflegen) Ende des Navigationspfads.

  3. Ziellagerbestand

    Wählen Sie ein geeignetes Ziellagerbestandsverfahren. Im PP/DS können Sie folgende Ziellagerbestandsverfahren verwenden:

    • Zielreichweite aus Produktstamm (’ ’)

    • Ziellagerbestand gleich Höchstbestand + Sicherheitsbestand (4)

      Der Ziellagerbestand wird wie folgt ermittelt: Ziellagerbestand = Höchstbestand + Sicherheitsbestand

    • Maximum aus Höchstbestand/Zielreichweite (5)

    • Summe aus Höchstbestand/Zielreichweite (6)

    • kein Ziellagerbestand (7)

    Die Verfahren 1 - 3 werden im PP/DS nicht unterstützt.

Alert Monitor

Das System kann Sie per Alert informieren, dass der Sicherheitsbestand oder Ziellagerbestand verletzt wurde. Dies ist nur möglich, wenn Sie die Sicherheitsbestandsmethoden SB, SM, MB oder MM verwenden oder das Ziellagerbestandsverfahren 4 (Ziellagerbestand gleich Höchstbestand + Sicherheitsbestand).

Sie können im Alert-Profil auf der Registerkarte PP/DS unter Bestands-Alerts die folgenden Alerts auswählen:

  • Sicherheitsbestand unterschritten

  • Ziellagerbestand unterschritten

  • Ziellagerbestand überschritten

Hinweis Hinweis

Um Sicherheitsbestands-Alerts zu ermitteln, wird der aktuelle Bestand eines Pegging-Bereichs mit dem Sicherheitsbestand (statisch oder dynamisch) aus dem lokationsabhängigen Produktstamm verglichen. Es werden die Zeitintervalle ermittelt, in denen der aktuelle Bestand unter den Sicherheitsbestand sinkt.

Der aktuelle Bestand ist die kumulierte Menge/Summe der Pegging-relevanten Zugänge und Abgänge (Bedarfe) eines Pegging-Bereichs; abzüglich der realen und virtuellen Sicherheitsbestandsbedarfe, die keine realen Bedarfe darstellen.

Bis einschließlich SAP APO 4.0 fehlte beim virtuellen Sicherheitsbestandsverfahren ein Sicherheitsbestands-Alert. Beim realen Verfahren ist der Sicherheitsbestands-Alert ein Unterdeckungs-Alert.

Da beim virtuellen Verfahren das echte Bedarfselement des Sicherheitsbestands fehlt, kann ein Bestands-Alert nicht über die Pegging-Beziehung zwischen Zugangs- und Bedarfselementen ermittelt werden, sondern muss über den Vergleich von aktuellem Bestand und Ziellagerbestand ermittelt werden.

Ende des Hinweises

Weitere Informationen finden Sie im Abschnitt Überwachen von PP/DS-Alerts.

Business Add-In (BAdI)

Mit dem Business Add-In /SAPAPO/RRP_SFTY_STK BAdI für Sicherheitsbestandsheuristik können Sie die Heuristik SAP_PP_018 modifizieren, die auf Basis des Algorithmus /SAPAPO/HEU_PLAN_SAFTY_STOCK Sicherheitsbestandsbedarfe im liveCache erzeugt.

Funktionsumfang

Sicherheitsbestandsmethoden

Die folgende Tabelle erläutert die Unterschiede und Einsatzmöglichkeiten zwischen „realem“ und „virtuellem“ Verfahren.

Virtuelle Sicherheitsbestandselemente

Reale Sicherheitsbestandsbedarfe

Einsatzmöglichkeit

um unerwartet hohe Bedarfe zu decken

um Verzögerungen oder Probleme in der Produktion zu beheben

Einstellung in Planversion (Berücksichtigung des Sicherheitsbestands)

Virtuelle Sicherheitsbestandselemente berücksichtigen (2)

Sicherheitsbestandsbedarfe im liveCache berücksichtigen (3)

Auswirkungen auf die Planung

Der Sicherheitsbestand eines Produkts wird durch virtuelle Sicherheitsbestandselemente (Sicherheitsbestandsbedarfe oder ‑zugänge) repräsentiert, die PP/DS nur bei der Nettobedarfsrechnung berücksichtigt, die aber nicht als Aufträge im liveCache vorhanden (also virtuell) sind. Daher kann das dynamische Pegging Sicherheitsbestandselemente nicht berücksichtigen und dynamische Pegging-Beziehungen zu ihnen herstellen.

Ab SAP APO 4.0 können Sie mit der Heuristik SAP_PP_018 Sicherheitsbestandsbedarfe im liveCache erzeugen. Der Sicherheitsbestand eines Lokationsprodukts wird im liveCache durch einen Auftrag repräsentiert, der im Standard aus einem Bedarfselement der Kategorie SR besteht. Einen solchen Sicherheitsbestandsbedarf berücksichtigt daher die Nettobedarfsrechnung des PP/DS und das dynamische Pegging.

Applikationen

Entspricht dem Verfahren in anderen APO-Applikationen, wie SNP und CTM.

Diese Sicherheitsbestandsbedarfselemente werden von den PP-Planungsheuristiken, Pegging, Optimierer, Terminierung und ATP-Prüfung berücksichtigt.

Sicherheitsbestandsmethode

statischer und dynamischer Sicherheitsbestand

statischer Sicherheitsbestand

Die dynamische Methode wird nicht unterstützt.

Pegging

nicht Pegging-relevant

nicht Pegging-relevant

Berücksichtigung bei der Planung

Die PP/DS-Beschaffungsplanung legt z.B. bei einer statischen Sicherheitsbestandsmethode Zugänge an, um einen unterdeckten Sicherheitsbestandsbedarf zu decken. Das dynamische Pegging kann aber zwischen dem virtuellen Sicherheitsbestandsbedarf und den Zugängen, die ihn decken könnten, keine dynamischen Pegging-Beziehungen herstellen, d.h. es tritt eine „Überdeckungssituation“ auf.

Vor dem Planungslauf besteht durch den Sicherheitsbestandsbedarf eine Unterdeckungssituation.

Beim Planungslauf wird ein Zugangselement zur Deckung des Sicherheitsbestandsbedarfs erzeugt.

Verwendung des Sicherheitsbestands

Dieses Zugangselement ist für reale Bedarfe verfügbar, die ggf. zu einem späteren Zeitpunkt auftreten.

Dieses Zugangselement ist i.d.R. dem Sicherheitsbestandselement zugeordnet und ist nicht für ggf. zu einem späteren Zeitpunkt auftretende Bedarfe verfügbar.

Vorteil

Der Sicherheitsbestand beeinflusst Alert- und Reichweitenberechnung Das Zugangselement ist als Überschuss sichtbar, da es eine Überdeckungssituation und einen Überdeckungs-Alert erzeugt.

Der Sicherheitsbestand beeinflusst Alert- und Reichweitenberechnung und erhält Auftragspriorität. D.h. in der Produktsicht erfolgt eine korrekte Reichweitenberechnung und in der Optimierung kann die Auftragspriorität genutzt werden. Sie erhalten keine Überdeckungs-Alerts für gedeckte Sicherheitsbestandsaufträge; stattdessen erhalten Sie Unterdeckungs-Alerts für nicht gedeckte Sicherheitsbestandsbedarfe.

Nachteil

Pegging, Optimierer, Terminierung und ATP-Prüfung berücksichtigen die nicht Pegging-relevanten virtuellen Sicherheitsbestandselemente nicht. Das fehlende Pegging wird über Bestands-Alerts (Sicherheitsbestand unterschritten) ausgeglichen.

Reale Sicherheitsbestandsbedarfe können nur mit statischen Sicherheitsbestandsmethoden verwendet werden. (Zeitabhängige Methoden werden nicht unterstützt.)

Beim dynamischen Pegging kann das Zugangselement zuerst dem Sicherheitsbestandsbedarf zugeordnet werden, mit der Folge, dass bei realen Bedarfen, z.B. bei späteren Kundenaufträgen, ggf. Unterdeckungs-Alerts auftreten.

Ab SCM 4.1 können Sie mit der Heuristik SAP_PP_019 (Anlage von fixierten Pegging-Beziehungen) erreichen, dass die Auftragspriorität beim Erzeugen von fixierten Pegging-Beziehungen berücksichtigt wird.

Hinweis Hinweis

Das System legt Sicherheitsbestände nur im Lagerfertigungsabschnitt an. Die Sicherheitsbestände können nur von den Bedarfen in diesem Abschnitt verbraucht werden.

Ende des Hinweises

Ziellagerbestandsverfahren

Der Ziellagerbestand stellt einen Wert für den verfügbaren Lagerbestand dar, der bei der Planung erreicht werden sollte.

Bei der Planung mit der Standardheuristik zur Planung von Standardlosen (SAP_PP_002) wird die Losgröße am Ziellagerbestand ausgerichtet.

Hinweis Hinweis

Wenn Sie beispielsweise im Produktstamm ein exaktes Losgrößenverfahren sowie das Ziellagerbestandsverfahren ’ ’ oder 4-7 gewählt haben, dann werden bei der Planung die Beschaffungsvorschläge so angelegt, dass der Ziellagerbestand oder die Zielreichweite erfüllt sind. Beim Ziellagerbestandsverfahren 4 (Ziellagerbestand = Höchstbestand + Sicherheitsbestand) wird erst dann wieder beschafft, wenn der Sicherheitsbestand unterschritten wurde.

Ende des Hinweises

Wenn der aktuelle Bestand unter den Sicherheitsbestand sinkt, dann wird ein neuer Beschaffungsvorschlag erzeugt, der den Ziellagerbestand auffüllen und den aktuellen Bedarf decken soll.

Bestands-Alerts

Weitere Informationen finden Sie im Abschnitt Überwachen von PP/DS-Alerts.

Einschränkungen
  • Zur Berücksichtigung von dynamischen Sicherheitsbeständen (z.B. Sicherheitsreichweite) in PP/DS werden neue Alerts bereitgestellt, beispielsweise Sicherheitsbestand unterschritten, Ziellagerbestand unterschritten und Ziellagerbestand überschritten. Merkmale, Haltbarkeitstermin sowie minimaler und maximaler Pegging-Intervall werden bei den neuen Bestands-Alerttypen nicht berücksichtigt.

  • Der im Customizing des SAP ERP einstellbare Wert für die Verfügbarkeit des Sicherheitsbestands ist in SAP APO nicht integriert.

  • Zur Nutzung des Ziellagerbestandsverfahrens müssen in SAP APO die Produktstammdaten gepflegt sein.

  • Zeitabhängige Ziellagerbestandsverfahren werden in PP/DS nicht unterstützt. Folglich werden Ziellagerbestands-Alerts nur bei Verwendung eines statischen Ziellagerbestandsverfahrens erzeugt.

  • Der Füllstand der Behälterressource ist nicht betroffen. Im Gegensatz zur SNP-Planung berücksichtigt PP/DS nicht alle möglichen Werte, die auf der Registerkarte Losgröße im APO-Produktstamm gepflegt werden können.

Beispiel

Bei der Planung mit der Standardheuristik SAP_PP_002 und dem Ziellagerbestandsverfahren 4 (Ziellagerbestand = Höchstbestand + Sicherheitsbestand) werden erst dann wieder Beschaffungsvorschläge angelegt, wenn der Sicherheitsbestand unterschritten wurde.

Weitere Informationen

Sicherheitsbestandsplanung im Supply Network Planning

Sicherheitsbestandsplanung

Sicherheitsbestandsplanung in der Produktions- und Feinplanung (PP/DS)

Heuristiken für die Produktionsplanung

Pegging-Relevanz des Sicherheitsbestands

Produktverfügbarkeit mit Sicherheitsbestand