
Eine Bestandskennzahl wird im BW mit dem zugehörigen Feld für die Bestandsveränderung bzw. den zugehörigen Feldern für die Zu- und Abgänge in der InfoObject-Pflege modelliert. Aus dem aktuellen Endbestand und den Bestandsveränderungen bzw. den Zu- und Abgängen kann dann der aktuelle Bestand bzw. der Bestand zu einem beliebigen Zeitpunkt ermittelt werden.
Das Ziel der besonderen Ablage von Bestandskennzahlen ist es, den Datentransport ins BW-System und die Datenhaltung sowie den Datenbankzugriff bei der Auswertung im Reporting im BW-System zu optimieren.
Es hängt allerdings von Ihrem Szenario ab, ob die Modellierung von Beständen mit Bestandskennzahlen sinnvoll ist. Der Einsatz von Bestandskennzahlen empfiehlt sich für Bereiche, in denen sich Bestände nicht regelmäßig vollständig ändern, also beispielsweise für Lagerbestände (Retail) oder die Anzahl der Mitarbeiter. Siehe dazu auch die ausführliche Gegenüberstellung in Bestände.
Modell der Bestandskennzahlen
Ein Bestands-InfoCube wird mit mindestens einer Bestandskennzahl modelliert. Diese Bestandskennzahlen werden mit Hilfe einer Kennzahl für Bestandsveränderungen bzw. zwei Kennzahlen für die Zu- und Abgänge abgebildet. Welche Option Sie wählen, hängt davon ab, wie Sie die Bestandskennzahl auswerten wollen.
Die Kennzahlen für Bestandsveränderung oder für Zu- und Abgänge sind normale Flusskennzahlen, sie haben sowohl als Aggregation wie auch als Ausnahmeaggregation 'Summation'. Bestandskennzahlen haben als Standard-Aggregation (Aggregationsverhalten auf der Datenbank, z.B. beim Komprimieren oder Hochrollen von Aggregaten) immer Summation, aber eine Ausnahmeaggregation (im Reporting) ungleich Summation mit Bezug zu einem Zeitmerkmal, da es nicht sinnvoll wäre, Bestände über die Zeit zu summieren.
Bestandskennzahlen wie Anzahl Mitarbeiter werden über Merkmale wie Kostenstelle summiert. Es ist jedoch nicht sinnvoll, die Anzahl der Mitarbeiter über verschiedene Perioden aufzusummieren. Über die Periode bietet es sich beispielsweise an, den Durchschnitt zu bilden.
Bei der Flusskennzahl Umsatz ist es beispielsweise sinnvoll, die einzelnen Umsätze über verschiedene Perioden und über Merkmale wie Produkte und Kunden aufzusummieren.
Beispiel zum Unterschied zwischen Bestands- und Flusskennzahlen:
Umsatz (Flusskennzahl):
Umsatz 01.01.+ Umsatz 02.01.+ Umsatz 03.01. ergibt den Gesamtumsatz dieser 3 Tage.
Lagerbestand (Bestandskennzahl):
Bestand 01.01.+ Bestand 02.01.+ Bestand 03.01. ergibt nicht den Gesamtbestand dieser 3 Tage.
Die technische Ablage des Bestandes geschieht über eine Stützstelle zum aktuellen Zeitpunkt (aktueller Bestand) und die Speicherung von Bestandsveränderungen bzw. Zu- oder Abgängen. In der Stützstelle ist der aktuell gültige Endbestand (auf 31.12.9999) abgelegt. Aus dem aktuellen Endbestand und den Bestandsveränderungen bzw. den Zu- und Abgängen kann dann der aktuelle Bestand bzw. der Bestand zu einem beliebigen Zeitpunkt ermittelt werden.
Abfragen des aktuellen Bestandes können sehr schnell beantwortet werden, da der aktuelle Bestand normalerweise als direkt zugreifbare Größe auf der Stützstelle abgelegt ist. Es gibt genau eine Stützstelle pro Merkmalswertkombination, die immer dann aktualisiert wird, wenn der Bestands-InfoCube (InfoCube, der Bestandskennzahlen enthält) komprimiert wird. Damit der Zugriff möglichst schnell erfolgt, sollten Bestands-InfoCubes regelmäßig komprimiert werden (Siehe InfoCube Komprimierung), um die Stützstelle möglichst aktuell zu halten.
Zum Beispiel wird im Monat 03 bei einer Abfrage die Stützstelle mit den 3 Bestandsveränderungen gelesen. Im Monat 04 wird die Stützstelle aktualisiert, so dass bei einer Abfrage im Monat 05 die aktuelle Stützstelle mit nur einer Bestandsveränderung gelesen werden muss. Wäre die Stützstelle nicht aktualisiert worden, so hätten zur Stützstelle noch 4 Bestandsveränderungen gelesen werden müssen.
Datenübertragung bzw. -speicherung und Aggregationsverhalten von Bestandskennzahlen
Um den Datentransport und die Datenhaltung im BW-System für Bestandskennzahlen zu optimieren, werden Bestandskennzahlen sowohl bei der technischen Datenübertragung und -speicherung anders als Flusskennzahlen gehandhabt:
Bestandskennzahlen werden mit Hilfe einer Kennzahl für Bestandsveränderungen bzw. zwei Kennzahlen für die Zu- und Abgänge abgebildet.
Siehe dazu Bestandskennzahl.
Ein Bestands-InfoCube muss ein Zeitbezugsmerkmal enthalten, d.h. es muss ein zeitliches Bezugsmerkmal für die Ausnahmeaggregation der Bestandskennzahl vorhanden sein.
Siehe dazu Zeitbezugsmerkmal.
Eine Bestandskennzahl besitzt immer eine Ausnahmeaggregation bezüglich der Zeit.
Siehe dazu Aggregationsverhalten von Bestandskennzahlen.
In bestimmten Fällen kann es notwendig werden, die Gültigkeit eines Bestandes festzulegen.
Siehe dazu Gültigkeitsbereich.
Bestände werden in einem Initialisierungslauf und darauf folgenden Veränderungsläufen übertragen (die Initialisierung kann dabei auch entfallen).
Siehe dazu Übertragung von Bestandsdaten ins BW.
Bei der Querydefinition und Navigation im Reporting gibt es keinen Unterschied in der Handhabung von Fluss- und Bestandskennzahlen. In einer Query können gleichzeitig Fluss- und Bestandskennzahlen ausgewertet werden.
Die besondere Behandlung von Bestandskennzahlen ist nur im InfoCube möglich, DataStore-Objekte unterstützen dies nicht.