Mehrstufige ATP-Prüfung in zwei Schritten
Um zu gewährleisten, dass die Gültigkeit eines Plans (Stückliste, PPM oder Laufzeitobjekt) nicht verletzt wird, und die Durchlaufzeiten zu den bei der mehrstufigen ATP-Prüfung errechneten Bestätigungsterminen auf Kopfebene passen, wird die mehrstufige ATP-Prüfung immer in zwei Schritten ausgeführt, sofern das Ergebnis der "ersten" mehrstufigen ATP-Prüfung Teilbestätigungsmengen und -termine enthält.
Wie der zweite Schritt der mehrstufigen ATP-Prüfung durchgeführt werden soll, können Sie in der Prüfvorschrift für das Enderzeugnis bzw. Kopfmaterial über die Parameter Komponenten Restbedarf
und Umsetzungsmodus ATP-Baumstrukturen
einstellen.
Wählen Sie dazu im SAP-APO-Customizing Prüfvorschrift pflegen.
In einem ersten Schritt erfolgt für das Kopfmaterial eine Planauflösung und Terminierung. Dabei werden Komponentenbedarfe und -bedarfstermine des Kopfmaterials erzeugt. Die Komponentenbedarfe des Kopfmaterial (Bedarfsgruppe) werden gemäß der Prüfmethoden, die in der Prüfvorschrift eingestellt sind, geprüft. Dabei kann natürlich auch eine regelbasierte ATP-Prüfung auf Komponentenebene ausgeführt werden. Wird für eine Komponente eine regelbasierte ATP-Prüfung ausgeführt, dann sucht das System gemäß der Einstellungen im Customizing z. B. ein Ersatzprodukt oder eine Ersatzlokation. Für die Ersetzung kann eine mehrstufige ATP-Prüfung durchgeführt werden. Weitere Informationen finden Sie unter Regelbasierte ATP-Prüfung auf Komponentenebene.
Das Prüfungsergebnis besteht aus bestätigten Mengen oder Teilmengen und Terminen für die Bedarfsgruppe auf Kopfebene.
Die Einstellung im Umsetzungsmodus legt jetzt fest, welche bestätigten Mengen oder Teilmengen und Termine als neue Bedarfe in den 2. Schritt der mehrstufigen ATP-Prüfung eingehen. Es erfolgt in einem 2. Schritt eine erneute Planauflösung und Terminierung, wobei wieder Komponentenbedarfsmengen
und -termine des Kopfmaterials erzeugt und geprüft werden. In diesem Fall muss jedoch die Bedarfsmenge für das Kopfmaterial komplett zum Bedarfstermin bestätigt werden. Es darf keine Telbestätigungsmengen und -termine geben. Wenn es eine Menge gibt, die noch offen ist, so kann vorher im Customizing über
das Feld Komponenten Restbedarf
eingestellt werden, wie das System mit dieser offenen Menge umgehen soll.
Über den Parameter Umsetzungsmodus für ATP-Baumstrukturen
in der Prüfvorschrift des Kopfmaterials wird bestimmt, zu welchen Bestätigungszeilen, die ATP-Prüfung im ersten Schritt auf Kopfebene ergeben hat, Planaufträge erzeugt werden sollen.
Hier gibt es die folgenden drei Möglichkeiten:
1 Planauftrag zum Wunschtermin über die zu diesem Termin durch den 1. Schritt der Prüfung bestätigte Menge (falls zum Wunschtermin keine Bestätigung > 0 vorhanden ist, wird kein Auftrag angelegt)
1 Planauftrag zum Gesamtbestätigungstermin über die gesamte Wunschmenge (falls der 1. Schritt keine Gesamtbestätigung ergeben hat wird keine Planauftrag erzeugt)
1 Planauftrag zu jedem Bestätigungstermin über die zu diesem Termin beim 1. Schritt bestätigte Menge.
Ausgehend von dieser Einstellung werden die entsprechenden Bestätigungen des 1. Schrittes als Bedarfstermin und -menge für das Kopfmaterial im 2. Schritt der ATP-Prüfung genommen. Mit den Bedarfsdaten wird dann jeweils eine erneute Planauflösung durchgeführt. Innerhalb des ATP-Controllers werden neue Bedarfsgruppen (Komponentenbedarfe für das Kopfmaterial) angelegt und geprüft. In diesem 2. Schritt der Prüfung muss jedoch für jede Bedarfsgruppe, die aus solch einer Planauflösung resultiert ist, auf Kopfebene die komplette Bedarfsmenge zum Bedarfstermin vom System bestätigt worden sein. Ansonsten wird das gesamte Prüfergebnis dieser Bedarfsgruppe verworfen.
Der Parameter Restbedarf
für Komponentenbedarfsgruppe
in der Prüfvorschrift des Kopfmaterials bestimmt, wie mit der Menge umgegangen wird, für die im 2. Schritt keine erfolgreiche Prüfung durchgeführt werden konnte. Hier gibt es
die folgenden Möglichkeiten:
Restbedarf auf Kopfebene absetzen
Falls auf Kopfebene keine regelbasierte ATP-Prüfung durchgeführt wird, entsteht auf Kopfebene ein Restbedarf. Bei Übernahme des Ergebnisses durch den Benützer, liegt dann im Beleg eine offene Menge vor, die nicht bestätigt werden konnte.
Wird eine regelbasierte ATP-Prüfung durchgeführt, so wird die verbleibende Menge an die nachfolgenden - noch zu prüfenden Ersetzungen - bzw. an den Restbedarf der regelbasierten ATP-Prüfung (RBA-Restbedarf) weitergereicht. Ist für die regelbasierte ATP-Prüfung kein Absetzen des Restbedarfs eingestellt, so wird für die aus der mehrstufigen ATP-Prüfung verbleibende Menge auch kein Restbedarf erzeugt. Das heißt, im Kundenauftrag liegt keine offene Menge vor.
Beispiel: Bestätigung nach mehrstufiger ATP-Prüfung mit regelbasierter ATP-Prüfung auf Kopfebene (mit RBA-Restbedarf)
Position |
Produkt |
Bedarfsmenge |
Bestätigte Menge |
Hauptposition 10 |
LUZ-FERT01 |
100 |
0 |
Unterposition 11 |
LUZ-FERT02 |
80 |
80 |
Unterposition 12 |
LUZ-FERT02 |
20 |
0 |
Beispiel: Bestätigung nach mehrstufiger ATP-Prüfung mit regelbasierter ATP-Prüfung auf Kopfebene (ohne RBA-Restbedarf)
Position |
Produkt |
Bedarfsmenge |
Bestätigte Menge |
Hauptposition 10 |
LUZ-FERT01 |
100 |
0 |
Unterposition 11 |
LUZ-FERT02 |
80 |
80 |
Restbedarf auf Komponentenebene absetzen
Mit der verbleibenden Menge aus dem ersten Schritt der mehrstufigen ATP-Prüfung und dem ursprünglichen Wunschtermin auf Kopfebene wird eine erneute Planauflösung durchgeführt. Danach wird eine Bedarfsgruppe aus den Komponenten
erzeugt. Es wird jedoch keine erneute ATP-Prüfung für die Komponenten durchgeführt. Im Beleg wird der Bedarf bestätigt (Bestätigung des Bedarfs im Liefervorschlag und Übernahme des Ergebnisses im Beleg). Der Planauftrag jedoch, der im PP/DS für die offene Menge angelegt wird, ist auf Kopf- und Komponentenebene
unbestätigt. Er erhält den Status geprüft und unbestätigt
. Die Menge, die von der ATP-Prüfung nicht bestätigt werden konnte, wird trotzdem von der ATP berücksichtigt, da bei Zugängen die Wunschmenge und nicht die bestätigte Menge relevant ist.
Im Alert Monitor wird beim Sichern des Belegs ein Alert erzeugt.
Restbedarf auf Komponentenebene absetzen für das letztmögliche Datum des Prüfhorizonts (Bestätigung reduzieren)
Der Restbedarf wird auf Komponentenebene für einen späteren Zeitpunkt als dem Anforderungstermin abgesetzt. Das System berechnet diesen Zeitpunkt ausgehend von den Prüfhorizonten der Komponenten aus dem Produktstamm. Das früheste Produktionsdatum ist das Datum des unbestätigten Planauftrags, vorausgesetzt, dass alle Komponenten verfügbar sind zum Datum ihrer Prüfhorizonte.
Sie können das Business Add-In (BAdI) BAdI: Prüfhorizont von MATP-Komponenten ändern
verwenden, wenn Sie eine individuelle Berechnungslogik einstellen möchten, anhand derer das System den Anforderungstermin berechnet. Um das BAdI aufzurufen, wählen Sie im Customizing
des SAP Supply Chain Management (SAP SCM) .
Hinweis
Wenn Sie diese Funktion verwenden möchten, müssen Sie die Business Function SCM-APO-ATP, Bedienbarkeit und diverse Funktionen (SCM_APO_ATP_1
) aktivieren.
Das Beispiel soll veranschaulichen, wie die Bedarfe und Bestätigungen innerhalb der mehrstufigen ATP-Prüfung zustande kommen. Die Beispiele zeigen nicht, wie im Beleg die Bestätigungen aussehen. Dort sind die bestätigten Mengen oder Teilmengen in den Einteilungen zu einer Position bzw. Unterposition zu sehen.
Weitere Informationen finden Sie in der Dokumentation für SAP ERP Central Component unter Struktur von Verkaufsbelegen
.
Innerhalb der mehrstufige ATP-Prüfung wird der Plan für einen Bedarf auf Enderzeugnisebene von 100 ST zum 01.10. aufgelöst.
Die Planauflösung ergibt 3 folgende Komponentenbedarfe:
Ergebnis der Planauflösung: Komponentenbedarfe
Komponente |
Bedarfsdatum |
Bedarfsmenge |
Komponente 1 |
15.09. |
100 |
Komponente 2 |
20.09. |
50 |
Komponente 3 |
25.09. |
200 |
Die ATP-Prüfung für die Komponenten ergibt folgendes Ergebnis.
Ergebnis der ATP-Prüfung für die Komponenten
Komponente |
Bedarfstermin |
Bedarfsmenge |
bestätigter Termin |
bestätigte Menge |
Komponente 1 |
15.09. |
100 |
15.09. |
10 |
20.09. |
90 |
|||
Komponente 2 |
20.09. |
50 |
20.09. |
20 |
25.09. |
20 |
|||
30.09. |
10 |
|||
Komponente 3 |
25.09. |
200 |
25.09. |
200 |
Auf Kopfebene ergibt das folgendes Ergebnis:
Ergebnis der ATP-Prüfung für das Kopfmaterial
Bedarfstermin |
Bedarfsmenge |
bestätigter Termin |
bestätigte Menge |
01.10. |
100 |
01.10 |
10 |
06.10 |
70 |
||
11.10. |
20 |
Würde im PP/DS nun diese Bestätigung auf Kopfebene verwendet werden um 3 Planaufträge zu den jeweiligen Bestätigungen anzulegen, so bestünde die Gefahr, dass die Gültigkeit des Plans verletzt werden würde. Dieser ist ja zum 01.10. mit Menge 100 aufgelöst worden, die Planaufträge würden jedoch zu anderen Terminen und nur mit Teilmengen angelegt werden.. Ferner wären die Bedarfstermine der Sekundärbedarfe wahrscheinlich nicht mehr korrekt (Der erste Planauftrag hätte eine Menge von 10. Innerhalb der Planauflösung sind jedoch die Bedarfstermine der Komponente aufgrund einer Durchlaufterminierung für die Menge 100 bestimmt worden. Im allgemeinen ist die Durchlaufzeit für die Menge 10 jedoch geringer. D.h. die Bedarfstermine der Sekundärbedarfe lägen zu früh.
Auf Kopfebene hatte sich nach dem 1. Schritt folgendes Ergebnis ergeben:
Ergebnis der ATP-Prüfung für das Kopfmaterial
Bedarfstermin |
Bedarfsmenge |
bestätigter Termin |
bestätigte Menge |
01.10. |
100 |
01.10 |
10 |
06.10 |
70 |
||
11.10. |
20 |
Im Umsetzungsmodus in der Prüfvorschrift haben Sie Mehrere Planaufträge anlegen (1 Pl-Auf pro Teilbestätigung)
eingestellt.
Die mehrstufige ATP-Prüfung im zweiten Schritt ergibt folgendes Ergebnis.
Ergebnis der ATP-Prüfung für das Kopfmaterial
Bedarfstermin |
Bedarfsmenge |
bestätigter Termin |
bestätigte Menge |
01.10. |
100 |
01.10 |
10 |
06.10 |
70 |
Die ATP-Prüfung lief nur für die beiden Bestätigungen 10 zum 01.10. und 70 zum 06.10. erfolgreich. Der Bedarf von 20 zum Termin 11.10 konnte nicht bestätigt werden..
Wurde eingestellt, dass der Restbedarf auf Komponentenebene abgesetzt werden soll, beträgt die Bestätigung auf Kopfebene (der Wunsch ist nach wie vor 100 zum 01.10.) insgesamt:
Ergebnis der ATP-Prüfung für das Kopfmaterial: Restbedarf auf Komponentenebene
Bedarfstermin |
Bedarfsmenge |
bestätigter Termin |
bestätigte Menge |
01.10. |
100 |
01.10 |
30 (also 10 + 20) |
06.10 |
70 |
Die 20 Stück auf Kopfebene werden im Beleg zum ursprünglichen Wunschtermin (01.10.) bestätigt. Bei der Umsetzung der ATP-Baumstruktur wird ein unbestätigter Planauftrag für 20 Kopfmaterialien mit Komponentenbedarfen angelegt. Dieser Planauftrag hat den Status geprüft und unbestätigt.
Wurde eingestellt, dass der Restbedarf auf Kopfebene abgesetzt wird und wird ohne regelbasierte ATP-Prüfung gearbeitet, so ergibt sich auf Kopfebene folgende Bestätigung:
Ergebnis der ATP-Prüfung für das Kopfmaterial: Restbedarf auf Kopfebene (ohne regelbasierte ATP-Prüfung)
Bedarfstermin |
Bedarfsmenge |
bestätigter Termin |
bestätigte Menge |
01.10. |
100 |
01.10 |
10 |
06.10 |
70 |
Es bleibt eine offene Menge von 20.
Wurde eingestellt, dass der Restbedarf auf Kopfebene abgesetzt wird und wird mit regelbasierter ATP-Prüfung gearbeitet, so ergibt sich auf Kopfebene ebenfalls eine Bestätigung: Die Bedarfsmenge wird jedoch auf 80 (nämlich 10+70) zum 01.10. angepasst. Die verbleibende Menge von 20 zum 01.10. wird an die folgende Ersetzung bzw. an den für die regelbasierte ATP-Prüfung eingestellten Restbedarf weitergereicht. Ist kein Restbedarf eingestellt, so verfällt diese Menge.
Ergebnis der ATP-Prüfung für das Kopfmaterial: Restbedarf auf Kopfebene (mit regelbasierte ATP-Prüfung)
Bedarfstermin |
Bedarfsmenge |
bestätigter Termin |
bestätigte Menge |
01.10. |
80 |
01.10 |
10 |
06.10 |
70 |
Ergebnis der ATP-Prüfung für Substitution Kopfmaterial B (mit RBA-Restbedarf)
Bedarfstermin |
Bedarfsmenge |
bestätigter Termin |
bestätigte Menge |
01.10. |
8 |
01.10 |
8 |
01.10. |
12 |
0 |
0 |
Ergebnis der ATP-Prüfung für die Substitution Kopfmaterial B (ohne RBA-Restbedarf)
Bedarfstermin |
Bedarfsmenge |
bestätigter Termin |
bestätigte Menge |
01.10. |
8 |
01.10 |
8 |