Ermittlung der Rüstzeit von reihenfolgeabhängigen Rüstaktivitäten
Verwendung
Ob ein Vorgang eine Rüstaktivität besitzt und wie hoch die Rüstzeit der Rüstaktivität sein wird, hängt davon ab, in welchem Rüstzustand sich die Ressource zu dem Zeitpunkt befindet, zu dem der Vorgang ein- oder umgeplant wird. Die Rüstzeit eines Vorgangs hängt also davon ab, welcher Vorgang zuvor auf der Ressource durchgeführt wurde.
Beispiel
Produkt A wird mit Vorgang V1 bearbeitet, anschließend soll Produkt B mit Vorgang V2 bearbeitet werden. In der Rüstmatrix ist festgeIegt, dass ein Umrüsten zwischen V1 und V2 erforderlich ist und 10 Minuten dauert.
Das System muss daher bei der Ein- oder Umplanung eines Vorgangs auf einer Single-Activity-Ressource oder einer Single-Misch-Ressource die Dauer der Rüstaktivitäten neu ermitteln.
Zur Ermittlung der reihenfolgeabhängigen Rüstaktivitäten steht eine eigene Rüstlogik zur Verfügung. Grundlage für die Ermittlung der Rüstaktivitäten und Rüstzeiten ist die Reihenfolge der Vorgänge auf der Ressource. Das System bestimmt die Reihenfolge der Vorgänge anhand der Starttermine der Bearbeitungsaktivitäten. Anhand dieser Reihenfolge ermittelt das System mit Hilfe der Rüstmatrix die erforderlichen Rüstaktivitäten mit der entsprechenden Rüstzeit. Das System legt die Rüstaktivitäten mit der ermittelten Zeitdauer an. Dies bedeutet, dass sich die Reihenfolge der Vorgänge nicht mehr ändert, auch dann nicht, wenn ein Vorgang aufgrund des Rüstens nun einen früheren Starttermin hätte, da allein der Starttermin der Bearbeitungsaktivitäten für die Reihenfolge der Vorgänge maßgeblich ist. Dadurch bleibt die Planungssituation sehr stabil.
Damit das System auf einer Single-Ressource die Rüstzeiten von Vorgängen reihenfolgeabhängig anpasst, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:
Sie verwenden die Single-Ressource in den Produktionsprozessmodellen (PPM) ausschließlich als Primärressource.
Sie haben für die Lokation eine Rüstmatrix definiert.
Sie haben der Single-Ressource in den Stammdaten die Rüstmatrix zugeordnet.
Sie haben im PPM für Vorgänge, die auf der Single-Ressource reihenfolgeabhängig gerüstet werden sollen, folgende Daten gepflegt:
Sie haben den für die Bearbeitung des Vorgangs erforderlichen Rüstzustand definiert, indem Sie dem Vorgang eine Rüstgruppe oder einen Rüstschlüssel zugeordnet haben.
Sie haben für den Vorgang eine Rüstaktivität definiert.
Hinweis
Wenn Sie einen Vorgang mit einer Rüstaktivität definieren, liegt diese am Beginn des Vorgangs und geht einer Bearbeitungsaktivität voran.
Sie haben für die Rüstaktivität das Kennzeichen Rüstaktivität
gesetzt.
Hinweis
Das System interpretiert bei der Ermittlung der Rüstzeit eine Aktivität nur dann als Rüstaktivität mit reihenfolgeabhängiger Dauer, wenn für die Aktivität das Kennzeichen Rüstaktivität
gesetzt ist. Zur Definition einer reihenfolgeabhängigen Rüstaktivität ist es also nicht ausreichend, einer Aktivität den Aktivitätstyp S (Rüsten)
zuzuordnen. Bei Rüstaktivitäten, für die Sie das Kennzeichen nicht setzen, verwendet das System die Rüstzeit aus dem Modus, nicht aus der Rüstmatrix, d.h. die Dauer der Rüstaktivität ist konstant und hängt nicht von der Reihenfolge ab.
Die Vorgabe der Starttermine für alle Planungsfunktionen in der Feinplanungsplantafel erfolgt nicht mehr auf Basis des Starttermins des Vorgangs, sondern ebenfalls auf Basis des Starttermins der Bearbeitungsaktivität. Zur visuellen Unterstützung dieser Funktion gibt es ein neues Plantafelprofil. Mit Hilfe des neuen Profils werden in der Feinplanungsplantafel im Phantomobjekt nur noch die reihenfolgeabhängigen Aktivitäten angezeigt.
Die Bestimmung des Einfügezeitpunkts beim Planungsmodus Vorgang einfügen
erfolgt ebenfalls auf Basis des Starttermins der Bearbeitungsaktivität. Wenn Sie den Planungsmodus Vorgang einfügen
verwenden, muss das System den Starttermin der Bearbeitungsaktivität des Vorgangs, den Sie umplanen wollen, vor den Starttermin der Bearbeitungsaktivität legen, die nach dem Einfügen hinter dem umgeplanten Vorgang liegen soll.
Die Rüstlogik zur Ermittlung der reihenfolgeabhängigen Aktivitäten basiert auf zwei Prinzipien:
Die Reihenfolge der Vorgänge richtet sich nur nach den Startterminen der Bearbeitungsaktivitäten. Die Rüstaktivitäten spielen bei der Planung nur eine untergeordnete Rolle.
Eine Umplanung soll die Planungssituation so wenig wie möglich ändern. Wenn sich z.B. der Vorgänger eines Vorgangs ändert, soll der Vorgang nach Möglichkeit nicht umgeplant werden, sondern nur die Rüstzeit neu ermittelt werden.
Zusätzlich gibt es Regeln, wie sich die Terminierung in den verschiedenen Planungssituationen verhalten soll:
Sortierung nach Starttermin, Rüst-ID und Aktivitäts-ID
Die Reihenfolge der Bearbeitungsaktivitäten auf einer Ressource ist eindeutig durch die Sortierung nach Starttermin, Rüst-ID und Aktivitäts-ID festgelegt. Selbst bei zeitgleichen Bearbeitungsaktivitäten kann das System die Reihenfolge anhand dieser Kriterien eindeutig bestimmen.
Die Rüst-ID und die Aktivitäts-ID sind interne Bezeichner, die vom Anwender nicht angezeigt werden können. Da zeitgleich startende Bearbeitungsaktivitäten nur durch eine infinite Planung entstehen können und bei infiniter Planung die Dauer der reihenfolgeabhängigen Rüstaktivitäten aufgrund der zufälligen Reihenfolge der Bearbeitungsaktivitäten nicht aussagekräftig ist, führen die internen Sortierkriterien zu keiner Verschlechterung der Situation, sondern zu größerer Stabilität.
Einplanung reihenfogeabhängiger Rüstaktivitäten auch in der Vergangenheit
Reihenfolgeabhängige Rüstaktivitäten dürfen bei infiniter Planung in die Vergangenheit geplant werden, d.h. der Starttermin der Rüstaktivität kann vor dem Tagesdatum liegen. Der Endtermin muss jedoch mindestens mit dem Tagesdatum zusammenfallen. Damit ist das Tagesdatum der früheste Starttermin einer Bearbeitungsaktivität. Wenn keine Constraint-Verletzungen vorliegen, muss der Termin nicht geändert werden.
Der Starttermin einer Rüstaktivität, der aufgrund eine Änderung des Vorgängers neu ermittelt wird, kann sowohl mit infiniter als auch mit finiter Planung so eingeplant werden, dass das Tagesdatum nicht berücksichtigt wird. Dadurch soll verhindert werden, dass neben dem umgeplanten Vorgang auch der Vorgang umgeplant wird, dessen Rüstzeit sich entsprechend der neuen Reihenfolge verändert hat.
Umgeplante Vorgänge werden bei der finiten Planung so eingeplant, dass ihr Starttermin frühestens auf dem Tagesdatum liegt.
Berücksichtigung des Planungshorizonts
Der Beginn des Planungshorizonts wird bei der Einplanung genau so behandelt wie das Tagesdatum:
Reihenfolgeabhängige Rüstaktivitäten können bei der infiniten Planung vor dem Beginn des Planungshorizonts liegen, müssen aber spätestens zu Beginn des Planungshorizonts enden.
Vom Vorgänger abhängige Rüstaktivitäten können sowohl bei infiniter als auch bei finiter Planung den Starttermin des Planungshorizonts verletzen.
Umgeplante Vorgänge werden bei finiter Planung unter Berücksichtigung des Starttermins des Planungshorizonts eingeplant.
Berücksichtigung des Fixierungsintervalls
Vorgänge, die in einem Fixierungsintervall liegen, dürfen nicht umgeplant werden. Für die Zugehörigkeit eines Vorgangs zu einem Fixierungsintervall gilt die Regel, dass ein Vorgang genau dann in einem Fixierungsintervall liegt, wenn seine Bearbeitungsaktivität in einem Fixierungsintervall liegt. Das bedeutet, dass ein Vorgang, dessen Rüstaktivität im Fixierungsintervall beginnt und nach dem Fixierungsintervall endet, umgeplant werden kann.
Das Ende des Fixierungsintervalls wird bei der Einplanung genau so behandelt wie das Tagesdatum:
Reihenfolgeabhängige Rüstaktivitäten können bei infiniter Planung vor dem Ende des Fixierungsintervalls liegen, müssen aber spätestens am Ende des Fixierungsintervalls enden.
Vom Vorgänger abhängige Rüstaktivitäten können sowohl bei infiniter als auch bei finiter Planung das Ende des Fixierungsintervalls verletzen.
Umgeplante Vorgänge werden bei finiter Planung unter Berücksichtigung des Endes des Fixierungsintervalls eingeplant.
Überlappung von Vorgängen auch bei finiter Planung
Das System lässt auch bei finiter Planung die Überlappung einer Rüstaktivität mit der Bearbeitungsaktivität des Vorgängers zu, wenn sich durch die Umplanung eines Vorgangs eine neue Rüstzeit ergibt, die höher ist als die geplante Zeitdauer des Vorgangs, der umgeplant wurde.
Beispiel
Die Vorgänge A, B, C und D sind lückenlos nacheinander eingeplant.
Rüsten A = 10 min
Bearbeiten A = 10 min
Rüsten B = 10 min
Bearbeiten B = 15 min
Rüsten C = 5 min
Bearbeiten C = 25 min
Rüsten D = 10 min
Bearbeiten D = 15 min
Der Vorgang B wird anschließend ausgeplant. Das System muss nun die Rüstzeit für C neu ermitteln, da sich die Reihenfolge (A bis C) geändert hat. Das Umrüsten von A nach C dauert gemäß Rüstmatrix 40 Minuten. Da sich der Starttermin der Bearbeitungsaktivität von C nicht ändert und die neue Rüstzeit länger ist als der ursprünglich eingeplante Vorgang B, kommt es zwischen der Rüstaktivität von Vorgang C und der Bearbeitungsaktivität von Vorgang A zu einer Überlappung von 10 Minuten.
Das Vorgehen des Systems wird anhand folgender Grafik verdeutlicht:
