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Objektdokumentation Datenmodellierung: Kennzahlenmodell und Kontenmodell  Dokument im Navigationsbaum lokalisieren

Definition

Sie können ein Planungsprojekt in BW-BPS mit zwei unterschiedlichen Modellierungsstrategien angehen. Um Ihnen diese Strategien im Sinne eines Datenmodells zu vergegenständlichen, ist im Folgenden die Rede vom

·        Kennzahlenmodell.

·        Kontenmodell.

Achtung

Die Überlegungen für Ihr gesamtes Vorgehen bzgl. der Datenmodellierung müssen Sie bereits bei der Erstellung eines InfoCubes anstellen.

Zunächst wird Ihnen anhand eines einfachen Beispiels dargestellt, wie die Begriffe Kennzahl- und Kontenmodell definiert sind.

Beispiel

Sie wollen einem Merkmal (Produkt P1) mehrere Kennzahlen (Verkaufspreis, Herstellerpreis, Mittlerer Preis) zuordnen, deren Einheiten (Währung EUR) identisch sind.

Die Modellierungsmöglichkeit Kennzahlmodell enthält in alle Kennzahlen in einem Datensatz:

Produkt

Verkaufspreis

Herstellerpreis

Mittlerer Preis

P1

100

50

75

Im Kontenmodell hingegen existiert ein von Ihnen eingefügtes neues Merkmal, das die Kennzahlen (hier: Preistypen) innerhalb eines Datensatzes trennt und über das Sie festlegen können, welches Kennzahl geplant wird.

Produkt

Preistyp

Preis

P1

Verkaufspreis

100

P1

Herstellerpreis

50

P1

Mittlerer Preis

75

Verwendung

Sie sollten das Kennzahlenmodell verwenden, wenn

...

...

       1.      Sie mit einer beschränkten und vor allem konstanten Anzahl von Kennzahlen hantieren und

       2.      jede oder zumindest ein großer Anteil dieser Kennzahlen eines Datensatzes auch in den anderen Datensätzen verwendet wird.

Sie sollten das Kontenmodell verwenden, wenn

...

       1.      Sie mit einer hohen und vor allem wechselnden Anzahl von Kennzahlen hantieren und

       2.      hierbei im Kennzahlenmodell die meisten Kennzahlen innerhalb eines Datensatzes leer wären.

Hinweis

Wenn Ihr Planungsprojekt dies erfordert, können sie natürlich auch verschiedene Datenmodelle in verschiedenen InfoCubes verwenden. In diesem Fall können Sie Daten von einem Datenmodell in ein anderes z.B. über den Einsatz von FOX-Formeln konvertieren bzw. transferieren, die eine Zuordnung der jeweiligen Kombinationen vornimmt.

Generell gilt: Ein nachträgliches Umstellen des Datenmodells (von Kennzahlenmodell auf Kontenmodell und umgekehrt) stellt für Sie einen hohen Aufwand dar. Stattdessen bietet sich das Anlegen eines neuen InfoCubes an.

Das Hinzufügen eines weiteren Preistyps (siehe Beispiel oben) ist im Kontenmodell einfach zu realisieren, da die Datenstruktur nicht geändert werden muss. Im Kennzahlenmodell hingegen muss der Struktur eine weitere Kennzahl hinzugefügt werden. Inwieweit dieser Unterschied als Vor- oder als Nachteil zu werten ist, hängt wesentlich von der Häufigkeit ab, mit der Änderungen zu erwarten sind.

Performance & benötigte Speicherkapazität

Die Bewegungsdaten sind im BW-System abgelegt. Untersuchungen haben ergeben, dass die Lesezeit wesentlich von der Anzahl und nicht von der Größe der Datensätze abhängt. Bereits im obigen Beispiel ist zu erkennen, dass sich durch einen Wechsel vom Kennzahlen- zum Kontenmodell die Anzahl der Datensätze um den Faktor 3 erhöht und somit längere Lesezeiten zu erwarten sind.

Bei der Bestimmung des Faktors ist zu berücksichtigen, dass in aller Regel im Kennzahlenmodell nicht alle Kennzahlen in jedem Datensatz verwendet werden. Dies hat zu Folge, dass bei einem Wechsel zum Kontenmodell nur diejenigen Datensätze erzeugt werden, deren Kennzahlen von ungleich Null sind.

Beispiel

Wenn im obigen Beispiel die Kennzahl Verkaufspreis nicht verwendet wird, so werden nur zwei Datensätze erzeugt und somit verringert sich der Wert des Faktors ebenfalls auf 2.

Die Bewegungsdaten werden nach dem Auslesen aus dem BW-System im Arbeitsspeicher des Applikationsservers abgelegt. Die Menge des benötigten Speichers hängt unter anderem von der Anzahl als auch von der Länge der Datensätze ab. Die Länge kann wie beschrieben durch die Wahl des Datenmodells beeinflusst werden: im Kennzahlenmodell sind die Datensätze länger als im Kontenmodell und verbrauchen daher mehr Speicher pro Datensatz. Je nach Verhältnis der Datensatzlänge und -anzahl wird daher das Kennzahlen- oder das Kontenmodell weniger Speicher belegen.

Bei einer Änderung des Datenmodells müssen auch die Planungsfunktionen überarbeitet werden. Je nach Art der Berechnung können sich hier Vorteile für eines der Modelle ergeben.

Hinweis

Weitere Informationen zur Prognose des benötigten Speichers finden Sie im SAP-Hinweis 407563.

Direkter Vergleich von Kennzahlenmodell und Kontenmodell

Die folgende Tabelle zeigt Ihnen die Vor- und Nachteile des jeweiligen Datenmodells auf.

Kennzahlenmodell

PRO

CONTRA

·        Anlegen von Kennzahlen zur gezielten Verwendung

·        Während der Konfiguration müssen Sie sich keine Gedanken über einen möglichen Bezug einer Kennzahl zu Merkmalsausprägungen machen.

·        Der Aufbau des Planungslayouts gestaltet sich leicht.

·        Formeln sind eher einfach.

·        Für jede Konten- und Summierungsebene wird eine eigene Kennzahl benötigt.

·        Das Anlegen und Löschen von Kennzahlen in einem geladenen InfoCube geschieht schwerfällig.

·        Keine Verwendung von Auswahlvariablen in BEx und BW-BPS.

·        BEx Queries können weniger flexibel gestaltet werden.

·        Mögliche Performance-Einbußen durch größere Datensätze in Datenbanktabellen und Planungspuffer.

Kontenmodell

PRO

CONTRA

·        Weniger Kennzahlen im InfoCube, weniger Spalten im Flat File.

·        Vorteile durch Merkmalshierarchien.

·        Einfachere Konfiguration, Sie fügen einfach einen Hierarchieknoten hinzu.

·        Verwendung von Auswahlvariablen in BEx und BW-BPS

·        BEx Queries können flexibel gestaltet werden.

·        Kontenstammdaten aus Kundendaten müssen eingegeben werden.

·        Planungslayouts in der Manuellen Planung müssen Hierarchien enthalten, um Kontenmerkmale in der Schlüsselspalte in einer bestimmten Reihenfolge zu halten. Mitunter müssen übermäßig lange Hierarchien eingegeben werden. Verständnis des Konzepts der InfoObjekt-Hierarchien ist nötig.

·        Sie erhalten in Planungslayouts auf jeden Fall Untersummen, außer Sie deaktivieren Summieren.

·        Mögliche Performance-Einbußen durch mehr Datensätze in Datenbanktabellen und Planungspuffer.

Datenfluss

Sie können Multi-Planungsgebiete für Datentransfer und -Konvertierung von einem InfoCube in einen anderen und zurück verwenden. Hierbei stellen unterschiedliche Datenmodelle (Kennzahlenmodell, Kontenmodell) kein Hindernis dar. Weitere Informationen finden Sie unter Multi-Planungsgebiet.

 

Siehe auch:

Architektur & Systemlandschaft (BW-BPS)

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