
Entkopplung der Geschäftssemantik von der Implementierung
Wären die unterschiedlichen Teile einer systemübergreifenden Geschäftsanwendung und deren Interaktionen auf den einzelnen Systemen des Prozesses "fest programmiert", dann würde jede Änderung an der technischen Implementierung (zum Beispiel eine geänderte Server-Adresse) eine Änderung des gesamten Geschäftsprozesses nach sich ziehen. Dies ist zeitaufwendig, fehleranfällig, und unangemessen für komplexe Geschäftsprozesse und große Systemlandschaften. Deshalb ist es ein grundlegendes Prinzip von SAP NetWeaver PI die Geschäftssemantik von den technischen Details der konkreten Systemlandschaft zu entkoppeln. Die Geschäftssemantik ist zum Beispiel der Geschäftsablauf eines Prozesses und seine Aufteilung in einzelne Prozesskomponenten, sowie die Struktur der ausgetauschten Daten. Diese Aspekte eines Geschäftsprozesses sind eher durch Geschäftsüberlegungen bestimmt als durch Einzelheiten der Implementierung oder der konkreten Systemlandschaft.
Design-Zeit, Konfigurationszeit und Laufzeit
Aufgrund dieser Entkopplung ist es möglich die integrationsrelevanten Aspekte eines Geschäftsprozesses zuerst auf einer abstrakten Ebene zu beschreiben - unabhängig von den Details einer bestimmten Systemlandschaft. Diese Phase eines Integrationsprojekts wird als Design-Zeit bezeichnet. Mit anderen Worten, zur Design-Zeit können Sie ein Integrationsszenario unabhängig jeglicher technischer Details beschreiben, die für die Implementierung oder die Systemlandschaft relevant sind.
In einer späteren Phase - der Konfigurationszeit - wird das Integrationsszenario konfiguriert, um in einer bestimmten Systemlandschaft betrieben zu werden. Vielleicht möchten Sie ein und dasselbe Integrationsszenario in vollständig unterschiedlichen Systemlandschaften deployen. Zum Beispiel haben Sie in einen Fall ein Integrationsszenario zur Materialverwaltung, das nur wenige Systeme in einem mittleren Unternehmen umspannt, während sich in einem anderen Fall das gleiche Integrationsszenario über einige hundert Systeme in verschiedenen Abteilungen eines Großunternehmens spannt. Das gleiche Szenario führt in diesem Fall die gleiche Geschäftslogik aus – nur in einer anderen Größenordnung. Das Szenario wird schließlich zur Laufzeit ausgeführt und kann von einem Administrator überwacht werden.
Die folgende Grafik veranschaulicht die Beziehung zwischen Design-Zeit und Konfigurationszeit:

Die Grafik zeigt beispielhaft die Systeme der tatsächlichen Systemlandschaft, in denen die Geschäftslogik der Prozesskomponenten 1 und 2 implementiert ist. Prozesskomponente 1 ist deployt auf den Systemen 1a und 1b, während Prozesskomponente 2 auf den Systemen 2a, 2b und 2c deployt ist. Als Ergebnis wird die Kommunikation zwischen zwei Prozesskomponenten zur Laufzeit auf die Kommunikation zwischen den genannten Systemen heruntergebrochen, während die Kommunikation durch die Laufzeit von SAP NetWeaver PI vermittelt wird.
Die drei hier eingeführten Phasen können als die Phasen eines Integrationsprojekt betrachtet werden.
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