
Der SAP Web Dispatcher benötigt zum Lastausgleich zwischen den Applikationsservern die Information, wie leistungsfähig der Server ist, um ihn im Vergleich mit den anderen richtig auszulasten.
Jeder Applikationsserver hat für jeden von ihm angebotenen Service (ABAP, Java) einen Kapazitätswert. Sie können diese Werte über das Web-Interface des Message-Servers anzeigen. Die Zahl hinter DIA= bzw. LB= gibt den Kapazitätswert für ABAP bzw. Java an. Die Zahl entspricht im ABAP-Fall der Anzahl der konfigurierten Dialog-Workprozesse, im Java-Fall der Anzahl der konfigurierten Server-Knoten.
Der Web Dispatcher nimmt in der Standardeinstellung als Kapazität dieses Applikationsservers das Maximum der beiden Werte. Bietet der Server nur ABAP oder nur Java, verwendet der Web Dispatcher die entsprechende Kapazität.
Die Kapazität dient als Schätzwert für die tatsächliche „Stärke“ eines Applikationsservers. Je nach Anwendung spielen hier CPU-Zahl, Taktfrequenz, Cache-Größen oder andere Merkmale eine Rolle. Da davon ausgegangen wird, dass auf stärkeren Maschinen mehr Dialog-Workprozesse bzw. Serverknoten konfiguriert werden, kann diese Zahl als grober Richtwert dienen. Die „virtuelle Load“ (Load-Faktor) basiert auf diesem statischen Schätzwert und ist daher ebenso nur ein grober Anhaltspunkt.
Weitere Informationen: Serverauswahl und Lastausgleich durch den SAP Web Dispatcher
Unter Hochlast sorgen die dynamischen Elemente des Lastausgleichs ( ping-Zeiten, Momentanwert der Anzahl offenen Requests etc.) für eine genaue Berücksichtigung der tatsächlichen Last, sodass dann der statische Kapazitätswert an Bedeutung verliert.
Welche Kapazität der SAP Web Dispatcher für den Lastausgleich verwendet, sehen Sie in der Web-Administrations-Oberfläche unter Monitor Server Groups in der Spalte Capacity. Sie können hier den Kapazitätswert auch mit der rechten Maustaste überschreiben. Die Änderungen gehen aber beim Neustart des SAP Web Dispatchers verloren.
Sie können den Kapazitätswert auch dauerhaft überschreiben, indem Sie den Profilparameter wdisp/server_ <xx> im Profil des SAP Web Dispatchers setzen. Er hat die folgende Syntax:
wdisp/server_<xx>= NAME=<name>, [LBA=<ABAP_capacity> | LBJ=<Java_capacity>], ACTIVE=<0|1>
Die Optionen haben folgende Bedeutung.
<name> : der Instanz-Name (nicht der Hostname!)
Bei der Kapazität wird zwischen ABAP und Java unterschieden. Die ABAP-Kapazität wird mit der Option LBA angegeben, die Java-Kapazität mit LBJ. Bei einer Dual-Stack-Instanz können Sie also diese Kapazitäten getrennt festlegen (siehe Beispiel unten).
Die ACTIVE-Option legt fest, ob der Applikationsserver am Lastausgleich teilnimmt oder nicht. Ist ACTIVE=0 gesetzt, bekommt der Server gar keine Requests. Standardmäßig (wenn die Option nicht gesetzt ist) nimmt der Server am Lastausgleich teil.
<xx> sind von 0 aufsteigende Nummern (vgl. Generische Profilparameter mit der Endung _<xx>)
wdisp/server_0 = NAME=binmain_BIN_53, LBA=23
wdisp/server_1 = NAME=binmain_BIN_53, LBJ=12
wdisp/server_2 = NAME=myserv_1, LBA=11
Im Normalfall ist die vom System ermittelte Kapazität, die auf den Informationen vom Message-Server basiert, für den Betrieb ideal.
Überschreiben Sie die vom System ermittelte Kapazität nur, wenn Sie zuvor im laufenden Betrieb Schwächen festgestellt haben, die Sie damit korrigieren.