Kapazitätsbasierte Kanbanberechnung bei Eigenfertigung 
Sie können im Fall von Eigenfertigung bei der automatischen Kanbanberechnung die verfügbare Kapazität von kritischen Arbeitsplätzen berücksichtigen.
Die Berücksichtigung der Kapazität von kritischen Arbeitsplätzen steht für alle Eigenfertigungsstrategien zur Verfügung, die Plan- oder Fertigungsaufträge als Nachschubelemente verwenden. Folgende Steuerungsarten stehen zur Verfügung :
Abwicklung mit Planaufträgen und Kostensammler
Abwicklung mit Fertigungsaufträgen
Abwicklung mit Planaufträgen/ Vorplanung mit MRP
Abwicklung mit Fertigungsaufträgen/ Vorplanung mit MRP
Sie haben im Kanban-Customizing in der Customizing-Aktivität Eigenfertigungsstrategien festlegen das Kennzeichen Kapazitätssituation berücksichtigen gesetzt. Mit diesem Kennzeichen aktivieren Sie diese Funktion. Das System blendet dann das Register Kapazitätsbetrachtung in der Regelkreispflege ein.
Sie habenin der Regelkreispflege im Register Kanbanberechnung die Berechnungsart 1 ( Berechnung der Anzahl Kanbans) eingestellt.
Sie haben in der Regelkreispflege im Register Kapazitätsbetrachtung einen Planungsarbeitsplatz angegeben.
Der Planungsarbeitsplatz ist der kritische Arbeitsplatz, für den das System eine Kapazitätsbetrachtung durchführen soll. Der Planungsarbeitsplatz muss in den verwendeten Arbeitsplänen der zu planenden Materialien enthalten sein.
Sie haben der Regelkreispflege im Register Kapazitätsbetrachtung ggf. eine Trigger-Gruppe angegeben.
Eine Trigger-Gruppe ist eine Gruppe von Regelkreisen für gleichartige Materialien, die gemeinsam auf einem Planungsarbeitsplatz produziert werden und dabei den gleichen Rüstzustand erfordern. Durch Verwendung von Trigger-Gruppen können Sie gleichartige Materialien zusammenfassen und dadurch gemeinsam produzieren. Das System sieht dann bei der kapazitätsbasierten Kanbanberechnung bei einem Materialwechsel innerhalb einer Trigger-Gruppe keine Rüstzeiten vor.
Mit der kapazitätsbasierten Kanbanberechnung können Sie im Falle der Eigenfertigung die verfügbare Kapazität von Engpassarbeitsplätzen berücksichtigen. Wenn Sie diese Funktion nicht einsetzen, geht das System bei der Kanbanberechnung immer davon aus, dass bei den benötigten Arbeitsplätzen infinite Kapazitäten zur Verfügung stehen.
Das System führt bei der Kanbanberechnung nun zusätzlich folgende Schritte aus:
Das System berechnet die Kapazitätsbedarfe für alle Regelkreise, die die verfügbare Kapazität des gleichen Arbeitsplatzes (Planungsarbeitsplatzes) verbrauchen.
Das System prüft, ob die verfügbare Kapazität ausreicht, um die geplante Produktionsmenge herzustellen.
Das System berechnet Trigger-Punkte für die einzelnen Regelkreise oder für bestimmte Gruppen von Regelkreisen, mit dem Ziel die Rüstzeiten zu reduzieren.
Der Trigger-Punkt gibt an, wie viel Kanbans zunächst verbraucht werden müssen, bevor die Wiederbeschaffung angestoßen wird. Die verbrauchten Kanban-Behälter werden automatisch in den Status Wartet gesetzt. Wenn der Trigger-Punkt erreicht ist, setzt das System automatisch die wartenden Kanban-Behälter auf leer. Die Verwendung des Trigger-Punktes bietet folgende Vorteile:
Normalerweise werden die Kanban-Behälter einzeln leer gesetzt, so dass die Nachschubsignale alle einzeln in beliebiger Reihenfolge bei der Quelle eintreffen. Dies führt zu einer großen Anzahl kleiner Lose und dem damit verbundenen häufigen Umrüsten. Sie können nun die Rüstzeiten reduzieren, indem Sie festlegen, dass das System die einzelnen Behälter, deren Inhalt Sie verbraucht haben, zunächst auf Wartet setzt. Erst wenn die Anzahl der Behälter mit dem Status Wartet den Trigger-Punkt erreicht hat, setzt das System diese Behälter automatisch auf Leer und stößt damit die Wiederbeschaffung an.Die Quelle kann dann die Materialien gemeinsam produzieren. Dies führt zu einer verbesserten Kapazitätsauslastung.
Für alle Regelkreise, die zu einer Trigger-Gruppe gehören, berechnet das System den gleichen Trigger-Punkt.
Nach der Kanbanberechnung können Sie die Berechnungsergebnisse in der Transaktion Prüfen Vorschlag (PK08N) überprüfen. Die Berechnungsergebnisse können Sie anzeigen, indem Sie die Drucktaste Details Berechnung wählen. Für die kapazitätsbasierte Kanbanberechnung sind folgende Ergebnisse relevant:
Neuer Trigger-Punkt eines Regelkreises
Das System hat den neuen Wert des Trigger-Punktes berechnet, den dieser künftig im Regelkreis haben soll.
Sie können die Funktion Übernehmen benutzen, um den Wert aus der letzten Kanbanberechnung zu übernehmen. Sie können hier aber auch einen neuen Wert für den Trigger-Punktes manuell eingeben.
Anzahl Kanbans durch Kapazitätspuffer
Zusätzlich zum Trigger-Punkt hat das System die Anzahl der Kanban-Behälter berechnet, die als Kapazitätspuffers benötigt werden, um den Zeitraum, bis der Nachschub angestoßen wird, mit genügend Material überbrücken zu können. Immer wenn Sie die Kanbanberechnung durchführen, passt das System den Kapazitätspuffer an.
Das System berechnet den Kapazitätspuffer gemäß folgender Formel:
Kapazitätspuffer der Triggergruppe = Trigger-Punkt – 1
Wenn Sie eine Trigger-Gruppe einsetzen, dann hat jedes Material der Trigger-Gruppe den gleichen Trigger-Punkt. Die Anzahl Kanban-Behälter, die den Kapazitätspuffer bilden, wird dann auf die Materialien der Trigger-Gruppe verteilt.
Beispiel
Eine Trigger-Gruppe besteht aus den Materialien A1, A2 und A3. Die Bedarfe verteilen sich folgendermaßen A1: 50%, A2: 25%, A3: 25%.
Das System hat 5 Kanban-Behälter als Trigger-Punkt ermittelt. Der Kapazitätspuffer beträgt 4 Behälter, die das System folgendermaßen aufteilt:
A1: 2 Behälter
A2: 1 Behälter
A3: 1 Behälter
Kapazitätsauslastung (Gesamt)
Sie können die gesamte Kapazitätsauslastung des Planungsarbeitsplatzes anzeigen, die das System bei der letzten Kanbanberechnung ermittelt hat.
Die gesamte Kapazitätsauslastung ergibt sich aus der Auslastung durch das Rüsten und durch das Produzieren.
Kapazitätsauslastung (Rüsten)
Zusätzlich wird die Kapazitätsauslastung des Planungsarbeitsplatzes aufgrund des Rüstens angezeigt.
Kapazitätsauslastung (Produktion)
Zusätzlich wird die Kapazitätsauslastung des Planungsarbeitsplatzes aufgrund des Produzierens angezeigt.