Schritte der Aggregation 
Da die Reihenfolge der Berechnungen in der Analytic Engine für ein klares und richtiges Ergebnis entscheidend ist, beginnt der OLAP-Prozessor stets mit der Standardaggregation bis zu dem festgelegten Detailgrad und führt anschließend die Ausnahmeaggregation durch. Die folgende Grafik gibt einen Überblick über die Reihenfolge der Aggregationsberechnungen im BW-System:

Es gibt zwei Steuerungsprogramme (Agenten) im Aggregationsprozess. Das eine ist für die Aggregation der Kennzahlen zuständig, das andere für die Aggregation und Behandlung der Währungen und Einheiten. Das System geht bei der Abarbeitung der Aggregationsberechnungen wie folgt vor:
Zuerst wird die Standardaggregation, also das Aggregationsverhalten einer Basiskennzahl, ausgeführt. Mögliche Aggregationsarten sind Summation (SUM), Minimum (MIN) und Maximum (MAX). Währungen und Einheiten werden hier nicht aggregiert.
Als zweiter Schritt erfolgt die Umrechnung der Währungen und Einheiten der Dateneinträge in die Zielwährung bzw. —einheit durch den Währungs- und Einheitenagenten, sofern dies in der Querydefinition eingestellt worden ist (siehe Währungsumrechnung).
Nach der Umrechnung folgt als dritter Schritt die Aggregation über die Währungen bzw. Einheiten, die zur Standardaggregation gehören. Hierbei handelt es sich um eine weitere Standardaggregation der Kennzahlen mit Sonderbehandlung von Währungen bzw. Einheiten.
Hinweis
Alle folgenden Aggregationen (und Formelrechnungen) führen diese Sonderbehandlung der Währungen und Einheiten ebenfalls durch. Wenn für das Ergebnis der Aggregation keine eindeutige Währung oder Einheit ermittelt werden kann, gibt das System ein '*' anstelle der Währung bzw. Einheit aus (siehe Währungsaggregation).
Als vierter Schritt folgt die Aggregation eingeschränkter oder berechneter Kennzahlen über ein oder mehrere ausgewählte Merkmale (Ausnahmeaggregation). Als Ausnahmeaggregationsarten stehen Ihnen Summation (Standard), Minimum, Maximum, Durchschnitt, erster Wert, letzter Wert, keine Aggregation, Zähler, Standardabweichung und Varianz zur Verfügung.
Hinweis
Sie können die Ausnahmeaggregation auch in der SAP HANA Datenbank bzw. auf den im SAP NetWeaver Business Warehouse Accelerator indizierten Daten im BWA berechnen lassen (siehe Query-Eigenschaften, Abschnitt Operationen in SAP HANA/ BWA).
Da mit der Ausnahmeaggregation ein weiterer Aggregationsschritt ausgeführt wird, müssen auch Währungen und Einheiten erneut aggregiert werden. Dies ist jedoch kein separater Schritt wie bei der Standardaggregation, sondern wird im Zuge der Ausnahmeaggregation ausgeführt. Der Aggregationsagent kommuniziert während der Aggregation mit dem Währungs- und Einheitenagenten.
Nachdem die Zahlen vollständig aggregiert worden sind, folgt die Formelrechnung.
Von dieser Regel gibt es folgende Ausnahmen:
Für die Kennzahl wurde als Berechnungszeitpunkt ausgewählt, dass die Berechnung der Formel vor der Aggregation stattfinden soll.
Es wird eine Formelvariable verwendet mit Ersetzung aus dem Wert eines Attributs in einer berechneten Kennzahl.
Hinweis
Siehe Eigenschaften der Selektion/Formel/Zelle, Registerkarte Aggregation.
Im Zuge der Formelrechnung (ebenso wie bei der Ausnahmeaggregation) berechnet der Währungs- und Einheitenagent die Währungen oder Einheiten der Operanden.
Zum Schluss wird die Formelausnahmeaggregation ausgeführt, also die Ausnahmeaggregation auf dem Ergebnis der Formelrechnung. Im Zuge der Formelausnahmeaggregation aggregiert der Währungs- und Einheitenagent die Währungen oder Einheiten.
Beachten Sie, dass auch in Fällen, in denen das Bezugsmerkmal nicht explizit in der Query enthalten ist, implizit dennoch eine Aggregation unter Berücksichtigung der Bezugsmerkmals ausgeführt wird. Anders ausgedrückt, aggregiert die Standardaggregation nicht über die Bezugsmerkmale der später auszuführenden Ausnahmeaggregation.
Das System liest also die Werte auf der Ebene des Bezugsmerkmals aus dem zugrundeliegenden InfoProvider der Query. Aufgrund dieses wachsenden Detailgrades, insbesondere wenn Sie Bezugsmerkmale mit einer großen Anzahl verschiedener Merkmalswerte (Instanzen) verwenden, kann das System sehr große Datenmengen an den OLAP-Prozessor zur weiteren Bearbeitung liefern. Auch wenn das am Frontend letztendlich dargestellte Datenvolumen recht klein wäre, kann das Datenvolumen, das dafür gelesen werden muss, sehr groß sein.
Beispiel
Das Bezugsmerkmal 0BPARTNER wird in der Ausnahmeaggregation einer berechneten Kennzahl verwendet. 2.000.000 verschiedene Merkmalswerte von 0BPARTNER werden für den Filter der Query herangezogen. Dementsprechend werden mindestens 2.000.000 Datensätze an den OLAP-Prozessor weitergeleitet.
Das folgende Beispiel veranschaulicht, inwiefern die Reihenfolge, in der die Werte berechnet werden, das Ergebnis in der Query beeinflusst.
Dem Beispiel liegen folgende Daten zugrunde:
Land |
Kunde |
Monat |
Nettoumsatz |
|---|---|---|---|
US |
Peter |
Januar |
100 $ |
US |
Andi |
Februar |
50 $ |
DE |
Peter |
März |
70 $ |
DE |
Stefan |
Januar |
30 $ |
DE |
Andi |
März |
20 $ |
Hinweis
Die Daten könnten in einer viel feineren Granularität vorliegen. Man kann diese Beispieldaten daher als bereits bis zu dem feinsten, in der Query benötigten Detailgrad aggregierte Daten auffassen.
Die folgende Tabelle zeigt eine Query zu diesen Beispieldaten mit vier aggregierten Kennzahlen im Aufriss:
Land |
Nettoumsatz |
Zahl der Kunden |
Durchschnittsumsatz pro Kunde (AVG) |
Zahl der Kunden im Januar |
|---|---|---|---|---|
DE |
120 $ |
3 |
40 $ |
1 |
US |
150 $ |
2 |
75 $ |
1 |
Summe |
270 $ |
3 |
90 $ |
2 |
Nettoumatz: Dies ist eine Basiskennzahl mit Standardaggregation SUM, so dass in der Summenzeile die Summe ausgegeben wird. Mit Bezug auf die Beispieldaten ist es die Summe aller Nettoumsätze ohne Rücksicht auf irgeneinen Merkmalswert.
Zahl der Kunden: Dies ist eine Kennzahl mit Ausnahmeaggregation CNT. Um das richtige Ergebnis in der Summenzeile auszugeben, muss das System die Werte des Merkmals Kunde berücksichtigen. Da die Kunden “Peter” und “Andi” sowohl im Land “US” als auch im Land “DE” vorhanden sind, muss die Spalte Kunde ausgewertet werden, um die Zahl der Kunden richtig zu bestimmen.
Durchschnittsumsatz pro Kunde (AVG): Dies ist eine berechnete Kennzahl. Die Formel ist definiert als Division des Nettoumsatzes duch die Zahl der Kunden. Hierfür ist es wichtig, das die Formel auf der richtigen Teilsumme gerechnet wird. Die Formel muss nach der Aggregation gerechnet werden, auf der Ebene des jeweiligen Landes. In der Summenzeile sind die anderen Summen der Input.
Zahl der Kunden im Januar: Dies ist eine eingeschränkte Kennzahl. Es handelt sich um die Zahl der Kunden, jedoch eingeschränkt auf den Monat Januar. Hierfür müssen die Daten vor der Aggregation zunächst auf den Monat Januar gefiltert werden und anschließend, wie bei der Kennzahl Zahl der Kunden, unter Berücksichtigung der Werte des Merkmals Kunde ausgewertet werden.