ILM-Erweiterungen in der Datenarchivierung 
Die im Folgenden beschriebenen Funktionen sind in der Datenarchivierung nur dann verfügbar, wenn Sie im Switch Framework (Transaktion SFW5) den Schalter ILM aktiviert haben. Da ILM from SAP eine kostenpflichtige Komponente ist, setzt dies jedoch voraus, dass Sie im Besitz einer gültigen ILM-Lizenz sind.
Für die Verwendung in einem Information Lifecycle Management-Szenario wurden in der Datenarchivierung verschiedene Erweiterungen vorgenommen, die im Folgenden im Überblick beschrieben werden.
Archivadministration (Transaktion SARA)
Absprung auf ILM Store Browser
Im Einstiegsbildschirm der Archivadministration können Sie jetzt über ILM Browser direkt in den ILM Store Browser abspringen. Mit diesem Werkzeug können Sie unter anderem die Struktur eines Archive Store anzeigen und bei einer Systemstilllegung im Szenario Retention Warehouse die Daten auswählen, die Sie ins SAP NetWeaver BI hochladen möchten. Weitere Informationen siehe ILM Store Browser.
ILM-Aktionen im Schreibprogramm
In der Variantenpflege zum Schreibprogramm stehen Ihnen folgende ILM-Aktionen zur Verfügung:
Archivierung
Mit dieser Aktion können Sie Daten abgeschlossener Business-Objekte archivieren. Das System führt Archivierbarkeitsprüfungen durch, um zu prüfen, ob die Daten archiviert werden können. In dieser Hinsicht entspricht diese Funktion der Standard-Datenarchivierung, die Sie gewohnt sind. Durch die ILM-Erweiterungen wertet das System während der Schreibphase für jede Objektinstanz die IRM-Regeln aus und ermittelt so die Aufbewahrungsfrist und den Ablageort für das Objekt. Diese Informationen werden als Teil der Verwaltungsdaten in der Datenbank persistiert und später bei der Ablage mit interpretiert.
Damit das System die IRM-Regeln anwendet, müssen folgende Voraussetzungen im IRM erfüllt sein:
Das Regelwerk ist auf produktiv gesetzt.
Die Regelwerkkategorie ist als vollständig erklärt.
Hinweis
Wird während des Schreiblaufs ein Datenobjekt gefunden, für das keine Regel ermittelt werden kann, so schreibt das System für dieses Objekt einen Protokolleintrag und fährt mit dem Lauf fort.
Schnappschuss
Schnappschüsse stellen Archivierungsläufe dar, die dazu dienen, Daten aus der Datenbank zu extrahieren, diese Daten in der Datenbank aber nicht zu löschen. Das System führt neben der Berücksichtigung der Einschränkungen in der Selektionsvariante keine weiteren Prüfungen durch. Anhand dieser Option können Sie also Daten aus aktuellen, noch nicht abgeschlossenen Geschäftsvorfällen ins Archiv schreiben. Um Datenverlust auszuschließen, werden Läufe dieser Art nicht zum Löschen angeboten. Mit Schnappschuss erstellen Sie also stets redundante Kopien von Daten aus der Datenbank. Diese Funktion ist besonders bei Systemstilllegungen im Zusammenhang mit Retention Warehouse von Bedeutung.
Datenvernichtung
Die Datenvernichtung aus der Datenbank wird mit einem Archivierungsschreiblauf und einem anschließenden Löschlauf realisiert. Hierbei werden temporäre Archivdateien erzeugt, die nach Beendigung der Löschphase wieder gelöscht werden. Das Löschen dieser Dateien sowie der dateibezogenen Verwaltungsdaten erfolgt automatisch durch das System. Die Klassifizierung eines Laufs als Vernichtungslauf erfolgt technisch über den Parameter DESTROY. Falls ein Archivierungsobjekt nicht im IRM registriert ist, wird der Parameter DESTROY vollständig ignoriert und es erfolgt ein normaler Archivierungslauf.
Bei einem Datenvernichtungsprogramm werden folgende Aktionen, die das Löschprogramm normalerweise durchführt, unterbunden:
Das Archivinformationssystem wird nicht aufgebaut.
Es erfolgt kein automatischer Start von Ablagejobs.
Es erfolgt kein automatischer Start von Nachlaufjobs.
Das Ereignis SAP_ARCHIVING_DELETE_FINISHED wird nicht ausgelöst.
Die Archivdateien sind in dem Zeitraum zwischen Erzeugung und Löschphase nicht zum Ablegen auswählbar.
Umsetzung vorhandener Archivdateien für ILM
Für die Umsetzung vorhandener Archivdateien zur Verwendung in einem ILM-Umfeld gibt es die Funktion Dateiumsetzung (entspricht dem Report RSARCH_CONVERT_TO_ILM). Sie steht Ihnen aus der Archivadministration über zur Verfügung.
Bei Ausführung des Reports liest das System vorhandene Archivierungsläufe, gleicht die darin enthaltenen Datenobjekte mit den relevanten im IRM gepflegten Merkmalen ab und sortiert die Objekte entsprechend den IRM-Regeln in neue (sortenreine) Archivdateien ein. Das System wertet für jede Objektinstanz die IRM-Regeln aus und ermittelt so die Aufbewahrungsfrist und den Ablageort für das Objekt. Diese Informationen werden als Teil der Verwaltungsdaten in der Datenbank persistiert und später bei der Ablage mit interpretiert. Damit das System die IRM-Regeln anwendet, müssen folgende Voraussetzungen im IRM erfüllt sein:
Das Regelwerk ist auf produktiv gesetzt.
Die Regelwerkkategorie ist als vollständig erklärt.
In der Archivverwaltung erscheinen die aus der Umsetzung neu hervorgegangenen Läufe unter Vollständige Archivierungsläufe, die alten (umgesetzten) Läufe unter Ersetzte Archivierungsläufe. Es können nur vollständige Läufe umgesetzt werden. Damit verbleibt der neue Lauf unter Fehlerhafte Archivierungsläufe, bis die Umsetzung tatsächlich beendet ist. Bei einem Abbruch muss die Umstellung vollständig neu erfolgen.
Das Selektionsbild des Reports erlaubt die Auswahl von mehreren Archivierungsläufen. Es können nur ganze Läufe ausgewählt werden, die Auswahl einzelner Archivdateien ist nicht möglich. Bei Ausführung des Reports aus der Archivadministration ist das Archivierungsobjekt mit dem in der Transaktion SARA ausgewählten vorbelegt und nicht änderbar. Die Eingabehilfe für die Varianten des Reports im Einplanungsbild der Transaktion SARA berücksichtigt nur Varianten, die zu dem ausgewählten Archivierungsobjekt gehören. Wird die Variante ohne Eingabehilfe manuell eingetragen, erfolgt keine Prüfung, sondern es kann jede beliebige existierende Variante eingetragen werden. Sie können den Report auch über die Hintergrundverarbeitung (Transaktion SM36) einplanen; die Selektionsoptionen sind dann frei belegbar.
Läufe, die nicht zu dem Archivierungsobjekt gehören, werden aus der Auswahl entfernt (mit entsprechender Protokollierung). Sie können den Report im Testmodus oder im Produktivmodus ausführen.
Der Report verwendet das Standardprotokoll mit dem Modus “Konvertieren”, so dass Sie die Möglichkeit haben, die Protokolle in der Archivverwaltung anzusehen (sofern Sie in der Protokollausgabe Anwendungsprotokoll eingestellt haben). Statusmeldungen des Reports werden ins Joblog geschrieben. Weitere Informationen zum Umgang mit Protokollen in der Archivierung, siehe Protokolle.
Der Abbau der zugehörigen Infostrukturen im Archivinformationsystem für den umgesetzeten Lauf und der Aufbau für den neuen Lauf wird vom Report automatisch durchgeführt (jeweils für einen Lauf nach dessen erfolgreicher Umsetzung).
Archivierungsobjektübergreifendes Customizing
Im archivierungsobjektübergreifenden Customizing können Sie jetzt den Namen der HTTP-Verbindung zum XML-DAS für die WebDAV-Ablage festlegen. Die Verbindung muss in der Konfiguration der RFC-Verbindungen als HTTP-Verbindung zu einem externen Server angelegt sein (Transation SM59). Sie dient zur Ablage der Archivdateien auf dem WebDAV-Server, für den der XML-DAS konfiguriert ist.
Archivverwaltung
In der Archivverwaltung werden Läufe zur Datenvernichtung in einer separaten Kategorie aufgeführt, sobald die Löschphase beendet ist. Vorher werden sie ohne weitere Kennzeichnung unter Unvollständige Archivierungsläuf ausgegeben und sind somit auch zum Löschen auswählbar.
Auch Schnappschüsse werden in der Archivverwaltung in einer eigenen Kategorie aufgeführt.
Details zur Archivdatei
In den Details zu einer Archivdatei gibt es folgende ILM-spezifische Informationen:
Abgelegt über
Bezeichnet die Schnittstelle, über die die Archivdatei abgelegt wurde. Möglich ist ArchiveLink und WebDAV.
URI
Eine URI (Uniform Resource Identifier) im Kontext der ADK-Archivierung adressiert Ressourcen (Archivdateien) oder Kollektionen im Archive Store.
XML-DAS Verbindung
Bezeichnet den Namen der HTTP-Verbindung zum XML-DAS, über den der WebDAV–Server angebunden ist. Weitere technische Informationen können Sie über den zugehörigen i-Button aufrufen.
Ablage
Bezeichnet den Speicherbereich innerhalb eines Ablagesystems für Kollektionen und Ressourcen der XML-Archivierung.
Ablaufdatum
Bezeichnet das Ablaufdatum, das im IRM für diesen Objekttyp eingestellt ist.
Legende
Die Legende in der Archivverwaltung enthält folgende ILM-relevante Einträge:
Läufe zur Datenvernichtung
Der Lauf wurde zur Datenvernichtung erzeugt. Nach Abschluss der Löschphase wurden die entstandenen Dateien vom System automatisch gelöscht.
Schnappschüsse
Der Archivierungslauf enthält eine Kopie von Daten aus der Datenbank. Die Daten werden nicht aus der Datenbank gelöscht.
Funktionen des ABAP List Viewer
Die Archivverwaltung wird um ALV-Funktionen (ABAP List Viewer), die auch in einem ILM-Umfeld nützlich sein können, erweitert. So können Sie jetzt neben dem Vermerk weitere Eigenschaften von Archivierungsläufen anzeigen, z.B. die Kennung (ID) des Originalsystems und den Originalmandant des Systems, in dem der Lauf ursprünglich erzeugt wurde. Über Filter setzen... können Sie die anzuzeigenden Läufe nach diesen Eigenschaften filtern (das Filtern nach Vermerken ist nicht möglich). Sie können sowohl das Layout als auch den Filter benutzer- oder systemspezifisch abspeichern und als Standardeinstellung verwendet. Die Suchfunktion ist besonders nützlich, wenn Sie nach einer bestimmten Archivdatei oder einem Lauf suchen möchten.
Berechtigungen
Für die Archivierung im ILM-Umfeld wird das Berechtigungsobjekt S_RFC_ADM benötigt. Es führt eine Berechtigungsprüfung in der Transaktion SM59 und beim Aufruf von entfernten Funktionsbausteinen basierend auf der Destination durch. Die Aktionen, die unabhängig von RFC-Verbindungen sind, werden mit dem Berechtigungsobjekt S_ADMI_FCD und Feld NADM geprüft. Informationen zu den definierten Feldern sowie Beispiele für deren Verwendung finden Sie in der Systemdokumentation des Berechtigungsobjekts.