Versorgungsszenario
Im regulierten Energiemarkt wurde die Energieversorgung des Kunden durch ein Unternehmen („Das Energie-Versorgungsunternehmen“) durchgeführt. Das daraus entstehende Vertragsverhältnis wird in SAP IS-U als Vertrag des Kunden abgebildet und führt zu einem vertragsorientierten Datenmodell.
Im deregulierten Energiemarkt wird die Energieversorgung des Kunden durch das Zusammenspiel mehrerer Unternehmen durchgeführt, wobei jedem Unternehmen eine definierte Funktion im Rahmen der Versorgung zukommt. So unterscheidet man zwischen den Netzbetreibern, d. h. den Unternehmen, die das Versorgungsnetz bereitstellen, und den Lieferanten, d h. den Unternehmen, die die Energielieferung betreiben. Je nach Marktregel müssen noch weitere Funktionen im Rahmen der Energieversorgung betrachtet werden. Dies kann z. B. die Durchführung der Energiemengenbilanzierung durch den Bilanzkoordinator sein.
Mit den Funktionen des Versorgungsszenarios können Sie zu den von Ihrem System zu unterstützenden Versorgungssituationen die entsprechenden Datenmodelle definieren und diese für einen Zählpunkt automatisch aufbauen bzw. wechseln.
Das bedeutet, dass nicht der Sachbearbeiter die komplizierte und aufwändige Anpassung des Datenmodells an die veränderte Versorgungssituation des Zählpunkts vornehmen muss, sondern dass dies automatisch vom System durchgeführt wird.
In SAP IS-U werden die so an der Energieversorgung beteiligten Unternehmen als Serviceanbieter definiert und deren Funktion als Serviceart spezifiziert.
Als zentrales Objekt zum Aufbau eines die Versorgungssituation repräsentierenden Datenmodells wird in SAP IS-U der Zählpunkt verwendet. Das bedeutet, dass nicht die Versorgungssituation des Kunden, sondern die des entsprechenden Zählpunkts betrachtet wird.
Mit Bezug zum Zählpunkt werden in SAP IS-U die aus der Versorgungssituation resultierenden Vertragsverhältnisse je an der Energieversorgung beteiligtem Serviceanbieter als Vertrag (für abrechnungsrelevante Vertragsverhältnisse) bzw. als nicht abrechenbare Services (für nicht abrechnungsrelevante Vertragsverhältnisse) definiert.

Im Folgenden wird allgemein von Services gesprochen.
Für die im System zu verwaltenden Zählpunkte können im deregulierten Energiemarkt unterschiedliche Versorgungssituationen entstehen.
So können z. B. der Service der Netznutzung und der Service der Lieferung durch einen im System operierenden Serviceanbieter (den sogenannten eigenen Serviceanbietern) wahrgenommen werden. In diesem Fall müssen beide Services als abrechnungsrelevante Services (also Verträge) zu dem entsprechenden Zählpunkt definiert werden.
Wenn sich der Kunde für einen anderen Lieferanten (fremder Lieferant) entscheidet, ändert sich seine Versorgungssituation. Dies wird im SAP IS-U-Datenmodell dadurch abgebildet, dass der Vertrag zum Service der Lieferung des eigenen Lieferanten durch einen nicht abrechenbaren Service zur Lieferung für den fremden Lieferanten ersetzt wird.
Das Versorgungsszenario ermöglicht folgende Funktionen:
· Definition der zu unterstützenden Versorgungsszenarien
· Die in Ihrem System zu unterstützenden Versorgungsszenarien mit Ihren Eigenschaften können Sie im Customizing definieren.
· Datenmodell-Generierung
Ausgehend von dem zum Zählpunkt ausgewählten Versorgungsszenario können Sie mit der Datenmodell-Generierung die Stammdaten des Zählpunkts automatisch aufbauen bzw. anpassen.
Stammdaten zum Zählpunkt, die Sie mit der Datenmodell-Generierung des Versorgungsszenarios beeinflussen können:
¡ Verträge
¡ nicht abrechenbare Services (Zählpunktservices)
¡ Versorgungsanlagen
¡ Vertragskonten
Dabei führt das Versorgungsszenario folgende Aktionen durch:
¡ Aufbau des Versorgungsszenarios
¡ Anlegen der Stammdaten zum Zählpunkt, die der gewünschten Versorgungssituation entsprechen
¡ Wechsel des Versorgungsszenarios
¡ Anpassen der Stammdaten zum Zählpunkt an die veränderte Versorgungssituation
¡ Beenden des Versorgungsszenarios
¡ Beenden der Stammdaten zum Zählpunkt, die die bis dahin gültige Versorgungssituation beschrieben haben
¡ Veschieben des Beginndatums des Versorgungsszenarios
¡ Verschieben der Gültigkeit der Stammdaten zum Zählpunkt, die der Versorgungssituation entsprechen
· Datenmodell-Analyse
Die Datenmodell-Analyse analysiert die Stammdaten eines Zählpunkts, ermittelt daraus das für den Zählpunkt zutreffende Versorgungsszenario und bringt dieses zur Anzeige.
Für die Migration von Stammdaten wird keine spezielle Funktion im Rahmen des Versorgungsszenarios angeboten.
Führen Sie die Migration der Stammdaten zu einem Zählpunkt für die einzelnen Objekte (Zählpunkt, Zählpunktservice, Vertrag usw.) so durch, dass die zum Zählpunkt entstehenden Stammdaten dem gewünschten Versorgungsszenario entsprechen.
Dieser Abschnitt ist für Sie nur dann relevant, wenn die Funktion der Automatischen Servicefindung bereits in Ihrem System aktiv ist. Die Automatische Servicefindung legt nicht abrechenbare Services direkt mit der Erfassung eines Einzugs an bzw. beendet diese mit der Erfassung eines Auszugs.
Die Einstellungen zur automatischen Servicefindung befanden sich bisher im Menü der Versorgungsindustrie unter Unternehmensübergreifender Datenaustausch ® Services->Services auf Basis des Servicegebietes bzw. Unternehmensübergreifender Datenaustausch ® Services ® Services auf Basis Serviceanbieter-Beziehungen.
Mit SAP Utilities 4.71 ist die Funktion der Automatischen Servicefindung nicht mehr aktiv. Das Anlegen bzw. Beenden von nicht abrechenbaren Services zum Zählpunkt wird immer über die Funktion des Versorgungsszenarios durchgeführt (siehe Deregulierungseinstellungen)
Mit SAP Utilities 4.64 können Sie durch den sogenannten „Deregulierungsschalter“ zwischen der Funktion der Automatischen Servicefindung und der Funktion des Versorgungsszenarios wählen. Sie können nicht beide Funktionen gleichzeitig nutzen.

Nutzen Sie die Funktion der Automatischen Servicefindung nur, wenn Sie diese bereits in Ihrem Produktivsystem im Einsatz haben. Die Funktionen des Versorgungsszenarios stehen Ihnen in diesem Fall nicht zur Verfügung.