Anfang des InhaltsbereichsDiese Grafik wird im zugehörigen Text erklärtBewertung mit gleitendem Durchschnittspreis Dokument im Navigationsbaum lokalisieren

In den nachfolgenden Beispielen erfolgt eine Bestandsbewertung mit dem gleitenden Durchschnittspreis. Es wird analysiert, wie sich die Preisbildung bei Bestandsdeckung und bei Bestandsunterdeckung verhält.
Weitere Informationen über Standardpreis und gleitenden Durchschnittspreis finden Sie unter
Preissteuerung mit und ohne Material-Ledger

Problemfälle bei der Bestandsdeckung

Beispiel 1:
Bestandsdeckung bei Rechnungseingang

1. Während der laufenden Periode erfolgen mehrere Wareneingänge zu einem Material, welches mit gleitendem Durchschnittspreis bewertet wird:

Wareneingang 1: 100 Stück zu 1 DM/Stk.

Wareneingang 2: 100 Stück zu 1 DM/Stk.

Wareneingang 3: 100 Stück zu 1 DM/Stk.

Bewertungsdaten des Materials:

Bestandsmenge: 300 Stück Bestandswert: 300 DM V-Preis: 1DM

 

2. Es erfolgt ein Warenausgang dieses Materials in Höhe von 180 Stück.

Bewertungsdaten des Materials:

Bestandsmenge: 120 Stück Bestandswert: 120 DM V-Preis: 1DM

 

3. Es erfolgen die Rechnungseingänge für obige Wareneingänge, der Rechnungspreis weicht in allen drei Fällen vom Bestellpreis ab:

Rechnungseingang 1: 100 Stück zu 1,20/Stk.

Rechnungseingang 2: 100 Stück zu 1,20/Stk.

Rechnungseingang 3: 100 Stück zu 1,20/Stk.

Da zum Zeitpunkt des Rechnungseingangs in allen 3 Fällen eine Bestandsdeckung gegeben ist (Bestandsmenge ist mindestens so groß wie Rechnungsmenge), werden die Preisabweichungen aller 3 Rechnungen voll dem Bestand nachbelastet. Insgesamt wird die restliche Bestandsmenge somit mit einer Abweichung von 60 DM nachbelastet. Die einzelnen Aufträge prüfen nicht, ob die verbleibende Bestandsmenge zusätzlich von anderen Aufträgen belastet wurde.

Bewertungsdaten des Materials:

Bestandsmenge: 120 Stück Bestandswert: 180 DM V-Preis: 1,50DM

Das Ergebnis ist eine Bewertung des verbliebenen Materialbestandes - und anschließender Materialverbräuche- mit einem unrealistisch hohen Preis, in den sämtliche Preisabweichungen verschiedener Wareneingänge des Materials eingeflossen sind.

 

Beispiel 2:
Bestandsdeckung bei Auftragsabrechnung

Das System überprüft bei der Abrechnung von Abweichungen auf Produktionsaufträgen, ob eine entsprechende Bestandsdeckung für das jeweilige Material gegeben ist. Wurden während einer Periode mehrere Produktionsaufträge zu einem Material erledigt und der Materialbestand ist am Ende der Periode kleiner, als die Summe der Zugänge aus den Fertigungsaufträgen, so werden die Abweichungen aller Fertigungsaufträge dem Materialbestand zugerechnet, solange eine Bestandsdeckung je Auftrag vorliegt.

Die einzelnen Aufträge prüfen nicht, ob der Periodenendbestand bereits durch die Abweichungen eines anderen Auftrages belastet wurde!

  1. An 10 Tagen in einer Periode wird jeweils ein Stück eines Materials FERT produziert und zum Preis von 100 DM an Lager geliefert.
  2. Bewertungsdaten des Materials:

    Bestandsmenge: 10 Stück Bestandswert: 100 DM V-Preis: 10 DM

  3. Am Periodenende beträgt der Materialbestand nur noch 1 Stück. Auf jedem Fertigungsauftrag wird eine Abweichung von 10 DM ermittelt. Jeder einzelne Fertigungsauftrag führt eine Bestandsdeckungsprüfung durch und stellt fest, daß die Abweichung voll in den Bestand gebucht werden kann.

Bewertungsdaten des Materials zum Periodenende:

Bestandsmenge: 1 Stück Bestandswert: 200 DM V-Preis: 200 DM

Der Endbestand von 1 Stück wird somit mit einem Betrag von 100 DM nachbelastet, der gleitende Durchschnittspreis für das Material FERT beläuft sich danach auf 200 DM.

Der restliche Materialbestand wird also durch die Zurechnung von Abweichungen, die er gar nicht verursacht hat, mit einem unrealistischen Preis bewertet, anschließende Materialverbräuche werden ebenfalls mit diesem fehlerhaften Preis bewertet. Ein Ausweis des Materialbestandswertes zu tatsächlichen Herstellkosten ist nicht mehr gegeben.

Anders verhält es sich, wenn das System bei einer Bestandsdeckungsprüfung eine Bestandsunterdeckung feststellt.

Problemfälle bei der Bestandsunterdeckung

Beispiel 3: Bestandsunterdeckung bei Rechnungseingang

Ist der Rechnungsbetrag eines fremdbeschafften Materials geringer als der Betrag, mit dem der Wareneingang des Materials bewertet wurde, so sollte der Rechnungseingang zu einer entsprechenden Reduzierung des Materialbestandswertes und damit zu einer Korrektur des Materialpreises führen. Liegt zum Zeitpunkt des Rechnungseingangs jedoch eine Bestandsunterdeckung vor (es liegt nicht mehr die volle Rechnungsmenge auf Lager), so wird der Bestandswert nur anteilig reduziert, der restliche Betrag wird auf das Preisdifferenzenkonto in der Finanzbuchhaltung gebucht.

Beispiel 4: Bestandsunterdeckung bei Auftragsabrechnung

Wareneingang zum Auftrag:

1. An 10 Tagen in einer Periode wird jeweils ein Stück eines Materials FERT produziert und zum Preis von 100 DM an Lager geliefert.

Bewertungsdaten des Materials:

Bestandsmenge: 10 Stück Bestandswert: 100 DM V-Preis: 10 DM

2. Am Periodenende beträgt der Materialbestand 1 Stück. Auf jedem Fertigungsauftrag wird eine Abweichung von 10 DM ermittelt.

Die Abweichungen in Höhe von 100 DM eines Produktionsauftrages sollen mit einer Losgröße von 10 Stück abgerechnet werden. Es befindet sich nur noch 1 Stück des Materials auf Lager. Somit wird der Materialbestand nur anteilig nachbelastet (mit 10 DM).

Bewertungsdaten des Materials:

Bestandsmenge: 1 Stück Bestandswert: 20 DM V-Preis: 20DM Preisdifferenzenkonto : 90 DM

Kein Wareneingang zum Auftrag:

Wurden in einer Periode Abweichungen auf einem Produktionsauftrag ermittelt, obwohl in dieser Periode kein Wareneingang zum Auftrag stattgefunden hat (beispielsweise im Falle von Nachlaufkosten), so werden diese Abweichungen in voller Höhe dem Preisdifferenzenkonto belastet. Auch hier ist ein istkostengerechter Ausweis des Materialbestandswertes nicht mehr gewährleistet.

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