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Betriebswirtschaftliche Motivation für Istkalkulation /Material-Ledger

Zielsetzungen

Die Anwendungskomponente Istkalkulation / Material-Ledger erfüllt grundsätzlich zwei unterschiedliche Zielsetzungen: das Führen paralleler Währungen/Bewertungen und die Istkostenrechnung.

Parallele Währungen/Bewertungen

Eine wesentliche Aufgabe des Material-Ledgers besteht darin, Materialbestände in mehreren Währungen bzw. Bewertungen zu führen.

Standardmäßig werden die Bestandswerte von im System geführten Materialien nur in einer Währung (in der Buchungskreiswährung) im SAP-System fortgeschrieben. Der Einsatz der Komponente Material-Ledger ermöglicht, daß die Materialbestandswerte in zwei weiteren Währungen/Bewertungen im R/3-System geführt werden können. Dies wird realisiert, indem alle Warenbewegungen im Material-Ledger in 3 Währungen/Bewertungen fortgeschrieben werden. Die Umrechnung in die Fremdwährungsbeträge erfolgt zu historischen Kursen (die Umrechnung erfolgt zum Zeitpunkt der jeweiligen Buchung). Das Material-Ledger ermöglicht damit insbesondere Unternehmen in Hochinflationsländern einen zusätzlichen Ausweis der Materialbestände in einer Hartwährung (z.B. in amerikanischen Dollar). Damit wird der Einfluß der Inflation auf die Materialbestandswerte transparent gemacht.

Achtung

Nutzen Sie Transferpreise, um Werteflüsse in Ihrem Unternehmen in verschiedenen Bewertungssichten darzustellen, so müssen Sie die Komponente Material-Ledger verwenden. Diese ermöglicht Ihnen, Ihre Materialbestandswerte in drei verschiedenen Bewertungen zu führen (legale Bewertung, Konzernbewertung und Profit-Center-Bewertung).

 

Hinweis

Bitte klären Sie vor Aktivierung des Material-Ledgers genau, welche Währungen/Bewertungen Sie verwenden möchten, da Sie die Einstellung nachträglich nicht mehr ändern können.

Achtung

Bitte beachten Sie, daß die Aktivierung des Material-Ledgers notwendige Voraussetzung für das Führen von parallelen Bewertungen ist!

Istkalkulation

Die Istkalkulation erweitert die Funktionalität der Anwendungskomponente mit den Zielsetzungen einer Ermittlung von Istkosten für fremdbeschaffte und eigengefertigte Materialien. Des weiteren umfaßt die Istkalkulation eine istkostengerechte Bestandsbewertung aller wertmäßig geführten Materialien der Materialbestände z.B. von Rohstoffen als auch von Halb- und Fertigerzeugnissen.

Die Istkalkulation ermittelt hierfür einen periodischen Istpreis (periodischer Verrechnungspreis) pro Material, in den sämtliche Istkosten der jeweiligen Periode einfließen.

Konzept der Istkalkulation

Setzen Sie die Istkalkulation ein, so erfolgt eine vorläufige Bewertung aller Warenbewegungen innerhalb der aktuellen Periode mit dem Standardpreis. Gleichzeitig erfolgt eine Sammlung aller auftretenden Preis- und Kursdifferenzen im Material-Ledger mit Bezug auf das Material.

Am Periodenende wird pro Material ein Istpreis ermittelt unter Berücksichtigung sämtlicher Istkosten der jeweiligen Periode. Der so ermittelte periodische Istpreis wird als periodischer Verrechnungspreis bezeichnet und kann anschließend verwendet werden, um die Materialbestände der abzuschließenden Periode entsprechend umzubewerten. Darüber hinaus können Sie die vom System ermittelten periodischen Verrechnungspreise als Standardpreise für die künftige Periode verwenden. (Siehe dazu: Preisänderung)

Die Istkalkulation berücksichtigt, welcher Anteil der Abweichungen durch Materialverbräuche der nächsthöheren Fertigungsstufe nachbelastet werden muß. Abweichungen können mit Hilfe der Iststückliste über mehrere Fertigungsstufen hinweg bis zum Fertigprodukt hochgewälzt werden. Optional können zusätzlich Abweichungen von Kostenstellen und Geschäftsprozessen berücksichtigt werden. (Siehe dazu Istkalkulation aktivieren).

Hinweis

Beachten Sie, daß der Anteil der Abweichungen, der dem Materialverbrauch nachzubelasten ist, nur der nächsthöheren Fertigungsstufe nachbelastet werden kann. Wurde der Materialverbrauch direkt auf eine Kostenstelle bzw. einen CO-Innenauftrag kontiert, so kann der entsprechende Anteil der Abweichung dem jeweiligen CO-Kontierungsobjekt (z.B. der Kostenstelle) nicht nachbelastet werden und verbleibt damit auf dem jeweiligen Preisdifferenzenkonto.
Eine Nachverrechnung der Kostenabweichungen auf den jeweiligen Kostenträger erfolgt im Rahmen der Istkalkulation nicht, damit ein konsistentes Controlling des Produktionsbereiches gewährleistet werden kann.

Bei der Istkalkulation wird die Ware in Arbeit (WIP) nicht berücksichtigt. D.h. alle Verbräuche, die in einem Monat auf einen Fertigungsprozess entnommen wurden, werden in der Periode der Entnahme behandelt, auch wenn ein Teil oder die gesamte Ablieferung des Produkts erst in einer späteren Periode erfolgt. Auch wenn die WIP-Ermittlung die Kosten der Entnahmen auf ein WIP-Konto umbucht, wird das Istmengengerüst nicht entsprechend angepasst. Eventuelle Preisdifferenzen der verbrauchten Materialien oder Leistungen werden daher voll der Produktion dieses Monats zugerechnet.

Das WIP-Konto bleibt mit den Standardpreisen der verbrauchten Materialien und Leistungen bewertet. Eine Nachbewertung zu Istpreisen findet nicht statt.

 

Die Bewertung der Materialbestände mit dem periodischen Verrechnungspreis gewährleistet eine istkostengerechte Bestandsbewertung bei gleichzeitiger Vermeidung der Probleme, die mit einer Materialbewertung mit gleitendem Durchschnittspreis verbunden sind (siehe hierzu: Preissteuerung mit und ohne Material-Ledger). Die vorläufige Bewertung der Warenbewegungen mit Standardpreisen ermöglicht darüber hinaus ein konsistentes Controlling des Produktionsprozesses und macht Abweichungen innerhalb der Produktion transparent. Die Istkalkulation verbindet somit die Vorteile der Preissteuerungen Standardpreis und gleitender Durchschnittspreis. Die Periodenabhängigkeit des Istpreises unterstützt dabei insbesondere ein periodisches Controlling.

Eine Umbewertung der Materialbestände am Periodenende mit dem durch die Istkalkulation errechneten periodischen Verrechnungspreis ist optional. Daher ist die Funktionalität der Istkalkulation nicht nur interessant für Istkostenrechner, sondern kann auch bei Einsatz anderer Kostenrechnungssysteme verwendet werden, um einen Ausweis der tatsächlichen Materialkosten zu Informationszwecken zu erhalten. Aus diesem Grund erfolgt in der Komponente Istkalkulation/Material-Ledger nicht nur eine Sammlung von Istkosten, sondern ebenso eine Fortschreibung aller Abweichungen zu Standardkosten.

Die Istkalkulation ist insbesondere interessant für Unternehmen, die einen hohen Einsatz an Rohstoffen haben und über mehrere Fertigungsstufen hinweg produzieren, da hier das Interesse an einer Kostendurchwälzung und einer istkostengerechten Nachkalkulation besonders groß ist. Aber auch Unternehmen, die hohe Lagerbestände verwalten und an einer genauen Abgrenzung ihrer Kostenabweichungen hinsichtlich Bestand und Verbrauch interessiert sind, können die Funktion der Istkalkulation nutzen.

Durch die Ermittlung von Istpreisen für Materialien leistet die Istkalkulation auch Hilfestellung bei der Entscheidungsfindung beispielsweise von make-or-buy Entscheidungen. Da in der Istkalkulation Daten auf der Ebene von Beschaffungsalternativen fortgeschrieben werden können, ist ein Vergleich von verschiedenen Bezugsquellen für ein Material (beispielsweise Vergleiche der Materialpreise bei Bezug von verschiedenen Lieferanten) möglich.

Aktivierungsmöglichkeiten

Möchten Sie die Komponente Istkalkulation/Material-Ledger neu einsetzen, um Materialbestandswerte in mehreren Währungen/Bewertungen zu führen, so müssen Sie das Material-Ledger aktivieren. Sie können für Ihre Materialien die vorgangsbezogene Preisermittlung wählen (Kennzeichen 'Preisermittlungssteuerung' im Materialstammsatz = 2). Dadurch haben Sie weiterhin die Möglichkeit, für Ihre Materialbewertung zwischen den Preissteuerungen 'Standardpreis' und 'Gleitender Durchschnittspreis' zu wählen. Bitte beachten Sie diesbezüglich die Empfehlungen seitens SAP im Abschnitt Preissteuerung mit und ohne Material-Ledger.

Soll das System einen auf den tatsächlichen Kosten einer Periode basierenden periodischen Verrechnungspreis für Ihre Materialien ermitteln, so ist neben der Aktivierung des Material-Ledgers zusätzlich die Aktivierung der Istkalkulation erforderlich. Außerdem müssen Sie für Ihre Materialien die ein-/ bzw. mehrstufige Materialpreisermittlung wählen (Kennzeichen 'Preisermittlungssteuerung' im Materialstammsatz = 3). In diesem Falle müssen Sie für alle Materialien, die Sie im Rahmen der Istkalkulation verwenden möchten, die Preissteuerung 'Standardpreis' verwenden.
Siehe dazu:
Einstufige Materialpreisermittlung
Mehrstufige Materialpreisermittlung
Periodische Materialbewertung
Mehrstufige Istkalkulation

Möchten Sie die Abweichungen direkt von Kostenstellen und Geschäftsprozessen zusätzlich zu den Materialkostenabweichungen in der Istkalkulation berücksichtigen, so müssen Sie neben der Aktivierung der Istkalkulation zusätzlich die Leistungsverbrauchsfortschreibung im Mengengerüst aktivieren (siehe hierzu den Arbeitsschritt Istkalkulation aktivieren).

Einschränkungen

Wenn Sie die Komponente Istkalkulation/Material-Ledger einsetzen, so müssen Sie die Logistik-Rechnungsprüfung verwenden, da die herkömmliche Rechnungsprüfung die Anwendungskomponente Istkalkulation/Material-Ledger nicht unterstützt.

Die Anwendungskomponente Istkalkulation/Material-Ledger ist außerdem nicht in Verbindung mit der Branchenlösung für den Handel -SAP-Retail- einsetzbar.

 

 

 

Istkalkulation/Material-Ledger ist aktiv

Das Material-Ledger ist aktiv

Wenn Sie das Material-Ledger in einem Werk aktiviert haben, so können Sie in diesem Werk bewertete Warenbewegungen in mehreren parallelen Währungen/Bewertungen fortschreiben.

Weitere Informationen finden Sie unter Parallele Währungen und Bewertungen für Materialien.

Achtung Wenn Sie das Material-Ledger aktiviert haben, können Sie wählen zwischen

Wollen Sie Materialpreise periodisch ermitteln, so können Sie wählen zwischen

Wenn Sie die einstufige Materialpreisermittlung einsetzen wollen, so finden Sie weitere Informationen unter

Wenn Sie die mehrstufige Materialpreisermittlung einsetzen wollen, lesen Sie weiter unter Mehrstufige Istkalkulation.


Siehe auch:
Preissteuerung und Materialpreisermittlung.

Voraussetzungen für die periodische Materialpreisermittlung

Wollen Sie eine einstufige Materialpreisermittlung für ein Material durchführen, so überprüfen Sie die folgenden Voraussetzungen:

  1. das Material-Ledger ist für dieses Material aktiv
  2. das Preissteuerungskennzeichen S ist im Materialstamm des betreffenden Materials gesetzt
  3. das Preisermittlungskennzeichen 3 ist im Materialstamm des betreffenden Materials gesetzt

Wollen Sie eine mehrstufige Materialpreisermittlung durchführen, so überprüfen Sie, ob die Istkalkulation aktiv ist.

 

Einschränkungen

Hinweis

Das Material-Ledger unterstützt die Wirkstoffabwicklung nur für vorgangsbezogene Materialpreisermittlung.

 

Ausführliche Hintergrundinformationen erhalten Sie unter Istkalkulation/Material-Ledger

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