
Warenausgang zur Lieferung 
Einsatzmöglichkeiten
Von der Bestandsführung wird das Verfahren so umgesetzt, dass die Warenausgangsbuchung in zwei Teile zerlegt wird, die auf den Systemen getrennt ablaufen. Die Buchung des WA-Beleges im Lieferwerk hat die Versendung einer Nachricht an das empfangende Werk zur Folge, welches daraufhin die Komplementärbuchung durchführt. Der physische Wareneingang erfolgt wie bisher.
Voraussetzungen
Beim Einsatz der Chargenabwicklung müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:
- Quell- und Zielsystem besitzen die gleiche Chargendefinitionsebene
- Chargendefinitionsebene ist das Material oder der Mandant
- ALE-Szenario für Materialien und Klassen (Merkmale) ist vorhanden
- Systemübergreifend eindeutige Chargennummern sind vorhanden
- Chargen sind nur in ihrem jeweiligen Originalsystem änderbar, wenn sie nicht entkoppelt sind. Damit muss organisatorisch sichergestellt werden, dass auch in einem lokalen SAP R/3-System der Chargenzustand änderbar ist. Dies ist z.B. möglich durch Umbuchen auf eine neue Charge und hat weitere Aktionen zur Folge, z.B. Umettiketieren von Fässern, Paletten etc.
Merkmale
Analog zur Bestellung im Ein-System-Fall soll für die Bestellung und die ungeprüfte Lieferung beim Warenausgang die automatische Buchung des Materials in den Transitbestand des Empfänger-Profit-Center und eine entsprechende Profit-Center-Verrechnung zu Transferpreisen erfolgen. Diese Forderung gilt für den Ein-System-Fall und über eine ALE-Schnittstelle auch für den Zwei-System-Fall. Eine interne Faktura ist nicht zu erstellen.
Beim Zwei-System-Fall muss beim Warenausgang aus der ungeprüften Lieferung das Empfänger-Profit-Center abgeleitet werden. Dadurch erfolgt die Profit-Center-Verrechnung mit
- Bestandsveränderung TP an Bestand
- interner Aufwand an interner Umsatz
- internes Verrechnungskonto an Bestandsveränderung TP.
- Die Kontenfindung bei der Bestellung im buchungskreisinternen Geschäft muss von der im externen Geschäft abweichen. Automatischer WE/RE-Konto-Ausgleich ist im Ein- als auch Zwei-System-Fall erforderlich.
- Der Transitbestand muss im Empfänger-Profit-Center sichtbar sein
- Die Versendung eines Lieferavis ist im Ein- sowie Zwei-System-Fall erforderlich.
- Bei grenzüberschreitender Lieferung ist die Erstellung eines Rechnungsdokumentes für Intra- und Extra-Handelsstatistik- sowie für Zollzwecke erforderlich.
- Warenbegleitpapiere werden erstellt.
Ablauf
Warenausgangsbuchung zur Umlagerung
Ausgangspunkt für den Warenausgang ist die Lieferung im abgebenden System.
Der Aufruf enthält die in der Lieferung bekannten Daten des Umlagerungsvorganges, insbesondere die Bestellposition und das logische System des Empfängers.
Die Auswahl des Geschäftsvorfalles (Mengen- und Wertefortschreibung) erfolgt anhand der Bewegungsart:
|
Bewegungsart |
Funktion |
|
641 |
Warenausgang mit UB-Logik (Aufbau von Transitbestand beim Empfänger, sofortige Wertbuchung). |
|
647 |
Wie 641, jedoch wird die Wareneingangszeile (Bewegungsart 101) automatisch hinzugefügt, so dass der Wareneingang gleichzeitig zum Warenausgang gebucht wird (sog. Einschrittverfahren). |
Die Ermittlung der Bewegungsart erfolgt anhand des Einteilungstyps im Vertrieb. Der Warenausgang zur systemübergreifenden Umlagerung muss vom integrierten Vorgang unterscheidbar sein; dies ist durch eine neue Bewegungsart gesichert.
Die Buchung von Mengen und Werten beim Warenausgang entspricht einem Warenausgang zum Kundenauftrag, d.h. die Menge wird im Lieferwerk verbucht und der Wert auf dem Bestandskonto angepasst. Die Gegenbuchung erfolgt auf ein Verrechnungskonto. Dem Rechnungswesen werden die aus der Lieferung bekannten Daten übergeben, um gegebenenfalls einen Ausgleich des Kontos zu ermöglichen.
Für die Positionen mit Bezug zu einer systemübergreifenden Bestellung wird eine Nachricht an das jeweilige empfangende System erstellt. Vor Beginn der Buchung erfolgt keine Prüfung, ob die Empfängerdaten gültig sind. Fehlerhaftes Customizing hat somit einen Verbuchungsabbruch zur Folge.
Wenn ein Warenausgang Empfängerwerke in verschiedenen logischen System hat, so wird für jedes logische System ein IDOC versendet.
Die Werte, mit denen die Warenbewegung gebucht wird, insbesondere die Transferpreise, sind dabei dem IDOC hinzuzufügen, damit der Wareneingang diese Werte auf der Empfängerseite verwenden kann.
Die Logik zur Erkennung des Profit-Center-Wechsels funktioniert folgendermaßen: Beim Warenausgang wird erkannt, dass der Profit-Center des abgebenden Werkes vom Profit-Center des empfangenden Werkes abweicht. Aus dem jeweiligen Profit-Center wird der Profit-Center-Knoten abgeleitet.
Datenübergabe
Die vom Lieferwerk versandten IDocs lösen die zum Warenausgang korrespondierenden Buchungen im Empfängerwerk aus.
Hintergrundbuchung im empfangenden System
Im empfangenden System wird über IDoc ein Wareneingang gebucht. Die Schnittstelle erhält die Daten vom Warenausgang des Lieferwerkes. Auf der Empfängerseite laufen nun folgende Prozesse ab:
- Die Verbuchungssteuerung für den WE-Teil der Buchung wird gefunden.
- Die Warenbewegung wird mit der neuen Bewegungsart gebucht.
- Bei der Bewertung des Wareneinganges wird, falls erforderlich (UB-Logik) auf die Werte (Legaler Wert und Wert aus paralleler Bewertungsart, falls die Transferpreisfunktion genutzt wird) aus dem IDoc zurückgegriffen.
- Die Bestellentwicklung wird fortgeschrieben. Diese wird mit der Materialbelegnummer des zweiten Teils der WA-Buchung fortgeschrieben. Eine Ablage der Nummer des WA-Belegs im Lieferwerk erfolgt nicht, da keine Möglichkeit besteht, sich diesen anzeigen zu lassen.
- Im Fall des Zweischrittverfahrens wird der Wareneingang in den Transitbestand gebucht.
Storno
Der Storno zum Warenausgang zur Bestellung erfolgt ausschließlich über die Stornotransaktion von SD. Ein Storno in der Bestandsführung ist nicht möglich.
Der im Empfängersystem automatisch erzeugte Materialbeleg kann nicht storniert werden. Dessen Storno wird von Seiten des Sendersystems angestoßen (dort echter Storno des WA-Beleges) und übergibt dem Empfängersystem die Daten mit der Stornobewegungsart. Im Empfängersystem wird jedoch kein echter Storno gebucht, da die Materialbelegnummer des Ursprungsbeleges nicht vorliegt. Dieses Szenario gilt für den Fall, dass das Zweischrittverfahren angewendet wird (mit Transitbestand).
Verteilung der Chargenstammdaten und Merkmale
Die Chargeninformationen werden durch den Nachrichtentyp BATMAS transportiert.
Bei Erstellung eines systemübergreifenden Warenausgangs wird das entsprechende IDOC durch den Nachrichtentyp BATMAS erzeugt.
Bei Eintreffen der Lieferung im Zielsystem ist die Charge mit allen Informationen bereits vorhanden.
Änderungen an Chargendaten werden ebenfalls über den Nachrichtentyp BATMAS verteilt.
Die Charge kann im empfangenden SAP R/3-System abgekoppelt werden, d.h. sie kann dort einen anderen Zustand haben als im Originalsystem. Ob eine Abkoppelung möglich ist oder ob die Charge mit allen Eigenschaften aus dem Originalsystem übernommen wird, wird auf der Materialebene per Kennzeichen gesetzt. Eine abgekoppelte, d.h. lokal eigenständige Charge wird aus ihrem System heraus nicht mehr verteilt.
Erst beim physischen Wareneingang müssen die Chargendaten vorhanden sein. Der Wareneingang in den Transitbestand hat prinzipiell keinen Bezug zur Charge, es sei denn, es wird mit wirkstoffbewerteten Chargen gearbeitet.
Kann der WA aus organisatorischen Gründen nicht mehr gebucht werden, weil z.B. ein LKW erst um 22.00 Uhr beladen wird, kann die Ware in den WE-Sperrbestand gebucht werden, der ebenfalls chargenneutral ist.
Für den Fall, dass ein WE-IDoc vor dem Chargen-IDoc ankommt, kann ein periodisch eingeplanter Report die WE-IDocs nachverbuchen (Transaktion BD87). Ein solches Programm existiert im SAP-Standard. Im Customizing der MM-Bestandsführung (Aktivität Bewegungsarten kopieren, ändern) sollte eingestellt werden, dass beim WE ein manuelles Anlegen von Chargen nicht erlaubt ist.
Lieferavis
Das Lieferavis ist im empfangenden System aufgrund der Disporelevanz erforderlich. So wird z.B. eine Terminänderung beim Warenausgang per Lieferavis ins empfangende System gesendet. Für das Buchen der WE-Chargen kann dann ebenfalls das Lieferavis benutzt werden.