Auftragsnetz mit automatischer Warenbewegung 
Verwendung

SAP empfiehlt bei Einsatz von Auftragsnetzen grundsätzlich die Verwendung von Auftragsnetzen mit automatischer Warenbewegung.
Voraussetzungen
Sie hinterlegen im Customizing der Kostenträgerrechnung unter Auftragsbezogenes Produkt-Controlling ® Produktionsaufträge ®
Auftragsarten für Produktionsaufträge überprüfen mit dem Kennzeichen Auftragsnetzabw., daß Warenbewegungen zwischen den einzelnen Fertigungsstufen vorgesehen sind. Dieses Kennzeichen wird in den Auftragskopf (Stammdaten) der Aufträge übernommen. Bei unterschiedlichen Auftragsarten innerhalb des Auftragsnetzes ist entscheidend, ob für die Auftragsart des führenden Auftrages das Kennzeichen hinterlegt ist. Dieses Kennzeichen wird an alle untergeordneten Aufträge vererbt und übersteuert gegebenenfalls deren originäres Kennzeichen.
Dies bedeutet, daß konfigurierbare Materialien nur dann in ein Auftragsnetz eingebunden werden können, wenn Sie an den Kundenauftragsbestand liefern.
Konfigurierbare Materialien, die nicht auf Basis einer Verkaufsbelegposition, sondern an das anonyme Lager gefertigt werden, können nicht in ein Auftragsnetz eingebunden werden. Legen Sie einen führenden Auftrag zu einem konfigurierten Material an, das keinen Bezug zu einer Kundenauftragsposition hat, so können in der Stückliste des konfigurierten Materials konfiguierbare Materialien eingebunden sein. Diese konfigurierbaren Materialien können nicht Bestandteil eines Auftragsnetzes sein.

Wenn Sie mit einem Auftragsnetz mit automatischer Warenbewegung arbeiten und eine neue direktgefertigte unbewertete Dummy-Baugruppe oder ein neues direktgefertigtes konfigurierbares Material anlegen, so wird bei Aufträgen zu diesen nicht bewerteten Baugruppen die Auftragsnetzlogik eines Auftragsnetzes ohne automatische Warenbewegung angewendet. Dadurch kann es zu Auftragsnetzen mit gemischter Abwicklungslogik kommen. Die Vererbung der Einstellung der Auftragsart des führenden Auftrages ist in diesem Falle nicht relevant.
Funktionsumfang
Wird in einem Auftragsnetz mit automatischer Warenbewegung ein untergeordneter Auftrag endrückgemeldet, so führt das System automatisch
Der untergeordnete Auftrag wird entsprechend entlastet.
Der übergeordnete Auftrag wird entsprechend belastet.
Sie müssen diese Warenbewegung nicht selbst buchen, die Warenbewegungen werden vom System automatisch bei der Endrückmeldung vorgenommen.

Wenn Sie nach der Endrückmeldung eines untergeordneten Auftrages den übergeordneten Auftrag sofort bearbeiten, dann ist es möglich, daß der Wareneingang zum übergeordneten Auftrag noch nicht gebucht wurde, bevor Sie in dem übergeordneten Auftrag in den Änderungsmodus verzweigt sind. Wenn Sie sich im Änderungsmodus eines Auftrages befinden, dann ist dieser Auftrag für die Buchung von Warenbewegungen gesperrt.
Aus diesem Grunde kann es vorkommen, daß die automatische Warenbewegung aufgrund des Sperrens des übergeordneten Auftrages nicht direkt bei der Endrückmeldung gebucht wird. Es erfolgt somit zu diesem Zeitpunkt keine Entlastung des untergeordneten Auftrages und keine Belastung des übergeordneten Auftrages. Die nicht gebuchten Warenbewegungen schiebt das System R/3 automatisch in den Nachbearbeitungslauf der Logistik.
Grundsätzlich stehen zu den in ein Auftragsnetz eingebundenen Produktionsaufträgen alle Funktionen zur Verfügung, die auch sonst in der Kostenträgerrechnung zur Verfügung stehen.
Daraus folgt, daß Sie folgende Funktionen verwenden können:
Es ist die Ermittlung der Ware in Arbeit zu Istkosten und zu Sollkosten möglich.
Beachten Sie bei der Ermittlung von Ware in Arbeit zu Sollkosten im Auftragsnetz folgendes:
Ist ein untergeordneter Produktionsauftrag endrückgemeldet, während zu einem übergeordneten Auftrag noch keine Vorgänge rückgemeldet wurden, so werden die im untergeordneten Auftrag angefallenen Kosten bei der Ermittlung von Ware in Arbeit nicht berücksichtigt. Wurden im übergeordneten Produktionsauftrag bereits Vorgänge rückgemeldet, so wird Ware in Arbeit in Höhe der am Vorgang rückgemeldeten Materialien und Leistungen ausgewiesen.

Beispiel für Ware in Arbeit zu Sollkosten im Auftragsnetz
Voraussetzungen:
Ablauf:
Aufgrund dieser Endrückmeldung vom System automatisch ein Wareneingang zu Auftrag Nr. 2 und ein Warenausgang zu Auftrag Nr. 1 gebucht. Dabei wird Auftrag Nr. 2 mit DM 500 entlastet. Gemäß der Bewertungsvariante der mitlaufenden Kalkulation wird Auftrag Nr. 1 mit DM 500 belastet.
Die vom System ermittelte Ware in Arbeit beträgt für beide Aufträge zusammen Null DM.
Das System ermittelt Ware in Arbeit auf Basis der zu Auftrag 1, Vorgang 10 rückgemeldeten Mengen. Die Ware in Arbeit beträgt DM 900. Die Ware in Arbeit berechnet sich wie folgt:
DM 400 gebuchte Istkosten zum Vorgang 10 des Auftrages 1.
DM 500 für Warenentnahmen, wenn die Materialien dem Vorgang 10 zugeordnet sind oder gar keinem Vorgang zugeordnet sind. (Sind Einsatzmaterialien keinem Vorgang zugeordnet, dann werden sie immer dem ersten Vorgang zugerechnet). Sind Einsatzmaterialien anderen Vorgängen als dem ersten Vorgang zugeordnet, dann werden Sie bei der Rückmeldung des entsprechenden Vorgangs berücksichtigt und erst zu diesem Zeitpunkt bei der WIP-Ermittlung zu Sollkosten berücksichtigt.

Die Abweichungen werden je Produktionsauftrag ermittelt und angezeigt. Es ist auch eine verdichtete Anzeige möglich, beispielsweise mit der Verdichtungshierarchie oder mit der Auftragshierarchie im Informationssystem Produktkosten-Controlling. Abweichungen können nicht über das gesamte Auftragsnetz ermittelt oder angezeigt werden.
Arbeiten Sie mit dem unbewerteten Kundenauftragsbestand oder mit dem unbewerteten Projektbestand, so sin die Besonderheiten dieser Abwicklungen auch beim Auftragsnetz mit automatischen Warenbewegungen zu berücksichtigen.
Siehe auch:
Unbewerteter Kundenauftragsbestand
Unbewerteter Projektbestand
Zum Auftragsnetz kann ein Hierarchiebericht aufgerufen werden, der die Summe der Plankosten, Sollkosten und Istkosten je Auftragsnetzebene anzeigt. Verzweigungen zu den Detailberichten zu einzelnen Aufträgen sind möglich. Bei Einsatz des Auftragsnetzes mit Warenbewegungen werden in den Berichten für Auftragsnetze die Binnenumsätze eliminiert.
Transferpreise
Sie können im Rahmen des
Transferpreisekonzeptes beim Einsatz von Auftragsnetzen mit automatischen Warenbewegungen Daten in parallelen Bewertungssichten fortschreiben.Einschränkungen
Eine Berücksichtigung von unbewerteten Dummy-Baugruppen ist im Auftragsnetz mit automatischer Warenbewegung nicht möglich.
Kuppelprodukte sind im Auftragsnetz nur im führenden Auftrag erlaubt.
In der Serienfertigung wird die Abwicklung mit Auftragsnetzen nicht unterstützt.
Auftragsnetze können nicht zu Produktkostensammlern angelegt werden.
Aktivitäten
Nehmen Sie die unter "Voraussetzungen" aufgeführten Einstellungen im Customizing vor.
Siehe auch:
Informationen zur Fortschreibung von Daten in parallelen Bewertungssichten finden Sie im Abschnitt:
Transferpreise in der KostenträgerrechnungInformationen zur Anzeige von Berichten zu Auftragsnetzen finden Sie im Dokument:
Informationssystem Produktkosten-Controlling.
Auftragsnetz im Informationssystem
Unbewerteter Projektbestand