R/3 als führendes System
Im Abschnitt
Vorgänge R/2 ® R/3 wurde davon ausgegangen, daß die R/2-Bestandsführung (IM) das führende System bei der Buchung einer Warenbewegung ist, d.h. eine Warenbewegung zuerst im IM gebucht und anschließend ein Transportauftrag im WM erstellt wird.Es ist aber auch möglich, zuerst den Transportauftrag im WM zu erstellen und anschließend die Bestandsbuchung in R/2 zu veranlassen.
Diese Entscheidung, für bestimmte Vorgänge die Lagerverwaltung als führendes System zu definieren, kann aus organisatorischen Gründen getroffen werden.

Bei einem 24-Stunden-Betrieb müssen Fertigerzeugnisse aus der Produktion geholt und im Lager eingelagert werden. Da der Host nur in begrenzten Zeiträumen zur Verfügung steht, werden solche Warenbewegungen zuerst in der Lagerverwaltung erfaßt. Wenn der Host wieder aktiv ist, werden die Bewegungen in der Bestandsführung nachgebucht. Dies findet über die Schnittstelle automatisch statt.
Keine Prüfungen
Bei der Erfassung von Warenbewegungen in der Lagerverwaltung prüft das System die Buchung nicht gegen Daten, die im zentralen System gespeichert sind.
Aus diesem Grund sollten bestimmte Vorgänge wie Wareneingänge zu Bestellungen zuerst in der Bestandsführung gebucht werden, damit Datenprüfungen in R/2 stattfinden können (Beispiel: Prüfung der Wareneingangsmenge gegen die Bestellmenge).
Materialverfügbarkeit
Eine Warenbewegung wird von der Materialdisposition erst dann berücksichtigt, wenn der RM-Beleg in der Bestandsführung gebucht wurde. Bei einem größeren Zeitverzug zwischen der LVS- und der RM-Buchung ist zu beachten, daß die Materialverfügbarkeit im System von der physischen Verfügbarkeit des Materials abweichen kann.
Allgemeiner Ablauf: Einzelne Datenübertragung
Wird eine Warenbewegung zuerst in der Lagerverwaltung und dann in der Bestandsführung gebucht, ist der Ablauf wie folgt:

Allgemeiner Ablauf: Kumulative Datenübertragung
Sollen die Transportdaten kumulativ übertragen werden, ist der Ablauf wie folgt:
Technischer Ablauf in R/3
Bei der Buchung einer Warenbewegung zuerst in der Lagerverwaltung und dann in der Bestandsführung läuft die Kommunikation wie folgt ab:

Erstellung eines Transportauftrags
Bei der Transportauftragserstellung (ohne Quittierung) bucht das System für jede Transportauftragsposition Quants auf die Schnittstelle. Beispielsweise wird das Quant für die Vonposition auf die Wareneingangsschnittstelle gebucht.
Zu diesem Zeitpunkt wird keine Kommunikation eingeleitet, da der Transportauftrag zuerst quittiert werden muß.
Prüfung der Kommunikationsrelevanz
Bei der Quittierung (oder Erstellung von Transportaufträgen mit gleichzeitiger Quittierung) prüft das System anhand der Bewegungsart, ob die entsprechende Einlagerung bzw. Auslagerung für die Bestandsführung relevant ist und die Daten einzeln oder kumulativ übertragen werden sollten.
Erstellung des Kommunikationsbelegs
Aus den zu übertragenden Daten wird ein Kommunikationsbeleg der Art LDK07 erstellt.
Einzelne Datenübertragung
Das System erstellt für jede Transportauftragsposition einen Kommunikationssatz der Art WM07. Dieser Satz enthält sowohl die Kopf- als auch die Positionsdaten (Schnittstellenposition) des Transportauftrags.
Wurde bei der Transportauftragserstellung ein Schnittstellenquant gebucht, dann wird dieses Quant bei der Quittierung ausgebucht.
Es wird kein Quant auf die Schnittstelle gebucht, da die Transportdaten (Material, Menge usw.) über den Kommunikationsbeleg an das R/2-System gesendet werden.
Kumulative Datenübertragung
Wenn ein Transportauftrag erstellt wird, bucht das System automatisch Quants auf die Schnittstelle. Bei der Quittierung werden diese Quants nicht ausgebucht, und es wird zunächst kein Kommunikationsbeleg erstellt.
Um den Kommunikationsbeleg zu erstellen, müssen Sie einen Report starten, der die Schnittstellenquants liest und einen Kommunikationssatz für jedes Material erstellt. Erst dann werden die Schnittstellenquants ausgebucht.
Ermittlung des Empfängers
Soll eine Kommunikation stattfinden, ermittelt das System die Kommunikationsnummer zur jeweiligen Lagernummer, zum Vorgangsschlüssel
001 und zur Bewegungsart in einer Steuertabelle (Steuerung der Einzelvorgänge).Mit der Kommunikationsnummer findet das System in einer anderen Steuertabelle (Kommunikationsnummern) die Queue-ID, unter der der Empfänger definiert ist.
Übertragung des Kommunikationsbelegs
Der Kommunikationsbeleg wird in die Queue gestellt und entweder automatisch oder manuell an das R/2-System übertragen.
Technischer Ablauf in R/2
Wird ein Kommunikationsbeleg der Art LDK07 an das R/2-System gesendet, führt dies zu folgenden Aktionen in R/2:

Empfang des Kommunikationsbelegs
Gleichzeitig fügt das System einen Eintrag im Statussatz LDK00 hinzu, der zur Verwaltung des Kommunikationsbelegs dient.
Die R/3-Felder des Kommunikationsbelegs werden in das R/2-Format umgewandelt.
Es wird ein LDK00-Satz erstellt, und die Warenbewegung wird im R/2-System gebucht.
Keine Schnittstellenbuchung
Bei der Erstellung des Materialbelegs erkennt das System, daß es sich um einen von der R/3-Lagerverwaltung erzeugten Materialbeleg handelt, und baut daher keinen Kommunikationsbeleg auf. Folglich wird in der Lagerverwaltung weder ein Schnittstellenquant noch ein Transportbedarf erzeugt.