Beispiel: Unbewerteter Kundenauftragsbestand 

Stückliste des einzelbedarfsgesteuerten Fertigerzeugnisses FERT X und Bewertungsbasis des sammelbedarfsgesteuerten Halbfabrikates HALB S

 

 

Auf der Grafik ist die Stückliste des Fertigerzeugnisses FERT X dargestellt. Das FERT X ist ein einzelbedarfsgesteuertes Material, d.h. die Herstellung des Materials erfolgt nicht für das anonyme Lager, sondern für einen speziellen Kundenbedarf. Das Fertigerzeugnis FERT X besteht aus einem ebenfalls einzelbedarfsgesteuerten HALB Y sowie aus einem sammelbedarfsgesteuerten HALB Z, das wiederum aus zwei sammelbedarfsgesteuerten Rohstoffen ROH A und ROH B besteht. Die Herstellung des sammelbedarfsgesteuerten HALB Z erfolgt auf Basis eines unabhängig von Kundenaufträgen angelegten Fertigungsauftrages, der das Material an das anonyme Lager liefert.

Die Grafik stellt zudem die Plankalkulation zum sammelbedarfsgesteuerten Material HALB Z dar.

 

Mengen- und Wertefluß

 

Der Mengen- und Wertefluß ist darauf zurückzuführen, daß beim unbewerteten Kundenauftragsbestand in Fertigungsaufträge eingehende einzelbedarfsgesteuerte Materialien unbewertet vom Lager entnommen werden. Da somit auf Fertigungsaufträgen zu einzelbedarfsgesteuerten Materialien keine vollständigen Istkosten enthalten sind, werden alle der zum Kundenauftragsbestand angelegten Fertigungsaufträge - auch die zu untergeordneten Stücklistenpositionen - am Periodenabschluß an die Kundenauftragsposition abgerechnet. Auf der Kundenauftragsposition befinden sich somit immer die Istkosten der zur Position gehörenden Fertigungsaufträge und nicht die Plankosten des Materials.

Da die Plankostenfortschreibung aus Gründen der Vergleichbarkeit an die Istkostenfortschreibung angelehnt ist, würde auch eine Plankalkulation zum Material FERT X nicht die vollständigen Kosten zeigen. Somit wäre eine solche Plankalkulation als Grundlage zur Standardpreisermittlung nicht sinnvoll.

Die Bewertung der Bestände erfolgt im Rahmen der Ergebnisermittlung.

Das Controlling auf der Kundenauftragspositon findet beim unbewerteten Kundenauftragsbestand auf Basis der Ist-Herstellkosten statt.

Ausgangssituation

Ihr Kunde bestellt 10 Stück vom Fertigerzeugnis FERT X. Sie legen einen Kundenauftrag mit der Nr. 4815 an. Die kosten- und erlösführende Position 010 führt 10 ST FERT X. Das System erzeugt auf Basis der Kundenauftragsposition einen Fertigungsauftrag Nr. 01 über 10 ST FERT X. Da Sie Montageabwickler sind, wird der Fertigungsauftrag direkt erzeugt, es erfolgt vorab keine Bedarfsplanung mit anschließender Erzeugung von Planaufträgen. Da das FERT X ein HALB Y beinhaltet, das ebenso wie FERT X ein einzelbedarfsgesteuertes Material ist, erzeugt das System automatisch einen weiteren Fertigungsauftrag Nr. 02 über 10 ST HALB Y.

Der Fertigungsauftrag 4711 hat keinen Bezug zum Kundenauftrag, er wurde zur Herstellung von 20 ST sammelbedarfsgesteuerten HALB Z angelegt.

Betriebswirtschaftliche Vorgänge der ersten Periode

  1. Fertigungsauftrag 4711 entnimmt 20 Stück ROH A und 20 ST ROH B aus dem anonymen Bestand zur Fertigung von 20 Stück HALB Z. Mit der Warenbewegung erfolgt eine entsprechende Bestandsbuchung in der Finanzbuchhaltung.
  2. Fertigungsauftrag 4711 liefert 20 Stück HALB Z bewertet an das anonyme Lager. Mit der Warenbewegung erfolgt eine entsprechende Bestandsbuchung in der Finanzbuchhaltung.
  3. Fertigungsauftrag 02 produziert 5 ST HALB Y. Der Wareneingang zu diesen 5 ST HALB Y erfolgt unbewertet in den Kundenauftragsbestand. Es erfolgt keine Buchung in der Finanzbuchhaltung. Die Istkosten bleiben bis zur Abrechnung am Periodenabschluß auf Fertigungsauftrag 02 stehen.
  4. Fertigungsauftrag 01 entnimmt 5 Stück sammelbedarfsgesteuerte HALB Z aus dem anonymen Lagerbestand. Die Kosten für die 5 Stück Halb Z befinden sich nun auf dem Fertigungsauftrag. Mit der Warenbewegung erfolgt eine entsprechende Bestandsbuchung in der Finanzbuchhaltung.
  5. Fertigungsauftrag 01 entnimmt 5 Stück einzelbedarfsgesteuerte HALB Y aus dem unbewertetem Kundenauftragsbestand. Die Kosten befinden sich nun nicht auf Fertigungsauftrag 02, sondern noch immer auf Fertigungsauftrag 01. Aus diesem Grunde werden die Materialkosten für HALB Y im Fertigungsauftrag 01 nicht in den Herstellkosten zu FERT X erscheinen. Bei der Entnahme der 5 Stück HALB Y aus dem Lager erfolgt keine Buchung in der Finanzbuchhaltung.
  6. Fertigungsauftrag 01 liefert 5 Stück produzierte FERT X an den unbewerteten Kundenauftragsbestand. Es erfolgt keine Buchung in der Finanzbuchhaltung. Die auf Fertigungsauftrag 01 entstandenen Istkosten bleiben bis zur Abrechnung am Periodenabschluß auf Fertigungsauftrag 01 stehen.
  7. Sie liefern 3 Stück FERT X an Ihren Kunden. Die Warenbewegung führt nicht zu einer Buchung in der Finanzbuchhaltung.
  8. Sie senden dem Kunden eine Faktura über 3 Stück FERT X in Gesamthöhe von DM 45. Die Umsatzerlöse werden in der Finanzbuchhaltung gebucht und auf die Kundenauftragsposition kontiert.
  9. Periodenabschluß

    Abrechnung der Fertigungsaufträge an die Kundenauftragsposition

  10. Sie rechnen den Fertigungsauftrag 02 an die Kundenauftragsposition 010 ab.
  11. Sie rechnen den Fertigungsauftrag 01 an die Kundenauftragsposition 010 ab. Die Abrechnung erfolgt jeweils entweder unter der Ursprungskostenart oder unter einer Abrechnungskostenart. Dadurch sind die Herstellkosten für das HALB Y nicht als Kosten für ein Halbfabrikat erkennbar, sondern stehen unter der Kundenauftragsposition beispielsweise unter einer Rohstoffkostenart.
  12. Ergebnisermittlung

    Zur Bewertung des unbewerteten Kundenauftragsbestandes führen Sie am Periodenabschluß eine Ergebnisermittlung durch. Für dieses Beispiel wird die Ergebnisermittlung nach der erlösproportionalen Methode durchgeführt.

    Dabei gilt:

    FSG = Planerlös / Isterlös

    Errechnete Kosten = FSG * Plankosten

    Errechneter Erlös = Isterlös

    Ergebnis = Isterlös - Errechnete Kosten des Umsatzes

    Kostenanteil im Bestand = Istkosten - Errechnete Kosten

    Folgende Werte werden ermittelt:

    FSG = 45 / 150 = 0,3

    Kostenanteil im Bestand = 75 - 36 = 39

    Errechnete Kosten = 0,3 * 120 = 36

    Errechneter Erlös = Isterlös = 45)

    Ergebnis = 9

    Abrechnung der in der Ergebnisermittlung ermittelten Abgrenzungsdaten

  13. Den Kostenanteil im Bestand (WIP) rechnen Sie an das FI ab. Erst jetzt erfolgt die entsprechende Bestandsbuchung in der Finanzbuchhaltung. Haben Sie die Profit-Center-Rechnung im Einsatz, dann rechnen Sie den Kostenanteil im Bestand auch an das CO-PCA ab.
  14. Die errechneten Kosten des Umsatzes rechnen Sie in diesem Falle ebenfalls an das CO-PA ab.

(8.) Wenn Sie mit der Ergebnisrechnung arbeiten, dann rechnen Sie die Isterlöse jetzt in die Ergebnisrechnung ab. Die Isterlöse wurden in der Finanzbuchhaltung bereits real-time gebucht.

 

Buchungen in der Finanzbuchhaltung

 

Bei den Warenausgangsbuchungen und den Wareneingangsbuchungen zum anonymen Bestand des sammelbedarfsgesteuerten Materials sind die entsprechenden Buchungen in der Finanzbuchhaltung jeweils automatisch bei der Buchung der Warenbewegung real-time erfolgt.

Beim unbewerteten Kundenauftragsbestand des einzelbedarfsgesteuerten Materials sind bei den Warenbewegungen keine Buchungen in der Finanzbuchhaltung erfolgt. Die Buchungen der Bestandsveränderungen erfolgen hier am Periodenabschluß nach Abschluß der Ergebnisermittlung und Abrechnung des Kostenanteils im Bestand. Sind in einem Kundenauftrag mehrere verschiedene Materialien aufgeführt, wo werden diese in Summe bewertet. In dieser Summe sind sowohl Fertigerzeugnisse als auch Halbfabrikate enthalten. Zum unbewerteten Kundenauftragsbestand führen Sie also am Periodenabschluß eine Sammelbewertung durch, eine Einzelbewertung ist nicht möglich.