Ausgewählte logistische Prozesse und Kostenträger 
Sie können die Kostenträgerrechnung in Verbindung mit den unterschiedlichsten logistischen Abwicklungen verwenden.
Kundenspezifische Fremdbeschaffung
Sie beschaffen ein Material (z.B. einen Rohstoff, der in ein einzelbedarfsgesteuertes Halbfabrikat oder Fertigerzeugnis eingeht, oder eine Handelsware) speziell für einen Kunden. Das fremdbeschaffte Material ist einzelbedarfsgesteuert.
Auf Basis des Kundenauftrages erzeugt das System eine Bestellanforderung, auf Basis derer Sie eine Bestellung erzeugen. Das fremdbeschaffte Material wird
Handelt es sich um einen einzelbedarfsgesteuerten Rohstoff, der verarbeitet wird, so fließen die Kosten für den Rohstoff bei Verbrauch in das Halbfabrikat oder das Fertigerzeugnis ein.
Kundenspezifische externe Leistung
Die durch die externen Leistung entstehenden Kosten können direkt auf die kosten- und erlösführende Kundenauftragsposition kontiert werden. Die Bestellung kontiert in diesem Fall auf die kosten- und erlösführende Kundenauftragsposition.
Fertigung mit Bedarfsplanung
Sie können sowohl bei einzelbedarfsgesteuerten Materialien (Kundenauftragsfertigung) als auch bei sammelbedarfsgesteuerten Materialien (anonyme Lagerfertigung) mit der Bedarfsplanung arbeiten. Bei der Bedarfsplanung werden:
Die Bedarfsplanung ist mehrstufig, d.h. es werden Planaufträge, Bestellanforderungen und Transportbestellungen auch für Sekundärbedarfe erzeugt.
Als Kostenträger können Produktionsaufträge und Produktkostensammler sowie zusätzlich Kostenträgerhierarchien und Kundenauftragspositionen verwendet werden.
Montageabwicklung
Wenn Sie direkt mit dem Anlegen eines Kundenauftrages den Zusammenbau von Einzelteilen beziehungsweise einzelnen Baugruppen zu einem Endprodukt anstoßen möchten, so arbeiten Sie mit der Montageabwicklung. Auf diese Weise überspringen Sie eine kundenauftragsbezogene Bedarfsplanung und Disposition und erzeugen direkt aus dem Kundenauftrag heraus
Der Montageauftrag ist somit eine Aufforderung zum Zusammensetzen vorgefertigter Teile und Baugruppen zum fertigen Enderzeugnis entsprechend einem vorhandenen Kundenauftrag. Er kann ein Fertigungsauftrag oder ein Prozeßauftrag sein.
Informationen hierzu finden Sie weiter unten im Text unter "Kundenauftragsfertigung mit Planauftrag".
Der logistische Auftrag wird der Kundenauftragsposition zugeordnet.
In der Regel wird bei Montageabwicklung der Sekundärbedarf aus dem Lager genommen, d.h. die in das Fertigerzeugnis eingehenden Materialien sind sammelbedarfsgesteuert. Sie können die Montageabwicklung jedoch auch in Verbindung mit einzelbedarfsgesteuerten Sekundärbedarfen einsetzen. Sie können in der Montageabwicklung auch mit Auftragsnetzen (siehe oben) arbeiten.
Kostenträger bei Montageabwicklung können sein
Sie führen in diesem Falle ein Auftragsbezogenes Produkt-Controlling oder ein Periodisches Produkt-Controlling durch.
Sie führen in diesem Falle ein zusätzliches Kundenauftrags-Controlling durch.
Variantenabwicklung
Aus einer Vielzahl möglicher Varianten eines Produktes (konfigurierbares Material) werden in der Kundenauftragsposition durch die Bewertung relevanter Merkmale die gewünschten Komponenten ausgewählt und in der Kundenauftragsposition zu einer konkreten Produktvariante (konfiguriertes Material) zusammengestellt. Die Selektion eines Merkmalswertes kann andere Selektionen (z.B. abhängige Komponenten oder Arbeitsvorgänge) mit sich bringen. Die Beziehungen zwischen den Komponenten und den Vorgängen sind dabei als Beziehungswissen im Rahmen der Variantenkonfiguration hinterlegt.
Diese Produktvariante wird mit Hilfe eines Produktionsauftrages oder eines Planauftrages (siehe unten) hergestellt. Kostenträger bei Variantenabwicklung
In diesem Fall führen Sie ein
Der Produktionsauftrag zum konfigurierten Material enthält genau die Einsatzmaterialien und Vorgänge, die durch die Konfiguration selektiert wurden.
Ob das Material konfigurierbar ist, geben Sie in der Sicht Grunddaten des Materialstammsatzes ein.

Sie können die Stücklistenauflösung des konfigurierten Materials in der Kundenauftragsposition vorab simulieren. Die tatsächliche Stücklistenauflösung erfolgt in der Disposition. Der Primärbedarf enthält einen Verweis auf die Merkmalsbewertung. Dadurch ist sichergestellt, daß die Stückliste unter Berücksichtigung der in der Kundenauftragsposition getroffenen Spezifikation aufgelöst werden kann.
Siehe auch:
Informationen zu den Besonderheiten der Plankostenermittlung bei Variantenabwicklung finden Sie im Dokument Kundenauftrags-Controlling in den Abschnitten:
Plankostenermittlung bei Variantenfertigung Konfigurationssimulation kalkulierenAuftragsnetze
Bei mehrstufigen Fertigungsstrukturen können Sie für sammelgefertigte oder für einzelgefertigte Materialien Produktionsaufträge zu einem
Auftragsnetz verknüpfen. Sie können Auftragsnetze in Zusammenhang mit der Montageabwicklung nutzen.Kundenspezifische Dienstleistungen (z.B. Montage vor Ort)
Sie erbringen für einen Kunden eine kundenspezifische Dienstleistung. Sie verwenden die Kundenauftragsposition als Kostenträger (
Kosten- und erlösführende Kundenauftragsposition). Da das in der Kundenauftragsposition geführte Produkt eine Dienstleistung ist, besitzt es kein Mengengerüst. Der Kundenauftragsposition ist kein Produktionsauftrag (Fertigungsauftrag oder Prozeßauftrag) zugeordnet. Die Vorkalkulation zur Kundenauftragsposition wird über eine Einzelkalkulation zur Kundenauftragsposition durchgeführt. Zur Fortschreibung und Analyse der Kosten führen Sie ein Kundenauftrags-Controlling durch.
Kundenauftragsfertigung mit Planauftrag (Serienfertigung)
Eine schlanke Abwicklung in der Kundenauftragsfertigung können Sie durch Verwendung eines Planauftrages abbilden.
Ein Planauftrag zum einzelbedarfsgesteuerten Material wird angelegt, wenn für das zu fertigende Material in der Dispositionssicht des Materialstammsatzes das Kennzeichen Serienfertigung gesetzt ist.
Wenn Sie den Planauftrag direkt beim Sichern des Kundenauftrages erzeugen möchten, dann hinterlegen Sie in der Bedarfklasse im Feld Montageart eine "1" (Planauftrag: statistische Abwicklung) oder eine "4" (Planauftrag: dynamische Abwicklung).
Wenn Sie in der Bedarfsklasse nicht definieren, daß eine Montageabwicklung stattfinden soll, dann wird der Planauftrag im Rahmen der Bedarfsplanung erzeugt.
Im Planauftrag werden die Einsatzmaterialien des zu fertigenden Materials aufgeführt. Im Planauftrag ist das Umsetzkennzeichen nicht aktiv geschaltet. Dies bedeutet, daß auf Basis des Planauftrages keine Bestellanforderung und kein Produktionsauftrag (Fertigungsauftrag oder Prozeßauftrag) angelegt wird.
Möchten Sie das Material zur Auslieferung an den Kunden bereitstellen, dann buchen Sie im Menü der Serienfertigung einen Wareneingang zur Kundenauftragsposition mit der Funktion für Wareneingangsmeldung für Kundenauftrag. Durch diese Wareneingangsbuchung wird:
Um die Kundenauftragsposition oder den Produktkostensammler mit Kosten für erbrachte Leistungen zu belasten haben Sie die folgenden Möglichkeiten:
Siehe auch:
Kostenträgerrechnung bei anonymer Lagerfertigung Kostenträgerrechnung: KundenauftragsfertigungWeiterführende Informationen zu Varianten finden Sie in der Dokumentation LO-Variantenkonfiguration.
Lohnbearbeitung mit bewerteten Kundenauftragsbestand
Im Rahmen der Kundenauftragsfertigung kann auch die Lohnbearbeitung abgebildet werden. Nachstehend wird die Abwicklung der Lohnbearbeitung mit bewertetem Kundenauftragsbestand geschildert.
Ob die Beistellteile aus dem bewerteten Kundenauftragsbestand oder aus dem Lohnbearbeitungsbestand kommen, entscheiden Sie über das Kennzeichen Einzel/Sammel in der Dispositionssicht des Materialstammsatzes. Ist dort hinterlegt, daß das Material einzelbedarfsgesteuert ist, so wird das Beistellmaterial dem
bewerteten Kundenauftragsbestand entnommen. Ist dort hinterlegt, daß das Material sammelbedarfsgesteuert ist, so wird das Material dem Lohnbearbeitungsbestand entnommen. Werden die Beistellmaterialien dem bewerteten Kundenauftragsbestand entnommen, so müssen Sie zuvor im bewerteten Kundenauftragsbestand eingelagert werden. Dies erfolgt wie üblich über Fremdbezug oder über Umlagerung.Bei der Wareneingangbuchung zum Lohnbearbeitungsmaterial erfolgt die Buchung Bestand an Bestandsveränderung. Das lohnbearbeitete Material wird in den bewerteten Kundenauftragsbestand gebucht. Die übrigen Buchungen entsprechen der üblichen Vorgehensweise bei der klassischen Lohnbearbeitung. Dies bedeutet, daß zeitgleich mit dem Wareneingang zum lohnbearbeiteten Material der Warenausgang der Beistellmaterialien und die Lohnbearbeitung selbst gebucht wird.
Die Kundenauftragsposition wird mit den Kosten des lohnbearbeiteten Materials erst zum Zeitpunkt der Lieferung an den Kunden belastet. Dies entspricht der generellen Vorgehensweise beim bewerteten Kundenauftragsbestand. Die Belastung erfolgt in der Regel in Höhe des Standardpreises des lohnbearbeiteten Materials, der sich in der Regel aus der Kundenauftragskalkulation ergibt. Eine vorherige Belastung der Kundenauftragsposition mit dem Aufwand, der aus der Entnahme der Beistellteile entstanden ist, würde zum doppelten Ausweis der Kosten führen. Man kann diese Kosten jedoch als statistische Istkosten ausweisen, wenn man für die Bestandskonten statistische Kostenarten (Kostenartentyp 90) anlegt. Statistische Kostenarten werden im Infosystem zum Kundenauftrag angezeigt.

Das Bestandsveränderungskonto (Verbrauchskonto), das bei dem Warenausgang angesprochen wird, muß als Primärkostenart angelegt sein, damit es in der Kalkulation berücksichtigt wird. Damit die Kundenauftragsposition im Ist nicht mit den Kosten belastet wird, muß im Customizing der Materialwirtschaft unter Bestandsführung ® Wareneingang ® Bildaufbau festlegen in der Bildsteuerung der Bewegungsart 543 E sichergestellt werden, daß zum Kundenauftrag keine Muß-Eingabe erforderlich ist (Ausblenden). Wird bei der Warenausgangsbuchung eine kostenrechnungsrelevante Kontierung verlangt, so kann dies über einen Dummy-Innenauftrag gelöst werden, auf den die Kosten für das Beistellmaterial gebucht werden. Die Vorschlagskontierung kann über die Transaktion OKB9 hinterlegt werden.
Nacharbeit
Informationen zur Nacharbeit finden Sie in den Abschnitten:
Nacharbeit
Nacharbeit im System abbilden
Nacharbeitsvorgänge und Nacharbeitsmengen
Nacharbeit und Rückmeldung
Vorabrechnung Kuppelprodukte, Nacharbeit
Vorabrechnung Nacharbeit
Vorabrechnung Kuppelprodukte, Nacharbeit ausführen