Einsatzmöglichkeiten
Ein Anlagenabgang ist die mengenmäßige Verminderung eines Gegenstandes aus dem Anlagevermögen. Dieses Ausscheiden eines Wirtschaftsguts (bzw. des Teils eines Wirtschaftsguts) aus dem Anlagevermögen erfolgt buchhalterisch durch das Buchen eines Anlagenabgangs. Je nach organisatorischer Festlegung bzw. zugrundeliegendem Geschäftsvorfall lassen sich folgende Abgangsarten unterscheiden:
Ablauf
Für diese Abgangsarten stehen entsprechende Transaktionen/Bewegungsarten im System zur Verfügung.

Anlagenabgang
Abgang durch Verkauf mit Debitor
Bei gleichzeitigem Einsatz der Komponente Finanzbuchhaltung bietet das System die Möglichkeit, beim Verkauf einer Anlage die Forderungsbuchung an den Debitor, die Erlösbuchung und den Anlagenabgang in einem Vorgang zu verarbeiten. In der entsprechenden Buchungstransaktion müssen Sie dann zunächst die Erlösbuchung (Debitor an Erlöse aus Anlagenverkauf) und dann den Anlagenabgang buchen. Über ein Kennzeichen in der Buchungstransaktion erkennt das System, daß nach der Erlösbuchung ein Anlagenabgang zu buchen ist.
Notwendige Voraussetzung hierfür ist, daß das zu bebuchende Erlöskonto in seinen Stammdaten eine Feldstatusvariante hat, in der das Feld Anlagenabgang (Rubrik Anlagenbuchhaltung) als Muß- bzw. Kanneingabefeld definiert ist. Die Feldstatusvarianten können Sie im Customizing des Finanzwesens definieren (Grundeinstellungen Finanzwesen
® Beleg ® Belegposition ® Steuerung).Mehr-/Mindererlösbuchung
Bei Verwendung der standardmäßig mit dem System ausgelieferten Bewegungsarten erzeugt das System bei einem Buchgewinn neben den Bestands- und Wertberichtigungskorrekturbuchungen automatisch eine Mehr- bzw. Minderlösbuchung sowie eine Erlösverrechnungsbuchung. Diese Mehr-/Mindererlös- sowie die Erlösverrechnungsbuchungen sind bewegungsartenabhängig. Ihre automatische Erzeugung wird durch das Kennzeichen Gewinn/Verlust aus Abgang in der Bewegungsartendefinition gesteuert und kann bei Bedarf abgewählt werden. In diesem Fall sind die entsprechenden Buchungen manuell zu erfassen.
Vergleichen Sie zur buchtechnischen Behandelbarkeit von Mehr-/Mindererlösen bitte auch die Ausführungen im Abschnitt
Kontierungen von Mehr- bzw. Mindererlösbuchungen.Abgang ohne Erlös
Als Abgang ohne Erlös wird hier das Ausscheiden eines Wirtschaftsgutes aus dem Anlagevermögen bezeichnet, ohne daß für das Wirtschaftsgut noch ein Erlös erzielt worden ist (z.B. Verschrottung). Beim Abgang ohne Erlös erzeugt das System anstelle der Erlös- und Mehr-/Mindererlösbuchung die Buchung Verlust bei Anlagenabgang ohne Erlös in Höhe des abgehenden Restbuchwertes.
Voll-/Teilabgang
Ein Abgang kann sich auf eine gesamte Anlage (Vollabgang) oder einen Teil einer Anlage (Teilabgang) beziehen. In beiden Fällen ermittelt das System anhand der eingegebenen Abgangsdaten für jeden Bewertungsbereich automatisch die auszubuchenden Beträge. Den Teilabgang einer Anlage können Sie durch Eingabe
Bei Eingabe abgehender AHK ermittelt das System ausgehend vom ersten zu bebuchenden Bewertungsbereich den prozentualen Anteil, der von der Anlage abgeht. Bei Eingabe einer Menge wird diese, sofern nicht zusätzlich ein Betrag oder Prozentsatz angegeben ist, zur Gesamtmenge der Anlage ins Verhältnis gesetzt und so der Abgangsprozentsatz ermittelt. Bei Bedarf können Sie die für die einzelnen Bewertungsbereiche ermittelten Abgangsbeträge manuell korrigieren. Das System berechnet dann für den entsprechenden Bereich und seine abhängigen Bereiche die auszubuchenden Beträge neu.
Das Bezugsdatum des Abganges wird im Anlagenstammsatz vermerkt. Nachträgliche Bewegungen mit Bezugsdatum vor dem des letzten Abgangs können nicht mehr gebucht werden. Sollte dies dennoch erforderlich sein, müssen Sie zunächst alle Abgänge nach dem Bezugsdatum der nachträglichen Bewegung stornieren. Nach dem Buchen der Bewegung können Sie die stornierten Abgänge wieder nachholen.
Bewegungart (Altbestand/Neuzugänge)
Sowohl beim Teilabgang als auch beim Vollabgang ist darauf zu achten, daß die richtige Bewegungsart gewählt wird. Für den Vollabgang einer Anlage, die bereits in früheren Jahren zugegangen ist stets eine Bewegungsart zu wählen, die sich auf alten Bestand aus früheren Geschäftsjahren bezieht. Ein Teilabgang kann sich immer entweder auf alten Bestand oder auf Zugänge des laufenden Geschäftsjahres beziehen.
Der Vollabgang einer Anlage ist nur dann möglich, wenn alle Bewegungen auf der Anlage wertstellungsmäßig vor dem Bezugsdatum des Abgangs gebucht wurden. Anzahlungen und Investitionsfördermaßnahmen, die sich auf das gleiche Buchungsjahr beziehen, sind vor dem Vollabgang zu verrechnen bzw. zu stornieren.
Anteilige Wertberichtigungen
Anhand des Bezugsdatums und der Periodensteuerung ermittelt das System die Bezugsperiode des Abgangs. Die bis zu dieser Periode auf abgehende Anlagenteile entfallenden Wertberichtigungen (Abschreibungen) ermittelt das System automatisch und läßt sie gleichzeitig mit der jeweiligen Bewegung abgehen. Auf diese Weise ist sichergestellt, daß der abgehende Buchwert-Prozentsatz identisch mit dem abgehenden AHK-Prozentsatz ist.
Grafik: Ermittlung anteilige WertberichtigungenFür die automatischen Buchung der anteiligen Wertberichtigungen können Sie in der Customizing-Definition der Abgangs- bzw. Umbuchungsbewegungsarten je Wertberichtigungsart bestimmte Bewegungsarten hinterlegen (Funktion Wertberichtigungen). Diese speziellen Bewegungsarten für die anteiligen Wertberichtigungen sind insbesondere deshalb erforderlich, damit im Rahmen der Konzernkonsolidierung der jeweilige Vorgang als Abgang bzw. Umbuchung identifiziert werden kann.
Die von SAP standardmäßig ausgelieferten Bewegungsarten sind bereits entsprechend definiert. Für die anteiligen Werte verwendet das System bei Abgängen die Bewegungsart 290, bei Umbuchungen die Bewegungsarten 390/395 (Umbuchung Abgang/Zugang).
Abgang Geringwertige Güter
Einen besonderen Charakter hat der Abgang von Geringwertigen Gütern, da es hier im allgemeinen wegen der großen Abgangsmengen erforderlich ist, eine Vereinfachung des entsprechenden Geschäftsvorfalls zu erreichen. Für einen korrekten Ausweis der Anlagenbewegungen im Anlagengitter ist es nicht erforderlich, daß Sie den Abgang von Geringwertigen Gütern tatsächlich buchen. Es ist möglich, GwG-Abgänge eines vorzugebenden Zeitraums zu simulieren. Geben Sie hierfür im Startbild des Anlagengitters die GwG-Anlagenklassen und den Simulationszeitraum an (vgl.
Anlagengitter).Wenn Sie den Abgang Geringwertiger Güter explizit buchen möchten, können Sie genauso vorgehen, wie bei einem normalen Anlagenabgang.
Abgang mehrerer Anlagenunternummern gleichzeitig
Das System bietet die Möglichkeit, in einem Schritt einen Vollabgang mehrerer Unternummern einer Anlage zu buchen (maskierte Eingabe mit * im Feld Unternummer). Die Bestands- und Wertberichtigungsbuchungen erfolgen pro Unternummer.
Die Aufteilung des Erlöses auf die einzelnen Unternummern erfolgt proportional nach den Anschaffungswerten (inklusive Aufwertungen).
Abgang bei Anlagen mit Investitionsförderungen
Vergleichen Sie zu den Besonderheiten beim Abgang geförderter Anlage bitte die Ausführungen in den Abschnitten
Passivische Behandlung von Fördermaßnahmen und Aktivische Behandlung von Fördermaßnahmen.Abgangskosten
Für statistische Zwecke können Sie im Rahmen der Abgangsbuchung die angefallenen Abgangskosten (z.B. Abbruchkosten) angeben. Der Standardreport für Anlagenabgänge (Infosystem) weist diese Kosten dann in einem eigenen Feld aus. Beachten Sie, daß in diesem Report Mehr/-Mindererlöse und Abgangskosten unabhängig voneinander gezeigt werden. Außerdem werden die Abgangskosten nicht automatisch an die Kostenrechnung weitergegeben.
Massenabgang
Wenn ein Unternehmen größere Teile des Anlagevermögens veräußert (z.B ein Werk oder ein Gebäude) ist es erforderlich, die zugehörigen Einzelanlagen buchhalterisch abgehen zu lassen. Da die Zahl der betroffenen Einzelanlagen hier sehr hoch sein kann, ist es im System FI-AA möglich, diesen Geschäftsvorfall per Massenbuchung durchzuführen. Vergleichen Sie hierzu bitte die Ausführungen im Abschnitt
Massenabgang).